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hohe Würdenträger schlössen sich an; man bemerkte beinahe alle Bot­schafter und Gesandten, unter ihnen auch den deutschen Botschafter Hohenlohe, ferner den General Grant. Der Marschall schien sehr be­friedigt zu sein. Das neue Ministerium wird am Dienstag gebildet.

(Spezial-Telegr. d. Deutsch. Mont.-Bl.)

— Paris, 10. Nov. Die Verhandlungen über die Bildung eines neuen Kabinets sind gestern Mittag wieder ausgenommen worden. In unterrichteten Kreisen meint man, das Kabinet werde lediglich aus Mitgliedern der Rechten bestehen, auch dürften mehrere Mitglieder des gegenwärtigen Kabinets bleiben. Der Gedanke eines Ausgleiches scheint im Elysee aufgegeben; man hält dort an der Ueberzeugung, daß die Mehrheit des Senats den Marschall unterstützen werde, und glaubt so­gar, daß der Senat im Nothfalle auch in die Auflösung der Depntirten- kammer willigen werde. Eine Deputation des Senats ersuchte den Herzog Audiffret-Pasquier, den Senat sofort zusammenzurufen, falls die Kammer das angekündigte Mißtrauensvotum abgeben sollte. (Köln. Z.)

— London, 10. Nov. Der „Daily Telegraph" bringt nachträg­lich noch eine ausführliche Depesche aus Erzerum vom 6. über die am 4. bei Devebojun stattgehabte, der Flucht Moukhtar Paschas nach Erze­rum vorausgegangene Schlacht, worin die Niederlage der Türken der vorzüglichen Strategie der Russen zugeschrieben wird. Die Russen hätten in der Nacht vorher 45 Bataillone, dem türkischen Centrum ge­rade gegenüber, in einen Hinterhalt gelegt; nachdem hierauf die Türken durch das Vorrücken der russischen Kavallerie aus ihren Verschanzungen herausgelockt worden seien, hätten sich jene Bataillone mit Ungestüm auf die Türken geworfen und denselben enorme Verluste beigebracht. Die Türken seien in der größten Unordnung nach Erzerum geflohen.

— St. Petersburg, 10. Novbr. Offizielles Telegramm aus Tikma vom 8. d. M.: General Heimann meldet folgende Details über die Schlacht vom 4. November bei Deveboyun. Der Kampf dauerte von 91,2 Uhr Morgens bis 672 Uhr Abends und wurde durch die Umgehung des feindlichen linken Flügels und die Durchbrechung des Centrums entschieden. Den Hauptantheil an dem Erfolge hatten die Regimenter Elisabethpol, Eriwanund Tiflis. Der Feind flüchtete in die Richtung auf Erzerum und'dessen Umgebung; Regen und dann Schnee verhinderten eine rasche Verfolgung. Unsere Truppen nächtig­ten auf den dem Feinde entrissenen Positionen. Als Trophäen dieses Tages wurden 40 Geschütze erbeutet; 8 Offiziere und über 300 Solda­ten sind gefangen genommen, ungeheure Vorräthe von Patronen und Geschossen wurden erbeutet. Der russische Verlust übersteigt nicht 30 Stabs- und Oberoffiziere und 800 Soldaten, welche kampfunfähig ge­worden. _ (R. u. St.-A.)

— Konstantinop el, 9. Nov. Aus einem hier eingegangenen Telegramm Derwisch Paschas geht hervor, daß die Russen seit einigen Tagen sehr kräftige Angriffe gegen Batum richten.

L 0 k a l e s.

Hanau, 12. November 1877.

— Uebermorgen wird Frau Marie Hasemann-Kläger vom Hoftheater zu Darmstadt als Jane Eyre in „Die Waise von Lowood" bei uns gastiren. Der „Theater-Moniteur" schreibt bezüglich eines Gastspiels der genannten Dame am Berliner Stadttheater unter andcrm folgendes: „Im weiteren Verlaufe des Gastspiels der Frau Marie Hasemann-Kläger gelangte ein fünfaktiges Elsässisches Lebensbild von Dr. Calmberg: „Die Rose von Kochersberg" zur Aufführung, dessen Sujet sich vielleicht von der kundigen Feder einer Birch-Pfeiffer zu einem wirksamen Stücke hätte gestalten lassen, aber von Herrn Calmberg mit viel zu viel behaglicher Breite und Thränenseligkeit behandelt ist, um dauernd Interesse zu erwecken. Immerhin aber ist die Hauptrolle des „Rösel" geeignet, die glänzenden künstlerischen Eigenschaften der Frau Hasemann-Kläger neu hervortreten zu lassen. Die einfache Herz­lichkeit und Natürlichkeit im Spiel der Künstlerin verschaffte ihr wieder rauschenden Beifall."

—. Der Ruf „Der Löwe ist los" brächte gestern panischen Schrecken unter die zahlreichen Meßbesucher und es entwickelte sich eine Scene, wie wir sie aus dem bekannten Bilde kennen. Wenn auch gar nicht daran zu denken ist, daß die in der Menagerie auf dem Paradeplatz sich befindenden Raubthiere aus ihrem sicheren Verwahrsam entschlüpfen können, so ist nicht ausgeschlossen, daß die Bestien in ihrem Käfig mit­unter unartig werden. So geschah es gestern: ein nettes Bübchen, je­denfalls der Sohn des Menageriebesitzers, befand sich im Käfig des Löwen und wurde von demselben festgepackt. Sofort war Hülfe bei der Hand, so daß das Kind nur eine glücklicherweise nicht gefährliche Ver- letzung am Bein davontrug. — Menagerien werden immer gerne be-

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sucht und es ist insbesondere für die Schuljugend lehrreich die ge^ fürchteten Raubthiere aus eigener Anschauung kennen zu lernen, aber die Prod uction en der Thierbändiger mit den Bestien versetzen den größtenITHeil der Besucher jederzeit inAufregung und sollten diese lebe ns gefähr- liche Handlungen ganz unterbleiben; die Zugkraft würde ganz gewiß dadurch keine Abschwächung erleiden.

— Wie uns mitgetheilt wird, wurden die Raubthierkäfige der Menagrere vorher polizeilicherseits auf ihre Sicherheit untersucht und ebenso wurde dem Besitzer verboten das Kind ferner zu Productionen in den Käfigen zu verwenden.

— In der Nacht von Samstag auf Sonntag wurden von einem Herrn Gärtner Georg Thyriot gehörigen Acker am Steinheimer Weg 60 Weißkrauthäupter und eine beträchtliche Menge Wirsing gestohlen.

— Wie in früheren Jahren wird auch Heuer das Gesangkränzchen „Sumser" auf vielseitigen Wunsch Concert und Ball abhalten.

— Derjenige Zimmermann, aus Langendiebach gebürtig, welcher vor einigen Tagen vom Neubau des Philippsruher Schlosses Herunter- stürzte, ist gestern seinen schweren Verletzungen erlegen.

— (Mahnung zur Vorsicht beim Gebrauche der Pe­troleumlampen.) Durch das Explodiren der Petroleumlampe in einem Hause der großen Dechaneigasse drohte Samstag Abend Feuer auszubrechen, das nur durch schnelles Einschreiten der Hausbewohner gelöscht wurde, hoch verbrannte eine Sopha in Folge dieses Unfalls.

— Ein Dienstmädchen dahier, welches einer Collegin 10 Mk. ge­stohlen, wurde gestern verhaftet und hat sich hierüber zu verantworten.

— Durch Herrn Lehrer Fontaine in Niederissigheim wurde uns eine naturhistorische Merkwürdigkeit überbracht, welche für Interessenten im Redactionszimmer des „Han. Anz." zur Ansicht aufliegt, nämlich ein in der Entwickelung etwas zurückgebliebenes zusammengewachsenes Doppelei eines Huhns.

Versteigerungs- und Verpachtungs-Kalender für Dienstag den 13. November.

Vorm. 10 Uhr kommen im Philippsruher Schloßpark verschiedene Nutz- und Brennhölzer zum öffentlichen Verkauf.

— Für heute. Sparkasse im „schwarzen Bären": Letzte Mit- glieder-Aufnahme und Vorstandswahl.

Aus der Umgegend.

— Dem „Frankfurter Jntelligenzblatt" entnehmen wir folgende Notizen aus Frankfurt a. M. vom 11. November: Am Freitag Mittag suchte ein Gastwirth vergeblich seine Köchin. Endlich begab er sich in den Keller, wo ihm auf der Treppe schon ein verdächtiges Rau­schen entgegentönte Unten angekommen, fand er seine Köchin betrunken vor einem Weinfasse, dessen Krahnen sie offen gelassen hatte, so daß das edle Naß schon den Kellerboden bedeckte. Er brächte sie nach der Küche. Da sie sich auch hier nicht beruhigen ließ, sondern anfing das Geschirr zu zertrümmern, so übergab er sie einem Schutzmann, der sie auf die Constablerwache brächte.

T h e r m 0 m e t e r st a n d.

10. Novbr.: Höchster Stand + ll6, Abends 7 Uhr + 8ff?; 11. Novbr: Morgens 7 Uhr + 9°, Vormittags 10 Uhr + 103/?, höchster Stand + 1272°, Abends 7 Uhr + 97s0: 12. Nov.: Morgens 7 Uhr + 77ä®, Vormittags 10 Uhr + 9°.

— (Eingesandt.) Schwächliche Kindererziehung. Viel­fach und aus den verschiedensten Gegenden Deutschlands werden Klagen laut und lauter über Muthwillen, Ungezogenheit und Rohheit der heu­tigen Jugend. Es sind die Folgen laxer und verkehrter Erziehung, welche Kinder nahezu den Erwachsenen gleich, oder sie gar höher stellt. Möchten sich doch die Eltern eine ernste Mahnung sein lassen das Wort 1. Sam. 2, 29—30: „Du ehrest deine Söhne mehr denn mich" u. s. w. Auch in unserer Stadt hat die Ungezogenheit der Jugend in erschreck­licher Weise zugenommen, und namentlich waren es Schüler der Bürger­schulen, die sich dermaßen darin auszeichneten, daß sie schließlich zur Strafe gezogen werden mußten. Möchten doch wenigstens die Lehrer, wenn die Erziehung der Eltern der nöthigen Strenge entbehrt, oder wenn diese durch die Lebensverhältnisse daran verhindert sind, einer größeren Strenge Raum geben; denn ihnen ist es bei rechtem Ernste am leichtesten, dem Uebelstande abzuhelfen. Wir rathen ihnen ernstlich, ja nicht den Zorn Weniger zu fürchten; denn sie können ein allgemein verdienstliches Werk thun, und die mit Strenge Behandelten selber wer­den ihnen, später zur Einsicht gelangt, stets dankbar sein.

Einer für Viele.

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Wangerte gaffe 4 eine einfache Stude mit Möbel, sogleich. _ (7802)