Einzelbild herunterladen
 

Hanmer Inniger.

Zugleich Amtliches Organ für Kreis mrd Stadt Hanau.

Grfchrim täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage,! und Samstags mit der Berliner Provm-isl-Lorrespondenz.

^WWssr4§sA§» »rr!»»

w« iti»»Me«

VsrWsudzetLs <6^

deren Bs«M m st«.

$* 2fMt M» » sr»

M 191.

Freitag den 17. August.

1877.

TageSscha«.

Berlin, 15. Aug. In der Presse ist die Rede davon, daß im Marine-Ministerium eine lebhafte Thätigkeit herrsche und neue Marine-Etablissements in AuSsicht ständen. ES ist selbstverständlich, daß alle nothwendigen Arbeiten in Angriff genommen werden, um rechtzeitig in nächster Session die Genehmigung deS Reichstages für dieselben zu erlangen. Was speciell den verstärkten Küstenschutz betrifft, so ist daran erinnert, daß derselbe weniger vor das Forum der Ma­rine- als der Militärverwaltung gehört, denn die bezügliche Frage greift tief in die artilleristische Organisation und ihre Lösung kann nicht so schnell und leicht herbeigeführt werden, als hier oder da vielleicht geglaubt wird. Ein Urtheil darüber, ob dieser Gegenstand den Reichs­tag beschäftigen werde, ist bis jetzt unmöglich. Es fehlte noch jede Unterlage, welche eine Aenderung in diesem Zweige der Militärver­waltung mit Sicherheit voraussehen läßt. yssm gtg.j

S. M. S.Nymphe" ist am 11. d. M. Abends 6V» Uhr in Pkymouth eingetroffen. An Bord Alles wohl.

Von Neuem taucht das Gerücht auf, daß Fürst Bismarck beabsichtige, im Lause des Herbstes Aufenthalt an der englischen See­lüfte zu nehmen. Man nennt sogar den Ort, Sandown auf der Insel Wight, wo die kronprinzlichen Herrschaften vor einigen Jahren weilten, der von dem Fürsten Reichskanzler auSerwählt sein soll. Allerdings hat Fürst Bismarck wiederholt und namentlich zu Ostern, als er seine Entlassung einreichte, den Wunsch zu erkennen gegeben, sich aus einige Zeit in einem kleinen ruhigen Orte an der britischen Seelüfte mederzu« lassrn, die vor unfein heimischen Seebädern den Vortheil gewährt, daß man bis spät in den Herbst hinein an derselben verweilen kann. Die Bedenken, welche sich der Ausführung des Planes entgegenstellen, sind indeß so bedeutend, daß von einer Verwirklichung doch vülleicht Abstand genommen werden dürfte. Abgesehen von der Schwierigkeit, das beson­ders in England ausgezeichneten Fremde» gegenüber so Neugierige Pu­blikum fernzuhalten, liegt bei der gegenwärtigen politischen Weltlage die Befürchtung nahe, daß man einer Reise deS Reichskanzlers nach Eng­land, selbst wenn derselbe jeden Verkehr mit den dortigen Staatsmän­nern grundsätzlich vermeidm sollte, eine weittragende Wichtigkeit bei» messen würde, die den Thatsachen nicht entspricht. Der bisherige bayerische Gesandte in Paris, Rudhart, ist bei seiner Abreise, zur Ueber­nahme seines neuen Postens in Berlin, zum Kommandeur der Ehren­legion ernannt worden. Es ist dies der erste Fall von Auszeichnung eines deutschen Diplomaten seit dem Kriege. Allerdings war der Hof von Berlin zuerst in dieser Richtung vorgegargen, als dem General Abzcc, dem Träger der Glückwünsche der französischen Regierung zum Geburtstage Kaiser Wilhelms, im vergangener» März, der Rothe Adler« orden verliehen wurde. Aus Anlaß der Säkularfeier der EiLver. leibung Wesipreußens in die Monarchie wurde im Septbr. 1872 der Grundstein zu einem Denkmal Friedrich's des Großen in Marienburg gelegt. Das Denkmal ist jetzt von dem Prof. Siemering vollendet und soll in der ersten Hälfte des Okt. enthüllt werden. Eine Deputation von 5 Mitgliedern des KomitrS soll an den Kaiser und an den Kron­prinzen gesandt werden, um über die Vollendung des Denkmals zu be­richten, zur EnthüllungSfeier einzuladen und von dem Kaiser eine Be­stimmung deS per aueren Termins für die letztere zu erbitten. (Pr. sr.)

Wie alljährlich war Excellenz Windthorst im Juli zum Be­such beim Hannoverschtn Hofe in Gmunden, wo er sich einer besonders ausgezeichneten Aufnahme erfreut. An Stelle des in Baröge weilen­den Exkönigs war dessen Sohn, welcher dem Musikfest in Salzburg bergewohnt hatte, eingetroffen. Der Werth, welcher von dem Hannover- schen Hofe auf den Besuch Windthorst's gelegt wird, documentirt sich schon äußerUch durch den Umstand, daß dieser bei Ausfahrten, ganz gleich den Mitgliedern der königlichen Familie und deren fürstlichen Besuchen, durch Kutscher und Diener in der königlichen rothen Uniform begleitet wird, während selbst die höchsten Hofchargen mit dem Kutscher m gleicher Livree vorlieb nehmen müssen. crr«>.)

. bem Großh. Hessen, 13. August. Der LandeöauSschuß des hessischen ProtesiantenvereinS hat eine Ansprache an die evangel.

Gemeinde» erlassen, worin er zu reger Betheiligung bei den bevorste­henden Wahlen zu den Kirchenvertretungen auffordert. Eine ähnliche Ansprache ist von freisinnigen Mitgliedern der 5. Dekanatssynode Rhein- Hessens ergangen; es wird darin nach demSchw. Merk." der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß der jüngste Personenwechsel der evangel. Kirche Hessens endlich das bringen werde, was andere evangel. Landeskirchen in Deutschland längst haben, nämlich Freiheit und Selbstständigkeit der Gemeinde». Gleichzeitig wird aus Rheinhessen gemeldet, daß in meh­reren Gemeinden die Kirchenvertretungen ihre Funktionen eingestellt haben, oder gar ihre Aemter niedergelegt hätten, und daß da und dort totale Wahlenthaltung zu erwarten sei.

Das amtliche Dresdener Journal schreibt gegenüber den in der deutsche« Presse verbreiteten gegenteiligen oder inkorrekten Angaben über dir Schritte der sächsischen Regierung nach Empfang des Lübecker Schiedsspruches in Sache« der Berlin-Dresdener Eisenbahn: Die L sächs. Staatsregierung hat sich, nachdem ihr der Lübecker Schiedsspruch zugegangen, zunächst vergewissert, ob eine weitere Kognition deS BundeS- rathes bez. der Reichsregierung in der Angelegenheit zu erwarten stehe. Nachdem festftand, daß dies nicht der Fall, hat dieselbe unverweilt. und zwar bereits am 23. v. M,, auf offiziellem Wege der k. preuß. Regie­rung die Erklärung zugehen lassen,daß sie dem ergänze»«« Schieds­sprüche nachkomme, indem sie diejenige Zustimmung, zu deren Ertheilung sie in diesem Schiedssprüche und den ihm beigefügten EntscheidungS- gründen verpflichtet gesprochen sei, erkläre."

Aus seinem Besitz in Kötschenbroda bei DreSden starb am 13. d. M. der Zeichner Karl August Reinhardt, einer der hervorragend­sten deutsche» Humoristen und längere Zeit Hauptmitarbeiter der Mün­chenerFliegenden Glätter".

Aus Nassau, 13. August. Mit den Vorarbeiten zur Er­richtung des Nationaldenkmals auf dem Niederwald geht es rüstig vor­wärts, so daß die GmndsteinlegUW am 16. Sept. (an diesem Tag ver­ließe» 1873 die letzten deutschen OkkupationStruppe« Frankreich) durch Kaiser Wilhelm wohl erfolgen wird. Eine Festrede, patriotische Gesänge und der Kanonendonner einer Batterie werden den Tag verherrliche». Eben lassen Forstbeamte und Bürgermeister der Umgegend die auf den Niederwald führenden Wege untersuchen, um sie, wo nöthig, hsrzustrllen, bezw. fahrbar zu machen. Da man zahlreiche« Besuch erwartet, so sind für den Tag auf beiden Ufern Extrazüge der Eisenbahnen in AuSsicht genommen. Die unter der Leitung derDienstmägde Jesu Christi" stehende Erziehungsanstalt in Montabaur muß am 1. Okt. geschlossen sein. Die Regierung hat das Gesitzthum nun, wie man sagt, um 85,000 Thaler an sich gekauft. Die Schwestern übersiedeln nach Hol­land, wo die Genossenschaft (bei Siterath) ein Gebäude mit einem Garte» von 10 Morgen aukaufte, um darin ein Pensionat zu errichten. Ein großer Theil der Pensionärinnen übersiedelt mit nach Holland.

(schw. Merk.)

Die Nat.-Z. schreibt: Wir haben in den letzten Tagen eines Wechsel der politischen Stimmung in Frankreich erlebt, zu dem unu nur der rasche Temperaturumschlag dieses meteorologisch interessanten Sommers ein Gegenstück barbietet. Noch vor Kurzem sah man die französische« Zeitungen Tag für Tag mit unverkennbarer Beflissenheit Rußland und die Tuffen verherrliche«. Was das französische Idiom, diese Sprache feinster HöflingSkanst, Anmuthigeß und Verlockendes, waS sie Schmeichelndes und Bewunderndes hatte, das wurde mit unvergleich- lichem Geschick aufgeboten, um den große« Nordstaat in die Rosenkette« französischer Freundschaft einzuschlagen. Und jetzt, welch plötzlicher De­korationswechsel, wenigstens in der französischen Publizistik. Austren« gunge« der Gehässigkeit, der Mißgunst und der Schadenfrmde sind an die Stelle aller schönen Worte von jüngst getreten. Was ist denn vor- gesallr«, was haben die jüngst noch so gepriesenen Russen verbrochen? Die Antwort ist ebenso einfach als erschöpfend: sie haben eben die Schlacht von Plew«a verloren.

Wien, 16. August. Telegramme desN. W. Tageblatt". AuS OSmanbazar, 14. d.: Die Russen haben bei PyrgoS, unweit Ruft- schul, Brücken über die Donau geschlagen, ohne dabei von den Türke«