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Hammer Anzeiger.

Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanam

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M 244.

Douuerstag den 18» Oktober.

1877.

Amtliches.

Entlaufen: Am 7. ds. Mts. 2 Hunde, und zwar ein dunkel­brauner glatthaariger junger Hühnerhund, männlichen Geschlechts, ohne Abzeichen, auf den NamenFlambo" hörend, und eine gelbbraune Dachshündin, auf den NamenLola" hörend.

Gefunden: Ein Portemonnaie mit etwas Geld. Ein blauer Schleier.

Hanau am 18. Oktober 1877.

Königliches Landrathsamt.

Es wird um Angabe der Aufenthaltsorte nachstehender Personen ergebenst ersucht:

1) der Fabrikarbeiterin Flemming aus Hanau, früher Lothrin­gergasse Nr. 8 hier wohnhaft; 2) des Feilenhauers Johann Gottfried Jausen aus Grotenrad; 3) des Taglöhners Christoph Schaub aus Freiensteinau; 4) des Adam Schmidt aus Raßdorf, Kreis Hersfeld; 5) des Spenglergesellen Jakob H eis aus Neuenhain i./Baden; 6) des Schreinergesellen Ludwig Rappenb er ger aus Auggen i./Baden; 7) des Knechts Georg Bindewald aus Alsfeld; 8) des Knechts Eduard Wadner aus Alsfeld; 9) des BronceurS Karl Bert hold aus Par- tenstein; 10) des Brauers Georg Gackenh eim er aus Gültlingen i./Württenberg; 11) des Metzgergesellen Försch aus Burgsinn; 12) des Johannes Rösch, früher in Hanau.

Die gegen: 1) den Schneider Emil Japlp aus Oranienburg bei Berlin, 2) den Bäcker Konrad Schmidt aus Brücken erlassenen Steck­briefe werden hiermit wiederholt erneuert.

Es haben: 1) der Vergolder Heinrich Kindlinger aus Mainz wegen Beleidigung eines Schutzmannes eine 4tägige Haftstrafe; 2) der Joseph Vollmer aus Mainz wegen Körperverletzung eine 5tägige Gefängnißstrafe zu verbüßen.

Es wird um deren Festnahme und Ablieferung ins hiesige Kreis- Gerichtsgefängniß ergebenst ersucht.

Hanau, am 15. Oktober 1877.

Der Polizei-Anwalt Scholling.

Tagesscha«.

Die Bedeutung der französischen Wahlen.

(L d. Sckw Merk )

Der Ausfall der Wahlen in Frankreich wird eine heilsame Er­nüchterung der Gemüther zur Folge haben. Beide Parteien haben während des Wahlkampfes den Mund möglichst voll genommen, neiden ist jetzt eine Lehre der Bescheidenheit gegeben. Das Drama, dessen Ausgang mit so großer Spannung erwartet worden ist, schließt durch­aus ohne den erhofften oder befürchteten Knalleffekt. Der Kampf ist nicht zu Ende, es ist keine Entscheidung gesallen, es ist blos ein neuer Boden zur Fortsetzung des Kampfes gegeben. Man kennt in diesem Augenblick noch nicht das gesammte Resultat der Wahlen, aber sie sind so weit bekannt, daß sie das Urtheil erlauben: keine der beiden Parteien darf sich eines entschiedenen Sieges rühmen. Die Republikaner haben die Mehrheit behalten, aber anstatt auf 400 zu steigen, wie Gambetta prophezeit hatte, ist diese Mehrheit nicht unerheblich zurückgegangen. Der Hochdruck, mit dem die Verwaltungsmaschine seit 5 Monaten ge­arbeitet hat, ist nicht ohne Wirkung geblieben, schon in den letzten Ta­gen vor der Wahl verminderte sich offenbar die Zuversicht der Repu­blikaner, und das Mitleid, welches Viktor Hugo im Voraus den Be­siegten widmete, war durchaus übel angebracht. Die erdrückende Mehr­heit also, welche die Republikaner brauchten, um den Marschall zur Unterwerfung oder zur Abdankung zu zwingen (se soumettre ou se demettre) haben sie nicht erreicht. Andererseits ist es der Gewalt­thätigkeit und Einschüchterung, welche unter dem republikanischen Regime schamloser war, als jemals unter dem Kaiserreich, doch nicht gelungen, eine der Regierung günstige Mehrheit zu schaffen; der Akt des 16. Mai bleibt dnrch die Mehrheit des französischen Volkes verurtheilt, die An­hänger der monarchischen Regierungssorm sehen die Hoffnung, auf fried­lichem Weg ihr Ziel zu erreichen, vertagt. Aber freilich nicht vereitelt,

nur vertagt; denn schließlich kann nicht geläugnet werden, daß die Re- publikauer mit verminderten, die Monarchisten mit erhöhten Kräften aus dem Wahlkampf hervorgehen. Die letzteren haben an Boden ge­wonnen, auf dem sie unter günstigeren Umständen den Kampf fortsetzen werden. Und zu diesen günstigeren Umständen wird auch das gehören, daß die Republikaner, eben weil sie im Besitze der Mehrheit sind, schwerlich in Zukunft mit derselben musterhaften Disziplin zusammen­halten werden, wie sie dies in den Tagen des Kampfes gethan: es ist eine künstliche Einheit, die in die Brüche gehen muß, sobald die Re­publikaner von ihrer Mehrheit ernstlich Gebrauch machen wollen. So ist denn derentscheidende" Tag vorübergegangen, ohne eine ernstliche Entscheidung zu bringen. Das kann freilich nur diejenigen überraschen, die von dem leidenschaftlichen Ton der Wahlpolemik angesteckt oder irre­geführt diesem Tag mit Erwartungen entgegensahen, die auf keinen Fall in Erfüllung gehen konnten. Denn es liegt auf der Hand, daß selbst wenn die eine Partei sich eines durchschlagenden Erfolgs rühmen könnte, die andere doch noch lange nicht sich für besiegt erklären und ihre Gegenbemühungen einstellen würde. Die Frage, ob Frankreich der Monarchie oder der Republik gehören wird, ist nicht so einfach, daß sie an einem einzigen Wahltage zur definitiven Lösung gebracht werden könnte. Sie entscheidet sich in einem geschichtlichen Prozesse, der seit bald hundert Jahren im Gange, von seinem endlichen Austrag heute aber offenbar noch sehr weit entfernt ist. Dieser Prozeß wird seinen Fortgang haben nach wie vor dem Wahltage, nicht ohne daß das Stärkeverhältniß der Parteien sich verschoben hätte, aber doch ohne daß die eine derselben ein entscheidendes Uebergewicht erlangt hätte, und deßhalb, ohne daß für die nächste Zeit ein gewaltsamer Zusammenstoß zu befürchten wäre. Denn das scheint das wichtigste Ergebniß dieser Wahlen zu sein: die Gefahr einer Katastrophe ist durch sie beseitigt. Die Republikaner sind nicht stark genug, um den Marschall stürzen zu können, aber auch nicht so stark, daß er Gewalt gegen sie brauchen müßte. Und andererseits sieht sich der Marschall einer Volksvertretung gegenüber, die ihm alle Restaurationsplane so lange unmöglich macht, als er nicht zu Mitteln greifen will, vor denen er selber zurückzuscheuen scheint. Die Krisis ist also keine akute geworden, sie hat vielmehr von ihrer Schärfe verloren; eine Wirkung der Wahlen, die ohne Zweifel am unerwünschtesten für die Klerikalen ist. Diesen hätte jede extreme Lösung willkommen sein müssen. Im Fall der Marschall die Mehrheit erhielt, konnten sie darauf rechnen, nahe am Ziel der monarchischen Restauration zu sein; und wenn Gambetta seine 400 Freunde durch­setzte, konnten sie erst recht hoffen, daß dies die am Ruder befindliche monarchische Partei zu einem Gewaltstreich herausfordern werde. Um solche Hoffnungen sind die Klerikalen betrogen. Sind aber die Kleri­kalen mißvergnügt, so hat die übrige Wele, die den Frieden will, keine Ursache sich zu grämen.

DerR. u. St.-A." enthält: Bekanntmachung, betreffend die Ausgabe von Schatzanweisungen im Betrage von 10,000,000 Mk. Vom 16. Oktober 1877.

Der Landtag der Monarchie wird am Sonntag (21. d. Mts.), wie dieProv. Korr." mittheilt, im Auftrage Sr. Majestät des Kaisers und Königs durch den Vize-Präsidenten des Staats-Ministeriums, Fi­nanz-Minister Camphausen, im Weißen Saale des Königlichen Schlosses eröffnet werden.

Der Minister des Innern Graf zu Eulenbnrg, welcher leidend ist und bereits seit längerer Zeit mit der Absicht umging, sich von den Geschäften zurückzuziehen, hat, derProv. Korr." zufolge, iu der vori­gen Woche Se. Majestät den Kaiser und König um seinen Abschied ge­beten. Se. Majestät haben jedoch, wie das genante Blatt weiter mit­theilt, in den Rücktritt des Ministers nicht gewilligt, demselben viel­mehr im Einverständnisse mit dem Präsidenten des Staats-Ministeriums Fürsten Bismarck einen sechsmonatlichen Urlaub behufs Wiederherstellung seiner Gesundheit zu ertheilen geruht. _ ; . H . -

Die beschimpfende Herabwürdigung der Bibel unter Hinweis auf die von den christlichen Kirchen und sonstigen Religionsgesellschaften