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Zrrglsich AMilicheA Organ für Kreis und Stadt Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Ssmstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.
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Dienstag den 6. November.
1877.
Tagesschau.
Die Kris is in Frankreich. (« d. Sckw y/rrt )
Die Spannung in Frankreich läßt nach, der Gedanke eines Kompromisses gewinnt an Boden. Der Marschall wird nicht zurücktreten, aber er wird sein Ministerium opfern. Er wird zwar nicht ein Ministerium der Mehrheit berufen, aber mit Männern, die reine Hände haben und nicht durch die Wahlbedrückungen den Zorn der Republikaner auf sich geladen haben, vor die Kammer treten. Vorläufig will er sich mit einem Kabinet des rechten Zentrums umgeben und dann abwarten, wie er mit dem Senat daran ist. Das gegenwärtige Kabinet zögert nur deshalb mit der Ankündigung seines Rücktritts, weil es zuvor noch die Generalrathswahlen dirigiren und in möglichst konservativem Sinne durchbringen will. Dann aber soll jene Wendung erfolgen, die als ein erster Schritt zur Versöhnung aufzufassen ist, dem freilich andere folgen müssen, wenn das Ziel erreicht werden soll. In den republikanischen Kreisen, wenigstens in denen, die das laute Wort führen, scheint man diesen noch etwas unsicheren Schritten des Marschalls wenig Geneigtheit entgegenzubringen.. Man verlaugt dort noch immer unbedingte Unterwerfung oder Abdankung. Allein andererseits werden die Republikaner nicht vergessen, daß sie nur dadurch die große Mehrheit besitzen, daß sie verschiedene und zum Theil sehr konservative Schattirungen unter ihrem Dache vereinigt haben. Grevy denkt schwerlich wie Gambetta. Die Dinge stehen demnach so, daß der Marschall zum Einlenken geneigt, ist, aber es noch fraglich bleibt, ob sein Angebot derart ist, um von den Republikanern angenommen zu werden. Wir lassen hier einen Brief unseres DSorrejp. folgen.
Paris, den 2. Nov. Es ist sehr erklärlich, daß die Regierung vor dem 4. Novbr. äußerlich wenig davon merken lassen will, daß sie den Widerstand nicht weiterzuführen im Stande ist. Sie will, bevor sie diese Erklärung abgibt, erst die Wahlen zu den Generalräthen vornehmen lassen. Diese Wahlen hätten von Rechtswegen im August statt- sinden sollen, und die Regierungsblätter gestehen ein, daß der Umsturz des 16. Mai eigentlich dazu in Szene gesetzt wurde, damit diese Wahlen in konservativem Sinne geleitet würden. Nun hat sich aber durch den Widerstand, den das Land dem Ministerium Broglie-Fourtou entgegen- stellte, das ganze Ziel des Parlamentärischen Staatsstreichs verändern müssen. Die Generalrathswahlen wurden zuerst aufgeschoben, weil Fourtou noch nicht mit der Zusammensetzung seines Verwaltungspersonals fertig war und immer neue Präfekten und Unterpräfekten hin- und herzuschieben hatte. Ein zweiter Aufschub mußte eintreten, weil die Wahl der Kammer, die eine unerwartet hohe Wahlbewegung aufwarf, infolge der Verfassungsbestimmung sich nicht über den 14. Okt. hinaus verzögern ließ, ein vorangehender Sieg der Linken in den Generalrathswahlen aber den Ausfall der Abgeordnetenwahlen von vornherein zu Ungunsten der Regierung entschieden hätte. So ist es gekommen, daß übermorgen erst die Regierung ihr Ziel erreicht: den Generalrathswahlen vorzustehen, während die Minister vielleicht schon am Abende desselben Tages ihre Entlassung in die Druckerei des Amtsblatts geben werden. Auch „zahlreiche Beamten der politischen Verwaltung haben bereits dem Minister des Innern ihre Entlassung eingesandt, wohl wissend, daß sie, nach Dem, was sie seit dem 14. Oktober gethan haben, für ein kon- stitutioneües Regiment unmöglich geworden sind. Fourtou hat alle diese Beamten ersucht, ihre Funktionen einstweilen provisorisch weiter- zusühren. Die Blätter der Linken wollen natürlich nichts mehr von einem einfachen Rückzug des Ministeriums wissen; dieser Ausgang war ^lä- Okt. am Platze, sagen sie, heute ist es dazu zu spät. Das Sabines muß sich nun den Kammern stellen und seine Handlungen verantworten. Die Kammer wird dann darüber zu befinden haben, ob sie einen Theil der Minister oder das gesammte Kabinet in Anklagestand versetzen will, wozu sie nach der Verfassung unzweifelhaft berechtigt ist. Das '.n der Verfassung vorgesehene Spezialgesetz über das bei Minister- «nk.agen zu beobachtende Verfahren ist allerdings noch nicht erlassen; ®lu:u dieser Umstand bildet ebensowenig jetzt ein Hinderniß, als er
1830 den Prozeß gegen Polignac verhindert hat. Die Linke wird sich ganz an diesen Vorgang halten.
— Die im vorigen Winter im Reichstage ausgesprochene Vermuthung, daß die russische Regierung bei der Maßregel der Zahlung der Importzölle in Gold selbst den Kürzeren ziehe, bestätigt sich vollkommen. Russische Blätter schätzen den Ausfall, den das Finanzministerium dadurch erleidet, auf mindestens 40 pCt. der im vorigen Jahre aus den Eingangszöllen erzielten Einnahmen. Hosieutlich trägt dies dazu bei, die für den deutschen Handel so lästige Anordnung baldigst wieder aufzuheben.
— In den deutschen Münzstätten sind bis zum 27. Oktober 1877 geprägt worden, an Goldmünzen: 1,149,469,100 Mark Doppel- kronen, 362,497,890 Mark Kronen, 15.346,895 Mark halbe Kronen; hiervon auf Privatrechnung: 223,162,279 Mark; an Silbermünzen: 71,653,095 Mark 5-Markstücke, 97,288,5-6 Mark 2-Markstücke, 143,512,165 Mark 1-Markstücke, 65,850,936 Mark — Pf. 50-Pfennig- stücke, 35,717,922 Mark 80 Pf. 20 Pfennigstücke; an Nickelmüuzeu: 23,502,530 Mark 70 Pf. 10-Pfennigstücke, 11,657,813 Mark 75 Pf. 5-Pfennigstücke; an Kupfermünzen: 6,213,207 Mark 44 Pf. 2-Pfennigstücke, 3,382,722 Mark 83 Pf. 1-Pfennigstücke. Gesammtausprägung an Goldmünzen: 1,526,313,885 Mark; au Silbermünzen: 414,022,704 Mark 30 Pf.; an Nickelmünzen: 35,160,344 Mark 45 Pf.; an Kupfermünzen: 9,595,930 Mark 27 Pf.
— Das „Deutsche Mont.-Bl." schreibt: Nachdem durch deutsche diplomatische Vermittelung sich die rumänische Regierung zu einer pünktlicheren Lösung ihrer Verbindlichkeiten gegen die rumänische Eisenbahn- Aktien-Gesellschaft verstanden hat, sind die ersten bedeutenden Abschlagszahlungen am Sonnabend hier erfolgt. Es trafen am genannten Tage hier in baar vier Millionen Frcs. ein, von denen eine Million in Silber von der rumänischen Regierung herrührte, während die übrigen drei Millionen aus russischen Kassen erflossen. Die russische Finanzverwal tnng hat sich ferner verpflichtet, fortan ihre Zahlungen für die Militärtransporte auf der genannten Bahn pünktlich in festgesetzten Raten von, Petersburg aus zu leisten. Die Lage der rumänischen Bahn stellt sich dadurch in unerwarteter Weise günstig und die volle Zinszahlung erscheint — wenigstens so lange der Krieg dauert — gesichert. Später hofft man maßgebenderseits die Bahn ohne bedeutende Verluste wieder völlig in die Hände deutschen Kapitals zu bringen; die Wahrung der materiellen Interessen Deutschlands im Orient würde dadurch eine nicht unwesentliche Unterstützung erfahren.
— Zuverlässigen Nachrichten zufolge hat die Pforte der „Jllustrir- ten Leipziger Zeitung" und dem in Paris erscheinenden „Monde Jllusträ" den Eingang in das türkische Gebiet verboten.
— Der in der bayerischen zweiten Kammer gestellte Antrag aus Aufhebung der besonderen diplomatischen Posten an außerdeutschen Höfen hat, so gut gemeint und anerkennenswerth er ist, nicht viel Aussicht auf Erfolg. Sowohl in Bayern wie in Württemberg pflegt dieser Antrag periodisch eingebracht, von der Regierung aber zurückgewiesen zu werden, da diese süddeutschen Fürsten in der eigenen Vertretung an einigen der wichtigsten Höfe nun einmal ein unveräußerliches Souve- ränetätsrecht erblicken. Bayern unterhält bekanntlich an den Höfen von Wien, Paris und Petersburg, sowie beim päpstlichen Stuhl eigne Vertreter, die sich übrigens (zum Mindesten die drei ersteren) stets der Anerkennung zu erfreuen hatten, ihre schwierige und undankbare Stellung im loyalsten Einvernehmen mit der Reichsvertretung zu verwalten . (Trib.
— Paris, 5. Novbr. Der Herzog von Broglie und Pouyec Quertier wurden heute Abend aus dem Eure-Departcment, in welchem sie als Generalräthe kandidilten, und wobei der erstere seinem Gegenkandidaten gegenüber unterlag, zurückerwartet. Morgen, früh soll der voraussichtlich letzte Ministerrath des jetzigen Kabinets stattfinden. — Der Präfekt des Norddeparments, Welche, ist hier eingetroffen. — Von den gestern vorgenommenen Generalrathswahlen sind bis jetzt nur sehr wenige bekannt. Der Herzog von Broglie ist Fouquet gegenüber und der Admiral La Roncime Le Noury dem republikanischen Kandidaten