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dann der heilige Franz von Sales auch als „Doctor der Kirche" anerkannt werden, offenbar damit die Herren Dr. Majunke und Dr. Rittler ihn als ebenbürtig ansehen. Als Wappen für den neuen Zunftheiligen schlägt die „Südd. Pr." angesichts der erhebenden Einigkeit der klerikalen Presse ein Paar gekreuzte Knittel vor.
_ — Wiener Blätter sprechen von Borschlägen für ein Provisorium in Sachen des deutsch-österreichischen Handelsvertrages. Bis heute sind jedoch solche Vorschläge in amtlicher Form noch nicht nach Berlin gelangt. Es scheint sich also nur um Projekte zu handeln, die von Seiten des österreichischen Handels-Ministers Chlumecky oder in dessen Umgebung erwogen worden, aber noch keine bestimmte Form gefunden haben.
— München, 3. Dez. In der bayerischen Armee sind nach der „Köln. Ztg." in den letzten Tagen durch Pensionirung, Beförderung rc. große Veränderungen eingetreten, welche den Beweis dafür liefern, daß man auf die Schlagfertigkeit und allseitige Tüchtigkeit dieses Theiles des Reichsheeres mit demselben Eifer erpicht ist, wie an der Spree.
— Aus Hessen, 2. Dez. Schon auf dem vorigen und hier- nächst auch auf dem gegenwärtigen Landtag ist eine staatliche Unterstützung der freiwilligen Feuerwehren und bezw. verunglückter Feuerwehrleute oder deren Familien angeregt worden. Jetzt hat die Regierung den Ständen einen Gesetzentwurf, berr. die Landes-Brandversiche- rungsanstalt, zugehen lassen, der u. a. Bestimmungen auch die enthält, daß aus der jährl. Gesammteinnahme der Anstalt jedesmal eine Summe in der Höhe von 1 pCt. der erhoben werdenden Brandversicherungsbeiträge zur Bildung eines behufs Unterstützung der durch ihre Theilnahme an den Löschaustalten Verunglückten und der Hinterbliebenen derselben ausgeschieden werden soll. Soweit nach Befriedigung dieses Zweckes noch die fraglichen Mittel dazu ausreichend sein werden, würden dieselben zur Förderung des Feuerlöschwesens, insbesondere zu Beiträgen an Feuerwehren und Gemeinden zu verwenden sein. Dem Ministerium des Innern soll die Verfügung über diesen Fonds zustehen. (N. Frkf. Pr.)
— Wien, 4. Dezember. Der „Deutsch. Ztg." zufolge wird das diesjährige Heeresbudget im Ordinarium sich um zwei Millionen höher stellen als die für das laufende Jahr bewilligte Summe. Die Mehrausgaben vertheilen sich auf die Berittenmachung der Hauptleute, auf die Geniewaffe und die Reserve-Offiziere. Das Extraordinarium soll sich auf vier Millionen Gulden belaufen.
— Wien, 5. Dezbr. Der „Presse" wird aus Sistowa vom 4. d. telegraphisch gemeldet: Im Schipkapaß drangen russische Freiwillige in eine türkische Redoute ein und machten 4 Kanonen unbrauchbar.
— Paris, 4. Dezbr. Man behauptet jetzt im Elyste die Gewißheit zu haben, daß sich im Senate für die Auflösung der Deputir- tenkammer eine Majorität von mindestens 13 Stimmen finden werde.
— Rom, 4. Dez. Der Papst überreichte dem Cardinal Camer- lengo Pecci ein Schriftenpaket unter dem Versprechen der Geheimhaltung, welches er dem Nachfolger Pius' IX. abzugeben habe, um dessen Verhalten zu beeinflussen.
— London, 5. Dez. (Köln. Ztg.) Die Times meldet aus Belgrad vom 4.: „Gestern langten wichtige Depeschen an, worauf sofort ein Cabinetsrath berufen und an alle Miliz-Abtheilungen der Be- fehl gesandt wurde, bis auf Weiteres Halt zu machen."
— St. Petersburg, 4. Dezbr. Ein Telegramm des „Golos" aus Simnitza meldet, daß die Eröffnung der Eisenbahn Frateschti-Sim- nitza für den 13. d. in Aussicht genommen sei; gleich darauf solle auch die Eisenbahn auf dem jenseitigen Ufer bis Gornji-Stnden eröffnet werden. Der Trajektverkehr würde durch eine Dampffähre hergestellt werden.
— Aus Varna berichtet ein Korrespondent der „Times", welcher vor Kurzem im Hauptquartiere Suleiman Paschas gewesen:
„Selbst in den leitenden militärischen Kreisen der Türkei macht man sich mit dem Gedanken vertraut, daß das Schicksal von Plewna besiegelt ist. Die Verantwortung für die nahende Katastrophe trifft nicht allein den Kriegsrath in Konstantinopel, sondern auch Chefket Pascha, welcher die Straße von Orkhanie nach Plewna offenhalten und Osman Hülfe bringen sollte, aber sich seiner Aufgabe nicht gewachsen zeigte."
— Zu den Feinden oder doch Anklägern der Pforte gehört jetzt auch der Oberbefehlshaber der egypuschen Hülfstruppen Prinz Hassan. Er weist in einem langen Memorandum die Vorwürfe wegen Feigheit ab und fragt, mit welchem Danke man das keine Opfer scheuende Egypten belohne. Im Verkehr mit seinen Persönlichen Freunden und in seinen Berichten an seinen Vater beschwert sich, wie die Pol. Korr. berichtet, Prinz Hassan über das Benehmen der Pforte und der Türken gegen die Egypter noch viel bitterer. „Diese brutale und unverschämte Haltung der Türken," sagte Prinz Hassan kürzlich zu einem seiner Beamten, „wird ihre Früchte tragen und es wird nicht überraschen dürfen, später zu vernehmen, daß Egypten das schwache Band, welches es noch an die ottomanische Dynastie knüpft, zerrissen habe. Es kann leicht geschehen, daß die geistliche Autorität des Sultans in Arabien und Egyp
ten nicht länger mehr anerkannt werde. Ohnehin sprechen die Araber schon seit längerer Zeit von der Wiederherstellung der Khalifenwürde in der Familie des Scherifs von Mekka, deren Glieder Abkömmlinge des Propheten sind und ein besseres Recht als die ottomanischen Fürsten haben." Wie man sieht, führt Prinz Hassan eine Sprache, die in Bezug auf die künftige Gestaltung des Verhältnisses zwischen Egypten und der Türkei keine sonderlich tröstlichen Aussichten eröffnet. (Schw. Merk.)
Lokales.
H anau, 6. Dezember 1877.
— Heute Vormittag gegen ^ -11 Uhr trafen am Bahnhof zu Wilhelmsbad Seine kaiserl. kgl. Hoheit der Kronprinz des Deutschen Reichs und von Preußen, Se. kgl. Hoheit der Herr Landgraf von Hessen, nebst hohem Gefolge ein, um in der Fasanerie und am Wilhelmsbad eine Jagd abzuhalten.
— Berichtigung. Von kompetenter Seite geht uns über den Brand auf dem Lehrhofe folgendes zu: Nicht am 3. Dezember, sondern am 27. November, Abends 6 Uhr, ist daselbst Feuer ausgebrochen und nicht in der falschen Anlage eines Osenrohrs, vielmehr in dem Baufehler einer früheren Periode ist der Grund der Entstehung dieses Feuers zu suchen.
— Am Hause des Hofphotographen Ihrer Königl. Hoheit der Frau Landgräfin von Hessen, Herrn Serverin Schröder, ist seit vorgestern ein Firmenschild angebracht, das sowohl in dem Entwurf als in der Ausführung als vorzüglich bezeichnet werden kann. Wie wir in Erfahrung gebracht stammt der Entwurf von Herrn Zeichenlehrer Simon Jassoy her, während die Malerei Herr Dekorationsmaler Adolf Stumm ausführte.
Versteigerungs- und Verpachtungs-Kalender für Freitag den 7. Dezember.
Nachm. 2V2 Uhr soll durch Herrn Taxator W. Seiffert an Ort und Stelle der dem vereinigten evangel. Waisenhause zustehende Garten verpachtet werden. Eingang von der Frohnhofstraße.
— Für heute. Verein Freundschaft: Abends 8 Uhr Generalversammlung.
— Zur Vornahme der ersten Prüfung der Aspiranten für den einjährig freiwilligen Militairdienst des, Jahres 1878 ist, nach einer Bekanntmachung Königl. Prüfungs-Commission zu Cassel im „Amtsblatt", als Anfangs-Termin der 4. März 1878 festgesetzt worden.
— Melsungen, 3. Dezbr. Heute wurde dahier in einer Gastwirthschaft ein Schwein geschlachtet. Am Abend als die Schlächterei zu Ende und den Tag über wohl oft von dem Fleische in verschiedener Gestalt gekostet worden, sandte der Herr Trichinenbeschauer den Bericht das geschlachtete Schwein sei trichinös! 1 ? Wie ich höre nahm die Behörde Fleisch, Wurst rc. in Beschlag. (Hess. Mgztg.)
— Aus Kurhessen. Die „Hess. Bl." theilen unter der Ueber- schrift „Zur neuesten Geschichte des kurfürstlich hessischen goldenen Lö- wen-Ordens" eine zwischen dem Prinzen Heinrich von Hanau und dem großherzoglich hessischen Ministerpräsidenten v. Starck geführte pikante Correspondenz mit, laut welcher der Prinz gegen die von bem, Landgrafen Friedrich Wilhelm von Hessen verfügte Anordnung protestirt hat, daß den Rittern des kurfürstlich hessischen goldenen Löwenordens (der Prinz ist Ritter) fortan die Bezeichnung von Ritttern des „großherzoglich hessischen" goldenen Löwenordens zukommt. Der Prinz erklärt zugleich, daß er sich auch in Zuknnst nur als Ritter des „kurfürstlich hessischen" Ordens betrachte, daß er das Recht zu einer etwaigen Entziehung dieser seiner Eigenschaft Niemanden einräume, „es sei denn — nach der in Gottes Rath stehenden, von mir mit fester Zuversicht erhofften Wiederherstellung des Kurstaates — dem alsdann auf dem Throne seiner Väter sitzenden Kurfürsten von Hessen." Frhr. v. Starck erwidert hierauf, daß er dem Proteste des Prinzen im Hinblick auf die durch die Vereinigung Kurhessens mit Preußen dem Kaiser und König zustehende Dispositionsbefugniß über die vormaligen kurhessischen Orden eine Wirkung nicht beilegen könne. Prinz Heinrich bittet darauf, man möge seinen Namen aus den großherzoglich hessischen Ordenslisten ausstreichen, und der Ministerpräsident antwortet, daß er den Wunsch des. Prinzen zur Kenntniß der großherzoglichen Ordenskanzlei gebracht habe-
Aus der Umgegend.
— Der „Frankfurter Anzeiger" schreibt unterm 5. Dezember auS Frankfurt am Main: Heute wurde, unter Betheiligung einer zahlreichen Menge Leidtragender, darunter die Spitzen der staatlichen und städtischen Behörden, der Haute-volee und der Haute-finance, Freiherr Moritz von Bethmann zu Grabe getragen. Nahe an hundert Equipagen folgten der Leiche. Eine große Menschenmasse hatte sich am Traner- Hause und längs des Weges, den der Zug zu nehmen hatte, aufgestellt. — Verschiedene unserer größeren Weinhandlungen haben in den letzten Tagen ihre Vertreter nach dem Kriegsschauplatze abgesandt. — Auf der Zeit wird demnächst ein ächt „Wiener Cafd" eröffnet werden, indem die ganze Einrichtung, die Genüsse und Aufwartung nur nach Wwner Manier sein werden. Zu dem Zwecke kommen sechs wohlgebildete Stell®