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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanap.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage," und Samstags mit der Berliner Provinzial- Correspondenz.
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Samstag de« 24. November.
1877a
Amtliches.
Für die nach der Bekanntmachung vom 14. August d. I. (Amts- blatt Seite 285) im Kreise Hanau neugebildeten Standesamtsbezirke sind NM 1. Januar k. I. ab ernannt worden :
Für den Standesamt-bezirk Ginnheim der Lehrer Hermann Lotz daselbst zum Standesbeamten, das Gemeinderathsglied Reinhard Schäfer zum Stellvertreter.
Für den Standesamtsbezirk Wachenbuchen das Gemeinderathsmitglied Jacob Lattich Ir. daselbst zum Stellvertreter des Standesbeamten; für den Standesamtsbezirk Ravolzhausen das Gemeinderathsmitglied G. Caspar Lind daselbst zum Stellvertreter des Standesbeamten.
Als Standesbeamter in Wachenbuchen fungirt der Bürgermeister Caspar Stein 3r. daselbst, als Standesbeamter zu Ravolzhausen der Bürgermeister Daniel Klein 1r. daselbst und als Standesbeamter zu Mittelbuchen der Bürgermeister Schmidt 3r. daselbst. Zum Stellvertreter des Standesbeamten ist der Beigeordnete Friedrich B r o s ch daselbst ernannt worden.
Hanau am 19. Novbr. 1877.
Der Landrath.
Der Durchgang -durch den Hof des hiesigen Gymnasiums ist dem Publikum ferner nicht gestattet.
Hanau am 22, Novbr. 1877.
_______Die Königliche Gymnasial-Berwaltungs-Commission.________
Steckbrief gegen die wegen zweier Hehlereien und der Beihülfe zu einem schweren Diebstahl zu einer Gefävgnißstrafe von fünf Monaten und 14 Tggen rechtskräftig verurteilte Natplie Schlegel von Oberursel —mit Ersuchen um Festnahme und Nachricht anher.
Hanau am 16. Novbr. 1877.
Der Staats-Anwalt
_________________ Sporleder.____________________
W o kh e n f ch a «.
L. C. Der Berliner Polizei verursachte letzten Sonnabend ein gewisser Lubowski viele Mühe und Sorgen. Nichts Geringeres war ihm zur Last gelegt worden, als ein Mordversuch auf die Person des Kaisers und des Reichskanzlers. Er selbst behauptete anfangs bestimmt, daß er ein Sohn des Erzbischofs v. Ledochowski sei und daß er direkt mit Personen der Kurie zu Rom, wie hohen ultramontanen Personen in Verbindung stehe. Nunmehr hat sich aber die Behörde ül erzeugt, daß sie es in der Untersuchung gegen den Lubowski mit einem großen Schwindler zu thun gehabt hat und sich selbst durch namenlose Briefe irre führen ließ. — Durch eine allerhöchste Verordnung vom 1. d. M. werden bie Armee-Inspektionen folgendermaßen zusammengesetzt: 1. Armee-Inspektion aus dem IV., V. und VI. Armeekorps; 2. Armee- Inspektion aus dem I., II. und IX. Armeekorps; 3. Armee-Jnssiektion aus dem VII, VIII., X. und XII. (königlich sächsischen) Armeekorps;
4. Armet-Bnspektion aus dem IIL, XL und XIII. (königlich wüxtem- betgischtn)' Armeekorps; 5. Armee-Inspektion aus dem XIV. und XV. Armeekorps. Der ''General-Inspekteur der 4. Armee-Inspektion wird Nach Maßgabe des' Bündnißvertrages vom 23. November 1870 auch mit der periodischen Jnspizirung des I. und II. königlich bayerischen Armeekorps beauftragt werden. — Die preußische Abgeordnetenkammer hat die erste Berathung der Entwürfe eines Gesetzes, betreffend die Errichtung der Landgerichte und Oberlandesgerichte und eines Ausfüh- rüngsgesetzes zum deutschen Gerichtsverfassungsgesetze erledigt. Vor Allem geht daraus hervor, daß die Regierung in Uebereinstimmung mit den Wünschen aller Seiten des Hauses, wie Lasker bemerkte, jeden Mtsuch aufgegeben habe, das preußische Obertribunal dem Reichsgericht gegenüber aufrecht zU erhalten. Lasker kritisirte aber außerdem mehrere BestimmüNgen des Entwurfes, - was den Justizminister Leonhärdt be- dauern ließ, daß'durch die Ausführungen des nationalliberalen Redners die HWüng auf eine' glüMche Durchführung der Justizreorganisation nicht sehr gesteigert worden' sei. Die beiden Entwürfe wurden nach Lasker's Antrag einer Kommission von 28 Mitgliedern überwiesen. Der Kultusetat kam bei seiner ersten Berathung an der Klippe des! Kulturkampfes' nicht ganz unberührt, aber ohne Schaden vorüber. — |
Die sächsischen Fortbildungsschulen auf dem Lande sollten dem Widerwillen einiger Abgeordneten zum Opfer fallen, aber die Kammer ließ alle dahingehenden Petitionen unberücksichtigt. Kultusminister von Gerber und Dr. Pfeiffer traten mit warmen Worten für das gedachte Institut ein und betonten, daß es natürlich sei, wenn nicht schon jetzt nach kurzem Bestehen die gehofften guten Früchte allenthalben zu Tage getreten seien. Wegen der Aufhebung der Chausseegelder erklärte Finanzminister von Könneritz, daß die Regierung schon in dieser Finanzperiode zur Aufhebung derselben geneigt sei, wenn die Finanzlage es erlauben würde.
Die Vorlage einer gemeinsamen Bank für Oesterreich-Ungarn hatte im Reichsrathe bei der Generaldebatte einen harten Kampf zu bestehen. Ihrer nahmen sich besonders zwei Minister an, von denen der eine den technischen, der andere den politischen Theil derselben glänzend rechtfertigte. Minister Dr. Unger nahm gegen allerlei hochmüthige Angriffe namentlich von jenen Seiten, welche den ganzen Ausgleich verabscheuen und nur dem Centralismas huldigen, den ungarischen Staat in Schutz, dem er seine volle, innere Achtung aussprach. Er verkündete auch seinen glühenden Wunsch nach einem großen, einigen, kräftigen und mächtigen Oesterreich, nach einem Parlamente, welches in nach Außen sichtbarer Weise die ganze Kraft der einen und ungetheilten Monarchie zum Ausdruck bringe. Trotzdem will er am Dualismus festhalten, den er als ein geschichtlich entstandenes Recht erkenne. Finanzminister von Pretis hingegen hatte vorher dem Mißlingen der Bankvorlage eine up- geheuere Erschütterung im wirthschaftlichen Leben nachfolgend vorhergesagt. — Dem Beschlusse der 32 czechischen Abgeordneten, vom Reichsrathe wegzubleiben, wenn nicht auch das böhmische Staatsrecht wie das ungarische anerkannt werde, sind nicht alle Czechen, insbesondere die Jungczechen, beigetreten. — Die ungarische Regierung ist sehr durch die Grenz-Eisenbahn-Vorlage und die bosnische Flüchtlingsfrage in Anspruch genommen. Erstere ist zu Gunsten der Kroaten abgeändert worden, so daß bald das Einvernehmen wiederhergestellt sein wird. Die Bosniaken wollen aus Furcht vor den türkischen Behörden nicht in ihre Heimath ziehen, weßhalb Oesterreich-Ungarn im Laufe des Jahres 1878 wohl mehrere Millionen wieder opfern muß. Die Kroaten wären zwar schnell mit dem Rathe bereit, in Bosnien einzurücken.
Mac Mahon versicherte zu wiederholten Malen, daß er unter der Bedingung des Beistandes des Senats nicht zurücktxeten werde. Aufs neue hat nun der Senat die Ergebenheit an seine Person ausge- drückt, indem er mit 151 gegen 129 Stimmen eine Tagesordnung an- nahm, nach welcher die Untersuchungskommission der Deputirtenkammer seine Billigung nicht fand. Doch zu einem Vertrauensvotum für das Kabinet Broglie-Fourto« hat sich der Senat nicht verstanden, nur von Mac Mahon will er picht ablassen. Das Kabinet als solches hat aus- gelebt. Die Senatoren, respektive die Orleanisten möchten zu den äußersten Maßregeln gegenüber der Deputirtenkammer nicht züstinünen und lieber noch einen letzten Versuch machen. Die Augen Vieler richten sich jetzt auch auf den Senatspräsidenten Audiffret-Pasquier, der- sehr schlecht auf die Bonapartisten zu sprechen ist und seine Unzufriedenheit mit dem Ministerium nie verheimlicht hat. Der Streit zwischen der Deputirtenkammer einerseits, sowie der Exekutivgewalt und dem Senate andererseits bewegt sich nunmehr um die Frage, welche Vorrechte einer jeden der öffentlichen Gewalten zukommen. Die Stellung der französischen Armee bei einer zweiten Auflösung der Kammer wird jetzt vielfach erörtert. Marschall Canrobert selbst sprach von einem Bürgerkriege in der Kaserne, was also darauf hindeuten würde, daß die Armee ebenso an den politischen Streitigkeiten theilnimmt und getheilt ist, wie das ganze Land. Gambetta hat sich über die auswärtige Politik der Linken vernehmen lassen und erklärt, daß für ihn und seine Partei Friede und Freundschaft mit Deutschland einen wesentlichen Theil ihres Programms bilden. Auch wären sie entschlossen, wenn sie an die Regierung gelängen, der ultramontanen Partei den Daumen aufs Auge zu halten.' Man muß dagegen halten, daß den Republikanern von den Regierungsmännern Liebäugelei mit dem Auslande, ja Vaterlandsverrath vorgeworfen wurde und daß Jules Simon seinerzeit wegen seiner antiklerikalen Politik gestürzt würde.
Ueber die Erstürmung von Kars in der Nacht vom 17. auf den 18. berichtet erst jetzt ein offizielles Telegramm Folgendes:Ter nacht-