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Hamner Artiger.
Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.
Erschein! täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristlscher Beilage, und Samitaqs mi» der Berliner Provinzial Correipondenz.
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Donnerstag den 6. September.
1877«
Amtliches.
Urftrudes: Ein schwarz?» Rädchen mit Fravzr». Eine kleine Scheere, daran 8 Schlüsielchen xebunden. Ein V/i Meter langes schwarz?» Bar d. Ein Heiser Hnndemaulkorb. Ein grün angestrichensr Rahmen, welcher mit Rohr und Stroh gefüttert; wührscheinlich an einen Siswa-ren K-ebörig. Ein Notizbuch mit der Aufschrift „Frau Spah."
ZuZelsuse«: Ein kleiner Wachtelhund, schwarz, mit weißen Pfoten.
Hasan am S. September 1877.
Königliches Landrathsamt,
TsgeSfcha«.
— Die „Köln. Ztß." enthält über das UbleSen re. deS bedeu« tende» Staatsmannes und Geschichtsforscher» Thiers folgende telegr. Nachrichten: Pari-, 4. Iept. Als Thiers gestern das Frühstück ein- »ahm, bemerkten die Personen, die mit ihm zu Tische faßen, in feinen GesichtSzügen eine Veränderurg, die allmählich zunahm. Da er fühlte, daß daS Uebelbefinde» sich steigerte, ließ er eiligst den Dr. Le Prez kommen, der ihn in St. Germain z« b suchkn pflegte. Der Arzt erkannte den Zustand sofort als gefährlich und ordnete Mittel an zur Er- leichterung bei Gehirns. Telegraphisch wurde Dr. Barthe von hier nach St. Germain berufen. In» Bett gebracht, fiel der Kranke in eine Art von Schlafsucht. Wohl hatte er noch eine ziemlich klare Vorstellung beffen, was um ihn her vorging. aber keine Ahnung, daß seine letzte Stunde herannahe. Er lag ganz still und schweigsam. Als Dr. Barthe «»kam, ertaste er ihn nicht mehr. Alle RettungsMittel blieben erfolglos. Um 6 Uhr 10 Minuten trat der Tod ei», sanft, ohne Zuckung. Die Nachricht traf um Mitternacht hier in einigen Redaktion-bureaux ein. Heute f üh erschien die Republiqae Fra^-aise mit schwarzem Trauerrand. Die TodeSbotschaft hat ganz Pari» in Aufregung versetzt. Der Leichnam wird einbalsamirt und dann hierher gebracht. Auf dem PL-e la Chaise ist die Thierd'sche Familiengruft. Man sagt, die Bestattung werde auf Staatskosten geschehn. — Alle Schichten der Bevölkerung Und mit dem Eindruck beschäftigt, den Thiers' plötzlicher Tod auf das konservative Lager ausüben kann; man hält eine Umstimmung der öffmt- litten Meinung für möglich, ja, wahrscheinlich; im republikanischen Lager herrscht aber keineswegs Entmuthtgung oder Besorgsiß. Das Organ Gambetta'», die Räpublique Fra^galse, beklagt den großen Verlust Frankreichs und der Republik: Die LebenSfückel dieses berühmten Mannes erlosch in dem Augenblicke, wo Frankreich seiner noch so sehr bedurfte und w» eS sicher war, ihn an seinem Platze zu sinken; dies war für da» Land die Qmllr bei großen und begründete» Vertrauens in den Erfolg der republikanischen Sache, die Thier- zu der (einigen gemacht. Die Räpublique Fran gaffe fügt hinzu: „Frankreich nimmt in wenigen Wochen seine Geschicke selbst in die Hand, el wird das Wort erhalten und el wird abstimme« all Wenn Thier- noch dabei wäre. Der Geist eine» solchen Mannes geht nicht mit zu Grabe, er erfüllt diejenigen, welche fein Werk fortzusetzen berufen sind. E» fehlt niemall einem Volke, bal frei zu sein entschlossen ist, an Männern." Der Figaro, der Thier- so oft und noch vor Kurzem verhöhnt und freventlich beschimpft hat, spricht sitzt in anständigen Ausdrücken von dem verstorbe- nen; er ist aber der Ansicht, daß die Republikaner jetzt ohne Haupt seien; zwischen Mac Mahon und Thier- sei der Wettstreit möglich gewesen, zwischen Mec Mahon und Gambetta aber^nicht, denn „Europa würde ein zu laute! Gelächter aufschlagen." — Nach dem Frühstück hatte Theer- noch einen Spaziergang auf der Terrasse von Saint Ger. main gemacht, obgleich er sich schon unwohl fühlte. Zufällig löste sich in diesem Augenblicke der Nebel der Ebene in Regen auf, Thier» fühlte sich plötzlich erkältet, bal Blut stieg ihm heftig zu Kopfe und er klagte: ,E« ist mir wirklich zu schlecht, wir wollen nach Hanse gehen." Frau Thier, und Fräulein ToSne, Thiers' Schwägerin, führten ihn an beiden »rmen. Heimgekehrt, legte er sich sofort zu Bett. Er lag still und ruhig; als »ach 6 Uhr die Entscheidung eingetreten war, machte die Nachricht in Saint Germain den tiefsten Eindruck und Gruppe» bilde- «» sich auf des Straße«. Um 8 Uhr traf Barthöikmy de Satut Hilatre
mit dem Maler Meifsonnier ei«, welcher nach Wunsch bei verstorbenen dessen Bildniß ««fertigen soll. Hr»te strömen Leidtragende in Masse «ach Saint Germain, um sich in Thiers' Behausung rinzuschreibe». Unter diese« PersoZen wurde eine große Anzahl von Senatoren twh Deputierte», die Sekretäre aller Botschaften und Gesandtschaften u s. w. bemerkt. Die Leiche ist festlich ausgestellt; F au Thiers «nd Fräulein Do?ne fitz-n am Todtenbett, das fis bis zur Beerdigung deffslbes nicht verlassen wolle«; nur die vertrautchrn Freunde bei Hanfe» er halte» Zutritt. Thiers liegt auf dem kleinen eisernen Betts, daS er seit fünfzig Jahre« besaß und da- seitdem alle Reisen mit ihm gemacht hat. Die Züge des Berstorbmen sind rußig «nd fast heiter. — Die Sitte bei ErnetS hält diesen Abend eise Versammlung, um über die Leitung der Angelegekheiten der republikanischen-Partei zu berathe« und einen Führer zu wählen. ES heißt, Gr^ry, der frühere Präsident der Kammer, solle durch Zmufe zum Führer erhobenzwerdk«. G S-y trifft diesen Abend oder morgen früh in Paris ein. — Die Rachr-cht von Thier»' Tode wurde im Elysee durch ein Telegramm bei Präfekten der Ski«e-et-O se bekSNut. Stkrrtsr Harvomt eilte sogleich zum Präsidenten der Republik, der sofort ei« Beileidstelegramm an Fran Thiers adiaedts; zugleich wurde ein Ordonanz.Offizier an Frau Thiers mit der Wird«. Holung der BeilridSbezeizungeK bei Marschalls und der Marfchskm und zur Hebung der geschlichen Schwierigkeitm für den Tra«Lport der Leiche abgesandt. Die Minister traten dieses Morgen bei Fomtos zusammen, um die Frage wegen der Beerdigung zu berathe». ES ist beWtrsgt worden, ThierS dieselben Begräbnißfeierlichketten zu erweise«, wie dem General CasaiMre, die Feier im JnnMdrspalast zu petanstaltt« «ud ihm hier die letzte Wohnung zu bereiten; es ist aber noch freijp< ob die Wittwe barein willigt. Dem Begräbmß werden 20,000 Mann Truppen beiwohne». Sämmtliche Senatoren und gewesene Deputirte werden persöslich zur Feier eingeladen. Bien Public erfährt, der Mar« schall Mcc Mahon werde in Person zur Beerdigung von Thier» er* scheinen. — Die Agener Hava« meldet: „Thier- war wohl bis zum Schlüsse bei Frühstück»; um 121/» Uhr trat ein bedenklicher SHlaZkn- fall ein, er verlor die Stimme und es trat nach zwanzig Minuten eins vollständige Lähmung ein, die bis zu seinem Tode anhielt. Das Bt- gräbniß wird auf StaMkoste» Statt finde». Alle Blätter ohne Aus- nähme spreche« ihre Theilnahme über den Todesfall aus." Der Moni- tsur Mkldkt, die Reife Mac Mahon'S «ach dem südwestlichen Frankreich werde in Folge dieses Todesfalles einige Tage avfgrschob n werde». Die Getreide- und Mehlhändler haben heute beschlossen, am Tage VL.» Thier»' Lrichenbegängniß die Geschäfte zu schließen und seiner Leiche zu folgen.
— Berlin, 4. Sept. Dir Nachricht, daß Frankreich seinen greifen Staatsmann eben in diesem Augenblicke wo die große Mehrheit seines Volke», angesichts einer düsteren Zukunft, auf ihn ihre beste Hoffnung setzte, plötzlich durch den Tod der ore« hat, »acht natürlich auch hier den lebhafteste« Eindruck. „Kaum j-mal»", sagt die Nat.- Ltb. Corr., „ist el einem Staatsmanne vergönnt, gewesen, so lange und so unermüdlich feinem Vaterlands zu diene»; und dennoch, gerade zu dieser Stunde erschien der achtzigjährige Greis fast «»entbehrlicher all je zuvor. Wa» die Lücke, welche sein Hinscheide» gerissen, für die gegenwärtig» Krisis bedeutet, wird sich erst später überblicken lassen.* Und in gleichem Sinne sagt die Nat.-Ztg.: „Nicht feiner Nation ull i« ist Thiers gestorben, in dem Augenblicke, wo sie am wenigsten seiner entrathr» konnte, wo er unersetzlich ist, die Sache der ruhigen und friedliche» Entwicklung Europa» erhält durch sein Ableben einen schweren Schlag. Trostloser und verworrener ist niemals der Rachthimmel fran« zösijchen Parteihaders erschienen, all se lbem plötzlich da» Licht erloschen ist, da» so Sielen Führung und Leitstern war."
— Zu ben Borlagen für den nächsten Reichstag wird, wie wir erfahre», auch ein Gesetz über ben Schutz nützlicher Sogelarten gehören, mit besten Vorbereitung man im Rrichstanzleramt bereit» beschädigt ist. Der Entwurf wird sich dem ««trage anschlteße«, ben in Bezug auf die Materie der Abg. Fürst Hohenlohe-Langenburg in einem abgeschlossenen