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Hanmer Inniger.
Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage- und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.
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PreiS:
Lie ijpalflge Garmondzeile ob. deren Raum
10 Pfg.
Die 2fpalL Zeile
20 P„.
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Mittwoch den 3. Oktober
1877,
Amtliches.
Die Liste der für das Jahr 1878 zum Amte der Geschworenen in Vorschlag gebrachten Personen vom Kreise Hanau liegt nach § 279 der Strafprozeß- Ordnung vom 25. Juni 1867 vom heutigen Tage (den 1. Oktober) bis zum 8. Oktober er. zu Jedermanns Einsicht im Dienstlokal des Unterzeichneten offen. Einwendungen gegen dieselbe sind in dieser Zeit hier zu Protokoll anzumelden.
Hanau am 1. Oktober 1*77.
Der Landrath.
Grundstücksverkäuse.
Die folgenden Grundstücke der zerschlagenen Domaine Keffelstadt tollen m den nachstehenden Terminen rff-ntlich meistbietend veikauft werden:
1. Gemarkung Keffelstadt:
142 Cosseler Acker 70 9 Ruthen — 34 003 Hektare in verschiedenen Feldlagen der Gemarkung belegene Acker- und Wiesenländereien, in 59 resp 95 Parzellen,
Mittwoch den 1O. dieses Monats,
Vormittags 8 Uhr, im Rathhause zu Keffelstadt.
Gemarkung Hanau:
Karte Lit. Nr. Acker Ru.th. Hektare
KK. 93. 1 Vi 29 — 0,345 Wiese auf dem obersten Bruch,
NN. 13. 43/* 11 = 1,151 „ daselbst, bei der Bäckerhaube, in
00. 30. 4 14 — 0,977
00. 41. J/4 27 = 0,103
TT. 27. 8 /* 7 = Oi9o
TT. 39a. % 36 = 0,233 Uü. 26. 4 47 = 1,029
- UU. 128. 1 33 = O291
W. 18. s/4 3,5 = 0,185
WW. 2. 21 29 = 5,058
2 Parzellen,
„ daselbst, bei der großen Horst, 2 Parz llen,
„ auf dem mittelsten Bruch, „ auf dem untersten Beuch, „ daselbst,
„ daselbst, in 2 Parzellen, „ daselbst,
„ daselbst und
„ links der Wind-cker Straße, in der Klsuse am Thiergarten, in 10 Parzellen,
Donnerstag den £1. dieses Monats,
Vormittags 8 Uhr, im Kaiser 'schen Bierlokal in der Altstadt dahier.
3. Gemarkung Dörnigheim:
Kart. Lit.DD.9tr. 97. Vs Ack. 26 Rth. =0,i6i Hkt. Land a. d. Kesselstädter
„ „ CC. „ 16. IV2 , 10 , =0,374
„ „ CC. „ 17.28 „ 35 „ =6,738
„ „ CC. „ 30 — „ 27 „ =Oo4s
ebenfalls
Weingärten,
„ Wiese, d. Dietrichslache,
„ Land, die Hufe, in 16 Parzellen und
„ Land auf der Höhe,
Donnerstag den 11. dieses Monats,
Vormittags 11 Uhr, in der Wirthschaft zur .Mainlust" in Dörnigheim.
Die Termine werden je eine Stunde offen gehalten und auf ange- meffene Gebote erfolgt der Zuschlag, ohne Abyaltung weiterer Lici- tationen.
Die Bieter haben dem unterzeichneten Beamten, auf Verlangen, ihre Zahlungsfähigkeit nachzuweisen, was durch Hinterlegung des zehnten Theiles des gebotenen Kaufpreises in baar oder inländischen Werthpapieren nach dem Tages cours geschehen kann.
Hanau am 1. Oktober 1877. (6762) Der Königliche Domainen- Rentmeister Bell.
Tagesschau.
Der Wahlkampf in Frankreich.
(ä. b. SÄw. M-rl)
Paris, 30. September. Die erste Woche der Wahlperiode ist vorüber und aus allen Vorgängen derselben läßt sich nur auf eine starke Niederlage der Regierung bei der Abstimmung vom 14. Oktober schließen. Das Ministerium ist vollständig davon unterrichtet, wie schlecht seine Aktien stehen und hieraus erklärt sich, daß die Gewalthaber von Tag zu Tag mehr mit blinder Wuth zu Werke gehen. Sie haben sich in einen Verzweiflungskampf eingelassen; von einem Rückzug, von einem Einlenken kann für sie nicht mehr die Rede sein. Sie glauben denn auch keine Schonung mehr beobachten zu müssen. Die Beamten jeder Art werden zum Wahlkampf herangezogen, die Schullehrer, die Steuereinnehmer so gut wie die Präfekten, die Bürgermeister und Feldhüter, sie alle müssen marschiren. Die ganze Verwaltung ist in eine ungeheure Wahlmaschine verwandelt, welche unter dem stärksten Drucke arbeitet. Von gesetzlichen Bedenken läßt man sich längst nicht mehr irre machen; es gilt um jeden Preis das Ziel zu erreichen, und je weiter dasselbe in die Ferne rückt, um so toller wird die Hetzjagd. Man hatte unter dem Kaiserreich den Grundsatz, daß eine wohlgeschulte Verwaltung Alles zu leisten vermöge, daß sie im Stande sei, von dem allgemeinen Stimm- recht jedes beliebige Votum zu erpressen; aber weiter, als mau diesmal bei der Beeinflussung der Wähler geht, kann eine Regierung nicht gehen,, und wenn das Experiment am 14. Okt. fehl schlägt, wie es allem Anscheine nach fehl schlagen wird, so sollte eigentlich jenes System definitiv verurtheit sein. Das Ministerium wird redlich von seinen Freundem unterstützt: ist doch sogar der Herzog von Audiffret-Pasquier, der Se- natspräsideut, nach der Orne abgereist, um dort für die offiziellen Kan- didaten zu werben. Und diese Kandidaten sind sämmtlich Bonapartisten! Der Herzog von Audiffret-Pasquier als Advokat der Bonapartisten! Das ist eben so stark als die Kandidatur von Maupas unter dem Schutze des Herzogs von Broglie. Wenn Audiffret-Pasquier als Politiker eine Bedeutung hat, so verdankt er dieselbe nur seiner Opposition gegen das Kaiserreich. Sein glänzendster politischer Akt war jene Rede in der Nationalversammlung, worin er i. I. 1872 die imperialistische Verderbniß geißelte. Von Audiffret-Pasquier's beißenden Aeußerungen über das Kaiserreich ließe sich ein artiges Buch zusammenstellen. Eben erst führen die Blätter wieder einen Brief an, den er i. I. 1869 geschrieben und worin er mit Entrüstung den Gedanken zurückweist, daß er mit den Imperialisten gemeinsame Sache machen könne, indem er stolz daran erinnert, daß „bei den Prozessen von Straßburg und Bou- logne der Name Pasquier nicht unter den Verschwörern, sondern an der Spitze der Richter zu finden war." Und dieser Herzog von Audiffret- Pasquier begibt sich nach der Orne, um für die bouapartistischen Kandidaten zu werben. Der Klerus demaskirt auch allmählig seine Batterien. Einige Blätter wollen in Abrede stellen, daß der Kardinal- Erzbischof von Paris feinen Klerus angewiesen habe, für die Kandidaten der Regierung Propaganda zu machen; aber gegen diese Blätter kann das Zeugniß des Univers, der in diesen Dingen gut unterrichtet ist, angeführt werden. Einen andern Beweis für die Ginmischung des Klerus liefert ein interessantes Rundschreiben, welches der Erzbischof von Bourges, de la Tour d'Auvergne, an die Geistlichen seiner Diözese gerichtet hat. Darin fordert er sie auf, für den 11. Okt. eine dreitägige Andacht für den glücklichen Ausfall der Wahlen zu veranstalten. „Diese Wahlen, sagt er, haben eine außerordentliche Wichtigkeit für Frankreich und für die Kirche. Jedermann fühlt das, es ist nicht nöthig, hierbei länger zu verweilen. Wenn das revolutionäre Programm siegt, so ist es für lange vielleicht um unser Land, um seine Geschicke und seine theuersten Interessen geschehen. Unter solchen Umständen dürfen die Katholiken nicht zögern. Sie haben nicht das Recht, sich in diesem entscheidenden Kampfe bei Seite zu halten. Man hat ihnen schon oft gesagt, was sie zu thun haben, wir brauchen es hier nicht zu wiederholen; aber wir müssen sie daran erinnern, daß sie nicht nur die Pflicht zu handeln, sondern auch die Pflicht zu beten haben...».