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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.
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M 273.
DsRAerftW deR 22. November.
1877.
Amtliches.
Polizei-Verordnung, betreffend die Verpackung von Genußmitteln in gesundheitsgefährlichen Einhüllungen.
Unter Bezugnahme auf unsere Polizei-Verordnung vom 18. Mai 1872 (Amtsblatt S. 110) verordnen wir auf Grund der §§. 11 u. 12 der Verordnung vom 20. September 1867 über die Polizei-Verwaltung in den neu erworbenen Landestheilen für den Umfang unseres Verwaltungsbezirks, was folgt:
§. 1. Papiere und andere Stoffe, welche mit gesundheitsgefährlichen Farben gefärbt sind, oder im ungefärbten Zustande einen nachteiligen Einfluß auf die Gesundheit auszuüben vermögen, dürfen zur Verpackung von Genußmitteln nicht verwendet werden.
§.2. Wer Genuß Mittel, die mit den im vorigen §. bezeichneten Einhüllungen versehen sind, verkauft oder feilhält, wird, sofern nicht andere strafgesetzliche Bestimmungen zur Anwendung kommen, mit einer Geldbuße bis zu 30 Mark oder bei Unvermögen mit entsprechender Haft bestraft.
Cassel, den 13. November 1877.
Königliche Regierung, Abth. des Innern.
Wird veröffentlicht.
Hanau am 18. November 1877.
Der Landrath.
Die Frankfurter Baubank beabsichtigt auf ihrem in der Gemarkung Praunheim belegenen Grundstück Karte D. Nr. 263 einen Kasseler Flamm-Ziegelofen zu erbauen.
Unter Bezugnahme auf ß. 16 der Gewerbe-Ordnung vom 21. Juni 1869 wird dieses mit dem Ansügen zur allgemeinen Kenntniß gebracht, daß die Pläne und die Beschreibung des Projekts bei der unterzeichneten Behörde 14 Tage lang zur Einsicht offen liegen und daß Einwendungen gegen die Anlage binnen gleicher Frist, bei Meidung des Ausschlusses, vorzubringen sind.
Hanau am 17. November 1877.
Der Landrath.
Tagesfchau.
Der Krieg.
(A. d. Schw. Merl.»
Die Erstürmung von Kars ist für die Russen ein Erfolg, der ohne Zweifel den Feldzug in Asien entscheidet. Aber er ist mit schweren Verlusten erkämpft worden, da die Türken sich mit größter Tapferkeit vertheidigten und eine Stellung um die andere mit stürmender Hand genommen werden mußte. Die bisher vorliegenden russischen Telegramme sind wie immer kurz, nur die Thatsache lakonisch vermeldend. Dagegen hat Daily News von ihrem Korresp. im Hauptquartier Werankaleh eine ausführlichere Depesche vom 18. Nov., worin der Hergang folgendermaßen erzählt ist: General Lazareff mit der 40. Division befehligte auf dem rechten Flügel und griff das auf steiler Höhe gelegene Fort Hafiz Pascha an. General Graf Grabbe griff mit dem Grenadierregiment Moskau und einem Regiment der 39. Brigade Kanli-Tabia die Thürme von Hawari Tabari und die Zitadelle an, während eine von Ardahan gekommene Brigade nebst einem Grenadierregiment unter den Generalen Roop und Komaroff das Fort Jnglis angriffen. Um 8V2 Uhr Abends begann der Kampf im Zentrum. General Grabbe fiel beim Sturm auf Kanli-Tabia an der Spitze seiner Brigade. Hauptmann Kwadmicki drang in die 11. Redoute ein. Die große Redoute Horaene ergab sich früh Morgens. Hierauf wurden die 3 Thürme der Zitadelle und Fort Lawary gleichzeitig mit Kanly Tabia eingenommen. Fort Hafiz Pascha wurde ebenfalls gestürmt, gegen Morgen auch Ka- radagh und die übrigen Forts. Tikmet und Avale widerstanden bis 8 Uhr Morgens. 40 Bataillone versuchten darauf in der Richtung gegen Erzerum zu fliehen, wurden aber durch die russische Kavallerie aufgehalten und gefangen genommen. Die ganze Festung mit der Stadt selbst, 300 Geschütze und Munitionsvorräthe waren in die Hände der
Russen gefallen. Die Türken verloren an Todten und Verwundeten 5( 00 Mann, sowie 10,000 Gefangene. Viele Fahnen wurden den Russen zur Beute. Die letzteren hatten einen Verlust von etwa 2700 Mann. Friedliche Bürger, Frauen und Kinder wurden von ihnen geschont. General Loris Melikoff leitete die Schlacht. Im Laufe des Tages wohnte auch Großfürst Michael derselben bei. Loris Melikoff hielt Vormittags 11 Uhr seinen Einzug in Kars. — Jetzt, nachdem Kars gefallen ist, sind die Augen mit um so größerer Spannung auf den Gang der Dinge in Bulgarien gerichtet. Jeder Tag, den Osman in dem eingeschlossenen Plewna aushält, rückt natürlich die Möglichkeit näher, daß er durch die anderen Generale, Mehemed Ali oder Sulei- man, wieder aus der Klemme gezogen werde. Ganz scheint die Hoffnung auf türkischer Seite nicht aufgegeben zu sein. Es werden umfassende Vorbereitungen getroffen, um in Berkovatz, Sofia und Orchanie eine genügend starke Entsatzarmee unter Mehemed Ali Pascha zu kon- zentriren. Die Stärke der in dieser Operationszone vereinigten Truppen belief sich vor einiger Zeit, ungerechnet der Irregulären, auf mehr als 40,000 Mann mit 70 Geschützen. Seit dem Eintreffen Mehemed Ali Paschas wurden ungefähr 10,000 Mann aus Bosnien und bei 30,000 Mann aus Konstantinopel gegen Sofia dirigirt, und sollen endlich auch Truppen des Bagdader Armeekorps in Dedeagatsch gelandet sein, um mittelst Eisenbahn zur Westarmee zu stoßen. Die Armee Mehemed Ali's wird demnach, so rechnet die N. Fr. Pr. heraus, längstens bis Ende November mehr als 100,000 Mann zählen. Anderseits findet sich in der Presse eine eingehende Abhandlung darüber, was nach dem als unvermeidlich vorausgesetzten Falle Plewna's geschehen werde. Als wahrscheinlich wird hier ausgeführt, daß die vor Plewna freiwerdenden Kräfte, 60—70,000 Mann, die Richtung nach Süden einschlagen werden. „Schon einmal im Verlaufe dieses Feldzuges haben die Russen gegen Süden operirt. Mit einer geringen Macht allerdings von 10 Bataill., 40 Schwadronen und 35 Geschützen. Man mag über die Berechtigung dieses Zuges bei den damaligen Stärkeverhältnissen der Russen wie immer denken, eines ist gewiß, daß er eine gewaltige Panik im Herzen des türkischen Reiches erzeugte, eine Panik, die mit den aufgewendeten Kräften im schreienden Mißverhältniß stand. Und noch ist es nicht erwiesen, wo dieser Zug geendet hätte, wenn den Kräften des General Gurko nicht plötzlich, wie aus dem Boden gewachsen, die kurz vorher blutig erprobten 50 Bataillone Suleiman Pascha's gegenüber gestanden wären. In Adrianopel befanden sich Mitte Juli allerdings Kanonen, allein sie waren in einem Magazine auf dem Bahnhöfe de- ponirt. Sonst gab es in der zweiten Hauptstadt des Reiches nur konfuse Paschas, die Gurko schon auf dem Wege nach Konstantinopel sahen, und renitente Zaptiehs. Und fragt man, ob die Türkei auch jetzt noch eine Armee, wie jene Suleiman's aufzutreiben vermag, um sie den über den Balkan gedrungenen Schaaren des Feindes entgegenzustellen, so lautet die Antwort: Nein! Wir rechnen, daß etwa 120,000 Mann ihren Weg über den Schipka- und Trojanpaß auf Adrianopel nehmen, diese Stadt mit der Hälfte beobachten, mit dem Reste aber auf Konstantinopel marschiren werden, ein Jahr 1829 in verstärkter Auflage. Blicken wir zurück, wie es in solchem Augenblicke nördlich des Balkan stünde, so sehen wir westlich bei Widdin oder Sofia zwei ziemlich gleich starke Armeen, die sich die Waage halten und östlich die ungeschwächte Armee des Thronfolgers, in defensiver Haltung, den 60,000 Mann Suleiman Paschas gegenüber stehen."
— Berlin, 21. Novbr. Abgeordnetenhaus. (Fortsetzung.) Im weiteren Verlaufe der gestrigen (17.) Sitzung ergriff in der Diskussion über die Gesetzentwürfe, betreffend die Errichtung der Landgerichte 2c, nach dem Abg. Dr. Lasker der Justiz-Minister Dr. Leonhardt das Wort. Er bedauere, daß durch die Ausführungen des Vorredners die Hoffnung auf eine glückliche Durchführung der Justizreorganisation nicht sehr gesteigert worden sei, und bestreite, daß es jemals die Absicht der Regierung gewesen sei, eine größere Zahl von Amtsrichtern in demselben Orte anzustellen. Die Abgrenzung der Jurisdiktionsbezirke durch Gesetz würde ihm recht sein, nur sei dies nicht möglich, wenn die Reichsjustizgesetze am 1. Oktober 1879 ins Leben treten sollen. Uebrigens