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M 229
Montag den 1. Oktober»
1877.
Amtliches.
Steckbrief.
Es wird ersucht, den 20 Jahre alten Fabrikarbeiter Conrad Schneider von Somborn, später in Hanau wohnhaft, im Betretungs- falle behufs Vollziehung einer gegen denselben wegen Widerstands erkannten 4wöchentlichen Gefängnißstrafe festzunehmen und in hiesiges Kreisgerichtsgefängniß einzuliefern.
Hanau am 25. September 1877.
Der Staats-Anwalt Sporleder.
Tagesschau.
— Berlin, 29. September. Zur Feier des Geburtstages Ihrer Majestät der Kaiserin-Königin ist gestern Se. Königliche Hoheit der Großherzog von Sachsen in Baden eingetroffen und wird heute Se. Kaiserliche und Königliche Hoheit der Kronprinz mit dem Prinzen Wilhelm erwartet. Ihre Königlichen Hoheiten der Großherzog und die Großherzogin von Baden sind gestern von Karlsruhe nach Baden übergesiedelt. Auch Prinz Friedrich von Hohenzollern ist daselbst eingetroffen.
Morgen werden Ihre Majestäten der Kaiser und König und die Kaiserin-Königin mit den Allerhöchsten Herrschaften dem Gottesdienste im Großherzoglichen Schlosse zu Baden beiwohnen und dann im Familienkreise einen Ausflug nach Triberg im Kinzigthale machen. Las Diner findet vor der Rückkehr nach Baden im Erlenbad statt.
— Augsburg, 28. September. Die Nachricht der „Süddeutschen Presse", Prinz Arnulph von Bayern begebe sich in das russische Hauptquartier, wird von der „Augsburger Abendzeitung" auf Grund besten Orts eingeholter Erkundigungen als vollständig unrichtig bezeichnet.
— Zur auswärtigen Lage schreibt die Nat.-Lib. Korresp.: Es scheint uns, daß man gegenwärtig vielfach geneigt ist, aus den Erfolgen, welche die türkischen Waffen in den letzten Wochen davon getragen, ebenso übertriebene Schlüsse zu ziehen, wie man es im Anfang dieses Sommers nach der anderen Richtung gethan. Damals erblickten ängstliche Gemüther die russische Armee bereits auf dem Wege nach Konstantinopel ; man sah schon, fast mit spielender Hand, das Osmanenreich in Europa umgestürzt. Jetzt malt man sich vielfach den Gegensatz dazu aus. Man redet schon von der Nothwendigkeit eines Rückzugs über die Donau und stellt sich denselben wie einen zweiten Beresinattbergang vor; man meint, Rußland werde bald in der Erschöpfung seiner Kräfte genöthigt sein, einen demüthigenden Frieden um jeden Preis zu schließen. Fast einen humoristischen Eindruck macht es, wie die eifrigsten Türken- sreunde, besonders in England, über die Erfolge der osmanischen Waffen geradezu erschrocken sind und von einem Siege der Pforte jetzt fast noch mehr Unheil fürchten, als früher von dem Siege der Russen. Englands Ansehen im Orient beruht auf der Annahme, daß die schwache Türkei der Hülfe des seemöchtigen britischen Reichs bedürfe. Wenn aber die Türken als Sieger aus dem Kampfe hervorgehen, fo schwindet die Hülfsbedürftigkeit und der englische Einfluß sinkt; ja die Erstarkung des mohamedanischen Bewußtseins könnte selbst bis auf Indien in verhängnisvoller Weise zurückwirken. Diese Erwägungen werden jetzt selbst in englischen Blättern, welche die Regierungspolitik vertreten, angestellt. Wir sind nun der Ansicht, daß alle Spekulationen über das, was geschehen wird, wenn die Pforte in dem jetzigen Kampfe obsiegt, vollkommen müssig sind. Wenn irgend ein Krieg uns gelehrt hat, nicht vorschnell zu urtheilen und abzuschätzen, nicht aus augenblicklichen Gestaltungen der Lage Schlüsse auf den endlichen Ausgang zu ziehen, so ist es der jetzige Krieg. Es ist Thatsache, daß Rußland in diesem Jahr nicht minder als im Jahr 1828 mit weitaus zu schwachen Kräften den Feldzug unternommen hat. Die etatsmäßige Stärke stand auf dem Papier, war aber in Wirklichkeit nicht vorhanden. Ohne die Mängel der russischen Strategie und Taktik leugnen zu wollen, war doch das Ausschlaggebende bei den letzten Niederlagen die Thatsache, daß die Truppenzahl allenthalben zu gering für die unternommenen Aufgaben
war. In diesem Herbst wird es freilich nicht mehr möglich sein, jenen Mangel wieder gut zu machen. Allein Rußland ist groß und stark genug, um im nächsten Jahr den Krieg mit frischen und vermehrten Kräften aufzunehmen und zugleich die Erfahrungen zu verwerthen, welche man in diesem Herbst, freilich mit schweren Kosten, gemacht hat. Es ist daher zwecklos, sich in Spekulationen zu ergehen über das, was ein- treten wird, wenn die Osmanen als Sieger aus dem Kampfe hervorgehen. Dieser Fall ist, wie uns dünkt, trotz aller Erfahrungen der letzten Wochen äußerst unwahrscheinlich. Man darf die Nachhaltigkeit der russischen Kräfte nicht unterschätzen. Immerhin aber wird, auch wenn Rußland im nächsten Jahre bessere Erfolge erzielt, die finanzielle und wirthschäftliche Lage, die Regierung des Czaren zu einem Frieden bereit machen, der mit den Interessen Oesterreichs und der andern europäischen Mächte nicht allzu unerträglich ist, und .zugleich wird die unruhige Aktionslust, die in dem Slaventhum herrscht, auf lange Zeit beschwichtigt sein.
— Wien, 27. September. Der Ausgleichsausschuß beendigte heute die Berathung des Bankstatuts.
— Innsbruck, 27. September. Der Kronprinz Rudolph ist heute in die festlich beflaggte und beleuchtete Stadt eingezogen. Der Fremdenzuzug zur Enthüllung des Rudolph-Brunnen verspricht ein massenhafter zu werden.
— Wien, 29. September. Telegramm der „Presse" aus Belgrad : Der Ministerrath hat die Frage wegen der Fortsetzung der Aktion Serbiens berathen. Letztere soll nach Versicherungen von offiziöser Seite erfolgen, sobald die russischen Subsidien im Betrage von 8 Millionen Rubel vollständig eingetroffen und die Rüstungen vollendet sind.
— • B rüssel, 28. September. Nach einer Meldung des „Etoile Belge" ist Prinz Louis Napoleon heute auf der Reise uach Schloß Dave bei Namur hier durchpassirt.
, — Haa g, 28. Septbr. Nach einem anscheinend beglaubigten, in hiesigen Regierungskrisen circulirenden Gerüchte hat das Gesammt-Ca- binct gestern Nachmittag sein Entlassungsgesuch eingereicht.
— Konstantinopel, 27. September. Bezüglich der Anordnung der Pforte, alle russischen Mönche aus den Klöstern auf dem Berge Athos auszutreiben, verlautet, wie dem W. „Fremdenbl." von hier gemeldet wird, in den hiesigen diplomatischen Kreisen, daß sich in den letzten Tagen noch der griechische Patriarch hier und dann noch einige fremde Vertreter zu Gunsten dieser Mönche verwendet haben; die Pforte erklärte jedoch, daß sie damit nur einen schon im Mai gefaßten Beschluß des türkischen Parlamentes vollziehe. Die Schuld der Mönche soll darin bestehen, daß sie unter den Bulgaren für die russische Sache Propaganda machten.
— Konstantinopel, 28. September. Neons Pascha ist hierher berufen worden und, hat heute Schumla verlassen, wo derselbe durch Tahir Pascha ersetzt wird. — Von der Donau wird andauernd schlechtes Wetter gemeldet.
— Aus Schnmla vom 27. d. meldet das „N. W. Tageblatt": Die Egypter, die bei Popkoi standen, haben der ungünstigen Witterung wegen diese Offensivstellung gestern aufgegeben und sind nach beu Höhen von Sahartepec abgezogen.
— Erzerum, 28. September. Das Gefecht zwischen den Türken unter Ismail Pascha und den Russen unter General Terguknssöff am 22. d. dauerte 9 Stunden; beide Theile zogen sich schließlich in ihre Stellungen zurück. — Hier und in der Umgegend findet ein starker Transport von Lebensmitteln nach Kars statt.
— Aus Cettinje berichtet das „N. W. Tageblatt": Jlija Plamenacz ist zum Kommandanten von Niksic ernannt worden. In Niksic sind nur zwei muselmännische Familien zurückgeblieben. Bei Setteca sind die Türken neuerdings von den Montenegrinern geschlagen worden.
— St. Petersfburg, 28. September. Dem „Golos" wird aus Jgdyr, 28. d. M., telegraphisch gemeldet: Die ganze Nacht vom 27. d. M. war änßerst stürmisches Wetter; am Morgen wüthete ein wahrer Orkan. Dessen ungeachtet eröffneten die Türken Morgens um