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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage/ und Samstags mit der Berliner Prötzinzial-Correspondenz.
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Die Ijyaltta« varmdndzeile * deren Saum
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Die Sspalt. Ae» 28 Pfg.
Die SspnltigeLeil, 30 Psg.
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Samstllft den 1. Dezember.
1877
Amtliches.
Gefunden: Ein Portemonnaie mit etwas Geld und einigen Spielmarken. Ein s. g. Frauen-Rädchen. Ein grauer Kinderstrumpf. Eine Tuchmütze. Ein carrirtes halbseidenes Tüchelchen. Ein Zollstock.
Zugelaufen: Ein junges Huhn. Ein junger gelber Neufundländer Hund.
Entlaufen: Eine schwarze Ente.
Hanau am 1. Dezember 1877.
Königliches Landrathsamt.
Laudwirthschastlicher Lreisverrin Hanau."
Nächste Versammlung S am st ag den 15. Dezember im Gasthaus „zum Riesen" in Hanau.
Tagesordnung:
1) Die Obstbaumzucht. Referenten: Bürgermeister Ebert zu Bischofsheim; Ferd. Schwarz zu Baiersröderhof.
2) Beschaffung von Sommersaatgetreide und Kleesamen. Referent: W. Schuppius zu Rüdigheimerhof.
3) Stutenbesichtigung.
4) Beschaffung von Zuchtvieh. Referent: Ferd. Schwarz.
5) Sonstige Mittheilungen.
Der Vorstand.
Die Herrn Bürgermeister des Kreises wollen Vorstehendes in ihren Gemeinden bekannt machen.
Hanau am 1. Dezember 1877.
Der Landrath.
Wochenschau.
L. C. Der b eutf $en Regierung wurde von Wien aus ein Meistbegünstigungsvertrag angeboten, welchen diese „als den wirthschaft- lichen Interessen Deutschlands nicht zusagend" abgelehnt hat. So besteht also vom 1. Januar angefangen zwischen den beiden Staaten kein Vertragsverhältniß handelspolitischer Art mehr, ohne daß einer der beiden Seiten der Vorwurf einer feindseligen Absicht gemacht werden könnte. Es kann sein, daß mit der Zeit doch noch irgend ein Ueber- einkommen getroffen werden wird, jedenfalls wird zwischen Berlin und Wien-Pesth ein solches geschlossen werden, welches die eingehemmte Fortsetzung des Grenzverkehrs und die Sicherung desselben, sowie die Begünstigungen für die beiderseitige Handelsverbindung festhält. Der österreichische Handelsminister sprach sich im Reichsrathe vertraulich dahin aus, daß die deutsche Regierung in wichtigen Stadien der Verhandlungen in den Antworten ihrer Unterhändler ihre Rückäußerung auf österreichische Vorschläge theils verzögert, theils ganz unterlassen habe. Die deutschen Unterhändler gaben zu, daß es innere Vorgänge seien, welche die Haltung der Regierung beeinflußten. Damit hat aber Chlumecky auf die im Dunkeln schwebende Finanzpolitik des deutschen Reichskanzlers angespielt, deren Enthüllung sicherlich der nächste Reichstag erleben wird. Zwischen England und Oesterreich-Ungarn ist ein Meistbegünstigungsvertrag im Werke.
’ Ein Mitglied der ungarischen Linken, der bekannte Helfy, hat eine Interpellation an die Regierung gerichtet, ob sie die Zeit noch nicht für gekommen erachte, daß die Monarchie aus ihrer bisherigen Unthätigkeit heraustrete; wenn nicht eine Aktion am Platze wäre, ob nicht eine Vermittlung angezeigt wäre, und wenn Beides nicht geschähe, ob denn die Regierung überhaupt eine Haltung und welche zu den wichtigen orientalischen Ereignissen einnähme. Es ist begreiflich, wenn die Gemüther in Ungarn aufs neue sich wieder erhitzen, denn Serbien schlägt nun doch los. Serbien ist ja das Schreckenskind Ungarns, an ihm soll die Kühlung des großen Hasses gegen Rußland eingeleitet werden. In Belgrad hält man den Krieg für unvermeidlich und will den fälligen Tribut, den die Pforte fordert, nicht und überhaupt gar keinen Tribut mehr leisten. Im Lande soll der Belagerungszustand verkündet und die Unabhängigkeit erklärt werden. Die Grenzbewohner in verhältnißmäßig noch wohlhabenden Bezirken, welche größtentheils vom Kriege bisher verschont blieben, fordern jetzt selbst zum Kriege auf, weil eine große
Anzahl türkischer irregulärer Truppen sich an der serbischen Gerenze sammelt und viele Baschi-Bozuks häufig Plünderungs-Einfälle unternehmen. Zu dem Zwecke werden die Ost- und Südgrenze besonders mit serbischen Truppen verstärkt, was auf Operationen gegen Widdin und Sofia schließen läßt. Die Westgrenze bleibt dagegen nur schwach besetzt, ein Beweis dafür, daß Rußland Bosnien von allen militärischen Aktionen freigehalten wissen will, um das Interessengebiet Oesterreichs nicht zu berühren. Sind ja auch die Montenegriner in der Herzegowina nicht weiter mehr vorgedrungen, sondern haben sich nach dem Süden und hauptsächlich nach dem Südwesten gewendet, wo ihnen nur eine schwache türkische Macht gegenübersteht und sie mit Hülfe der katholischen, Albanesen fast den ganzen Landstrich vom Skutarisee und der Bojana bis zum Meere, mit Ausnahme von ein paar Forts, erobert und besetzt haben. Die neutralen Mächte werden sich auch durch die Unabhängigkeitserklärung und Kriegstheilnahme Serbiens nicht aus ihrer Ruhe jagen lassen, denn am Schlüsse ist das Geschick aller kleinen Staaten der Türkei nur durch einen Gesammtbeschluß der europäischen Großmächte zu ändern und neu zu begründen.
Der ungarische Reichstag hat sich für die Aufhebung der Todesstrafe nicht entschieden, dagegen anstatt des Stricks das Fallbeil als Tödtungswerkzeug beschlossen.
Gladstone ist in seinen neuesten politischen Reden zurückhaltender gegen Rußland geworden, d h. er rechnet auf das Wort des Czaren und ist im Ganzen ebenso mißtrauisch wie sein Nachfolger Disraeli- Beaconsfield. Diesem kann er aber nicht Vorwürfe genug machen, daß die Macht Englands nicht gleich in ihrer vollen Kraft gezeigt wurde. — An der englischen Küste wütheten ungeheure ©türme, deren Opfer zahllos sind. Auch ein nordamerikanischer Kriegsdampfer ist in dieser Zeit an dem Ufer von Nordcarolina mit 11 Offizieren und 89 Mann zu Grunde gegangen. Die freundlichen Gesinnungen Englands und der Vereinigten Staaten zeigen sich darin, daß ersteres sofort ein Kriegsschiff auf den Sandwichinseln stationiren ließ, als dort ein amerikanischer Hafen und eine Kohlenstation errichtet wurde. Präsident Hayes hat soviel mit seinen Reformen zu thun und trotzdem hat er auch auswärtige Schwierigkeiten zu überwinden. Mit Mexiko besteht ja noch immer der Grenzkonflikt wegen der räuberischen Einfälle von Mexikanern in Texas. Porfirio Diaz ertheilte ben Befehl, amerikanischen Truppen feindlich zu begegnen, wenn sie, selbst zur Verfolgung von Verbrechern und Dieben, auf mexikanischem Boden erscheinen. Das Repräsentauteu- Haus in Washington hat die Silberbill mit 133 gegen 120 Stimmen angenommen, nach welcher das Gold nicht die alleinige Währung ist und die Schuldennoten mit Silber eingelöst werden können. Am 1. Januar 1879 sollten die Baarzahlungen wieder ausgenommen werden, auch dieses bereits beschlossene Gesetz wurde wieder rückgängig gemacht, wen« nicht der Senat es noch hindert und der Präsident sein Veto eintest.
Mac Mahon beharrt in seinem Widerstand gegen das Parlament, auf seine persönliche Gewalt und den ihm scheinbar ganz treu ergebenen Senat sich stützend. Sein Geschäftsministerium steht im ärgsten Zwiste mit der Abgeordnetenkammer, welche — ein seltener Fall — beschlossen hat, mit ihm nichts thun, in keine Beziehungen zu ihm treten zu wollen. Gleichwohl hat der energische Finanzminister Welche betreffs des Budgets gefordert, daß vor Allem die direkten Steuern genehmigt werden sollen, ein Antrag, den die Republikaner nicht zurückweisen konnten und dann der von Gambetta beherrschten Budgetkommission Übergaben. Hierin liegt etwas Inkonsequenz, aber sonst ist die ganze republikanische Partei unter der eisernen Disciplin des 18er Comites und jedes Mitglied stimmt dessen Beschlüssen zu, wenn auch nicht immer ganz willig. Das Ministerium selbst trägt einen militärischen Charakter, findet aber nur Hohn und Gleichgültigkeit und Rouher sogar, der wieder viel mit Napoleon in Chislehurst verkehrt, nennt, es das Ministerium der Schlachtopser, wie es Gambetta jenes der Sterbegebete spottete. Bei seinem ersten Auftreten erklärte der Ministerpräsident. General Rochebruet, daß die Regierung die Gesetze und die Verfassung — welche bei ihrer Unbestimmtheit und Veränderbarkeit leicht angeführt werden kann — achten, im Uebrigen sich der reinen Geschästsgebahrung widme«