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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinziell-Korrespondenz.

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JK 239.

Freitag den 12. Oktober.

1877.

Amtliches.

Bekanntmachung.

Mit Bezug auf die Allerhöchste Verordnung vom 3. d. Mts., durch welche die beiden Häuser des Landtages der Monarchie, das Herrenhaus und das Haus der Abgeordneten, auf den 21. Oktober d. I. in die Haupt- und Residenzstadt Berlin zusammen berufen worden sind, mache ich hierdurch bekannt, daß die besondere Benachrichtigung über den Ort und die Zeit der Eröffnungssitzung in dem Bureau des Herrenhauses und in dem Bureau des Hauses der Abgeordneten am 20. d. Mts. in den Stunden von 8 Uhr Früh bis 8 Uhr Abenos und am 21. d. Mts. in den Morgenstunden von 8 Uhr ab offen liegen wird.

In diesen Bureaus werden auch die Legitimationskarten zu der Eröffnungssitzung ausgegeben und alle sonst erforderlichen Mittheilungen in Bezug auf dieselbe gemacht werden.

Berlin, den 5. Oktober 1877.

Der Minister des Innern.

______ _______gez. Graf Eulenburg._______________

Zugelaufen: Ein junger schwarzer Doggenhund.

Gesunden: Ein Stück roth- und schwarz-karrirter Plüsch nebst einem Stück Sohlleder.

Hanau am 12. Oktober 1877.

Königliches Landrathsamt.

Tagesschau.

Berlin, 9. Okt. Mit dem 1. d. Mts. ist die vor zwei Monaten ergangene neue Prüfungsordnung für die mittleren und nie­deren Staats-Eisenbahnbeamten, sofern dieselben nicht im Stations-, Expeditions- oder Bureaudienst beschäftigt sind, in Geltung getreten. Danach müssen fortan die hierbei in Betracht kommenden Eisenbahn- beamten bei ihrer ersten Anstellung beziehungsweise ihrer Beförderung die vorgeschriebenen Prüfungen bestanden haben, während die bereits im Amte befindlichen Beamten sich denselben nicht zu unterwerfen brauchen.

Berlin, 10. Okt. Der Handels Minister Dr. Achenbach ist nach derKöln Ztg." heute früh nach Frankfurt a. d. O. abgereist, um einer Probefahrt mit den neuen sogenannten Normallokomotiven und Normalwaggons beizuwohnen. Daß seine Unterredung mit dem Fürsten Bismarck am Sonntag glatt abgelaufen ist und seine Stellung für jetzt nicht mehr gefährdet ist, wird allerseits zugegeben. Bei einer hiesigen Schuhfabrik sind 250,000 Paar Jnfanteriestiefel für die russische Armee bestellt worden. Das ganze Quantum muß binnen längstens fünf Monaten geliefert werden; mehr als 2000 Arbeiter fin­den dabei Beschäftigung und 150 Nähmaschinen besorgen die nöthigen Stepparbeiten.

Die Nordd. A. Z. schreibt gegen Stoffels bekannte Artikel im Ordre: Wollen die Bonapartisten etwa damit andeuten, daß sie nach erlangter Herrschaft bereit seien, sich um den Preis von Metz mit Deutschland zu vertragen, so wird es gut sein, ihnen schon jetzt diese Illusion zu benehmen. Metz ist deutsch und bleibt deutsch; wer es zurück haben will, wird es sich holen müssen, ganz ebenso, wie wir es geholt haben, und die Arbeit dürfte diesmal noch etwas schwieriger fein. Frankreich hat ohne Straßburg und ohne Metz Jahrhunderte hindurch sehr gut bestanden und wird voraussichtlich auch in Zukunft ohne diese Ausfallspforten existiren können. Ja, dies vielleicht um so besser, weil ihm nach Verlust derselben die Kriegführung au coeur Idger wesentlich erschwert und den Franzosen damit um so mehr Veranlassung gegeben ist, sich der Verbesserung und fortschreitenden Entwicklung ihrer inneren Lage zuzuwenden. Es liegt für die beiden Nachbarnationen kein Grund vor, die Zahl der Gräberwälle zu vermehren, welche heute A Metz die mit, so vielen Thränen benetzte Grenze bilden, und wenn Oberst Stoffel die Autorität, welche ihm in Bezug auf deutsche Dinge rn Frankreich eingeräumt wird, zur Herbeiführung besserer nachbarlicher ^^ö^hungen benutzt, so erwirbt er sich damit unstreitig ein recht be- Deutendes Verdienst. Aber er sollte mit diesem Waizen nicht gleich

wieder das Unkraut künftiger Konflikte säen und seinen Landsleuten nicht zu neuen Enttäuschungen verhelfen. Die Partei, welcher er au- gehört, hat dazu am allerwenigsten Veranlassung und kann sich bei Deutschland schwerlich damit insinuiren, daß sie unseres Reiches stärkste und mit so vielem Herzblut erkaufte Grenzveste pour les beaux yeux de la Dynastie Bonaparte zurückverlangt.

Briefsendungen ic. für S. M. S.Gazelle" sind von heute ab bis auf Weiteres nach Smyrna zu dirigiren.

Münch en, 11. Okt., Vormittags. (R. it. St.-A.) Abgeord­netenkammer. In Beantwortung der von dem Abg. Dr. von Schauß eingebrachten Interpellation wegen Vorlegung des Steuerreformgesetzes erklärte der Finanz-Minister von Berr u. A., die bayerische Regierung beschäftige sich mit der Prüfung der Steuergesetzbung anderer Länder und habe auch mit bestimmten Vorgängen in der Gesetzgebung des Deutschen Reiches zu rechnen, in welchem die Steuerreform als eine brennende Frage auf der Tagesordnung stehe. In Bayern könne daher eine einseitige Steuerreform momentan nicht in Angriff genommen wer­den, ohne auf die Reichsgesetzgebung Rücksicht zu nehmen.

Würzb urg, 9. Okt. Unsere sämmtlichen Oppositionsblätter sind gegenwärtig in Untersuchung oder die Redakteure in Haft. Herr Cramer, Redakteur der ultramontanen Bavaria, tritt heute seine vom preuß. Obertribunal bestätigte zweimonatliche Gefängnißstrafe in Plötzensee wegen Beleidigung des Königs von Bayern, der Redakteur des demokrat. Würzb. Journals verbüßt eben eine einmonatliche Ge- fängnißstrafe wegen Beleidigung des hiesigen Stadtmagistrats und der Redakteur des ultram. Fränkischen Volksblattes befindet sich wegen Beleidigung des deutschen Kaisers in Untersuchung.

Karlsruhe, 9. Okt. Die am 2. d. in Bruchsal Statt gefundene vertrauliche Besprechung Deutsch-Konservativer aus Süd­deutschland war von 51 Männern aus Bayern, Württemberg, der bayerischen Pfalz, Hessen, Frankfurt und Baden besucht und bezweckte einestrammere" Organisation und engere Verbindung der deutsch- konservativen Parteien in den einzelnen süddeutschen Staaten, was durch Annahme der Anträge des Oberkirchenraths a. D. Dr. Mühlhäusser auch erreicht sein dürfte. Dieselben lauten:Jeder der konservativen Landesausschüsse in Süddeutschland soll einen Delegirten bestellen, damit diese Delegirten sich zur Verständigung über die Angelegenheiten mit­einander ins Benehmen setzen. Jedes Jahr soll abwechselnd in einem der süddeutschen Länder eine deutsch-konservative Versammlung Statt finden." Um partikularistischen Mißverständnissen vorzubeugen, sollen die norddeutschen Gesinnungsgenossen jeweils eingeladen werden. Eine förmliche Vereinsorganisation wurde verworfen und die beantragte losere Verbindung gutgeheißen. Zu Delegirten wurden gewählt: Regierungs­rath Luthard für Bayern, Direktor Fetzer für Württemberg, Dr. Mühl­häusser für Baden, Graf Solms-Laubach für Hessen, Fabrikant Herf für die Pfalz. Weitere Telegirte für Frankfurt und Elsaß sollen später ernannt werden. Zur Herausgabe von Flugblättern wurde ein besonderes Preßkomite erwählt und demselben ein geeigneter Kredit er­öffnet. (Köln. Ztg.)

Wren, 10. Oktbr. DiePol. Korr." schreibt: Wiewohl der Eintrrtt Serbiens in die Aktion vielleicht noch nicht unmittelbar bevor-k steht, so ist doch nach den neuesten Nachrichten aus Belgrad die mili­tärische Bewegung dort im vollsten Zuge. Seit gestern ist die Artillerie aus Branicevo im Abmarsch nach Veliki Jsvvr begriffen; ebenso wird mit der Bildung neuer Batterien vorgegangen und sind bereits einzelne Kavallerieabtheilungen nach Krusewatz abmarschirt.

Wien, 11. Okt. Telegramm desN. W. Tageblatt." Aus Semlin: Die Note, welche die Pforte an die serbische Regierung ge­richtet hat, trägt die Form eines Ultimatums. Die Pforte verlangt darin, daß die russische Flagge von dem russischen Konsulatsgebäude herabgenommen und der russische Konsul entfernt werde und daß die Abrüstung der serbischen Truppen unverzüglich erfolge. Telegramm derPresse" aus Galatz vom 10. d.: Gestern Abend ist bei Sulina ein türkischer Dampfer nach einem mehrstündigen Kampfe von den Russen in die Lust gesprengt worden. (R. u. St.-A.)