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Samstag Äe« 25. August.

1877.

Wochenschn«.

H. H. C. Die preuß. R-gierung hat angefangen, das eigene StoatSbahunetz ohne Rücksicht auf die BundeSstaaten zu erweitern und zu konsolidiren, also die im vorigen Jahre auSgestoßene Drohung zur Wahrheit z» machen, obgleich die Vorbedingung solchen Vorgehen», d. i. der Widerstand des Reiches gegen das vom preuß. Landtage genehmigte Gesetz betreffs Abtretung preuß. Bahnen an das Reich, noch nicht ein- getreten ist, da ja die Genehmigung des Letzteren noch gar nicht verlangt wurde. In den preuß. RegierungSkreisen scheint man jedoch der Ableh­nung gewiß zu sein, und so ccquirirte man bereits die Berlin. Dresdener Bahn und beabsichtigt man, demnächst auch die Bahnen Gießen-Köln und Oberhausen Arnheim anzukaufen. Wegen der Berlin-Dresdener Bahn entwickelte sich bekavniliS ein Streit zwischen den beiderseitigen Regierungen, welchen ein Lübecker Gericht zu Gunsten Preußens schlich­tete. Sachsen will sich nun so behauptet darBerliner Tageblatt dadurch rächen, daß es den Güterverkehr einer anderen Bahn zu- wendet und Preußen würde sodann mit Repressalien antworten, die vornehmlich in der Umgehung des ganzen sächs. Eisenbahnnetzes bestehen würden. Nicht übel! In Bezug auf die Reform des UnterstützungS- wohnsitz-Gesetzes hat auch die Generalversammlung der badischen KreiS- auSschüsse ihren Standpunkt normirt. Sie hat sich ebenfalls gegen die­selbe ausgesprochen und nur den einen Punkt gutgeheißk«: die Herab­setzung des MinimalallerS derjenigen, welche dem Gesetze unterworfen sind, auf das 21. Lebensjahr. Die Großherzogl. Hessische Regierung hat dem zum Mainzer BiSthumSvnweser gewählten ultramontanen Dr. Mosfang die Bestätigung versagt. Fürst BiSmarck langte am 20. August auS Barzin in Berlin an.

Die Volksbewegung in Kroatien, die augenscheinlich von der österreich. Militärpartei unterstützt wird, um ein Gegengewicht gegen die türkenfreundlichen Anstrengungen der Un;arn zu bilden und zu einer förmlichen Auflehnung gegen die magyarische Oberherrschaft geworden ist, geht rüstig ihren Weg weiter. Volksversammlungen werden wassert- haft abgehalten und verlangen die Annexion BoSnienS und der Herze­gowina. Ein Meeting zu Porto-Re ging aber auch weiter und forderte die Bildung einer südslawischen Konföderation. Kossuth, der unLarische Exdiktator, erließ dagegen wieder einmal ein offenes Sendschreiben, welche» Andraffy anruft, sich mit der Pforte über die Reformen zu ver­ständigen und sodann mit ihr ein Bündniß gegen Rußland einzugehen: Deutschland werde kein Blut für Rußland verspritzen.

Die italienische Regierung hat beschlossen, Rom zu befestigen.

In der Schweiz ist man jetzt nicht wenig in Angst wegen der großartigen Befestigungsbauten, welche Frankreich bei Belfort vornimmt und den Franzosen die Freiheit gibt, bei einem Kriege mit Deutschland, den Marsch durch die Schweiz zu machen. Die Schweizer glauben da­durch die Neutralität bei Landes auch insofern gefährdet, als Deutsch- land eine» Tage» den Einmarsch seiner Truppen in die Schweiz damit motivtren könne, daß die Schweiz den französ. Vorkehrungen gegenüber nichts zur Sicherstellung ihrer Neutralität gethan und dadurch die deutsche Südwestgrenze gefährdet habe. Die griffe fordert die Regierung zu militärischen Gegenmaßregeln auf. Die Schweizer Eisenbahnbedien­steten gehen damit um, sich ebenso einheitlich zu organisiren wie ihre Nordamerika». Koll'gen.

Da» Hauptereigniß in Frankreich ist die verunglückte AgitationS- reise Mac Mahon'S nach der Normandie. Die Normandie galt bisher als eine der reaktionärsten Provinzen. Zur größten Enttäuschung bei Marschalls und seiner Minister stellte eS sich aber heraus, daß auch sie seit dem 16. Mai republikanisch geworden und so besam der StaatSchef fast nichts als den Ruf:Es lebe die Republik!- zu hören. Am 20.

teerte der Marschall nach Paris zurück. Währenddem war Gambetta in Lille und hatte dort eine große begeistert aufgenommene Neoe gehalten, in welcher er wiederholte, daß die 363 republikanischen «xseputirte» in drr neuen Kammer, um mindestens 40 Mann verstärkt, wieder erscheinen würden, und welche am Schlüsse die Versicherung er*

c w*rm Millionen von Franzosen ein einstimmiges Votum abgegeben hatten, der Staatschef abgehen oder sich demselben fügen

müßte. Gambetta'» Rede erschien al» Broschüre, die jedoch in PariS mit Beschlag belegt wurde.

In Spanien wurde wieder einmal eine Republikanerverhaftung vorgenommen, wegen einer angeblichen Verschwörung.

Da» englische Parlament wurde bis zum 30. Oktober vertagt.

Die Dinge auf dem Kriegsschauplätze Resten folgendermaßen. An Verstärkungen haben die Ruffen inzwischen 2 Armeekorps erhalte«, von denen dar VII. zur Hauptarme«, das X. zum Korps Zimmermann in der Dobrudsrba stößt. Letztere» bedarf solcher Unterstützung sehr, da dir Türken 10 000 Mann ihrer vom Kaukasus zurückgezogenen Truppen unter Fazii Pascha bei Kistendsche gelandet habe», die auf da» Lager von Tscheruawoda losmarichire«, während Prinz Hassan mit feinen Aegypter» ebendahin vorrückt. Die über den Balkan herübergekommene Armee Suleiman'S ist bis Stalaritza vorgerückt, befindet sich also kaum noch 4 Stunden von Tirnowa, wo das achte russische Korps und die Trümmer des Gurko'schen unter Rabatz ky'S Führung in befestigter Stellung stehen. Bor postengefechte haben bereits stattgefunden. Daß Sulriman feine Verbindung mit Mehemed Alr's Armee von Schuwla, die von Osten her ebenfalls nach Tirnowa vorrückt, bergest eilt habe, hat sich bestätigt, doch war die Nachricht verfrüht, daß Suleiman auch die Verbindung mit der Armee Osman Pascha's bewirkt habe. Die Russen halten vielmehr den Schipkapaß, bet dazwischen liegt, sowie die Linie Tirnowa-Gabrowa sehr stark besetzt und OSma» ist jetzt in seinen eigenen Stellungen von Lowatz und Plewva bedroht. Die ruff. Kavallerie soll OSman'S Verbindung mit Sofia unterbrochen haben, um sein KorpS auSzuhuvgern und ihn dadurch zum Verlassen seiner Position zu zwingen. Die Montenegriner sollen sich endlich der Festung Nisic bemächtigt haben.

AuS Kleinasien kam die Kunde, Mukhtar Pascha haben einen An­griff von 50.000 Mann Ruffen abgeschlagen und der verstärkte JSmael Pascha sei wieder in Russisch-Armenien eingedrungen.

Segelf^ax.

DerR.« u. Et.-Anz.- enthält: Gesetz, betreffend die Ueber­nahme der Zinsgarantie des Staats für eine PrioritätS-Anleihe der Berlin-Dresdener Eisenbahn. Gesellschaft bis zur Höhe von 22,940 000 Mark, vom 11. August 1877.

Die N. A. Z. schreibt offiziöS:Die hiesige türkische Botschaft veröffentlicht durch das Telegraphenbureau von Hirsch folgende Mit­theilung bei Minister» der auswärtigen Angelegenheiten in Konstanti­nopel:

»Die von der Pol. Correspond. in Wien veröffentlichte und von einigen Berliner Blättern »probt eilte Nachricht von einer Freilassung der Urheber der in Salonichi begangenen Mordthaten ist vollständig unbegründet. Die in dieser Affaire Berurtheilten erleiden ohne Rücksicht ihre Strafe.-

Nach dem hohen Grade von Unglaubwürdigkeit, welche den Mit­theilungen der türkischen Ministeriums des Auswärtigen wiederholt nachgewiesen worden, hat auch die vorstehende Berichtigung nur zweifel« haften Werth, zumal die Regierung in Konstantinopel kaum in der Lag« ist, ben Inhalt der ihr au» den Provinzen zugehenden Meldungen und Berichte zu kontroliren.-

Wtr schließen hieran noch folgende Mittheilungen: Ein Berliner Telegramm der Morningpost meldet, daß in Folge der Begnadigung der türkischen Beamten, welche der Betheiligung an bet Ermordung der Eonsuln für schuldig befunden worden, ein deutsche» Panzergeschwader vor Salonichi erschienen fei. In derselben Angelegenheit wird dem Standard auS Dresden telegraphirt: Dem Gesuche Deutschland» will­fahrend, sind die Mächte, wie verlautet, übereil!gekommen, einen gemein­schaftlichen Protest an die Psolte zu richten, da Letztere die U-Heber der Ermordung der Consuln in Salonichi begnadigt haben soll. am)

London, 24. August. Nach einem Telegramm derTimes* aus Therapia, 23. b., hat die Pforte dem englischen Botschafter bie Nachricht von einem großen Siege Mehemet Ali Paschas zwischen OS-