Einzelbild herunterladen
 

»rtil:

«Spruch 9 W«l Halbj. 4RM» «irrlrijührnq

9 Mark 25 W »ihr au#»ärtts« «»mincnte, »4t dem betreuen» »s« SofUufWag. »che einzelne Num­mer 10 $fg.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit bellelxjßischer Anlage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Corresvondenz.

$Yfmt»»»»

PreiH-

Die lipaMx» UsEondKttse tS» deren Sautr

10 PtS-

S^e ApaL AE LS PfA.

Mr^alttF-HreN 86 Kiz.

^ 258.

Montag den 5. November.

1877.

Amtliches. -

Verloren: Eine Photographie, einen Herrn, eine Dame nebst Kind darstellend; dem Finder eine Belohnung. Ein Portemonnaie mit gelbem Bügel, Geld enthaltend. Ein Portemonnaie mit 5 Mark.

G efund en: Ein Korb mit Butter. Ein Bündel, enthaltend

Kraut, Aepfel, Birnen rc.

Hanau am 5. November 1877.

______________ Königliches Landrathsamt.______________________

Tagesschau.

Fel dm arschall Wrangel.

(« b. Saw. Mirl )

MitPapa Wrangel" ist eine jener originellen Figuren hinge­gangen, wie sie im preußischen Staate hie und da hervortreten: solda­tische Kraftmenschen, die ganz aufgehen in ihrem Beruf und in unbe­dingter Ergebenheit an den König und Kriegsherrn; etwas barock in Erscheinung und Manieren, aber von tieferem Gehalt und weiter rei­chendem Einfluß, als der Menge zumeist bekannt ist. Bei Vater Wrangel denkt man zunächst an den jovialen militärischen Alten, der von der Berliner Straßenjugend verfolgt wird, wo er erscheint; der 1870 noch, ein 86jähriger Greis, von seinem König verlangt, als ge­meiner Soldat gegen die Franzosen ausmarschiren zu dürfen; der in den letzten Tagen noch, als die Lebenskräfte auch ihm endlich schwanden, den Tag über gestiefelt und gespornt bleiben wollte, um stündlich dem Ruf unter die Waffen folgen zu können. Kundige wissen, daß Graf Wrangel nicht bloß ein derber Soldat, sondern auch ein feiner Hofmann war, der es zu gewissen Zeiten wohl verstanden hat, als konservativer Parteimann dieStimme der Armee" bei königlichen Entscheidungen in die Wagschaale zu werfen. Mit über 93 Lebensjahren ist er nun hin­geschieden, nachdem er im vorigen Jahre sein 80jähr. Militärdienstjubi- läum gefeiert. Graf Friedrich Heinrich Ernst v. Wrangel entstammt einem alten ursprünglich westfälischen, später in den Ostseeländern an- gesiedelten Adelsgeschlecht, das seinen Namen vielfach in die Bücher der schwedischen und russischen Geschichte eingezeichnet hat. Er war am 13. April 1784 in Stettin als Sohn eines preußischen Offiziers (die Mut­ter war eine geb v. Below) geboren. Schon im 12. Jahre trat er, am 15. Aug. 1796, als Fahnenjunker im Regiment v. Werther zu Königsberg in die Armee ein. Sein Lieutenantspatent datirt vom 15. Oft. 1798. In den Kriegen zu Anfang des Jahrhunderts that er sich durch kühne Reiterstücklein hervor, die er gegen die Franzosen ausführte (1806 bei Gurzno, 1807 bei Heilsberg) und ward damals schon durch die hohe Auszeichnung des Ordens pour le mörite von der Hand seines Königs geehrt. Nach dem Frieden von Tilsit heirathete er am 26. Dez. 1810 sein Bäschen Lydia v. Below. In den Freiheitskriegen focht er als Rittmeister mit ausgezeichneter Tapferkeit bei Großgörschen; bei Wachau, unweit Leipzig, verdiente er sich das Eiserne Kreuz 1. Kl. Dann ging's mit Vater Blücher nach Frankreich, wo er bei Etoges und Soissons kühne Thaten verrichtete. 1814 erhielt er das Kommando eines Regiments, 1821 eine Reiterbrigade in Posen, 1824 die Jnfan- teriebrigade in Neumünster, 1839 das Kommando des 1. Armeekorps in Königsberg, 1842 das des 2. in seiner Vaterstadt Stettin. Im deutsch-dänischen Kriege von 1848 führte er das Oberkommando der Dundestruppen; im November dess. I. stellte er die Ordnung im auf­ständischen Berlin wieder her. 1856 bei seinem 60jährigen Dienstjubi­läum wurde er zum Feldmarschall ernannt. 1864 kommandirte er wie- f'brum im Kriege gegen Dänemark und löste das Wort ein, das er prach, als er zu Anfang dieses Feldzuges in Altona seinen Schimmel vestieg:Kinder, diesmal solls anders gehen"! Auch den Krieg von l8bb gegen Oesterreich hat er noch unter den Fahnen, doch ohne Kom- mando, mitgemacht. 1870 versagte ihm der Kaiser, in Anbetracht seines hohen Alters, den Wunsch, sein Regiment nach Frankreich zu begleiten. Beim L-iegesernzug in Berlin durfte er dem Regiment das Ehrengeleit geben. 18/6 feierte er sein 80jähriges Dienstjubiläum, wozu ihm der Kaiser einen Ehrendegen übersandte mit einer Kabinetsordie, die das ^Ostreichen enthielt, dem Jubilar einst ein Standbild zu errichten.

t hat er zum letzten Mal das Sedanfest mitgefeiert. Drei Söhne

sind ihm im Tode vorangegangen, seine Gemahlin und ein Enkel, Ge- sandtschaftsattachä in Stockholm, überleben ihn.

Berlin, 3. Novbr. (Abgeordnetenhaus.) (Fortsetzung.) Im ferneren Verlauf der gestrigen Sitzung ergriff in der ersten Berathung des Staatshaushalts-Etats nach dem Abg. Dr. Virchow der Abg. von Rauchhaupt das Wort. Derselbe schlug vor, eine Einnahmeerhöhung dadurch zu befördern, daß im Reiche die indirekten Steuern erhöht und die Matrikularbeiträge gänzlich beseitigt würden. Der Abg. Richter (Hagen) sprach gegen diesen Vorschlag. Darauf ergriff bet Handels- Mlnrster Dr. Achenbach das Wort, und nach diesem der Vize-Präsident des Staats-Ministeriums, Finanz-Minister Camphausen.

Die Abgg. von Beuda und Rickert sprachen demnächst für den Etat und befürworteten eine Steuerreform im Reiche. Darauf wurde der Antrag Rickert angenommen: aus den Einnahmen Kap. 11 Titel 28: Ueberschüsse aus den Vorjahren, und Titel 29: Zuschüsse aus der Kriegskontribution; von den ordentlichen Ausgaben Kap. 66 Titel 10 bis 15: Unterhaltung von Seehäfen, Binnenhäfen, Kanälen, Wegen und Brücken, Stromregulirung und Hafenbauten, und die 15 Kapitel der extraordinären Ausgaben, sowie das Etats- und Anleihegesetz der Budgetkommission zu überweisen; für die Etats der Domänen, der Berg-, Hütten- und Salinenverwaltnug, der Verwaltung für Handel, Gewerbe und Bauwesen, der Eisenbahn-, der Allgemeinen Finanzver­waltung, des landwirthschaftlichen Ministeriums und Gestütsverwaltung Kommissarien (Gruppen) zu ernennen, und den Rest im Plenum in zweiter Berathung zu erledigen.

Der Nachtragsetat für 18771878 wurde in zweiter Berathung genehmigt, und schließlich ein Schreiben des Justiz-Ministers verlesen, welcher die Vorlage, betreffend die Ausführung der Justizorganisation in Preußen, sofort nach ihrer Durchberathung im Staats-Ministerium an das Haus gelangen lassen wird und dasselbe daher ersucht, einst­weilen die Berathung des damit im engsten Zusammenhänge stehenden Gesetzentwurfs, betreffend die Errichtung von Landgerichten und Ober- Landesgerichten, auszusetzen. Der Präsident sprach die Hoffnung aus, beide Vorlagen im Laufe der nächsten Woche auf die Tagesordnung setzen zu können. Eiu Kommissar des Justiz-Ministers glaubte den Eingang der Vorlage gegen Ende der nächsten Woche in Aussicht stellen zu können. Schluß 4 Uhr. Nächste Sitzung Dienstag 11 Uhr.

m (Fortsetzung folgt.) (R. u. St.-A.)

Berlin, 2. Novbr. Der Criminalsenat des Kammergerichts erkannte in zweitinstanzlicher Verhandlung gegen den Grafen Hermann Arnnn und Gehlsen wegen Beleidigung des Reichskanzlers durch Artikel der Reichsglocke auf vierwöchentliches Gefängniß gegen Arnim, auf vierjähriges gegen Gehlsen. Letzterer war in erster Instanz zu fünfjäh­rigem, Arnim zu dreimonatlichem Gefängniß verurtheilt.

Berlin, 3. Nov. Eine kaiserliche Cabinets-Ordre bestimmt um das Andenken Wrangel's zu ehren, daß sämmtliche Offiziere der Armee acht, die Offiziere des Brandenburgischen Füsilier-Regiments dessen Chef Wrangel war, zwölf, die Officiere des Ostpreußischen Cüras- sier-Negiments vierzehn Tage Trauerflor tragen. Das Ostpreußische Cürassier-Regiment wird den Namen Graf Mangel beibehalten.

~ Berlin, 3. Nov. Ueber das Begräbniß Wrangel's ist noch jsichts bestimmt; heute erst erwartet man die kaiserliche Bestimmung für

in Stettin. Die Abreise der kronprinzlichen Herrschaften nach Wiesbaden wurde dadurch verschoben.

m S. M. S.Vineta" ist am 2. d. Mts. auf der Rhede von Wilhelmshaven zu Anker gegangen. S. M. S.Kaiser" ist an dem- selbe Tage Nachmittags 3 Uhr daselbst außer Dienst gestellt worden.

~ Paris, Nov. (Spezialtelegramme des Deutschen Montags- Blatt) Die Verhandlungen Pouyer-Quertiers wegen Bildung eines neuen Kabinets haben einen Aufschub erlitten und werden am Dienstag wieder aufgenommen werden. Das gegenwärtige Ministerium, obgleich es seine Demission eingereicht hat, wird noch vor den Kammern erschei­nen, um seine Handlungen zu vertheidigen und die Absichten der beiden Majoritäten zu sondiren, bevor der Marschall seine definitiven Ent-