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längeren Urlaub ertheilen und dessen Stelle interimistisch von einem andern Minister, z. B. von Herrn Friedenthal, verwalten lassen werde. An die Ernennung des Herrn Persius zum Nachfolger des Grafen Eu- lenburg wird nicht gedacht.
— Berlin, 13. Okt. Die Lebensmittelfrage beschäftigt nach allen Richtungen das Reichs-Gesundheitsamt. Das eingehende Material ergänzt sich jetzt namentlich in Bezug auf die juristische Seite der Frage. Es liegt eine Reihe von Rechtsfällen vor, in welchen der Nachweis geführt ist, daß die Fälscher eine überaus große Bereicherung zu erzielen wußten, ohne daß man ihnen nach Lage der Dinge eine strenge Strafe diktiren könnte. Selbstverständlich wird das bezügliche Material in gleicher Weise von dem Reichs-Gesundheitsamte wie von dem Justizamte ausgebeutet werden. (Köln. Ztg.)
— In den deutschen Münzstätten sind bis zum 6. Oktober 1877 geprägt worden, an Goldmünzen: 1,149,468,100 Mark Doppel- kronen, 861,829,300 Mark Kronen, 11,284,795 Mark halbe Kronen; hiervon auf Privatrechnung: 223,162,279 Mark; an Silbermünzen: 71,65^,095 Mark 5-Markstücke, 97,288,5^6 Mark 2-Markstücke, 143,512,165 Mark 1-Markstücke, 63,824,961 Mark 50 Pf. 50-Pfennigstücke, 35,717,922 Mark 80 Pf. 20 Pfennigstücke; an Nickelmünzen: 23,502,530 Mark 70 Pf. 10-Pfennigstücke, 11,657,813 Mark 75 Pf. 5-Pfennigstücke; an Kupfermünzen: 6,213,207 Mark 44 Pf. 2-Pfennig- stücke, 3,382,722 Mark 83 Pf. 1-Pfeunigstücke. Gesammtausprägung an Goldmünzen: 1,522,583,195 Mark; an Silbermünzen: 411,996,730 Mark 30 Pf.; an Nickelmünzen: 35,160,344 Mark 45 Pf.; an Kupfermünzen : 9,595,930 Mark 27 Pf.
— In Danzig findet am 14. der Stapellauf der Ersatz-Corvette Arcona Statt.
— Ueber die sächsischen Militärprüfungen geht der Nat.-Lib. Corr. die Bemerkung zu: „Die Nachricht, daß das königl. sächsische Kriegs- Ministerium den jungen Leuten, welche auf Beförderung zum Offizier dienen wollen und zu diesem Zwecke von einem Truppentheile des 12. (sächsischen) Armee-Corps angenommen werden, nicht erlaubt, daß sie die Prüfung zum Portepee-Fähnrich vor der königl. preußischen Ober- Militärexaminations-Commission ablegen, hat alle diejenigen überraschen müssen, welche sich erinnern, daß die „Examinations-Commifsion" eben so wie die Kriegsschulen u. f. w zu den „Einrichtungen des Gesammt- Heeres" gehören, an denen, nach Maßgabe des Art. 3 der Militär- Convention vom 7. Februar 1867 das königl. sächsische Armee-Corps „participirt". „Es wird deßhalb", so setzt die Nat.-Lib. Corr. ihrerseits hinzu, „eine amtliche Widerlegung beziehungsweise Richtigstellung jener Meldung hoffentlich nicht auf sich warten lassen. (Köln. Ztg.)
— Karlsruhe, 9. Okt. Die drei neuen Schienenverbindungen zwischen der badischen Staatsbahn und den Bahnen von Elsaß Lothringen, Leopoldshöhe-St. Ludwig, Müllheim-Mülhausen und Altbreisach- Colmar, gehen der Vollendung entgegen. Werden die erstere und letztere Linie wahrscheinlich am 1. November dem Betrieb übergeben, so dürfte dies bei der zweiten am 1. Januar 1878 der Fall sein.
— Das Untersuchungsamt für Lebensmittel zu Hannover ist am 10. b. M in Wirksamkeit getreten; dasselbe hat sein Laboratorium in der Köbningerstraße Nr. 7 II. eingerichtet. Der Untersuchung unterliegen in erster Reihe Nahrungs- und Genußmittel. Die für die chemischen Analysen angesetzten und veröffentlichten Preise erscheinen niedrig gegriffen und versprechen, dem Amte eine ausgedehnte Wirksamkeit zu- zuführen.
— W i en, 12. Oktbr. Die „Neue freie Presse" bringt folgendes Telegramm aus P e ra vom 10. b.: „Graf Zichy hat auf Grund der Weisung seiner Regierung der Pforte Eröffnungen über die Grundlagen eines Friedensschlusses gemacht; der deutsche Botschafter empfehle der Pforte diese Eröffnungen in ganz besonderer Weise." Das „Telegra- phen-Korrespondenz-Bureau hält diese Nachricht für völlig unbegründet.
— Paris, 14. Okt., 10 Uhr Morgens. (Spezialtelegramme des „Deutschen Montags-Blatt.) Die Spannung und Aufregung wachsen stündlich; die Wahtbetheiligung wird voraussichtlich eine sehr starke, da der Zudrang zu den Mairien behufs Abholung von Wählerkarten gestern ein sehr großer war. Im Ministerrathe soll Fourton gestern dem Marychall Mac Mahon beruhigende Versicherungen über die Wahlaussichten gemacht und darauf bezügliche Depeschen der Präfekten mitgetheilt Habui. Eine Notiz des Prcßbureaus proklamirt die Gewißheit des Sieges in 300 Bezirken. Als Manoeuvre für die letzte Stunde hat Fourlou ein Telegramm an die Präfeklen gesandt, worin zuvörderst ^Mtheilung Gambetta's gemeldet und sodann der angebliche Abschluß eines Vertrages zwischen Italien und Deutschland als eine CrfinDung, als von der „Norddeutschen Allgemeinen" Und englischen wie italienischen Journalen dementirt, hingestellt wird. Dieses Telegramm soll in allen Gemeinden angeschlagen werden. Es Heißt weiter dann: „Wchen Verbreitung dieser falschen Nachricht würden zahlreiche klarier gerichtlich verfolgt, die Regierung fei entschlossen, die Bevölke- ™'$ nicht irre fuhren zu lassen. Nach Regierungsinformationen stehe on svative Sache an allen Punkten Frankreichs günstig. In mehr als 300 Bezirken sei der Sieg der Regierung sicher und diese Lage der
Sache werde auch von auswärtigen Blättern konstatirt. Die Börse habe vorgestern das Manifest des Marschalls mit einer Hausse begrüßt, und das weitere Steigen der Kurse sei ein Vertrauensvotum für den Marschall." — 14. Okt., 12 Uhr 55 Minuten. Die Wahlen gehen in ganz Paris mit vollkommener Ruhe vor sich. Bei ausnehmend schönem Wetter ist die Anzahl der Stimmabgebenden sehr beträchtlich. Für heute Abend wird auf den Boulevards ein großer Andrang der Bevölkerung erwartet. Bon Seiten der Regierung werden alle Maßregeln ergriffen, um die Ruhe aufrecht zu erhalten, welche aber durchaus nicht bedroht ! erscheint. — Crispi hat hier seinen republikanischen Freunden versichert, daß er keine Mission behufs Abschlusses eines Vertrages gehabt habe, aber er dürfe ihnen seine Ansicht nicht vorenthalten, daß, falls Frankreich eine Regierung mit offen ultramontanen Tendenzen erhalte, Deutschland und Italien vereint die Intriguen oder die Aktion derselben nicht abwarten würden.
— S t. Petersburg, 13. Oktbr. Der „Regierungsbote" veröffentlicht eine Kaiserliche Verordnung, enthaltend die Bestimmungen, nach welchen jeder auf dem Kriegsschauplatze befindliche Soldat für erwiesene militärische Verdienste zum Offizierrang befördert werden kann. Eine Weiterbeförderung wird von der Ablegung einer Prüfung abhängig gemacht.
— K onstantino pel, 12. Okt. Nach hier eingegangenen Nachrichten sollen die Russen aus der Umgegend von Ardahan gegen Penek marschiren. (R. u. St.-A.)
Lokales.
Hanau, 15. Oktober 1877.
— Se. Majestät der Kaiser und König weilen bekanntlich am 18. und 19. Oktober in unserem benachbarten Frankfurt und wie man aus den dortigen Blättern ersieht, werden zu Ehren höchstdesselben großartige Festlichkeiten: Fackelzug, Illumination zc. veranstaltet. Voraussichtlich trägt eine große Anzahl hiesiger Einwohner das Verlangen, sich dieses gewiß prachtvoll ausfallende Schauspiel mit anzusehen und ergeht deshalb an verehrliche Direktion der Hess. Ludwigsbahn die ergebenste Bitte, durch Ablassung von Extrazügen an beiden Tagen von Frankfurt nach hier dieses den Hanauern möglich zu machen.
Versteigerungs- und Verpachtungs-Kalender für Dienstag den 16. Oktober.
Nachm. 10» Uhr versteigert Herr Taxator W. Seiffert im Hause Kirchgasse Nr. 24 den Nachlaß der verstorbenen Frau Wittwe Grubener, bestehend in Stuben- und Küchenmöbeln und -Geräthschaften, Vorhängen, Leinengeräth, Bettwerk rc. gegen Baarzahlung.
— Für heute. Kunstindustrie-Verein: Erster Vortrag des Hrn. Prof. Dr. G. Schäfer aus Darmstadt über „Peter Paul Rubens" im Riesensaale; Anfang 71/± Uhr.
— In Schmal kalben hat ein Bote des dortigen Amtsgerichts größere Summen veruntreut und damit das Weite gesucht, ohne daß es gelungen ist, bis jetzt seiner habhaft zu werden. (Hess. Mgztg.)
Aus der Umgegend.
— Der „Frankfurter Anzeiger" schreibt unterm 13. Oktober aus Frankfurt am Main: Wie wir vernehmen, wüd die Gartenbaugesellschaft dem Kaiser durch eine Deputation ein kunstvolles Bouquet überreichen, das in seiner Ausführung ein Meisterwerk der Gartenkunst und des ästhetischen Geschmackes werden soll, wie es hier je kaum gesehen worden ist. Die Gartenbaugesellschaft als wissenschaftlich praktischer Verein dürfte damit ihre direkte Betheiligung am Empfange des Kaisers wohl am entsprechendsten bekunden. — Wie wir vernehmen, hat der Vorstand des Thierschutzvereins dahier zur Popularisirung und Verbreitung der Thierschutzideen eine sogenannte Preßkommission aus der Zahl seiner Mitglieder gebildet, die größtentheils aus gelehrten und auf dem Felde der Literatur bewanderten Männern besteht. Die in einzelnen Blättern, wie beispielsweise die im Journal erscheinenden Artikel: „Wettrennen und Thierschutzverein", sind bereits die Früchte dieser Kommission Die ebenfalls vom Vorstände bei Thierschutzvereins angeregte Aufforderung an hiesige und auswärtige Lehrer: „Schülervereine zum Schutze der Vögel zu bilden", hat das erfreuliche Resultat geliefert, daß bereits circa 8000 Personen unter sich solche Vereine gegründet haben. Möchte doch das rastlose Wirken dieses Vereins immer ^ mehr und mehr erkannt und gewürdigt und durch Beitritt unterstützt werden.
(Marktbericht.) Der heutige Heu- und Strohmarkt war ziemlich befahren. Heu kostete je nach Qual. per Centner 2 Mk. 80 Pf. bis 3 Mk. Stroh per Centner 2 Mk. bis 2 Mk. 40 Pf. Butter im Großhandel 1. Qualität 1 M., 2. Qualität 90 Pf., im Detail 1. Qualität 1 Mk. 20—30 Pf., 2. Qualität 1 Mk. 10 Pf. Eier das Hundert 5 Mk. bis 6 Mk. 60 Pf. Weißkraut erfuhr einen namhaften Aufschlag und wurde für das Hundert 14—16 Mk. bezahlt. Auch die Aepfel sind, in dem Preis in die Höhe geganzen und wurden heute 11 bis 12 Mk. 50 Pf. bezahlt. Es scheint, daß diese Woche der Markt mit Aepfel zu Ende geht und deshalb viele Fässer, welche zum Füllen