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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage und Samstags mit der Berliner Provinzial Correipondenz.

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Mittwoch bett 5. September.

1877.

T-geKscha«.

Die Unabhängigkeit des deutschen Geistes.

*. b. Schi». Merl.

Fürst Bismarck hat in seiner Erwiderung auf die Einladung zur Enthüllung der Canossasäule den zahlreichen geflügelten Worten, mit tzeuen er das deutsche Volk beschenkt, ein neue» Hirzugefügt, für den großen Kampf der Gegenwart ein neues Losungswort gegeben, indem er schrieb, er werde das Fest, wo er auch sein wöge,im Sinne der Unabhängigkeit deutschen GersteS von jeder Fremdherrschaft- mitbegehen. Gewiß nicht ohne besondere Absicht hatte das Festkomite die Feier auf dem Burgberge gerade auf des Sonntag vor dem Sedantag angesetzt, also gleichsam zu einer Vorfeier des SedanfesteS gemacht. Das Sedan- fest und die Säule, welche die Wortenach Canoffa gehen wir nicht I der Nachwelt zu ewigem Gedächtniß erhalte» soll, stehen in einem engen inneren Zusammenhänge. Das Sedanfest würde nicht recht gefeiert, wenn er uns nicht in dem Streben nach geistiger Unabhängigkeit von jeder Fremdherrichaft, besonders von jener Knechtschaft, die in dem Büß­gang einer deutschen Kaisers nach Carrssa ihren schmachvollsten Ausdruck farb, bestärkte. Die Uittamov'aren haben zwar Unrecht, wenn sie be­haupten Deutschland habe 1870/71 mit Bewußtsein in Frankreich den Klerikalttmur bekämpft, ist eS doch erst später zur allgemeinen Kenntniß gekommen, daß der Vatikan eS war, der die Kaiserin Eugenik und durch sie Napoleon III. in den Krieg gegen Deutschland hineingetrieben. Aber die Schwarzen hatten vollkommen Recht, wenn sie den Schlag, den Frankreich und sein Kaiser bei Sedan empfing, witfühlten, wenn sie die Wirkung der deutschen Siege, welche sich zunächst in dem Verlust des Kirchenstaate» äußerte, zugleich als eine moralische Niederlage ihrer Bestrebunzen empfanden, zu deren Werkzeug das französische Kaiserthum sich hergegkben hatte. Und mit noch mehr Recht sehen sie heute in dem Deutschen Reiche das stärkste Bollwerk gegen ultramontane Herrschsucht. Durch ihr Klagegeschrei über die Wirkungen deS TageS von Sedan geben sie daher den deutlichsten Fingerzeig, was die Sedanfeier ihrer vollen Bedeutung nach sein muß. Wos hülfe es auch, von der staat­lichen Fremdherrschaft, wie sie vor 1870 in einem Theile unseres Va­terlandes bestand, befreit zu sein, wenn das Ausland nach wir vor fei­nen Einfluß in politischer und soz'aler Beziehung in drückender Weise geltend machte? WaS hülfe eS Deutschland, sich staatlich frei und einig zu seyen, wenn eS sich nun unter das geistige Joch der Jesuiten beugte? Nein, Deutschland hat erst dann seine volle Unabhängigkeit erlangt, wenn es sich auch geistig von aller Fremdherrschaft frei macht, wenn eS insbesondere daS Joch wegwirft, das ihm die schwarze Partei auf« bürdrn will.

Berlin, 4. Sept. Ueber die Reise Sr. Majestät des Kaisers und Königs li ge« heute folgende telegraphische Meldungen vor:

Düsseldorf, 3. Sept. Die große Parade des VII. Armee-Corps hat heute Vormittag bei Golzheim stattgefunden. Se. Majestät der Kaiser und ,.,'önig trafen zu derselben um 11 Uhr von Benrath aus mit Ihrer Maj rtät der Kaiserin-Königin, Ihrer Kaiserlichen und König­lichen Ho H it der Kronprinzessin und Ihrer Königlichen Hoheit der Erb- Prinzessin an Hohen zollern hier ein. Ihre Kaiserliche Hoheit die Kron­prinzessin ,«ng die Uniform Ihres Husaren Regiments; Ihre Majestät die Kaiserin und Ihre Königliche Hoheit die Erbprinzesst» von Hohen- zollern wohnten der Parade im Wagen bei. Bei beiden Vorbeimärschen der Truppen führten Sr. Königliche Hoheit der Großherzog von Olden­burg und Be. Durchlaucht der Fürst zu Schaumdurg-Lippe als Chefs das Westfälische Kürassier-Regiment Nr. 4, bezw. da» Westfälische- ger-Bata llon Nr. 7, vorbei. Auf dem Paradrplatze hatten auch die Krieger- und Landwehrvereine in einer Stärke von etwa 12,000 Mann AMellung genommen.

Nach der Parade, welche vom Wetter nicht begünstigt war, bega­bt« Sich Se. Majestät der Kaiser und König nach Benrath zurück, währrud Ihre Majestät bte Kaiserin-Königin mit Ihrer Kaiserlichen und Königliche« Hoheit der KrorPrinzessin nach Düsseldorf führen. Um 5 Uhr fand im Schlosse zu Benrath ein Paradiner statt. Um 8 Uhr

brachten etwa 1000 Fackelträger, Musiker und Sänger der Gemeinde Hilden, Sr. Majestät dem Kaiser einen Fockelzug dar.

Se. Kaiserliche und Königliche Hoheit der Kronprinz ist heute in Benrath eiugetroffen und hat den Abend bei dem Offizier cops Seines Infanterie-Regiments Nr. 53 in Düsseldorf zu gebracht. [*. x. st-xeg.]

DerR. u. St.-A." enthält eine Bekanntmachung des Reichs­kanzlers betreffend die Ausgabe von Zchatzanweisungm im BUrsgs von 10,000,000 Mk., vom 3 September 1877.

I« de« deutschen Münzstätte« sind bis zum 25 August 1877 geprägt worden an Goldmünzen: 1,147,913,000 Mark Doppel­kronen, 358,819,020 Mk Kronen; 5 362,500 Mk. halbe Kronen; hiervon auf Privatrechnung: 221,607,079 Mk.; an Silbermünzen: 71,653,095 | Mark 5-Markstücke, 97.288,586 Mk. 2-Markstücke, 143,512,165 Mk. j 1-Markstücke, 60,717.124 Mark 00 Pf. 50-Pfennigstücke, 35,717,922 - Mark 80 Pf. 20-Pfennig stücke; an Nickelmünzen: 23,502,530 Mark ! 70 Pf. 10-Pfennigstüöe, 11,657,813 Mark 75 Pf. 5-Pfennigstücke; an Kupfermünzen: 6,213,207 Mark 44 Pf. 2-Pfennigstücke, 3,382,722 Mark 83 Pfennig 1-Pfennigstücke. Gesammtausprägung: ; an Goldmünzen: 1,512,095 420 Mark; an Silbermünzen: 408,888,892 i Mark 80 Pf.; an Nickelmünzen: 35,160,344 Mark 45 Pfennige; j an Kupfermünzen: 9,595,930 Mark 27 Pf.

Nach Annahme in jnttfhfdjen Kreisen wird die Ernennung der Mitglieder beS deutschen N iLsgeriKtS genau so vor sich gehen, wie die der Mitglieder des deutschen HandelSgerichk»: Der BusdeSrath unter­breitet die von ihm aufg stillte BorschlasSliste dem Kaiser zur Geyeh« migung, die erfabrungruößig ohne jede Geanstandmg e$fol»t. Bei Besetzung der Stellen wird j der BundeSstaat nach Verhäsiniß feiner Größe Mitglieder stellen, so daß sich im oberste« deutschen Gerichtshof Richter au» allen deutschen Staate« vorfinden. Besondere Gesetze wer­den zu bestimmen haben, wie sich die beiden unteren Gerichts Instanzen zulamm^nsehe«. 6# könnte sein, daß sich jetzige Appellrichter gefallen lasse« müßten, unter Belastung in ihrem Gehalt Amtsrichter zu werde«, und ebenso würden jüngere Mitglieder des Obertribunals und deutscher Ober-Appellation-aerichtr angewiesen werden, in die Oberlandes gerichte einzutreten. Die Einführung der Justizreform macht die Versetzung der Richter nothwendig, die bekanntlich jetzt laut Gesetz nur auf Antrag erfolge« kann. Die Einzel-Landtage und der Reichstag haben zur Durchführung der Justizreform noch viele Spezialgesetze sistzustelle».

(Deutsch. Mont.> Blatt.)

Man erinnert sich, welche große« Hoffnung « für die §?bwg unserer Kunst-Industrie an das Mutterschutzgesetz geknüpft wurde»». Leider ist eS aber eine bereits seit längerer Zeit bewiesene Thatsache, daß Seiten- der Industrie von diesem Gesetze ein höchst spärlicher Ge­brauch gemacht wird. Dem gegenüber ist folgender Urtheil der Halber- städter Handelskammer nicht ohne Interesse:Eine Erklärung für die geringe Theilnahme der Jndvstriellen an dem Musterschutz- dürfte zum nicht geringen Theil in der langen Abhärgieksit der deutschen Industrie von ausländischen Mustern zu suchen sein, eine Abhängigkeit, die ben eigenen Er findungkgüst, wollen wir hoffen, nur einschlafer-, nicht abster- ben ließ. Er wird aber wohl einer längeren Zeit und der ganzen Energie der Betheiligten behüten, um die deutsche Industrie zur selb­ständige« Initiative zu erwecken, welche im Stande wäre, neues frisches Leben, namentlich der deutschen Kunst-Industrie, durch die Erfindung und geschickte Ausführung geschmackvoller Muster und Modelle einzuflößs« und so den von ihr früher eingenommenen hohen Rang wieder zu er« obern. Zur Herbeiführung einer solchen Smanc paiion war der Erlaß deS MusterschutzgesktzeS unerläßlich; wir wollen hoffen, daß die deutschen Jndustriellrn und Gewerbetreibenden in richtigem Verständniß der da­durch zu erzielenden Vortheile je länger je mehr von dem Musterschutz Gebrauch machen werde«." DieKöln. Ztg." bemerkt hierzu: Unseres Erachten» wird sich der volle Nutzen deS Musterschutzgesetzes erst dann bemerkbar mache», wenn es den gewerblichen Bildungravstalte» g-luAgen ist, bie Emarcpation von den ausländische« Mustern und die künstlerische Selbstbethätigung der eigenen Geschmack» durchzusetzen. Auf bujeä Ziel wird vorerst da» Hauptaugenmerk zu richte» fein.