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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanaq.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und SamMas mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.
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Samstag den 8. September.
1877.
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Amtliche».
Sie Eltern resp. Pflegeeltern der im Jahre 1S 7 6 geborenen Kinder, welche bei den öffentlichen Jmpftermineu nicht geimpft wurden, werde« hierdurch aufgefordert den Nachweis zu erbringen, daß bie Jm- pfung ihrer Kinder resp. Pflegebefohlenen erfolgt oder au» ein,» gesetzlichen Grunde unterbliebe» ist.
Die Impfscheine rc. sind auf dem hiesigen Bureau Bormittag» von 10 bis 12 Uhr bei Meiduvg der hierauf anzedroht-n Strafe bis zu 20 Mark vor,»zeigen.
Hanau am 7. September 1877.
Der Landrath.
Wochenschau.
H. H. C. Die Sedanfein gewinnt von Jahr zu Jehr eine« großartigere« Umfang. Die Art und Weise, wie da« deutsch« Bolk den 2. September in diesem Jahre beging, beweist deutlich, daß dieses Datum bereits allgemrin ,vm nationalen Festtag gestempelt worden ist. Wer sollte auch nicht einsehen, daß sich kein Ereigniß der großen Zeit sich in solchem Maße dazu eignet, wie der Sieg von Sedan, welcher doch der glänzendste und entscheidungSvollste Erfolg deS ganzen Kriege- ist. Der Kaiser Napoleon fiel mit einer ganzen Armee in unsere Hände, der letzten reguläre« Feldarmee der Feinde», welche noch Herr ihrer Bewegurgen war und die, hätte sie sich anstatt nach ©eben, nach Paris gewendet, unser« endgültiges Sieg verhindert haben würde. Der Sieg von Sedan ft'llte unfe n weiter« Siegeslauf, die vollständige Niederwerfung Frankreichs sicher, uxd war sonach die Vorbedingung der Her- stellung der deutschen Einheit, der Wiedererstehung deS deutschen Kaiserreichs. Der 2. September ist der Geburtstag des neuen Reichs. — Kaiser Wilhelm hat sich nach der Rheinprovinz begehen, v« den dortige« Manövern beizuwobne«, während sich der deutsche Kronprinz auf der Reise behufs Jnspieirung der bayer. Duppen befindet. Der in Saftei« befindliche Fürst BiSmarck erhielt den Besuch der deutschen Botschafter von Wie« und Rom, welche lange Unterredung«« mit ihm hatt,«.
AuS Frankreich traf die Trauerkunde ein, daß am 3. September Abends der alte Thiers in Folge eines TchlaofluffeS plötzlich dahin geschieden sei. Der Dahingeschiedene war ohne Zweifel einer der begabtesten und erfahrensten Staatsmänner und der feinste« Geister seiner Zeit. WaS ihm Frankreich zu verdanke«, ist noch in Aller Andenken. Wesentlich trug er zur Konlolidirung der tuteten Zustände in Frankreich und zur Republ kanifirung deS Volks bei, indem er die Radikalen zu der Ueberzeugung bracht«, daß die Republik nur durch Mäßigung und strenge Gesetzlichkeit zum Siege zu führe« und dem Volke bewies, daß die R'publik nicht verschieden von der Ordnung und Beständigkeit sei. So bedauerlich eS ist, daß der Tod des 80jährigen Greise» gerade jetzt erfolgte, so stebt doch fest, daß durch denselben bet republikanischen Sache keineswegs Eintrag gethan worden ist. I« Gegentheil! Die Betrachtungen, welche die gesammte republikanische griffe fitzt anstelle« wird, die Nachrufe derselben an den großen Todten, die Tostenfeier«, welche überall in Frankreich jetzt in Scene gesetzt werden, werden da» beste Wahlagitation-mittel abgebe«, so daß man vielleicht sagen kann: Der todte Theers nützt mehr als der lebende noch hätte »ötzen könuen. Mee Maho» frohlockt vielleicht. den gefürchtet«« Gegner so rasch fH geworden zu fein, er wird aber bald erfahren, daß der „kleine Bourgeois- vom Grabe aus erst seine ganze Furchtbarkeit entfaltet. Der stanzäs. Ministerrath hat jetzt endlich den Termin drr Neuwahl der Deputirten- kammer festgesetzt, und zwar auf den 1* Oliver.
Betreffs der neuen Kämpfe Sem 30. und 31. August auf den verschiedenen Brennpunkten des Kriegsschauplatzes hat man inzwischen nähere Nachrichten eryalre«. Suleima« machte im Sch'pkopaß noch einmal einen energischen Versuch. sich, mit Hülfe von Umgehung»«, desselben zu bemächtige» jedoch ohne Erfolg. Die Stoffen hatten inzwischen noch rechtzeitig so bedeutende Verstärkungen erhalten, daß ihre Stell«»- dort «ahkz« uneinnehmbar geworden war. Suleiman soll fich in Folge desien Mit dem g äste« Theile seiner Streukräfte zurückzrzoge« haben. AaS « nun aufangt» wird, bleibt abzuwarten. Ueber den Marsch seine»
linken Flügels nach Sabrowa hat «an nichts wieder vernommen. Zugleich rückte Mrhtmed Ale'» Armee bekanntlich von RaSgrad und Da« manbozar aus westwärts, jagte die Russen aus ihren festen Stellurgen uud trieb sie antet blutigen Gefechte» über de« Lom und den Kars Lo« hinüber, wobei fich das ägyptische Korps deS Prinzen Haffa» besonder» hervorgethan haben soll. Dir türk. Ostarmee rückt seitdem gegen die Jantra-Linie vor, also direkt gegen die rufs. Hauptstllung. Uw dieselbe Zeit machte die Besatzung der türk. Festung Rustschuk einen AuSfall, der jedoch von den rufl. Belagerern abgewiesen wurde. Und auch die türkische Westarmee OSman Pascha'» stieß wieder einmal von Plewna auS ostwärts vor, wo fich ein überaus furchtbarer Kampf est- span«, a»S dem beide Parteie» als Sieger hervorgeaangen zu fein be- haupte». Die Türken nahmen 3 Vnschanzungen. Ob ihne« dieselbe« wieder abgenommen wurden, darüber findet fich in den Berichten nicht». Rech dieser Schlacht langte die soeben über die Donau gegangene rumänische Armee bei Plewna an, und Fürst Carl von Rumänien übernahm den Oberbefehl auch über sämmtliche dort stehenden rusfische« Streitkräfte.
Die Tüiken haben an der boSnisch serb. Grenze ein KorpS von 26,000 Mann louzentrirt und ei scheint, als ob der serb. Regiei ung in Folge dessen die Krirgslrst, trotz der ästerreich. Erlaubniß, wieder aukglgangt« wäre. Sie hat jedoch eine 25tägige Waffenübung für die gesammte Armee befohlen.
Die Mouteneyriner haben die Belagerung von Rikfic aufgegebe«.
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— Berlin, 6. Sept. Den Lebensmittelverfälschern geht die hiesige Staatsanwaltschaft jetzt scharf zu Leibe. Ein Fabrikant in der Dresdenerstraße war denuncirt worden, daß er gestoßenen Pfeffer und Zimmt in den Handel bringe, die verfälscht seien. Die Untersuchung ergab die Wahrheit der Aussage und die Folge hiervon war, daß der ganze Vorrath confiscirt, die Bücher versiegelt und der Weiterbetrieb der Fabrikation untersagt wurde. Die Anklage folgt natürlich nach.
— Einer der Kais-rliche« Botschaft zu Sonftuuunnpa vo» der Hohe» Pforte ßrmachtr» Mittheilung zufolge ist eS bis auf Weitere» elle« Schiffen und Bäte» unittfast, bei Nachtzeit die Meerenge von Pks 6sa (Albanien) zu passiren. Auf Schiffe, welche diesem Verlöt zuwiderhau» del», wird zuerst blind und bei weiterer Nichtbeachtung bei Verbot» scharf geschofien werde». <». -. suz.-.
— Britfseudunge« rc. für S. M. Briggs „Rover- und „Mu»r quits" sind von heute ab «ach Kiel, diejenigen für S. M. Knbt. „Al- bat?ob" von heute ab bis incl. 7. d. M. nach Plymouth, vom 8. big ind. 13. d. M. nach Gibraltar, vom 14. bis tret. 19. b. MtS. nach Malta und vom 20. d. M. bis auf Weiteres nach Port Said zu bitt* girrn.
— Die „Trib." meldet: In der bevorstehenden Session bei Landtags soll, wie man hört, der bereits häufig eingebrachte, aber ebenso oft abgeleh«te Antrag wieder gestellt werden, die preußische StaatSlotterie aufzuhebeu. Seitens der Finanzministers Camphause« wurde, der Antrag stets bekämpft und namentlich hervorgehoben, daß der Staat auf die Einnahmen aus der Staatslotterie, die sich auf etwa 3 Millionen Mark jährlich belaufen, nicht verzichten könne, wenigstens so lange nicht, bis man «icht eine andere Einnahmcquelle hierfür in Borschlag gebracht habe. Jetzt hat der Antrag bei der gegenwärtige« Laße unserer Finanzen nicht einmal AuSsicht auf Annahme im Abgeordnetenhaus«, ganz abgesehen, daß er von der StaatSregierung bi kämpft werden wird. Auf viel Sympathie in der Bevölkerung hätte derselbe auch nicht zu rechnen.
— Nachrichten über eine bevorstehende Abreise bei Fürsten BiSwarch aus Gostein bestätigen sich nicht. Der Fürst, deffen Unwohlsein übrigens durchaus vorübergehender Natur gewesen sein soll, wird, wie wir hören, erst NnfanZS Oktober mit seiner Familie sich nach Varzü? ba- ßtben und dort bis zum Spätherbst verbleiben. Man hofft, daß er sodonv seine Geschäfte in »cUem Umfang wieder übernehmen wird. Augenblicklich btfindet fich der Geh. Reg.« Rath Tiedemann auS bem