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Donnerstag den 4. Oktober.

1877.

Amtliches.

Zugelaufen: Ein weißer Seidenpiuscher.

Gefunden: Ein roth-karrirtes Taschentuch. Ein weißes Ta­schentuch. Ein Hundemaulkorb (halb Leder, halb gelber Messingdraht). Eine weiße Manschette mit schwarzem Knopf. Am 30. v M. Abends auf dem Wege von Hochstadt nach Hanau ein kleines Portemonnaie mit Geld.

Hanau am 4. Oktober 1877.

Königliches Landrathsamt____________________

Tagesscha«.

Serbien.

Serbien ist im Begriff, sich zur Aktion fertig zu machen, scheint jedoch mit dem letzten Schritt noch immer zu zögern. Die Stimmung im Lande ist nach den Erfahrungen des vorigen Jahres begreiflicher­weise gegen den Krieg; aber Rußland, das damals von der Ergreifung der Waffen abrieth, drängt heute zum Eintritt in die gemeinsame Aktion des christlichen Südostens. Man ist in St. Petersburg ungeduldig und macht für den Entsatz Plewnas eben das Zögern Serbiens verantwort­lich, wodurch es Chesket Pascha möglich geworden sei, die serbische Grenze zu verlassen und seine Proviantkolonnen nach Plewna Hinein- zubringen. Der letzte Entschluß scheint, wie gesagt, noch nicht gefaßt. Es ist zwar bereits von Lieferungsverträgen, vom Abmarsch der Trup­pen an die Grenze die Rede; dann aber heißt es wieder, daß vor dem Frühjahr die serbischen Truppen einer Aktion gar nicht fähig seien. Offenbar möchte man abwarten, bis sich die Aussichten der Russen in Bulgarien deutlicher gestalten, um nicht in eine Niederlage unnöthiger- weise sich hineinreißen m lassen; wobei man sich aber andererseits wird sagen müssen, daß je länger mit dem kriegerischen Entschluß gezögert wird, die Dienste Serbiens für Rußland umsomehr im Werthe sinken; denn wenn letzteres sein Kriegsglück wiederhergestellt hat, wird ihm wenig mehr an nachträglich sich stellenden Bundesgenossen gelegen sein. Dagegen kann ihm gerade in diesen Herbstwochen noch eine Mitwirkung der Serben im Rücken von Osman Pascha von Werth sein. Und man darf, wenn es wirklich zur serbischen Aktion kommt, darin ein sicheres Anzeichen erblicken, daß Rußland die nächsten Wochen noch nach Kräften auszunutzen bestrebt sein wird, um seine Stellung vor Winteranfang zu verbessern; dahin deutet auch die nachdrückliche Fortsetzung der Belage­rungsarbeiten vor Plewna und die Vorwärtsbewegung der Armee des Großfürsten Thronfolgers, die bei Popkiöi und Kazeljewo bereits wie­der Fühlung mit dem zurückgewichenen Mehemed Ali gewonnen hat. Außerdem darf man in der serbischen Aktion ein erfreuliches Anzeichen für die Fortdauer der friedlichen Beziehungen unter den europäischen Mächten, insbesondere für die Fortdauer des Dreikaiserbundes, sehen. Die serbische Aktion ist die eigentliche Probe des Dreikaiserbundes. Denn sie ist nicht möglich ohne die Einwilligung Oestreich-Ungarns, das glücklicherweise durch daS sinnlose Schreien und Fahnenschwenken der Pesther Jugend nicht in seinen wahren Interessen sich beirren läßt. Die offiziöse Montagsrevue spricht sich hierüber bezeichnend aus, sie bezweifelt zwar noch die Nachricht von dem Eintritt Serbiens in die Aktion, fügt aber hinzu:Selbst wenn sich Serbien am Krieg bethei- ligen sollte, so wird auch dies an der bisherigen Politik des Grafen Andrassy nichts zu ändern vermögen." Endlich aber würde der Ent­schluß des Fürsten Milan eine Erweiterung des Kriegstheaters bedeu­ten, die, abgesehen von den möglichen militärischen Folgen, für die künftige Gestalt der orientalischen Dinge erheblich ins Gewicht fiele. Denn je mehr die Bewegung eine allgemeine wird, die gesammte christ­liche Bevölkerung des Südostens in ihren Kreis zieht, um so mehr ist anzunehmen, daß auch die endliche Abrechnung eine gründliche sein und daß aus dem furchtbaren Krieg wirklich eine neue und bessere Ordnung der östlichen Welt hervorgehen werde. (Schw. Merk.)

Berlin, 2. Oktober. Wiederholt ist der Gerüchte Erwäh­nung geschehen, welche, wie in jedem Jahre vor Beginn der Landtags- se;sion, auch jetzt wieder über angebliche Ministerkrisen verbreitet werden. Der Vollständigkeit wegen erwähnen wir, so schreibt dieTrib.", heute, daß von diesen Gerüchten zur Abwechslung jetzt ler Handelsminister betroffen wird. Die bez. Angaben entbehren natürlich jedes Anhalts.

Thatsächlich haben allerdings Erörterungen über den Etat des Handels­ministeriums stattgefunden, die noch nicht abgeschlossen sind, sich aber lediglich auf die mehrfach von uns erwähnten Canalbauten rc. beziehen.

Berlin, 2. Oktbr. Zu der schon mitgetheilten Nachricht der Kreuz-Zeitung", es seien Gerüchte verbreitet, daß die Stellung des Handels-Ministers Dr. Achenbach für unhaltbar zu erachten sei, insbe­sondere würden Zweifel laut, ob er bis zum nächsten Reichstage int Amte verbleiben werde, wissen wir nichts zu sagen; wohl aber ist es in weiteren Kreisen nicht unbekannt geblieben, daß an einer hohen Stelle Unzufriedenheit ausgesprochen ist, weil die Vorschläge des Handels- Ministers meistens nicht sehr praktisch wären. Die Meinungsver­schiedenheit zwischen Bismarck und Eulenburg wegen der Städteordnung scheint noch nicht ausgeglichen zu sein. (Köln. Ztg.)

Die Eröffnung des Landtages wird, wie dieProv.-Corresp." mittheilt, voraussichtlich am Sonntag, den 21. Oktober, im Königlichen Schlosse zu Berlin stattfinden.

Der Diskont der Reichsbank ist gestern auf 5^2 Prozent und der Lombardzinssuß für Waaren wie Effekten auf 6V2 Prozent erhöht worden.

Das Reichspatentamt entfaltet eine sehr rührige und gedeih­liche Thätigkeit, auch sind die Erwartungen, die man von Seiten der Interessenten dem neuen Institut entgegenbringt, ganz außerordentlich günstige. Dem Patentamt sind schon während der kurzen Zeit seines Bestehens ungefähr 2000 Gesuche um Ertheilung von Patenten zuge­gangen, eine Zahl, welche sich in Folge der für die Amerikaner so traurigen und empfindlichen Zerstörung ihres Patentamts und der da­durch entstandenen Unsicherheit in dem dortigen Patentwesen erheblich steigern dürfte.

München, 1. Oktbr. Der Verlauf der Krankheit des Erz­bischofs v. Scherr gibt jetzt nicht viel Hoffnung auf Wiedergenesung, und zwar um so weniger, als neben der fortdauernden Athemnoth und den Fiebererscheinungen bedenkliche Schwäche eingetreten ist.

Speier, 2. Okt. Die reichliche Tabakerndte in diesem Jahre veranlaßt das Kreiscomitö des landwirthfchafilichen Vereines der Pfalz eine pfälzische Tabak-Ausstellung nebst den zur Tabak-Cultur gehörigen Gegenständen zu veranstalten. Diese Ausstellung wird vom 1. bis ein­schließlich den 8. November in Sgeyer im Saale des Gasthauses zum Bayrischen Hofe" unter folgenden Bestimmungen abgehalten werden: Die Beschickung der Ausstellung ist nur pfälzischen Produzenten ge­stattet. Der auszustellende Tabak muß das Produkt einer größeren Fläche sein und es müssen mindestens 23 Bandeliere zur Ausstellung gesandt werden. Die zur Ausstellung bestimmten Tabake müssen läng­stens bis 27. Oktober l. I. an Herrn Kaufmann Roesinger in Speyer abgeliefert werden und deutlich geschriebenen Namen und Wohnort des Ausstellers tragen. Zur Prämiirung der schönsten zur Ausstellung ge­langenden Tabake hat das Kreis-Comit: eine Anzahl silberne Medaillen und Ehrendiplome bewilligt.

Wien, 3. Okt. Aus Pest, 2. d., meldet dasN. W. Tage­blatt" : Nach einer Meldung desEllenoer" ist es gestern in Kezdiva- sarhely (in Siebenbürgen) zwischen der Bevölkerung und dem Militär zu einem Zusammenstöße gekommen; es sind mehrere Compagnien dort­hin abgegangen.

Pesth, 2. Okt. (Köln. Ztg) Das Comite, welches im Szeklerlande zur Bildung von Freiwilligen besteht, steht mit einem Centralkomite zu Pesth in Verbindung. Letzteres soll größtenteils aus Polen zusammengesetzt sein, auch soll ein Pole die Sache den Russen verrathen haben. Aus England ist Geld angekommen und Gewehre wurden, teilweise aus dem wiener Arsenal, und zwar angeblich für Montenegro, angekauft, um nach Effegg und von dort nach Siebenbür­gen befördert zu werden. Viele angesehene Personen wmden verhaftet. Als Commifsare der Regierung sind zwei Obergespane, Pocsa und Bethlen, nach Siebenbürgen entsandt worden.

^ London, 2. Oktbr. (Köln. Ztg.) In der Armee fand eine große Anzahl von Verabschiedungen und Beförderungen Statt. Verab­schiedet sind 68 Generäle, darunter Codringten, Luccan, Fenwick, Willi-

ailt' ^^^fi Bulker, Doyle, 32 General-Lieutenants, 11 Gene­ral-Majors. Befördert sind 80 General-Lieutenants zu Generälen, da-