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TieSjpaltigeKils 30

M 197.

Freitag den 24. August.

1877.

Amtlicher.

Verloren: Ein Cigarren-Etui.

Sef»»de«: Zwei Stück Cigarren-Etuis; Smpfangnahme beim Herrn Bürgermeister zu Langeuselbold. Eine Brille.

Hanau am 24. August 1877.

Königliches Landratbsamt.

Seit dem 31. Schüsse der zweiten Kriegsschauplatz in

Vom Krieg.

A. d. Schw« Merk.

Juli, dem Tage, in dessen Morgenfrühe die letzten Schlacht bei Plewna verhallten, ruht auf dem

_ . . _ Donaubulgarien die größere Aktion vollkommen. Sehr begreiflich ist dieses Jnuehalten auf Seiten der russischen Kriegs« leitung, der jeder Tag von höchstem Werthe fein muß, um Verstärkun­gen für die Fortsetzuug des FeldzugS heranzuziehen; weniger leicht zu «klären, was die türkische Kriegführung betrifft, die in der absoluten Defensiv-: eben dann verharrt, wenn dieselbe dem Feind am allerer- wünschtesten ist. Daß übrigeuS die Ruhe bei Plewna- Tirnowa-Osman- bazar nicht mehr allzulange dauern kann, dafür spricht in erster Linie die vorgerückte Jahreszeit. Die Russen müssen demnächst schlagen und siegen, oder sie müssen sich auf Winterquartiere in Rumänien vorberei­ten. „DaS Eine ist gewiß-, sagt ein Krilglkorr. der N. Fr. Pr., „daß die Russen durch ihre Position und durch die Nähe der schlechten Jah- reSzüt zum Angriffe gezwuNgen werden. Sie müssen Rustschuk vor Eintritt des Winters haben, wenn sie ihre Quartiere in Bulgarien aufschlagen wollen, denn man kann nicht,sarmehmen, daß die Türken alle ihre Vortheile auf Einmal in einer großen Schlacht auf das Spiel setzen werden. Sie werden vielmehr den Krieg fortzuspiunen suchen. Zur Winterszeit können big Douaubrücken nicht im Stande gehalten werden, und die Stromufer sind unzugänglich. Die Schifffahrt selber ist durch den Eisgang unterbrochen. Was die bulgarischen Straßen betrifft, so sind diese schon Mitte Oktober unwegsam. Wenn die Russen nicht noch vor Monatsfrist große Vortheile und zwar solche erringen, in Folge deren sie der Türkei den Frieden diktiren können, oder wenn sie nicht Rustschuk nehmen, so werden sie in Rumänien überwintern müssen und nur auf dem rumänischen Ufer die Brückenköpfe halten können, die sehr stark befestigt und durch Artillerie auf dem linken Ufer geschützt sein müssen. Es dürfte in der Kriegsgeschichte kein Beispiel einer Armee gegeben haben, die sich in so furchtbarer Lage befunden hätte und die durch felbstgeschaffene Schwierigkeiten so unbedingt zu einer entscheidenden That gedrängt worden wäre." Wo die entscheidende That ^schehcn soll, das ist natürlich das Geheimniß der Hauptquartiers in GorubStude«. Man hat bisher angenommen, die Russen wollen Os« man Pascha in Plewna einschließen, wie Bazaine in Metz eingeschloffen worden; eine hinkende Begleichung, da Bazaine nach verlorenen Schlach­ten: ««gekreist und unschädlich gemacht wurde, Osman dieses Schicksal errungenen Siegen erleiden müßte. Neuerdings lasse« sich aber auch Stimmen vernehmen, welche nicht eine Zrrnirung Osmans, sondern eine neue Schlacht bei Plewna erwarten. Die russische« Truppenver- schtedunge», so meint beispielsweise ein KriegSberichterst. des Hamb. Korr., lassen ihrer ganzen Richtung nach fast gar keinen Zweifel dar-

zu, daß der Operationsplan des Armeeoberkommandos darauf ^»»»Ezrelt, vor allem Unseren Plewna in russische Gewalt zu bringen und OSman Pascha ein- für allemal aus seinen dortigen befestigten Po« »» »« verdrängen. „Daß man in der letzten Zeit beträchtliche »yetle der russischen Armee von Osten nach Westen verschoben hat, iß Ssnz unverünnbar. Es handelt sich also dem Anscheine nach darum, « X? A°En Theil der Armee, etwa 60-70,000 Mann, Mehemed kJ »»v Achmed Ejub Pascha im Osten festzuhalten und zu verhindern, h® ^ dem im Westen stehenden Osman Pascha zu Hülfe kommen, mit

Th-tle der Armee aber, etwa mit 100,000 Mann, über b4T w. $a selbst herzufallen, um ihn bis zur völligen Auflösung Ziffer iTw^Ä ^ ist jedenfalls charakteristisch, daß diese m»K^*8fnH»^ welche gegen OSman Pascha aufgebote»

"^ l°^n, in allen Gesprächen wiederkehrt, die Rußlands Offiziere

$ unter einander halten. Ferner hört man die Versicherung, daß der Angriff jedenfalls nicht unternommen werden wirk, ehe dir 100,000 Mann nicht komplet sind; nebenbei hört man gewöhnlich auch versichern, daß der Oberkommandirende, Großfürst Nikolai Nikolajewitsch, die Lei­tung der neuen Schlacht tattern der UnterbefehlShaber anvrrtrauen, oa« der« daß er in derselben persönlich kommandiren werde." — Dieser Auffassung zufolge soll also der Name Plewna nochmals verhöngnißvoll, in diesem oder jenem Sinn, für die Geschichte des gegenwärtigen Feld- zugs werden.

— Berlin, 22. August. Die „Köln. Ztg." schreibt: Der Reichskanzler Fürst Bismarck, der gestern bei Sr. Majestät zusammen mit dem Staats-Minister v. Bülow Vortrag hatte, begab sich heute Mittag abermals nach Potsdam, von wo er gegen 5 Uhr Nachmittags zurückerwartet wird. Die Theilnahme des Ministers v. Bülow deutet allerdings dahin, daß es sich bei dem Vortrage des Kanzlers um die auswärtige Politik gehandelt haben möchte. Dagegen drängt sich in der Tagespresse mehr und mehr die Auffassung hervor, daß die neuesten Ereignisse auf den russisch-türkischen Kriegsschauplätzen der europäischen Diplomatie wiederum eine längere Frist zu weiteren Ferien und Er­holungsreisen verschafft haben. Seit Rußlands Niederlagen sind die Gefahren für das Dreikaiserbündniß minder acut, und Andraffy kann vertrauensvoller seine Hand vorläufig in der Bismarck's ruhen lassen, ohne noch ein sobaldiges verhängnißvolles „zu spät" befürchten zu müssen, wie er es angesichts des raschen und opferlosen Vormarsches der russischen Armee über die Donau und Gurko's über den Balkan eine Zeit lang befürcht-t haben mag. Allerdings für Rußland setzt die fernere Kriegsführung nnnmehr, wie ein hiesiges Blatt heute bemerkt, „jetzt einen sehr hohen Grad von diplomatischer Sicherheit gegen Europa voraus. Ohne dieselbe läge das gesammte Reich einer Inva­sion völlig offen, wäre die Armee an der Donau in der möglichst schlimmen Lage. Die einzige Gewähr der Sicherheit in dieser so kri­tischen Lage bietet das Dreikaiserbündniß, und keine andere Constella- tion könnte dieselbe bieten." Davon aber ist denn auch die weitere Folge, daß „die künftige Politik Rußlands auf der Balkanhalbinsel und die Ausnutzung etwaiger Siege in der Hand nicht Rußlands, sondern des Dreibundes liegen. Und hierin besteht ja die Gewähr, deren Oesterreich bedarf, um bei all der gewaltigen Erregung seiner Völker dem Kampfe ruhig zuzuschauen. Der bisherige Gang der Dinge hat das Gewicht dieser Ueberzeugung nur erhöhen können, man hat sich in Oesterreich sagen dürfen, daß es mit dem Anwachsen der russischen Grenzmacht nicht so weit gediehen ist, um das 80-Millionen-Reich zu einer unermeßlichen Uebermacht anschwellen zu lassen. Wenigstens für die allernächste Zeit nicht. Und zum Theil darum hat Rußland wohl mit fast allen seinen Truppen hinabziehen dürfen zur Südgrenze des Reiches." Diese veränderte Lage muß Rußland zu ernstem Nachsenken leiten. In der That, „der Dreikaiserbund ist, wie uns scheint, zugleich eine Instanz, die nach wie vor ihr Placet zu dem Programm des Kaisers Alexander aufrecht erhält." Und „die deutsche Politik hat bis jetzt keinen Schritt gethan, der ihr Verpflichtungen auferlegte, und man darf unterstellen, daß sie auch in Zukunft weder mit leeren Demon­strationen, noch mit folgeschwerem Dazwischentreten sich befassen wird. Rußland hat ein größeres Stück Arbeit vor, als vor wenigen Wochen anzunehmen war. Aber es mag eben so ruhig daran fortarbeiten, als Deutschland und wohl auch Oesterreich ruhig der Arbeit zuschauen dür­fen. Heute ruhiger denn vordem, denn Rußland bedarf solcher Rahe mehr denn je, und weniger wie je wird es daran denken, die Grenzen seiner Action, die es selbst sitz gezogen und feierlich vor Europa be­kräftigt hat, zu überschreiten."

— Zur Frage der Verfälschung der Lebensrnittel schreibt der Hannovrische Courier:

„Durch die thatkräftige Initiative einer Anzahl gemeinnütziger Männer ist hier in Hannover bekanntlich in der Frage nach ausrei­chenden Maßregeln gegen die Verfälschung der Ledensmittel, worüber gegenwärtig in der deutschen Presse vielfache Erörterungen geführt wer-