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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit Beßftrifüjcfj» B ilage. und SamstagS mit der Berliner Provinzidl Ehrreipondenz:
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M 252.
SüMstW den 27. Oktober.
1877.
Amtliches.
Bekanntmachung.
Die über den Ausbruch der Rinderpest in der im preußischen Regierungsbezirke Wiesbaden belegenen Stadt Ge is en h ei m «nge- stellten Ermittelungen haben ergeben, daß die Seuche durchs Rindvieh eingeschleppt ist, welches über Linz und Passau aus Oesterreich-Ungarn eingeführt wurde.
Da die vollständige Sperre der deutschen Landesgrenze gegen die Einfuhr von Wiederkäuern aus Oesterreich-Ungarn erst in neuester Zeit erfolgt ist und da vorher zahlreiche Viehtransporte aus Oesterreich- Ungarn nach Deutschland, insbesöndere nach den südlichen Theilen desselben, eingeführt sind, so ist bei der zeitigen großen Verbreitung der Rinderpest in Oesterreich-Ungarn zu befürchten, daß unter den eingeführten Rindern sich wiederholt inficirte Thiere befunden haben.
Es ist deshalb die größte Wachsamkeit geboten, um jeden etwa noch erfolgenden Ausbruch der Rinderpest schnell zu entdecken und dann die Weiterverbreituug der Seuche durch rechtzeitige energische Maßregeln zu verhüten.
Der auf Grund des §. 12 des die Maßregeln gegen die Rinderpest betreffenden Reichs-Gesetzes vom 7. April 1869 bestellte, unterzeichnete Reichs-Commissar ersucht daher die zuständigen Verwaltungsbehörden
1) durch angemessene Veranlassungen dafür sorgen zu wollen, daß von allen verdächtigen Erkrankungen von Wiederkäuern sofort der zuständigen Polizei-Behörde Anzeige gemacht wird und daß verdächtig erkrankte Wiederkäuer nicht abgeschlachtet werden, ohne vorher tierärztlich untersucht zu sein;
2) durch geeignete Bekanntmachungen die Viehbesitzer darauf aufmerksam zu machen, daß eine sorgfältige Ueberwachung des Gesundheitszustandes der Wiederkäuer gegenwärtig besonders geboten erscheint und daß die sofortige Anzeige verdächtiger Krankheitser- fcheinungen bei der Polizei-Behörde dem eigenen Interesse der Viehbesitzer entspricht, da die Unterlassung der schleunigsten Anzeige einer verdächtigen Erkrankung jedenfalls den Verlust des Anspruchs auf Entschädigung für die gefallenen oder getödteten Thiere zur Folge hat. Auch ist auf die Gefahr der Behandlung ertränkter Thiere durch Kurpfuscher hinzuweisen;
3) dafür Sorge zu tragen, daß die den Veterinär-Polizeibehörden zustehende Kontrole bei der Disinfizirung der zum Viehtransport gebrauchten Eisenbahnwagen rc. mit Rücksicht auf die gegenwärtigen Verhältnisse sorgfältig ausgeübt wird.
Von etwa erfolgenden Ausbrüchen der Rinderpest wollen die zuständigen Verwaltungsbehörden dem Unterzeichneten gefälligst sofort telegraphische Nachricht geben und demnächst über die Art der Seuchen- einschleppung und die zur Unterdrückung der Seuche getroffenen Anordnungen thunlichst schnell schriftliche Mittheilung machen.
Wiesbaden, den 16. Oktober 1877.
Der Reichs-Commissar
Beyer, Geheimer Regierungs-Rath.
Die Königliche Steuerkasse I hier ist wegen der stattfind enden Ueberlieferung am 30. und 31. d. Mts. geschlossen.
Hanau am 26. Oktober 1877.
Der Landrath.
Verloren: Auf der Straße von Hanau bis Roßdorf 1 Bündel Fruchtsäcke, auf denselben die Firma „Val. Kühn, Michelbach"; dem Wiederbringer eine Belohnung. Ein röthliches Kreuzchen. Ein brauner Kinderschirm. Eine Meerschaumspitze.
Gefunden: Ein Körbchen mit Eier. Ein Portemonnaie mit etwas Geld.
Hanau am 27. Oktober 1877.
Königliches Landrathsamt.
Wochenschau.
L. C. Einen Abschluß für die Kais er besuche dieses Jahres bildet der Aufenthalt Kaiser Wilhelms in der ehemaligen freien Reichsstadt Frankfurt a. M., wohin er bei seiner Rückreise von Baden nach Berlin gekommen und wo er v»m 18. bis 20. unter ungeheurer Freude der Bevölkerung geblieben war. Einer Ansprache des Oberbürgermeisters gab der Kaiser die ihn ehrende Erwiderung, er habe, den Wunsch der Nation erkennend, die Wiederaufrichtung des Reiches als eine ihm von Gott gestellte Aufgabe unternommen und in diesem Sinne die von den Fürsten Deutschlands ihm dargebotene Kaiserkrone angenommen. Möge es zum Segen Deutschlands gereichen! Der Kaiser ging auch zum Dome, der jetzt nicht nur von allen Schäden des Brandes von 1867 wieder geheilt, sondern auch vollkommen ausgebaut ist und demnächst aufs neue zum Gottesdienste benützt werden wird. Dem katholischen Dompfarrer antwortete er: „Sie haben Recht, an Gottes Segen ist Alles gelegen. Dies war der Spruch meines Vaters und an dem halte ich auch!" — Die Beurlaubung des Ministers Graf Eulenburg auf sechs Monate wird in liberalen Kreisen sehr unlieb angesehen, weil dadurch ein weiteres Provisorium geschaffen und für lange noch kein geschlossenes ganzes Ministerium sichtbar sein wird. Die Staatsregie- rnng wurde sofort nach dem Zusammentritt des Landtages wegen des Ministerurlaubes, und zwar vom Abg. Windthorst, befragt. Der Landtag selbst ist am 21. durch Minister v. Camphausen mittels einer königlichen Botschaft in aller Ruhe eröffnet worden. Die Kämpfe zwischen Regierung und Volksvertretung ruhen noch im Schoße der Zukunft, dürften aber jedenfalls heftig werden. — Aus der Audienz des Prinzen Reuß beim Sultan vernahm man noch nachträglich die Aeußerung des deutschen Botschafters, daß der Reichskanzler Niemand das Geheimniß seiner Politik anvertraut, daß man jedoch in Berlin die Gesinnungen der Pforte bezüglich der Christen und ihre Absichten kenne und demgemäß handeln werde. Das Duell zwischen Rußland und der Türkei werde allein zwischen den beiden Gegnern ausgefochten werden.
Minister Tisza hatte sich wegen Ungerechtigkeit gegen Mitbürger und Parteinahme für die Russen zu verantworten. Es wurde ihm der Vorwurf gemacht, daß er die Unterstützung der Türkei durch das Putschkorps verhindert, während er den Transport von russischen Waffen und Kriegsmaterialien durch Oesterreich-Ungarn gestattet hätte. Er leugnete jedoch, daß Letzteres geschehen sei, und rühmte sich, daß er im Szekler- lande den eigenen Staat geschützt habe. Neuestens ging die Rede, daß Tisza sehr unzufrieden mit den Ocsterreichern sei und sein Portefeuille niederlegen würde, wenn die Cisleithaner beim österreichisch-ungarischen Ausgleiche nur ihren Willen durchsetzen wollten. So schlimm wird es übrigens nicht sein und auch beim deutsch-österreichischen Handelsverträge wird vielleicht noch eine Rettung möglich erscheinen, an der übrigens fast schon gänzlich gezweifelt wird. — In Galizien regt sich ein Gefühl von Versöhnlichkeit, Falschheit oder Schwäche, da man den politischen Heißspornen Polens nicht mehr nachgeben, sondern die Politik des Ab- wartens befolgen will, welche einzig und allein die Nation vor neuen Niederlagen bewahren kann. In Prag hat man die Russen schnöde verlassen, seitdem man nichts mehr von ihnen erwarten zu können glaubt. Alle russenfreundliche Begeisterung wird jetzt geschmäht, dafür jedoch auch das freundschaftliche Verhältniß Deutschlands zu Oesterreich in den Koth gezogen. Man möchte die Monarchie lieber Frankreich und England zutreiben, damit die abgehausten Czechen dann im Trüben fischen könnten.
England hat in dem Streite, der sich zwischen der Pforte und Griechenland immer hitziger entspann und möglicherweise sogar auf eine Katastrophe losarbeitet, die Pforte unterstützt. Lord Derby trat zwischen Beide und geberdete sich nun so, als hinge das Schicksal des Griechenvölkes von England ab und als wäre er für die Handlungen des Königreiches verantwortlich. Derby übernahm es, die türkischen Drohungen nach Athen zu übermitteln, worauf jedoch Trikupis erklärte, die Pforte möge mit der Regierung des ganz unabhängigen Nachbarstaates selbst, wenn sie von ihr etwas wolle, verhandeln. Trikupis schiebt alle Schuld bezüglich der Unruhen in Thessalien und Epirus