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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Prsvinzial-Correspondenz.

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Samstag den 6 Oktober.

1877.

Wochenschau.

L. C. Der Anwesenheit Crispir, des Präsidenten der italienischen Abgeordnetenkammer, in Berlin wurde eine hohe Bedeutung im Sinne einer italienisch-deutschen Verbrüderung beigemeffen. Dieser Italiener, der trotz seiner Privatstellung einen bedeutenden Einfluß bei der gegen­wärtigen Regierung in Rom genießt, wurde auch von der Kronprinzessin empfangen und von dem Kronprinzen zur Tafel gezogen. An Kaiser Wilhelm in Baden-Baden richtete Crispi vor seiner Abreise aus der Reichshauptstadt ein sehr ergebenes Dank- und Verehrungsschreiben. Die Berliner Sympathiebezeugungen für Crispi wurden in Rom mit großer Genugthuung ausgenommen und cS wird daraus ein Zusammenstehen Deutschlands mit Italien mit Bezug auf die Papstwahlsrage abgeleitet. Diese kann möglicherweise unmittelbar bevvrstehen, denn wenn auch das Befinden Pius IX. schon oft sehr schlecht war und wieder besser sich gestaltete, so soll es doch gegenwärtig höchst besorgnißerregend sein. Der deutsche Bundesrath ist für den 8. Oktober einberufen. Seit we­nigen Tagen sind auch in München und Schwerin die betreffenden Landtage versammelt.

Im österreichischen und ungarischen Parlamente wurden am 27. September die Interpellationen über die Orientfrage beantwortet. Die Pester Blätter bestätigen die beruhigende und befriedigende Wir­kung von Tisza's Rede, während Fürst Auersperg in seiner Rede glei­

chen Inhalts durch deren Form verletzte. Die Haltung gegenüber Ser­bien ist klar und das oft als Schrecklichkeit hingestellte Dreikaiserbündniß ist in seinem wirklichen Werthe gekennzeichnet worden. Die Erklärung, welche Tisza bezüglich der Torpedos und der Donaumündung gegeben hat, haben Oesterreich von der Anschuldigung einer parteiischen Neutra­lität gereinigt. Wir geben einige Stellen wieder:Das russische Ka­binethat bei Ausbruch des Krieges zufolge einer Aufforderung der Leitung der österreichisch-Ungarischen Politik versprochen, haft die russi­schen Truppen Sörbie» nichts zum Kriegsoperätions-Terrain machen werden und es wurde mit Rücksicht auf diese Zusage die türkische Re­gierung aufmerksam gemacht, daß.es nicht zweckmäßig wäre, wenn sie nicht ein Gleiches üben und dadurch unmöglich" machen würde, daß auch die andere Partei ihr Versprechen einhalte. Die türkische Regierung gab darin bereitwilligst nach. . . Doch was die Türkei in dem Falle, falls Serbien den im vorigen Jahre geschlossenen Frieden brechen würde, thun solle, dießbezüglich hat die österreichisch-ungarische Regierung ihr keine Warnung, keine Bemerkung zukommen lassen, wie sie überhaupt darin fischt behindert wurde und nicht behindert werden wird" Das ist für Serbien deutlich genug gesprochen und es kann demgemäß sogar verstanden "werden, daß Serbien, welches weiter rüstet, dessen Minister- rath sich neuerdings mit der Theilnahme am Kriege befaßt uüd sogar von der Surfet die Zurücknahme ihrer Truppön von seiner Grenze for­derte, als selbstständiger oder Vasallen-Staat ganz verschwinden könnte. Betreffend den Dreikaiserbnnd heißt es:Bis zur letzten Zeit war allgemein bekannt, daß ein Bündniß in dem Sinne, daß sich die drei Mächte gewissen konkreten Fragen, namentlich der orientalischen Frage gegenüber, derpflichteien und eine gegenüber der anderen' eine Verpflich­tung übernommen habe, daß, sage ich, ein Bündniß in diesem Sinne fischt bestand, noch besteht. Das Ganze bestand darin, daß die drei Kaiser und ihre Rögieöüngen übereinkamen, im Interesse des europäi­schen Friedens im Einvernehmen nicht gemeinschaftlich vorzu- gehen. Das gelang mehrere Jahre hindurch, seit 1873. Auch heute kätin man die Thatsache, daß der Krieg kein' europäischer göwordett, zum Theil dem zwischen den drei Regierungen bestehenden sreundschaft- lichen' Verhältnisse zuschreiben. Daraus, daß eint der drei Regierüngen zögen dir'Micht der Mei'anderen in'den Krieg gegangen, ist keiner Regietüng gegenüber der Orientfrage irgend welche Verpflichtung er­wachsen. Ja, feie ich schon angedeutet habe, wurde unsererseits gleich im ersten Augenblick erklärt, daß, was immer das Eitde des Krieges sei, etwas, was wir nicht wollen, beim Friedensschlüsse nicht geschehen werde." In diesem Falle hat Tisza auch für Deutschland gesprochen, daß es ebenfalls vollkommen freie Hand und Aktion gewahrt, durch

siucy vorzu- ;73. Auch heute

keine Verabredung seiner zukünftigen Haltung und Politik vorgegriffen habe und ohne jedwede internationale Verpflichtung in die nächste Frie­densvermittlung eintreten könne, ferner, daß auch die Ansicht btr deut­schen Regierung gegen den Krieg gegangen ist. Oesterreich-Ungarn rmd somit in gleicher Weise Deutschland, wird seinen Einfluß auf die zu­künftige Gestaltung der Dinge im Orient einzig und allein im Interesse der Gesammtmonarchie mit voller Kraft geltend machen. Die Antwort des Ministerpräsidenten wurde mit überwiegender Majorität zur Kennt­niß genommen, d. h. gebilligt, wenn auch die Fragesteller unzufrieden blieben. Doch hatte Tisza für die Klarstellung der Andraffy'schen Po­litik genug gethan und seine Dränger konnten enttäuscht abzirhen. Der Siebenbürger Sachse, Baußner, war von der Erklärung' höchst zufrie- dengcstelli, daß das Verhältniß der Monarchie zu dem deutschen Reiche bisher ein freundschaftliches und gutes war und es auch bleiben wird.

Es regnet Manifeste und Wahlaufrufe, die alle, stets von einem anderen Standpunkte Ordnung, Freiheit, Sicherheit und die Fortschritte des FriedenS verbürgen. Ganz dasselbe und nicht das Gegentheil be­haupten auch die Männer der Linken zu wollen. Die letzte politische Arbeit Thiers', sein Manifest spricht zum Volke und übt einen mäch­tigen Einfluß auf ganz Frankreich, obwohl es nur an seine Pariser Wähler gerichtet ist, und einen erschütternden Eindruck auf die Regie­rung aus. Er setzt darin seine bekannten Anschauungen auseinander, vertheidigt die aufgelöste Kammer gegen den Vorwurf des Radikalismus und erklärt die Republik als die einzig mögliche Regierungsform in Frankreich. Gegen die Urheber des 16. Mai sowie gegen eine Aber­malige Kammerauflösung protestirend betont Thiers die Anfrcchrhaltung der nationalen Souveränetät. Mac Mahyn hat die Anklage» vürge- bracht und Thiers sie Punkt für Punkt beantwortet. Nebrigens schei­nen die Senatoren selbst für eine zweite Auflösung keine Pereitwillig- keit zu verrathen, wo dann Mac Mahon zurücktreten würhe. Die Bi­schöfe verordnen Prozessionen und verkünden Ablässe, umdurch Ber­einigung im Gebete gute Wahlen nach dem Herzen Gottes zu 'er ieten, damit das Reich Jesu Christi erstehe." Der kaiserliche Prinz weilte in Belgien nahe der französischen Grenze. Prinz Napoleon bewirbt sich auf Corsica mit einem republikanischen Aufrufe um ein Mänbätj wobei er die Prophezeihung feines Großonkels, Napoleon I., vorbringt:Ehe 50 Jahre vergehen, wird Frankreich republikanisch sein."

Nachdem der Sultan zuerst Herrn Layärd, dann den Prinzen Reuß empfangen hatte, lud er endlich nach seinem eigenen Willen auch Graf Zichy zu sich. Die Einladung des österreichische» Botschafters in Abwesenheit eines jede» Türken erregte viel Aufsehen und Se. kaiserl. Majestät drückte seine Befriedigung über die Haltung Oesterreichs den oriintälischen' Wirren gegenüber aus, was, wie er hinzufügte, von hen guten Beziehungen zwischen Oesterreich und der Türkei als Nachbar­staaten Zeugniß ablege. Gegen das immer siegreiche Montenegro uyd ätt die serbische Grenze wird alle disponible Heeresmacht gesandti Me- Hemed Ali Pascha sah sich veranlaßt, am 24. September sei» Heer in die ausgezeichnete, vor vier Wochen innegehabte Stellung amKara-Lom "zUrückzuführen, nachdem er am 22. geschlagen worden und gefunden hatte, däß die russische Position an fier Jantra für ihn noch stark und auch sein Rückzug nach Rasgrad gefährdet wäre. Ebenso mißlang der Angriff gegen Elena voll einer über den Elena-Paß gedrungenen Abtheilung Süleiman Paschas. Jstnäil Pascha wurhe nvrdhMch Ba- jazid am 27. von dem rechten Flügel Tergukassoffs geschlagen, "auf M- kisches Gebiet getrieben und von Mufthär Pascha abgeschmtken. der russischen Armee in Armenien findet unter den Commandeursesn großer Wechsel statt, auch in Bulgarien, M unter Aüoerenfder Ver­theidiger von Sebastopol, General von Totleben, Geyerälstabschef der VLreinitzteil Armet des Fürsten KarlvonRuuläuim geworfleN sst.

" " T a g e s s $ a u.

Berlin, 5. Äs. Der heut. "R. ui St.-A." bringt folaeuhe Perordnung:

Wir tc. verordnen in Gemäßheit des Artikels 51 derBerspffungs- urkunde vom 31. Januar 1850 auf den Aptrag Unseres Mäts-Mi-