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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hauau.
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M 270.
Montag den 19. November
1877.
Amtliches.
Die Herrn Bürgermeister der Landgemeinden wollen sich zu einer Besprechung über die bevorstehenden Steuerveranlagungs-Arbeiten Donnerstag den 2 2. d. M., Vormittags 10 Uhr, in meinem Bü- reau einfinden.
Hanau am 16. November 1877.
Der Landrath.
Tagesschau.
— Berlin, 15. Nov. Abgeordnetenhaus. 15. Sitzung. (Fortsetzung.) Es folgte der Etat des Ministeriums für die laudwirthschaft- lichen Angelegenheiten. Auf eine Bemerkung des Abg. Dr. Schweineberg über die Rücksicht, welche man auf die Leistungsfähigkeit der Meliorationsverbände bei der Rückzahlung der ihnen gewährten Darlehne nehmen müsse, erwiderte der Staats-Minister Dr. Friedenthal, man müsse erst in jedem einzelnen Falle das Material vor Augen haben, um erkennen zu können, ob die betreffenden Gesellschaften wirklich leistungs- unfähig seien. Der Abg. Bernhardt wünschte in dem Landesökonomie- Kollegium außer den landwirthschaftlichen auch die forstlichen Interessen vertreten zu sehen. Der Staats-Minister Dr. Friedenthal hielt diesen Wunsch im Landeskulturinteresse für sehr berechtigt. Das Kollegium laborire aber schon au einer Ueberzahl von Mitgliedern, welche seine Wirksamkeit sehr hemme. Bei seiner bevorstehenden Reorganisation werde dem Wunsche des VorrednersMenügt werden. Der Abg. Schmidt (Stettin) wünschte nicht die Verstärkung, sondern die Aufhebung des Kollegiums, dessen der Minister zum technischen Beirath nicht bedürfe. Der Staats-Minister Dr. Friedenthal war der Meinung, daß das Kollegium als technischer Beirath dem Staate ersprießliche Dienste leisten könne. Der Abg. von Benda hoffte, daß die Aeußerung des Abg. Bernhardt wenigstens nicht zu einer Vermehrung des ohnehin schon unförmlichen Kollegiums führen werde. Die Landwirthschaftsfragen seien nicht mehr preußische, sondern deutsche, und es wäre daher wohl rathsam, den deutschen Landwirthschaftsrath als organischen Bestandtheil in das Reich einzusühren. Der Staats-Minister Dr. Friedenthal bemerkte, daß behufs Herstellung einer organischen Verbindung zwischen dem Landesökonomie-Kollegium und demtdeutschen Landwirthschaftsrathe eine Kommission eingesetzt worden sei. Der Abg. Jungck verlangte Maßregeln zur Vertilgung der Distel und der Wucherblume, insbesondere in den östlichen Provinzen. Der Minister Dr. Friedenthal stellte dieselben in Aussicht. Auf eine Anfrage des Abg. Krech, ob Seitens ver Staatsregierung eine Vorlage zur Förderung des Ablösungsver- '"hrens von Realberechtigungen gemäß dem Gesetze von 1872, besonders s auf die durch Rentenbanken vorzunehmende Vermittelung
der Ablösung zu erwarten sei, erwiderte der Minister Dr. Friedenthal, daß eine solche Vorlage noch nicht in Aussicht stehe. Der Abg. v. ^azdzewsn beklagte die vielfachen Verschleppunge«, welche bei den Ablösungen in der Provinz Posen vorkämen. Der Regierungs-Kommissar Wres darauf hin, daß die Ablösungsgeschäfte eine längere Vorbereitung Sertens der Beamten erfordern. — Um 4 Uhr wurde die Berathung unterbrochen.
16. Nov. In der heutigen (16.) Sitzung des Hauses der Abgeordneten theilte der Präsident mit, daß von dem Handels-Minister ein Gesetzentwurf, betreffend die Aufnahme einer Anleihe zur Deckung von Ausgaben für Bauausführungen und Beschaffungen für die Staats- Menbahnen, und von dem Abg. von Stablewski eine Interpellation, betreffend die Verhältnisse in der Pfarrei Kosten, eingegangen sei.
,, .Darauf wurde die zweite Berathung des Etats für das landwirth- ichaftliche Ministerium fortgesetzt, wozu anläßlich der Position: „Land- TOirtgfi^aftli^e Akademie zu Poppelsdorf" zunächst der Abg. Sombart Mach. Die Frage der Vertilgung der Wucherblumen veranlaßte eine Debatte an welcher sich die Abgg. von Meyer (Arnswalde), Dr. Thiel, Ä Zungk und Osterrath betheiligten. Der Staats-Minister Dr. tfttebentfjal bemerkte, daß diese Frage nicht allgemein, sondern nach lo- Men Bedürfnissen geregelt werden müsse. Auf eine Anregung des Abg. Mahraun erklärte der Minister, daß die Frage der landwirthschaftlichen
Mittelschulen im nächstjährigen Etat ihre Lösung finden werde. Außer-- dem sprachen die Abgg. Knebel, Dr. Dammann, Frhr. von Heereman und von Ludwig. Letzterem erwiderte der Staats-Minister Dr Frie- denthal, daß die Besetzung der Kreisthierarzt-Assistentenstellen bei den geringen dafür ausgesetzten Fonds nur bei äußerster Dringlichkeit statt- finden könne. Der Abg. Donalies gab dem Minister Veranlassung zu einer Darlegung der Maßregeln, welche zur energischen Durch Ührunq der Grenzsperre behufs Abhaltung der Rinderpest von der Regierung getroffen worden sind. a a
Auf die Bemerkung des Abg. v. Meyer (Arnswalde), daß die Threrarzte zu viele Reisen und demgemäß zu viele Liquidationen bezüglich der Meldungen über das Entstehen oder Erlöschen von Seuchen machten, erwiderte der Staats-Minister Dr. Friedenthal, daß diese Reisen nicht aus den Fonds des landwirthschaftlichen Ministeriums, ondern aus denen der Landespolizeibehörde bezahlt würden: im Uebriqen seien auch die hierfür aufzuwendenden Kosten nicht so bedeutend. Auf eme weitere Bemerkung des Abg. Gärtner, daß es mit Rücksicht auf
Lage der Elbregulirungs- und Deicharbeiten bei Schönebeck und Pretzm zweckmäßig sei, die bisherigen Arbeiten der technischen und sachlichen Untersuchung einer unter Herbeiziehung von landwirthfchaft-- N.en Autoritäten gebildeten Kommission zu unterwerfen, erwiderte der Minister Li. Friedenthal, daß er eine große technische Untersuchung zur Zeit nicht für angezeigt halte, sondern eine Verhandlung mit den Jn- teressenten beider E bufer zu dem Zwecke, eine Ausgleichung derjenigen Interessen herbe-zufuhren, die sich bisher auf das Aeußelste bekämpften, so daß eme Handhabung des Pretzinger Wehres vereinbart wurde, bei welcher beide Theile bestehen könnten. Aus diesem Wege liege nach seinem Ermessen die Abhu fe gegen die vorhandenen Uebelstände, und die betreffende Anordnung einer solchen Verhandlung sei bereits ergangen. Die Erfüllung eines von dem Abg. von Bandemer bei dem Etat der Gestutverwal^ den Verkauf der ausrangirten Landbeschaler aus den verschiedenen Gestüten auf dem Trakehner Auk- ionstage vorzunehmen, statt in den Gestüten selbst, wird nach der Erklärung de» Ministersvr. Friedenthal davon abhängen, ob die Vermehrung der Futterkosten in Folge des späteren Verkaufs in Trakehnen durch einen höheren Verkaufspreis ausgeglichen wird. Außerdem von Wecher eine Körordnung für Westpreußen. Sämmtliche Positionen dieses Etats wurden unverändert genehmigt
~ k c (Fortsetzung folgt.) (R.- u. St.-A.
m Am Sonnabend früh ging der Berliner Kriminal-Polizei die Nachricht zu, daß em Komplott gegen das Leben des Kaisers im Gange sei und daß die Attentäter mit einem Zuge der nach Berlin einmün- denden Bahnen Vormittags eintreffen würden. Die dabei gegebene Personal-Beschreibung paßte denn auch genau auf einen mit der Ostbahn angekowmenen jungen Mann, welcher festgenommen und dem Molken- markt überliefert wurde. Derselbe beabsichtigte in einem Hotel aarni der inneren Stadt abzusteigen, um die Ankunft der anderen Komplizen Obgleich die Krlmmalpolizei .in voller Stärke seit Sonn- abend Mittag auf den Beinen ist und das betreffende Hotel, sowie sämmtliche Bahnhöfe sorgfältig bewacht, ist es bisher nicht gelungen, die anderen Theilnehmer des Komplotts abzusangen. Der Stadtgerichts- Rath Hollmann war Sonntag Nachmittag mit der verantwortlichen Vernehmung des Jnhaftirten, eines Polen, dessen Namen vorläufig qe- sisllß, um in die Untersuchung nicht hemmend einzugreifen, beschäftigt. Die Vernehmung des Verhafteten dauert bei Schluß der Redaktion noch fort. Die Herren Staatsanwalt Tessendorf und Reaie- rungs-Rath Schmidt, Dirigent der Kriminal-Abtheilung der Hiesmen Polizei, wohnten der verantwortlichen Vernehmung bei. <D Mont-Bl) , ~ S- M. S „Freya" ist am 15. d. Mts. von Wilhelmshaven nach Plymouth in See gegangen. — S. M. S. Ariadne" bat an demselben Tage früh die Reise von Plymouth nach Madeira fortgesetzt. - Briefsendungen rc. für S. M. S. „Freya" sind vom 17. d. Mts. °6Ä4nV9’ b' Mts. nach Plymouth, vom 20. bis inkl. 22. d. Mts. ^^^bv^ltar und vom 23, d. Mts. bis aus Weiteres nach Malta zu