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anaiter Anzeiger.

Zugleich Amtliches Orgau für Kreis und Stadt Hanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Korrespondenz.

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Samstag den 20. OktoLer.

1877.

Amtliches.

Gefunden: Ein Cigarren-Et«i mit Cigarren. Ein brauner Stock. Ein schwarzer Ring, darauf ein goldenes Plättchen. Ein Portemonnaie mit etwas Geld.

Verloren: Ein schwarzes Medaillon mit 3 Brillanten. Ein goldener Trauring.

EntlaufenijAuf dem Hochstädter Bahnhöfe ein schwarzes Kalb. Hanau am 20. Oktober 1877.

______________________Königliches Landrethsamt.

Landwirth schäd licher Kreis-Verein Hanau.

Nächste Versammlung Dienstag den 3 0. Okto ter, Nach­mittags 20, Uhr, imgoldene» Löwen" in Hanau.

Tagesordnung:

1) Abstimmung über die Frage, welcher Gemeinde der vom Central- Verein verwilligte Simmenthaler Vollblut-Bullen 'unentgeldlich übergebe» werden soll;

2) Besprechung über die Beschaffung von gutem Zuchtvieh behufs Ver­steigerung im hiesigen Kreise. Bestimmte Bestellungen werden gleich angenommen;

3) Bericht über die Fohlenweide-Angelegenheit.

Außerdem kommen in der Versammlung 2 »om Kreisverein angekaufte vorzügliche Original-Simmenthaler Vollblutbullen zur öffentliche» Versteigerung aufs Meistgebot.

Sämmtliche Gemeinde-Vorstände und Bullenhalter werden ersucht, diese Gelegenheit wahrzunehmen. Die Verkaufsbcdingunge» werden in der Sitzung bekannt gemacht.

___Der Vorstand.

Wochenschau.

L. C. Meinusgsverschiedenheiten, die im preußischen Mini­sterium bestanden, deren Beschaffenheit jedoch noch auf Aufklärung war­tet, wurden noch vor der Abreise des Reichskanzlers nach Varzin aus­geglichen. Graf Eulenburg, der Staatsminister des Innern, hat hin­gegen ein Entlassungsgesuch eingereicht und dasselbe mit seiner sehr an­gegriffenen Gesundheit begründet. Dem preußischen Landtage sollten bei seinem Wiederzusammentritt am 21. Okt. sehr wichtige Gesetzesvorlagen unterbreitet werden, welche die innere Staatsorganisation vervollständi­gen würden. Allein man spricht davon, daß gewichtige Gründe vor­handen seien, mit weiteren oder zu rasch aufeinander folgende» neuen Gesetzesbeschlüssen zuzuwarten. So ist Fürst BiSmarck noch gegen die Städteordnu»g und namentlich dagegen, daß die Wahlberechtigung der Städter auf einen zu niedrigen Census herabgesetzt werde. Andererseits wünscht er die Kreisordnung nachgerade auch auf die neuen westlichen' Provinzen ausgedehnt zu sehen. Das deutsche Panzergeschwader, daß sich während des Sommers in den türkischen Gewässern aufhielt, ist seit Anfang dieses Monats auf der Rückkehr in die heimischen Hä­fen begriffen. Die Reichsregierung ist der Ansicht, daß die deutschen Interessen während des Winters genügend durch die paar zurückgeblie­benen Schiffe geschützt seien.

Kaum war der Siebenbürger Putsch niedergeschlage», so streuten Wiener und Pester Blätter neue Gerüchte aus, daß die 3000 Putschsoldaten noch im Szecklerlande vereinigt wären und unterhalte» würden, daß gegen 1500 Mann ungarische Freischaaren in die kleine Walachei eingefallen und ungarische Honveds «ach dem türkischen Fort auf der Donauinsel Adakale abgegangen sei. Diese Nachrichten wurden von Wien aus sofort als reinster Humbug gekennzeichnet. Wegen der Siebenbürger Vorfälle wurden natürlich gegen Tisza von Seiten der äußersten Linken im ungarischen Reichstage die heftigsten Ausfälle ver­sucht. Ihr Führer Helfy schilderte eine solche Revolution für gewisse Fälle sogar als eine Nothwendigkeit, der die Regierung nicht entgegen­treten dürfe. Hatte dieser Patriot durch solche Grundsätze schon ohne­hin den Beifall aller Vaterlandsfreunde verscherzt, so gelang es dem Minister zu alledem noch, ihn unter allgemeiner Aufmerksamkeit an den Pranger zu stellen. Auch hierbei erhielt die Regierungspolitik die An­erkennung einer großen Mehrheit, wenngleich die Sache selbst noch im

Dunkeln schwebt und sich i» Untersuchung befindet. Tisza erfocht ferner damit einen Sieg, daß er die Berathung eines stark angefeindeten Branntweinsteuergesetzes erreichte. Der Vatikan versicherte Oester­reich, daß die polnischen Bischöfe und der polnische Elerus ganz frei seien von der Schuld einer Betheiligung an jener politischen Bewegung, welche eine allgemeine Erhebung in Oesterreichisch-, Russisch- und Preußisch-Polen bezweckt und bat um die Vermittlung Oesterreichs, um von der russischen Regierung zu erlangen, daß die polnische Geistlichkeit bei der Ausübung ihrer religiösen Pflichten oder bei ihrem Verkehr mit dem Vatikan keine Behinderung und Belästigung erfahre. Also ein offenbares Eingeständniß, daß eine derartige Bewegung existirt und was rostiger ist, daß der Clerus davon Kenntniß hat. Der deutsch­österreichische Handelsvertrag ist eine sehr schwere, wenn nicht ganz und gar eine Fehlgeburt, was sich sehr bald zeigen muß. Mit den Ver­handlungen, deren Geheimniß immerhin bei den Betheiligten strenge gewahrt bleibt, wird derart gespielt, daß einmal ein gutes, ein ander­mal ein schlechtes Resultat verkündigt wird. Hoffen wir, daß das ge-^ meinschaftliche Band, das Oesterreich an Deutschland knüpft, nicht zer­rissen werde. Die viel- und immer wieder verbreiteten Gerüchte von Frieden und Vermittlungen stehen auf sehr schwachen Füßen, da And- rassy wie Deutschlands Kanzler auf dem Grundsätze beharrt, solange nicht zu vermitteln oder einzugreifen, bis nicht einer der streitenden Theile dies verlangt. Oesterreich kann mit England nur freundschaft­liche Rathschläge ertheilen. Wer kan» die Pforte bei aller Friedeus- bereitschaft, die man dem Sultan unterstellen mag, heute bewegen, das Glück aus der Hand zu geben, eine Stellung nicht auszunutzen, wie sie ein Jahrhundert der Kriege ihr nicht geboten hat? Wer könnte Ruß­land bewegen, vom Schauplatz abzutreten mit dem Verlust seiner ge- sammten Stellung in Europa, mit dem Verlust der Autorität der Re­gierung im Innern? Deshalb kann Graf Zichy wohl Friedenspläne bereithalten und der Geeignetste sein, sie irgendeinmal vorzulegen, auf­dringlich ist er aber damit doch nicht geworden.

Zwei englische Minister haben sich bei Nachtischreden über Orientpolitik und zwar im entgegengesetzten Sinne vernehmen lassen. Während Northcote die Friedensvermittlung Englands oder sonst einer Macht befürwortet und sogar als eine baldmögliche Ueberraschung Hin- stellt, sagt der als Türkenfreund nicht bekannte Salisbury, daß an Frieden nicht eher zu denken fei, als bis Einer der Kämpsenden am Boden liege und daß den erweckten Leidenschaften vorerst Genüge ge­schehen müsse, ehe ein Ende des Krieges abzusehen sei. Auch er betont, daß keine der Befürchtungen vor der russischen Angriffsmacht bestehen und Englands Neutralität deshalb unbedingt festzuhalten sei. Gegen England selbst treten schwere Anklagen auf, daß es die Sache der Kul­tur im Orient verrathen hat, weil es beim ersten Aufflackern des Auf- standes i« Bosnien nicht sofort mit dem dazu bereiten Oesterreich energisch in Stambul aufgetreten fei. Damals hätte der grausame Krieg vermieden werden können, dessen für die Türken siegreiche Füh­rung jetzt auch das Ansehen Großbritanniens in Indien schwer geschä­digt hat. Die Mohamedaner Indiens haben sich bereits geregt und Zustimmung bei den Hindus gefunden und es wird demnach ein kolos­saler Aufstand in Ostindien nur zu leicht möglich sein. Die Ernte­aussichten in Indien sind besser geworden, da Regen gefallen ist, wes­halb auch Linderung für das Elend der Hungersnoth zu erwarten ist.

Obwohl der Ausfall der französischen Wahlen entschieden gegen die Politik des 16. Mai und den Klerikalismus und für die republikanische Verfassung sprechend gedeutet werden muß, so hat er doch die Hoffnungen beider Gegner enttäuscht. Vorläufigen Schätzungen gemäß haben Die 363 von ihren Sitzen 2050 an die Monarchisten verloren. Die republikanische Mehrheit beträgt aber noch immer die große Zahl von 120 Stimmen. Mac Mahon hatte vorher noch ein zweites Manifest erlassen, milder in der Form als sein erstes, aber ebenso täuschend und angreifend, auf welches die Linken des Senats sofort antworteten. Wenn Mac Mahon den Klerikalismus feiner Re­gierung wegleugnet, rufen sie:Ihr seid doch klerikal", wenn er die Verfassung und den Schutz der Republik beschwört,Deine Regierung