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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial- Correspondenz.

Samstag den 29. September

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1877

Einladung MM Abonnement

auf den Hanauer Anzeiger", amtlicher Organ für Kreis und Stadt Hasan, nebst täglich beiliegendem Unterhaltu»g-bl«tt und der Provinzial- Correspondenz als wöchentliche Eratis-Beilage.

Inhalt: Amtliche Bekanntmachnnge», politische Neuigkeiten, kirchliche, standesamtliche, Handels-, landwirthschaftliche und gemeinnützige Mittheilungen, Börsen- «nd Marktberichte, pro­vinzielle und lokale Rtachrichte«, BerAeigernugs- und Verpach­tungskalender, sowie GeschäftS- und Privatanzeigen jeder Art. Im Usterhaltungsblatt spannende ««d intereffante Original- Novellen.

AbonnementSpreis M. 2.25 (exol. Post-Bestellgebühr für aus­wärtige Abonnenten). Für Inserate, welche anerkanntermasten diei weiteste Verbreitung finde», berechnen nur 10 Ps. pro Ispaltige Zeile.

Bestellungen werden von sämmtliche» Postanstalten, sowie in der Expedition, Waisenhaus, Hammergaffe 9, entgegengenommen.

Nicht gekündigte Abonnements werden als stillschweigend ersenert angesehen.

______________________Die Expedition.

Wochenschau.

L 6. ES erregt schon Aufsches, daß Lord Desl-y in neuester Zeit sehr viel fremde Diplomaten auf sein Landgut Knowtley einlad-t, um wie viel mehr Ansmerksawkeit beansprucht die Ministerbegeg­nung in Salzhmg vom 18. bis 20. d. M. Fürst BiSmarck ist dort auf seiner Heimreise von Gastein mit dem Grafen Andraffy zusammen- gekommen. Dir hervorragende und maßzebende Stellang des deutschen Reiches, die vielseitige Tisersucht gegen dieselbe und sodann die Loge Oesterreichs gegenüber dem russisch-türkischm Kriege oder vielmehr seinem Bittgänge machm die Besprechuugm der zBsi RüchSkanzlsr von gavz Europa. Werm zwei politische Faktoren vs» Dreikaiserbundes gemein­schaftliche Wege gehen, welchen diSnun noch nicht mit jm-m des dritten zusawmrngkstoßm find, so ist Aussicht vorhanden, daß dem auch i« Zukunft vorgebeußt werden kann. Die zwei Staatsmänner, deren per­sönliche Freundschaft und Vaterlandsliebe sich allenthalben kundgebe«, haben nun gewiß alle entstehenden Möglichkeiten «nd die dafür oder dagegen geeigneten Schritte in Berathung gezogen, wenn diese auch zu keine» Abmachungen führte. Solche würden außerdem der Welt ver­borgen bleiben elften. ES werden aber gleichfalls die Snterredunge« selbst geheim gehalten, so daß die politische Neugier sich mit ihren ei­genen Gedanken behelfen muß. Da die Ansicht vorherrstzt, daß, wen« ein Krieg auSgebrochen ist, auch sofort die Frirdenkvermittlung noch vor jeglichem Resultat ins Werk gefitzt werden muß, so sagten die mit solcher Meinung Behafteten, daß in Salzburg die FriedenSvermittlung eingeleitet werben würde. Es kann vielleicht der Wille hiefür vorhan­den, aber gewiß nicht bis Art und Weise klar gewesen fein, da die Bermittlung je von Fall zu Fall sich anders gestalte« würde. ES ist sodann ohuedieS bekannt, daß Sortschskoff weder Oesterreich noch Deutsch­land um eine solche angegangen hat. Die Pforte alS Siegerin bis zu diesem Augenblicke möchte aber sicherlich das Werk Wuz vollenden, wenn nicht Rußland vorher zu Kreuze kriecht. Daß Gismarck und Nnbrassy sich überhaupt persönlich sprachen, läßt darauf schließen, daß ihre Politik noch die gemeinsame» Zwecke verfolgt, und sie daher in den Ameln einig bleiben wegen. Dabei muß aber Jeder nach den 8er» lältniffen btt Reiche verfahren. In Deutschland will man keine andere $oltti{ als die bisherige und wo in Oesterreich gegen dieselbe ange« ^! J.inn ^d"ssy noch dagegen Stand halten. TiSza unter# £ hübet und dieser hat im fester Reichstage eine ihm treue < ^^" auch die Stadt Pest und andere in Ungarn den Tür- s^"^ ^ ^r Feier ihrer Siege durch glänzende Illuminationen zu-

vorgekowmen find. Zuwuthnngen letzterer Art haben bei der Wiener Gemeinde seinen Anklang gefunden, denn wenn die Wiener auch keine Chnpathieen für rusfische Politik oder Siege haben, so wollen sie sich doch ebensowenig für die Türken erhitzen.

Es wird ferner vermuthet, daß die Reichskanzler sich wegen der zukünftige» Papßwahl, des deutsch-österreichischen Handelsverträge», Frankreichs u. s. w. ins Einvernehmen fetzen. Wir wären zufrieden, wenn daraus für bin HandelrVertrag, der sich sehr hinausschleppt, ein günstiger Abschluß ersprüße», und glücklich, wenn der Einfluß gwder Staaten so groß fein würde, daß die nächste Papftwahl der katholischen Kirche und den Staaten selbst den ganzen Frieden wiedrrgöbe, ohne nur eine« deren Rechte zu beeinträchtigen. Frankreich ist an und für sich durchaus nicht eine europäische Frage von geringerer Bedeutung als der Kampf am Fuße des Balkans, sber es kann dezu kommen, w m. die gerade annehmbaren Beziehungen zum deutschen Reiche Schaden er# leiben. Asch Mißhellißkeiten zwischen Oesterreich und Italien können <nifte|ei$, zu deren Beseitigung Bismarck verhelfen kann. Etmn An- ftand hat bereits die Hsusuntersuchmg im italienischen Cosfulste zu Wie« verursacht, weßhalh Beschwerde eingelegt wurde. Noch zeigt sich sein schwarzer Punkt am politischen Himmel; sobald jedoch ein solcher erscheint, wird er gewiß den Augen der politischen Astronomen nicht entgehen. BiSmarck und Nndrassy werden dann seine Gefähelichkeiten genau berechnen und prüfen.

Nicht länger mehr fernsten die Wähler Frankreichs von bet Wahlurne zurückgehaltet, werben, endlich mußte der äußerste Termin, der 14. Oktober, fällig werden und so wurden denn auch zugleich mit der Verkündigung des Wahltages die neuen Abgeordnete» zum 7. No­vember einberöfen. Diesem Befehle ging aber am 19. endlich ein son­derbares Manifest de Mec Mayors's, Herzogs von Magenta, Präsidenten der französischen Republik voraus. Nicht er will das Volk höre», son­dern das Volk soll ihn, den Engel imb Helden Frankreichs, die Zeanne d'A e im männlichen MarschallZgiwsade, hören und seinem Winke ge­horchen. Solange, droht den Republikanern der Präsident der Republik, ihr nicht jene Männer wählet, die ich für würdig halte, daß sie sich mit meinem Namen schmücken, solange muß es Krieg in Frankreich ge# ben unb anstatt besser, wird es schlimmer werbt«. Durch Drohungen sucht er die Wähler einzuschüchteru und von ihnen Mac Mahonianer zu erbitten. Der Geist deS Manifestes feetut nur Drohungen und Hochmuth. Die Anklagen gegen die Republikaner, wo doch für diese auch die Thatsachen gutsprecht», sind unablässig vorgebracht, aber nie begründet worden. Zuerst spricht das Manifest, daß im Innern die Ruhe auch nicht einen Augenblick geftiM worden sei, nicht Dank ThirrS, fondern nur Dank Mec Maho«, und zu« Schlüsse gibt es zu, daß ein Konflikt, also Unruhe vorhanden sei, welchen sodarn Mac Mahon feind- liche Wahlen nur verschärfen wurden. Der Feldherr von Wörth und Srdan bringt die Ehre feiner NamenS vor und fleht um Gehör für die Worte eines Soldaten. Als ob Frankreich und die Geschichte sich um einen Namen sorg?« und nicht einzig um die Thaten des Trägers fra­ge« I Immer ich, ich, ich! Er hat Alles gethan, er wird Alles thun, er weiß Alles, sonst Nkmand außer ihm versteht Alle«. Von ,hm hängt das Bertram» der fremden Regierungen, die Ordnung und Wohl­fahrt Frankreichs ab unb er ist der einzige Schutz der Berfafsung. Der abfoluteste Herrscher kann nicht mehr die Blicke eines gar gen Landes auf feine einzige Person lenken wollen, all Mec Mahon es sitzt «er- sucht hat. Kaum daß er des Senats Erwähnung that und auch dies nur, um seine Autorität, die ja die Republikaner mißachtet haben sollen, noch mrhr hervorzuheben. @8 «xistiren nach der Verfassung drei Ge­walten, die Mac Mahon so enträtselt hat: der Präsident der Repu­blik, der Senat und Mae Mahon. ES muß sich bald zeigen, was die Fsanzofen z» dieser Aurlegnng meinen und ob sie allm Wühlereien und dem nächsten Kampfe Stand halten.

Bon Seite der R-publikaner ist das Manifest Thierb' und eine Umschreibung der Mae Mahon'fchru erlassen worden, welche beide die Einigkeit, den Ernst und die Lauterkeit der antimonarchisttschen Beftre- bnrgen darfielltn sollen. EolchtS ist auch «othwenlig, denn in Frank-