Einzelbild herunterladen
 

1868

Regiment mit geringem Verluste daran verhindert wurden. Mittler­weile ist das Heer der Verbündeten vor Plewna zufolge Berichten aus Poradim auf 106 Bataillone Infanterie, 67 Schwadronen Cavallerie und 356 Kanonen einschließlich der Belagerungsgeschütze (welche letztere noch nicht sämmtlich in Position gebracht sind) angewachsen. Sechzehn russische Redouten stehen fertig, an fünf anderen wird noch gearbeitet. Die Disposition ist so, daß die Rumänen den rechten und die Garden den linken Flügel der Cernirungs-Armee bilde«, während das Centrum durch die Corps der Generäle Krüdener und Sotow gebildet wird. General Gurko, welcher eine Stellung zwischen Widflutz und Jskrafluß einnimmt, muß viele seiner Truppen detachiren, um die fortwährenden türkischen Angriffe von Westen abzuwehren. Wladimir Jonin, das Haupt der provisorischen Regierung Bosniens, erließ eine von zwölf Woiwoden und zwei griechischen Popen gezeichnete Proklamation, worin er alle Bosnier zum Kriege gegen die Türkei auffordert. Aus Su- lina wird dem Daily Telegraph vom 23. gemeldet: Viele abgefangene russische Torpedos wurden nach Stambul geschickt. Behufs Verhütung fernerer russischer Angriffe werde« entsprechende Werke angelegt. Der italienische Cousul ist verdächtig, den Russen geheime Mittheilungen gemacht zu haben, und erhielt eine Verwarnung. Demselben Blatte wird aus Erzerum vom 24. gemeldet: Ismail Pascha langte heute Morgen in Karakilissa an. Mukhtar, der eine starke Stellung bei Je- nikiöi behauptet, hofft nach gelungener Vereinigung mit ihm dem wei­teren Vordringen des Feindes erfolgreich Widerstand leisten zu können. Dem Reuter'schen Bureau wird aus Erzerum vom 24. gemeldet, Ismail Pascha sei am 23. d. in Seidekau eingetroffen. Derselbe ge­denke Dahar zu erreichen, um die Verbindung mit den Truppen Mukhtar Pascha's, welche bei Zewin stehen, herzustellen. Am Soghanlu-Dagh steht eine russische Truppenabtheilung. Nach den aus Konstantinopel eingegangenen Meldungen setzen die Russen das Bombardement auf die Befestigungswerke von Kars fort, von denen das Feuer erwidert wird.

Lokales.

Hanau, 26. Oktober 1877.

(Kunstnotiz.) Wie aus den hiesigen Blättern ersichtlich wird die junge Pianistin Fräulein Emma Reich, Tochter des verstorbenen Musiklehrers Herrn Bernhard Reich dahier, unterstützt von namhaften Künstlern aus Frankfurt a. M., nächsten Dienstag im Saale zurgroßen Krone" ein Concert geben. Sowohl die Namen der Mitwirkenden als die Concertgeberin selbst stellen Kunstfreunden einen genußreichen Abend in Aussicht.

Vor zwei Jahren hatten wir schon einmal Gelegenheit, die ta- lentirte junge Dame in einem Concerte zu hören und bemerken hierbei, daß sich damals die Kritik günstig über die strebsame junge Künstlerin äußerte. Wenn wir nun in Erwägung ziehen, daß sich Fräul. Emma Reich, unter Leitung eines tüchtigen Meisters, unausgesetzt den eifrigsten Studien unterzogen hat, so dürfen wir von einem bedeutenden Fort­schritte gewiß überzeugt sein.

Wir wollen hoffen, daß ein recht voller Saal die Concertgeberin erfreuen und die ihr gezollte Anerkennung ein weiterer Sporn für sie sein möge, auf der betretenen künstlerischen Bahn weiter fortzuschreiten.

Versteigerungs- und Verpachtungs-Kalender

für Samstag den 27. Oktober.

Vorm. 9 Uhr werden im Geschäftszimmer des Herrn Oberförster Menger zu Forsthaus Neuhof verschiedene forstfiskalische Grundstücke verpachtet (s. Nr. 248 Han. Anz.) Nachm. IV2 Uhr soll in der kleinen Wirthschaft zu Wilhelmsbad die Ausübung des Jagdrechts im Distrikt Herrnwald, auf den Staatsgrundstücken der Gemarkungen Eichen und Ostheim auf 6 Jahre verpachtet werden (s. Nr. 249 Han. Anz)

Für heute und morgen. Heute: Hanauer Stadt­theater: Zum zweiten Male:Graf Waldemar", Schauspiel in 5 Akten von Gustav Freytag (sowohl die Besetzung des Stückes als die Leistun­gen der Rolleninhaber erfreuten sich nach der ersten Aufführung einer sehr günstigen Kritik), Anfang Abends 7 Uhr. Morgen: Dor- schußverein Langenselbold, eingetragene Genossenschaft: Abends 8 Uhr Generalversammlung im Gasthaus zum Adler daselbst; Tagesordnung: Rechnungsablage, Kaffendarlegung.

Die Ortschaften, wo die Landesgerichte hinkommen sollen, sind nach der Vorlage: Für Ostpreußen Allenstein, Bartenstein, Braunsberg, Jnsterburg, Königsberg, Lück, Tilsit; für Westfreußen Danzig, Elbing, Graudenz, Thorn; für Brandenburg Berlin, Kottbus, Frankfurt a. O., Guben, Landsberg, Potsdam, Prenzlau, Neu-Ruppin; für Pommern Cöslin, Greifswald, Stargard, Stettin, Stolp; für Posen Bromberg, Gnesen, Lissa, Meseritz, Ostrowo, Posen, Schrimm; für Schlesien Beuthen, Breslau, Brieg, Glatz, Gleiwitz, Glogau, Görlitz, Hirschberg, Liegnitz, Neisse, Oels, Oppeln, Ratibor, Schweidnitz; für Sachsen Er- furt, Halberstadt, Halle, Magdeburg, Naumburg, Nordhausen, Stendal, Torgau; für Schleswig-Holstein Altona, Flensburg, Kiel; für Hannover Aurich, Göttingen, Hannover, Hildesheim, Lüneburg, Osnabrück, Ver­ben; für Westfalen Arnsberg, Minden, Dortmund, Duisburg, Essen, Hagen, Münster, Paderborn; für Hessen-Nassau Kassel, Hanau,

Marburg, Frankfurt a. M., Hechingeu, Neuwied, Wetzlar, Wiesbaden,' und für die Rheinprovinz Aachen, Bon» Eleve, Koblenz, Köln, Düssel­dorf, Elberfeld, Saarbrücken, Trier. (Hess. Mgztg.)

Am 5. November d. I. wird bei dem Postamte in Neukirchen b. Z. eine Telegraphenanstalt in Wirksamkeit treten.

Bebra, 22. Okt. Heute Mittag gegen 5 Uhr wurde der an dem Bahnübergang bei Lispenhausen, an der Landstraße Bebra-Roten- burg, stehende Bahnwärter Johannes Riemenschneider aus Lispenhausen gerade in dem Augenblicke, als er die Barriere schließen wollte, von dem um 5 Uhr 29 Min. in Bebra abgehenden Jagdzuge überfahren, und zwar so, daß sein Körper buchstäblich zerstückelt wurde. Das un­vorsichtige und zu späte Schließen der Barriere ist die Veranlassung zu diesem schrecklichen Unglück gewesen. (K. Tgbl.)

Aus der Umgegend.

DerFrankfurter Anzeiger" schreibt unterm 25. Oktober aus Frankfurt am Main: Außer dem gestern von uns erwähnten groß­artigen Geschenk an die israelitische ReligionSgesellschaft hat Freiherr- Wilhelm von Rothschild eins Stiftung für junge Leute-, ohne Rücksicht auf ihre Konfession, gemacht, die sich dem Kunstgewerbe widmen. Ein Kapital von 250,000 Mark wird, wie verlautet, dem Magistrat zu die­sem Zwecke übergeben. Ein Drittheil der Zinsen soll denjenigen jungen Leuten zu Gute kommen, welche dem traditionellen Judenthum treu bleiben, weshalb ein Mitglied der Stiftungsverwaltung der israelitischen Religionsgesellschaft anzugehören hat. Ein Tapeziermeister ging gestern mit seiner Frau spazieren und ließ die Magd mit den Kindern allein. Als sie nach Hause zurückkehrten, fanden sie zwar ihre Kinder, nicht aber die Magd wieder, dieselbe hatte sich, nachdem sie mit einem Beile den Pult ihrer Herrschaft erbrochen und daraus 700 Mark ge­nommen, schleunigst entfernt.

DemFrankfurter Jntelligenzblatt" entnehmen wir folgende Notizen aus Frankfurt a. M. vom 26. Oktober: Ein hiesiger Möbel­händler und Verleiher von Mobiliar hatte vor einigen Monaten einer Familie eine ganze Ausstattung gegen monatliche Miethzahlung geliehen. Da die Miethe nicht bezahlt wurde, ging er vorgestern in die betref­fende Wohnung, fand jedoch von seinen Mobilien nichts mehr vor und gestand die Frau, deren Mann abwesend war, daß die sämmtlichen Sachen in einem Rückkaufsgeschäft verpfändet seien. Gestern wurde ein Mann festgenommen, welcher den Versuch machte, falsches Papier­geld in Umlauf zu setzen. Die Milchkuranstalt hat wieder 8 Kühe aus der Schweiz kommen lassen, einschließlich welcher der Bestand der Anstalt an Schweizerkühen sich auf 56 erhöht.

Aus de r Maingegend, 84. Okt. Bettelei und Gaunerei mehren sich in letzter Zeit in schreckenerregender Weise. Eine ganz an­ständig gekleidete Mannsperson hielt sich von Sonntag auf Montag unter dem Vorwande Aepfel zu kaufen, in einem Wirthshause zu Weil- bach auf. Am Morgen war der Gast, ohne seine Rechnung ausge­glichen zu haben, verschwunden und hatte ein Bett ganz und das andere theilweise mitgenommen. In der Nacht hatte sich der Gauner an Bett­tüchern aus dem Fenster seines Schlafgemachs ^herabgelassen, ohne, daß es Jemand gemerkt und hatte dann die Flucht^ergriffe«. (Fr. Anz.)

Cronberg, 24. Okt. Vom schönsten Wetter begünstigt, fand am letzten Sonntag die Einweihung der neu erbauten katholischen Kirche statt. Der Festzug, an dem in ächt christlicher Weise sowohl der evangelische Kirchenvorstand, wie auch die ganze protestantische Gemeinde sich betheiligte, nahm seinen Anfang an der alten Schloßkirche und be­wegte sich bis zu dem in gothischem Styl aufgeführten neuen Gottes­hause, dessen Raum kaum die Festgäste zu fassen vermochte. Beide Konfessionen hatten reich geflaggt, auch waren die Häuser der Stadt mit Guirlanden, Kränzen und sinnreichen Sprüchen geziert. Am Abend fanden zu Ehren der Festfeier anfmehreren Orten Concerte statt. (Fr. A.)

Darmstadt, 23. Okt. Seine Königliche Hoheit der Groß- Herzog werden sich Montag, den 29. d., nach Oberhessen begeben; in Gießen wird ein offizieller Empfang vorbereitet. Am Abend desselben Tages treffen Seine Königl. Hoheit in Alsfeld, wo ebenfalls Empfang stattfindet, ein und gedenken einige Tage dortselbst zu verweilen und der Jagd obzuliegen. 24. Okt. Wie wir hören, ist in Folge des plötzlichen Ablebens eines Artilleristen in der Nacht von: Samstag aus Sonntag Untersuchung eingeleitet, da Anzeigen dafür vorliegen sollen, daß der Verstorbene mißhandelt worden sei. (Hess. Landztg.)

Gießen, 23. Okt. Gestern Abend wurde die Familie eines hiesigen Einwohners in große Trauer versetzt. Dem jüngsten Kinde war zum Spielen der Knopf von einer Saugflasche überlassen worden und gerieth derselbe in den Schlund des Kleinen. Ehe Hülfe herbei­geholt werden konnte, war dasselbe erstickt. (G. A.)

Thermometer st and.

25. Oktbr.: Höchster Stand + 11°, Abends 7 Uhr + 9°, 26. Oktbr.: Morgens 7 Uhr + 9^«, Vormittags 10 Uhr + 10/20.