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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn« und Feiertage, mit belletristischer Beilage und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.

Sttftrtie#6«

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DieS>pa!tigeZeils

30 Psg.

Dienstag den 20. November

1877

Amtliches.

Gefunden: Ein Spazierstock. Ein Portemonnaie mit Geld und anderen Sachen.

Verloren: Ein Portemonnaie mit ca. 22 Mark. Ein schwar­zer Tuchrock.

Hanau am 20. November 1877.

Königliches Landrathsamt.

TageSscha«.

— Berlin, 17. Nov. Abgeordnetenhaus. 16. Sitzung. (Fort­setzung.) Das Haus wendete sich sodann der Berathung des Etats des Kultus-Ministeriums zu. Zunächst beantragte der Abg. Osterrath, die­sen Etat nicht dem früheren Beschlusse gemäß im Plenum zu berathen, sondern an die Budgetkommission zur Vorberathung zu verweisen, worin ihn der Abg. Windthorst (Meppen) unterstützte, während die Abgg. Rickert, Richter (Sangerhausen) und Windthorst (Bielefeld), sowie der Minister für die geistlichen rc. Angelegenheiten Dr. Falk den Antrag als völlig unbegründet charakterisirten. Der Antrag wurde abgelehnt. Darauf wendete sich der Abg. Hundt von Hafften gegen die Verschlep- Pungsmaxime des Centrums bei der Etatsberathung und suchte gegenüber den Angriffen des Centrums gegen die rechte Seite des Hauses die Stellung der konservativen Partei zu definiren. Seine diesbezüglichen , Darlegungen wies aber sein Parteigenosse Abg. von Rauchhaupt als nicht im Sinne der neukonservativen Fraktion gesprochen zurück. Der Abg. Dr. Brüel fragte, weshalb zwischen dem Etat des Klosterfonds, der dem hannoverschen Provinzial-Landtage vorgelegt worden, und der dem Kultus-Etat beigegebenen Uebersicht sich erhebliche Verschiedenheiten zeigten, und weshalb die Stelle des Klosterkammerdirektors mit einem altpreußischen, nicht mit einem hannoverschen Beamten besetzt sei. Der Regierungs-Kommissar Ministerial-Direktor Greiff entgegnete, daß die dem Provinzial-Landtage gemachte Vorlage nach den wirklich stattge- Habten Einnahmen, die Uebersicht im Etat nach den früheren Etats be­rechnet sei. Der neu ernannte Klosterkammerdirektor sei schon seit meh­reren Jahren in der Provinz thätig und habe auch den Beifall des Provinzial-Landtages gefunden. Zu diesem Gegenstände sprachen noch die Abgg. Richter (Sangerhausen) und Windthorst (Meppen). Auf eine Anfrage des Abg. Dr. Eberty erwiderte der Staats-Minister Dr. Falk, daß zweifellos in der allernächsten Zeit dem Hause eine Vorlage wegen Aufhebung der sächsischen Domstifter zugehen werde, da die Zweifel, die dem Abschluß der Verhandlungen noch bis vor Kurzem entgegengestan­den hätten, jetzt völlig beseitigt seien. Der Abg. Schumann kündigte einen Antrag auf Aufhebung des Domstifts v»n Brandenburg an und bat den Minister, den kur- und neumärkifchen Aemterkirchenfonds, eine Vereinigung sämmtlicher Kirchenkasfen der in diesen Landestheilen unter landesherrlichem Patronat stehenden Gemeinden, sobald als möglich auf- zulösen. Der Staats-Minister Dr. Falk beruhigte den Vorredner über diesen letzten Punkt und versprach eine Regelung der Angelegenheit in möglichst kurzer Zeit. Bei der Zahl der entgegenstehenden Schwierig­keiten könne er jedoch nicht die Hoffnung aussprechen, daß schon im Laufe dieser Session dem Landtage eine Vorlage zur gesetzlichen Lösung der Frage zugehen werde.

Zu dem Titel der Besoldung des Ministers nahm zunächst der Abg. Dauzenberg das Wort. Der Abg. Graf Limburg-Stirum machte darauf aufmerksam, daß der verbreitetste Leitfaden für den Unterricht in der Geographie, der sogenannte „Kleine Daniel", einen Passus enthalte, m welchem es heiße: Belgien, Luxemburg, die Schweiz, Lichtenstein, Dänemark und Deutsch-Oesterreich werde als Anhang von Deutschland betrachtet, weil diese Länder zum Theil dem alten deutsche» Reiche an- gehört, zum Theil bis zum Jahre 1866 zum Deutschen Bunde in Be- zlehungen gestanden hätten und überdies innerhalb der natürlichen Gren­zen Deutschlands lägen. Diese Fassung habe vielfach, namentlich im Ausland zu Mißdeutungen Anlaß gegeben, und sei dieselbe von den Gegnern des Reiches auch bereits mehrfach ausgebeutet worden. Der Redner wollte die Gelegenheit benutzen, gegen eine solche Insinuation öffentlich zu protestiren und den Kultus-Minister bitten, diese unge­

schickte Fassung abändern zu lassen. Der Minister Dr. Falk erklärte seine volle Uebereinstimmung mit dem Vorredner. Die Fortsetzung der Debatte wurde hierauf vertagt. Nächste Sitzung Dienstag 11 Uhr.

(Fortsetzung folgt.) (R.- u. St.°A.)

— Berlin, 19. Nov. (Köln. Ztg.) Der am Samstag hier ver­haftete unter dem Namen v. Lyskowski auftretende Pole ist als ein von Westpreußen aus verfolgter Urkundenfälscher erkannt. Derselbe hatte freiwillig ein Geständniß abgelegt, daß er nach Berlin gekommen sei, um den Kaiser und Bismarck zu ermorden. Nachdem ihm seine hierher geschickte Photographie vorgelegt worden, räumte er ein, der Privat- secretär Lugowsky aus einem Städtchen des Kreises Löbau zu sein und erklärte, jenes Geständniß der beabsichtigten Ermordung des Kaisers und Bismarck's sei unwahr.

— Berlin, 19. Nov. In gewöhnlich unterrichteten Kreisen ist nichts bekannt von der Zeitungsangabe, daß England der deutschen Re­gierung einen Handelsvertrag auf Grund der Meistbegünstigung ange­boten habe. Die Nachricht wird bezweifelt und sogar bestritten. Die­selbe bedarf also jedenfalls der Bestätigung. (Köln. Ztg.)

— Nach §. 56 des Reichsgesetzes über die Beurkundung des Per­sonenstandes, vom 6. Februar 1875, muß jeder Sterbefall spätestens am nächstfolgenden Wochentage dem Standesbeamten des Bezirks, in welchem der Tod erfolgt ist, an gezeigt werden. In Beziehung auf diese Bestimmung hat der (Rhein.) Strafsenat des Ober-Tribunals durch Er­kenntniß. vom 27. September 1877 ausgesprochen, daß der Ausdruck: „Wochentag" im Gegensatz zu „Werktag" die Feiertage mit umfaßt und nur die Sonntage ausschließt.

— S. M. S. „Leipzig" hat am 17. d. Mts., Morgens 9Va Uhr, von Wilhelmshaven die Reise nach Plymouth angetreten.

— Enskirchen, 13. Nov. Vor vier Jahren wurde in Zülpich ein alter Junggeselle ermordet und beraubt. Die Mörder, welche bis jetzt nicht entdeckt werden konnten, verriethen sich gestern in einem Wirthshause beim Zechen durch unvorsichtige Aeußerungen selbst, worauf ihre Verhaftung und Abführung nach Bonn sofort bewerkstelligt wurde.

— In den österreichischen Gränzbezirken herrscht, wie man der Voss. Ztg. berichtet, eine so heftige und leidenschaftliche Verstimmung gegen Preußen, d. h. die deutsche Reichsregierung, wie sie kaum unmit­telbar vor dem Kriege von 1866 dort vorhanden war. Die Täuschun­gen, welche alle Interessenten in Oesterreich ohne Ausnahme durch den autonomen Zolltarif erfahren haben, die Besorgnisse vor der Zukunft erklären das Suchen nach einem Schuldigen, den man für Alles ver­antwortlich machen kann. Und das sind „die Preußen". Wenn man die deutsche Bevölkerung von Reichenberg und Umgegend hört, sollte man glauben, daß in den nächsten Tagen der Krieg gegen Deutschland ausbrechen müßte und mindestens die Mobilmachung eine beschlossene Sache sei. Die schutzzöllnerische Presse thut das Ihre, um zu hetzen und zu schüren. Und gerade die deutsch-böhmische Presse war es, welche vor wenigen Wochen, unmittelbar vor Abbruch der Verhandlungen be­züglich des Zollvertrags es dem Ministerium zur Gewissenspflicht machte, den deutschen Unterhändlern gegenüber standhaft zu sein und nicht einen Fingerbreit nachzugeben. Uebrigens gibt es auch im Innern des Reichs nicht wenige Gegenden, in denen der neue Tarif gefürchtet wird. So hat der oberösterreichische Gewerbeverein eine Petition an den Reichsrath gerichtet, den Tarif abzulehnen, und die Handelskammer wie der Ge­meinderath von Linz sich derselben angeschlossen.

— Wien, 19. Nov. Nach einem Telegramm der „N. fr. Presse" aus Bukarest von gestern hat die Direction der rumänischen Bahnen Befehl erhalten, für den Transport von zwei neuen russischen Armee- Corps 10 Züge täglich zu organisiren. (R. u. St.-A.)

— Petersburg, 18. November. Offizielles Telegramm aus Werankaleh, 18. d.: Kars ist heute erstürmt. Der Kampf begann gestern Abend 9 Uhr und war heute Morgen 8 Uhr beendigt. Unsere Trophäen sowie die Verluste noch unbekannt.

— Konstantinopel, 17. Nov. Aus Erzerum vom Donnerstag Abend hier eingegangenen Nachrichten zufolge haben die Russen Ver­stärkungen herangezogen und trafen Vorkehrungen, um Erzerum' von der Nordseite anzugreifen. Das Wetter hat sich gebessert.