«■bwinemeati» Preis:
Jährlich s «ol HcUj.^M-SSP. Birrteljthriich
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AmKer Anzeiger.
Zugleich Amtliches Organ für Kreis nnd Stadt Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der S»nn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.
Snfertiol* Prei»:
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M 240. Samstag den
13 Oktober.
1877.
-* Amtliches.
'w' Der Goldarbeiter Leonhard Lenk von Erfurt hat sich heimlich von hier entfernt und seine beiden Kinder im Alter von 13 und 11 Jahren in hülfsbedürftiger Lage zurückgelassen. Um Nachricht über dessen Aufenthalt wird ersucht.
Hanau am 10. Oktober 1877.
Der Landrath.
Zugelaufen: Ein schwarz-braunes Hündchen.
Gefunden: Ein grauer Frauenschooß.
Hanau am 13. Oktober 1877.
Königliches Landrathtamt.
Landmrthschaftlicher Kreis-Verein Hanau.
Nächste Versammlung Dienstag den 2 3. Oktober, Nachmittags 2*/i Uhr, im „goldene» Löwen" in Hanau.
Tagesordnung:
1) Abstimmung über die Frage, welcher Gemeinde der vom Central- Verein verwilligte und bereits angekaufte Simmenthaler Vollblut- Bullen unentgeldlich übergebe» werden soll;
2) Besprechung über die Beschaffung von gutem Zuchtvieh behufs Versteigerung im hiesigen Kreise. Bestimmte Bestellungen werden gleich angenommen;
3) Bericht über die Fohlenweide-Angelegenheit.
__________________. ____________Der Vorstand.
Wochenschau.
L. C. Nicht nur dar Benehmen Crispi's, sondern auch seine Aufnahme i» Berlin und Paris seitens der Berliner Politiker «nd der französischen Republikaner, besonders Gambetta's hat sehr viel Lärm gemacht. Die Gegner »nd Vorgänger der jetzigen italie»rschcn Regierung dcnützten das selbstständige, der französischen Republik zugeneigte und deutschfreundliche Auftreten des Repräsentanten der italienischen Volksvertretung, um die Rrgierung selbst zu verdächtigen, als hätte sie dem Privatmaun Crispi eine besondere Mission gegeben. Buch die französische Regierung gab dem italienischen Botschafter in Paris ihre Miß- stimmxng z» erkennen, welcher deshalb eigens nach Rom reiste und dort erreichte, daß ein Regierungsblatt offiziös schrieb, daß zwischen Deutschland und Italien kein Allianzvertrag irgend welcher Art abgeschlossen worden sei. Es ist selbstverständlich, daß noch kei» Allianzvertrag besteht, weil eben noch der Zweck hiesür fehlt, sobald aber dieser eintritt, dann mögen wohl alle Hindernisse für jenen schon beseitigt sein. A»sS neue hat die Frage Crispi bestätigt, daß die französisch gesinnte Con- sortcria in Italien die liberale Regierung zu stürzen und eine deutschfeindliche Politik durchzubringen bemüht ist, während dem sraxzösischen Politiker die Abwendung Italiens von Frankreich immer klarer wird und die Republikaner hieraus sogar eine Waffe gegen den Mac Ma- Honismus schmieden.
Vielseitig wurde in letzter Zeit die Forderung des ehemaligen Bischofs von Paderborn, Dr. Martin, besprochen, der sich nicht mit einer Revision der Mai gesetzt, sondern nur mit der einfachen Aufhebung derselben sich begnügt. In konservativen und auch in liberalen Kreisen Deutschlands war man aber schon lange bereit, die wirklichen Härten der Maigesctze abzustellen und ein besseres Einvernehmen zwischen Staat und Kirche, d. h der katholischen zu ermöglichen. Dieser Bereitwilligkeit wird jedoch Hartnäckigkeit entgegengesetzt und so muß im Interesse des Staates der uxleidige Zustand bestehen bleiben. Die päpstliche „Voce della verita" gibt hiezu neuen Betrachtungsstoff, indem sie gelegentlich der Besprechung der Grundsteinlegung auf dem Niederwald« hervorhebt, daß neben dem Kaiser auch die Kaiserin dabei zugegen war. Sie sagt auch: „Wir sehen im Augenblick die Vorsehung durch dre Waffen der Soldaten Muhameds den maßlosen Stolz der Oberhauptes des griechischen Schismas des Photius demüthigen. Wer weiß, Überraschungen uns dieselbe Vorsehung vorbereitet, welche die Mächtigen Her»nterwirft und die Demüthigen erhöht. . . . Jetzt spricht der Herr von Deutschland nicht mehr von der Vorsehung,
sondern nur von seinen Soldaten. . . Diese stolze Zuversicht in die eigene Kraft allein ist ein trauriges, sehr trauriges Vorzeichen für die Zukunft der Söhne Luthers; sie war der französischen Eitelkeit gefährlich; sie ist verderblich russischem, barbarischem Dünkel: sollte sie nicht dem lutherischen deutschen Uebermuth gefährlich werden?" Auf dieselbe strafwürdige französische Eitelkeit wird nun wiederum spekulirt, um die obigen Ueberraschungen an dem deutschen Uebermuth zu versuchen. — Cardinalerzbischof Riario Sforza, eine gemäßigte Natur, ist in Neapel gestorben. Es wäre der Kandidat bei der nächsten Papstwahl gewesen, über dessen Unterstützung die mit dem Veto ausgestatteten katholischen Mächte bereits im Stillen übereingekommen waren.
In Siebenbürgen wurde ein Putschversuch entdeckt und zu gelegener Zeit noch verhindert. Eine ungarisch-polnische Legion von 3000—5000 Mann Infanterie und Cavallerie sollte die rumänische Grenze überschreiten, um einzelne Punkte der Bahnlinie Jassy-Bukarest zu zerstören und die Eisenbahnbrücken mit Dynamit zu sprengen. Die ganze tolle Unternehmung ist bisher noch unaufgeklärt und nirgends wollen eigenthümlicherweise Anstifter und Adressaten der vielen Sendungen von Waffen und Munition gefunden werden. Die zahlreichen Verhaftungen und eine strenge Untersuchung werden geeignet sein, Aufschlüsse zu verschaffen, besonders auch darüber, ob wirklich englisches Geld die Mittel zu dem glücklich mißlungenen Putsche gab. — Im Reichsrxthe hat die österreichische Regierung zweimal einen schwerwiegenden Sieg davongetragen, welcher zugleich ihre Stellung wieder befestigt., Ihre Steuerreformvorlage hat nämlich in zwei Entscheidungspunkten eine große und starke Gegnerschaft geschlagen.
Die englische Armee erfuhr eine auch in anderen Armeen unerhörte Beförderung von höheren Offizieren. Es wurden verabschiedet: 68 Generale, 62 Gen.-Lieut., 119 Gen -Maj. u. s. w. Befördert wurden: 80 Gen.-Lieut. zu Generalen, 118 Gen.-Maj zu Gen.-Lieut., 138 Obersten zu Gen.-Maj. u. s. w. Begrüntet ist die Bewegung durch den Art 187 der neuesten Armeereorganisation, die beschleunigende Veranlassung hiezu gaben aber wohl die russischen Militärverhältnisse, wie sie sich in diesem Fcldzuge verrathen haben. Bei der deutschen Armee hat man von jeher schon im Frieden kriegstüchtigen Generalen die Kommandos übergeben. — I« Lande hat die Stimmung insofern umgeschlagen, als man jetzt von dem türkischen Stolze Allerlei sür die englischen Interessen befürchtet und sich klar geworden ist, daß Rußland für Ostindien ungefährlich ist. — Ein plötzlich zufammenberufener Ministerrath gab zu der Vermuthung Veranlassung, daß in dem „Eastern question" etwas vorgehe. V»m Orient war aber nur deswegen die Rede, weil endlich energische Mittel gegen die schreckliche Hungersuoth in Ostindien ergriffen werden müssen.
Die Mahlbewegung ist in die letzte Woche getreten, gam Frank- rei ch blickt auf den 14. Oktober. Gewißheit über den Ausfall der Wahlen ist weder aus den Berichten der Konservativen noch der Republikaner zu bekommen, da beide sich geradezu widersprechen, wenn auch Diese die feste Hoffnung auf einen Sieg haben und Jene sie zu haben vorgeben. Die Regierungsmaschine hat gearbeitet, wie wohl noch niemals bei einer Wahl und sie trägt keine Schuld, wenn die Wähler allenfalls vor den Männern des 16. Mai den Rücken kehren. Der Papst hat früher die Wahl der Konservativen angerathen und jetzt hat er Jenen einen Sündenablaß von 3(0 Tagen verliehen, welche sich an Wahl-Prozessionen und Andachten betheiligen. Von Wahlaufrufen sind zu nennen, einer von Rouher, der als solcher der wieder in siih aus- gesöhnten Bonapartisten gelten kann, sodann von der Linken des Senats, von Grevy und Gambetta. Des Volkstribuns Manifest, so meisterhaft es ist, Hat aber vor'dem eigens Hiesür zusammengetretenen Ministerrath keine Gnade gesunden, denn es bringt seinem Versasser eine neue gerichtliche Versolgung und vielleicht eine Untersuchungshaft. Gambetta verlangt aber auch wiederum, daß Mac Mahon sich zurückziehe oder unterwerfe, wenn Frankreich gesprochen haben wird, welche Forderung schon in der Liller Rede eine Verurtheilung nach sich gezogen hat.
Anstatt von Schlachten und Siegen zu lesen, «he der bereits gefallene Schnee fußhoch und die Kälte in Bulgarien eisig sein wird,