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Dienstag den 4. Dezember.
1877.
Amtliches.
Nachdem die Rinderpest zu Geisenheim und Eibingen für erloschen erklärt worden ist, liegt keine Veranlassung mehr vor die Viehrevisionen fortzusetzen. Die Ortsvorstände wollen deshalb das wegen Aushebung dieser Revisionen Erforderliche veranlassen.
Hanau am 2. Dezember 1877.
Gefunden: Ein hellgraues Jltispelzchen. Ein englischer Schraubenschlüssel. Eine Nadelbüchse mit verschiedenen Sorten Nadeln. Ein weiß-wollener gewebter Palatin.
Hanau am 4. Dezember 1877.
Königliches Landrathsamt.
Tagesschau.
— Berlin, 1. Dezbr. Abgeordnetenhaus. (Fortsetzung.) In der heutigen (26.) Sitzung des Hauses der Abgeordneten theilte der Präsident mit, daß von den Ministern der geistlichen rc. Angelegenheiten und des Innern ein Gesetzentwurf, betreffend die Reorganisation der ehemals sächsischen Domstifter Merseburg, Naumburg und Zeitz, und von dem Abg. Dr. Hammacher ein Antrag, betreffend das Vorrecht der bergrechtlichen Gewerkschaft wegen der rückständigen Beiträge an den Kuxen der zahlungssäumigen Gewerke vor den Hypotheken-, Pfand- oder sonstigen Gläubigern, eingegangen sei. Der Abg. v. Loeper hat sein Mandat niedergelegt.
Darauf wurde die zweite Berathung des Etats des Ministeriums der geistlichen rc. Angelegenheiten fortgesetzt. Dem Abg. von Stablewski gegenüber bemerkte der Regierungs-Kommissar, Geheime Ober-Regie- rungs-Rath Waetzold, daß in die Ministerialinstanz Beschwerden über die vom Ober-Präsidenten der Provinz Posen erlassene Verordnung, betreffend den Gebrauch der polnischen Sprache in den Elementarschulen, nicht gelangt seien, wohl aber günstige Berichte über deren Erfolg. Außerdem sprachen die Abgg. Kropp, Dr. Wehr (Konitz), Hundt von Hassten, Windthorst (Meppen) und Dr. Virchow. Letzterer wünschte eine vielseitigere Ausbildung der Turnlehrer und eine Gelegenheit zur Ausbildung von Turnlehrerinnen in Staatsanstalten. Der Abg. Mah- raun führte aus, daß für die Ausbildung der Turnlehrer schon alles Nöthige geschehe. Der Abg. Miguel sprach den Wunsch aus, daß gleichmäßiger Schulzwang auch auf die taubstummen Kinder ausgedehnt werde. Der Abg. Rickert erklärte, daß die Provinzen dann nicht den Bedürfnissen würden genügen können, da es an Taubstummenlehrern fehle. Auf eine Bemerkung des Abg. Schmidt (Stettin) erwiderte der Regierungskommissar, Geheime Regierungs-Rath Dr. Goeppert, daß man durch Requisition von provisorischen Räumlichkeiten für bibliothekarische Zwecke in Berlin den Mißständen, auf welche der Vorredner aufmerksam gemacht habe, demnächst zum großen Theil abzuhelfen gedenke.
In dem weiteren Verlaufe der Sitzung wünschten bei dem Kap. 126 (Kunst und Wissenschaft) die Abgg. v. Benda und Rickert Auskunft darüber, ob demnächst die Zahl der gewählten Mitglieder der Akademie der Künste in Berlin in der Abtheilung für Musik vermehrt werden würde. Der Regierungs-Kommissar, Ministerial-Direktor Greiff, gab eine kurze geschichtliche Darstellung dieser Verhältnisse und kam zu dem Resultat, daß es der Staatsregierung inopportun scheine, das provisorische Statut der Akademie schon jetzt nach zweijährigem Bestehen einer prinzipiellen Revision zu unterwerfen. Die Staatsregierung werde aber erwägen, ob die Frage der Wahl der Senatsmitglieder gesondert geregelt werden könne. Auf die Angriffe des Abg. Dauzenberg über die Belassung des katholischen Schulraths Dr. Lauer in seinem Amte ber der Regierung zu Köln auch nach dessen Verheirathung erklärte der Regierungs-Kommissar, Geh. Regierungs-Rath Dr. Stander, daß in den Bestimmungen des Disziplinargesetzes kein Anlaß vorläge, diesen Beamten, gegen dessen amtliche Wirksamkeit keinejKlage angebracht wäre, aus seinem Amte zu entfernen oder zu versetzen. Nachdem die Abgg. von Meyer (Arnswalde) und Windthorst (Meppen) Veranlassung genommen hatten, generell ihren Standpunkt zu dem kirchenpolitischen
Kampfe zu charakterisiren, wies der Minister der geistlichen rc. Angelegenheiten Dr. Falk die Vorwürfe des letzteren zurück, daß die Regierung keinen Frieden wolle. Offen habe die Regierung erklärt, sie wünsche den Frieden, nur nicht denjenigen, welchen die Mitglieder des Centrums wollten, weil sie das nicht dürfe. Er würde übrigens den Dr. Lauer, wenn er von dessen Absicht, sich zu verheirathen, vorher gewußt hätte, nicht zu der Stelle in Köln vorgeschlagen haben. Jetzt sei aber kein Grund zur Entfernung des pflichttreuen Staatsbeamten, gegen den keinerlei Beschwerden vorlägen, vorhanden. Bei dem Titel 15, welcher zur Entschädigung der Geistlichen und Kirchenbeamten für den Ausfall an Stolgebühren nach Maßgabe des Civilstandsgesetzes 500,000 Mark aussetzt, behauptete der Abg. Windthorst (Meppen), daß auch der Landesrabbiner in Hannover aus dem genannten Fonds für den durch das Civilstandsgesetz herbeigeführten Ausfall an Stolgebühren entschädigt werden müsse. Der Regierungs-Kommissar, Geheime Ober-Rechnungs- Rath Bahlmann entgegnete, daß nach der Interpretation, die der Wortlaut des Civilstandsgesetzes gefunden habe, die Entschädigung nur an die Religionsdiener der beiden christlichen Kirchen gezahlt werden könne. Aus diesem Grunde habe das Gesuch des Landesrabbiners abgewiesen werden müssen. Auch habe man diese Entschädigung nicht gewähren können, da der jüdische Kultus zu dem Ressort des Ministeriums des Innern gehöre, dem Kultus-Ministerinm also ein Fonds für den genannten Zweck nicht zu Gebote gestanden habe. Die Beschwerden des Abg. Dr. von Chlapowski wegen der Verhaftung einiger Nonnen in Kosten wies der Abg. Beisert als unbegründet zurück. Damit war das Ordinarium des Etats des Ministeriums für die geistlichen rc. Angelegenheiten erledigt. Schluß 4^3 Uhr. Nächste Sitzung Dienstag 11 Uhr. (Fortsetzung folgt.) (R. u. St.-A.)
— Der Diskont der Reichsbank ist heute auf 4^2 Prozent und der Lombardzinsfuß für Waaren wie Effekten auf ö1^ Prozent ermäßigt worden.
— Zufolge einer Allerhöchsten Kabinetsordre vom 15. v. M. erhalten die Festungsbau-Direktionen von Königsberg, Posen, Feste Boyen, Wilhelmshaven und Friedrichsort fortan die Bezeichnung „Fortifikation" und wird der Amtstitel „Festungsbau-Direktor" allgemein in „Ingenieur-Offizier vom Platz" umgewandelt. An Stelle der Bezeichnung „Befestigung an der unteren Elbe" tritt: „Fortifikation zu Cuxhaven".
— Wien, 3. Dezbr. Im Abgeordnetenhause interpellirte Röser, ob die Regierung sich Gewißheit verschafft habe, daß die Pariser Ausstellung nicht verschoben werde. (Köln. Ztg.)
— Paris, 2. Dezbr. Die Correspondenz Havas berichtet: „Die Lage ist immer dieselbe geblieben und die einzig mögliche Lösung der Krisis, der Ausgleich, ist um keinen Schritt näher gerückt. Der Consti- tutionel fragt, ob man nicht auf den Marschall die Worte Corneille's anwenden könne: „Sie haben hier keinen Feind als sich selbst. Sie sind gerettet, wenn Sie nicht untergehen wollen!" Nicht nur der Marschall allein, wir würden mit ihm gerettet werden." — 3. Dez. Der Budgetausschuß beschloß, durch Ferry in der Deputirtenkammer die Erklärung abgeben zu lassen, daß seine Arbeiten fertig seien, und hinzu- zusetzen, daß die Geldposten für die Dienstzweige gesichert seien, wenn das Budget vor Jahresschluß bewilligt werde; aber der Ausschuß werde sich bloß an der Berathung und Abstimmung über das Budget bethei- ligen, wenn die Kammer ein parlamentarisches Ministerium vor sich habe. Es geht das Gerücht, daß Dufaure nur der Vermittler zwischen der Linken und dem Marschall und nicht mit der Bildung eines Ministeriums beauftragt gewesen und seine Schritte erfolglos geblieben seien; jedoch ist nichts sicheres bekannt. Man versichert, daß die Präsidenten des Senats und der Deputirtenkammer heute Abend ins Elysöe gerufen worden seien. Der Moniteur erklärt, es fei falsch, daß die Regierung die Petitionen der Kaufleute von Paris und aus der Provinz verbieten werde. (Köln. Ztg.)
— Rom, 2. Dezbr. In dem Befinden des Papstes ist heute eine Besserung eingetreten.
— Konstantinopel, 2. Dezbr. Der Kommandant der Bür- gergarde hat die verschiedenen Bezirksvorstände angewiesen, von Steuern