MYrNch 9 Wart fotoj.«®-»0^ tziertrlj-hrliq »Star? as Pf» Mir auswärtig« «iwnnent«
M dem betreff«» ^a Post-i-ftchi«» SKeinzelne Num. ■er 16 $fg.
foitttittr Ameiaer.
Zugleich AMtlicheS Organ für Kreis und Stadt Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage,; und Samstag- mit der Berliner Provinzial-Torrespondenz.
*»rd»t
Sie Itoaiae« Sormondjet!» * deren ffteae
»e «Veit, anst
»eMnm««M» K W
M 190«
Donnerstag den 16« August.
1877.
Amtlicher.
Am Dienstag den 21. ds. Mts., von NaSmittasS 3 Uhr an, und am Mittwoch den 22. d. MtS., Vormittags von 8—11 Uhr, wird daS hiesige Bataillon auf dem großen Exerzierplätze Schießübungen mit scharfen Patronen abhalten. — Das Publikum wird gewarnt zu ge« nannten Zeiten den Milchpfad und das Puppenwäldchen sowie die da« hinter gelegenen Wiesen zu betreten und aufgefordert, den Anweisungen der ausgestellten Sicherheitsposte» Folge zu leisten. Die betheiligten ländlichen OrtSvorstände wollen dies veröffentlichen.
Hanau am 15. August 1877.
Der Landrath.
Tagetzscha«.
— Berlin, 11. August. Wie die Pos. Z. meldet, haben die staatstreuen katholischen Geistlichen der Provinzen Posen und Schlesien am 7. d. M. in Breslau ihre zweite Versammlung gehalten. In der« selben waren 13 Geistlichen anwesend. Wenn man beder kt, mit welchem Terrorismus allen katholischen Geistlichen, welche irgendwie im Verdacht deS Gehorsams gegen die Staatsgesetze standen, von ultrawontaner Seite zu Leibe gegarg n wurde, so ist die erwähnte Zahl von Männern, welche allen Nachtheilen zum Trotz ihre Staats treue offen und muthig bekennen, immerhin KLerkknnenswerth. ES gab eine Zeit, da die Germania Herrn Falk kühulich aufforderte, ihr auch nur «neu einzigen römisch-kathol. Geistlichen zu nennen, der auf seiner Seite stände. Ist das Gedächtniß des Hauptorgass unserer Ultramaatauen nicht zu schwach, um sich dieser Aufforderung zu erinnern, so büi fien ihm die 13 Staatstreuen der Breslauer Versammlung einige Kopfschmerzen bereiten. D-m klerikalen Blatte wird gar nicht zweifelhaft sein, daß diese 13 unter ihren Amtsbrüdern ungeheuer diel mehr G-sizenungsgenosien zählen, die zur Zeit allerdings nicht offen aufzutreten wagen, bei der ersten besten Gelegen- Heil aber ihren Frieden mit dem Staate machen werden.
— In Betreff der Kaiser-Zusammenkunft in Jschl schreibt man dem RH. K. aus Wien: „Als die beiden Monarchen sich begrüßten, sagte Kaiser Franz Joseph: „Ich danke dir, daß du kamst, wir freuen uns darüber außerordentlich. Ich hoffe, daß dir die Cur gut angeschlagen hat." Kaiser Wilhelm, der besser als je aussieht, versicherte, daß er sich vortrefflich befinde, und fragte nach der Kaiserin. In Jschl waren die Fenster mit Blumen'und Fähnchen geschmückt. Das diplomatische Civil- und Militair-Cabinet war in S ilzburg zurückge« blieben. Um 3 Uhr fand die Hoftafel Statt, wo Kaiser Wilhelm neben der Kaiserin saß. Nach Beendigung derselben zogen sich die beiden Monarchen zu einer politischen Unterredung zurück, welche eine halbe Stunde dauerte und zu der auch Graf Stolberg zugezogen wurde. Später fuhren die Herrschaften nach dem Hallstädter See und versetzte die Fahrt auf dem See die hohe Gesellschaft in die animirteste Stimmung. Als das Dampfschiff in die Mitte des Sees kam, intonirte dort eine im Bote placirte Salinencapelle die preußische Volkshymne, was auf Kaiser Wilhelm sichtlich einen sehr angenehmen Eindruck machte. Die Tafel war auf epheuumrankter Terrasse geschmackvoll gedeckt. Der deutsche Kaiser war sehr vergnügt und drückte seine Freude in lebhafter Weise aus. An allen Orten wurde er sympathisch begrüßt. Beim Abschieds sagte er zu dem österreichischen Kronprinzen, ihm die Hände drückend: „Bleibe gesund, mein Sohn, und fahre fort, dich so tüchtig zu halten. Auf frohes Wiedersehen!" Der Kronprinz verneigte sich, kaum im Stande, seiner Bewegung Meister zu werden."
— Man glaubt, daß sich der Besuch des österreichischen Kronprinzen am diesseitigen Hofe nicht allzu lange verzögern wird und keinesfalls, wie ein Gerücht wissen will, bis zum nächsten Geburtstag des Kaisers. Vielmehr vermuthet man, daß der Kronprinz Rudolfsich alsbald dem ihm neu verliehenen preußischen Ulanen-Regiment als Chef vorstellen wird. Es ist dies das 2. brandenburgische Ulanen-Regiment Nr. 11, dessen Kommandeur der Oberstlieutenant Graf Häseler ist.
— Die erwerbsunfähige Mutter oder sonstige erwerbsunfähige Verwandte einer beim Eisenbahnbetrieb verunglückten Person, welche
beim Leben die Mutter, resp, sonstige Verwandte zu unterstützen ver- ; pflichtet war und auch wirklich entsprechend unterstützt hat, haben «ach einem Erkenntniß des Reichs OberüandelsgeriHtS, I, Senat, einen Anspruch gegen die Eisenbahngesellschaft auf Gewährung jener fortlaufende» Unterstützung an Stelle des Verunglückten.
— Nach einem Erkenntniß des Gerichtshofes zur Entscheidung der Kompetenzkonflikte vom 14. April 1877 ist eine Entschädigungsklage gegen einen Polizeibramten, welcher —aus sachlich ««zureichenden Gründen, aber in gutem Glauben — die Auflösung eines öffentlichen Vrrsamm« lung^angeordnet hat, unzulässig. (» i st-an».
— Aus der bayerischen Rheinpfalz, 11. August. In Neustadt a. H. ist dieser Tage ein Stitenstück zu dem weiland Spitz- eder'schen Geschäft in München aufgedeckt worden; man weiß nicht, soll man sich dabei mehr wundern über die Frechheit der Betrügerei oder über die Dummheit derer, die auf den Leim gingen. Zwei Schwestern Flick» welche längere Zeit in dem Arbeitshaus zu Kloster Tbrach (Franken) zur Leitung und Beaufsichtigung der von den weiblichen Sträflingen zu fertigenden Arbeiten angestellt gewesen waren, hatten dort die Bekanntschaft einer gewissen Striebe gemacht, welche wegen betrügerischen Bankeroits anderthalb Jahrs abzusitzen hatte. Nachdem Letztere entlassen war, begaben sie sich nach Neustadt, wo die Flick ei» Häuschen kauften und ein Putz^eschäst anfingen. Schon mit dem um 6400 fl. (bei baarer Bezahlung von 1500 fl.) gekauften Häuschen machten sie ein nettes Geschäft; denn obwohl dasselbe schon mit 5000 fl. belastet war, gelang es ihnen, darauf noch eine Hypothek von 7000 fl. aufzunehmen. Das PutzgesHüft war aber nur das Aushängeschild für ihre eigentliche Thätigkeit, die darin bestand, daß sie anfangs mäßige Beträge gegen hohe Zinsen entlichen, Zinsen und Kapital pünktlich zu- rückzahlten und das auf diese Weift gewonnene Vertrauen dazu benutzten, um immer höhere Summen aufzunehmen, wobei für bis Darleihen der versprochene hohe Zins die Lockspeise war. Das Geschäft wurde allmälig auf die Umgebung von Neustadt u«d immer weiter, bis nach Spryer und Mannheim, ausgedehnt. Eine angebliche Gräfin Alexandrine v. Horst, deren Aufenthalt gegenwärtig unbekannt ist, ging ihnen dabei in letzter Zeit, wo das Geschäft schon ivs Große getrieben wurde, hülf- reich an die Hand, indem sie den Leuten von einer großen Erbschaft vorschwindelte, die sie einzuziehen habe, zu deren Flüffigmachung sie aber im Augenblick Geld bedürfe, das sie mit hohen Zinsen zurückzahlen werde. Und dieser Schwindel fand Glauben! Die ganze Summe, um welche die Leichtgläubigen geprellt sind, mag sich, soweit man die Sache jetzt übersetzen kann, auf 200,000 Mk. belaufen. Als das Gericht ein» schritt, war von Baarschaft bei den GewinnerinnW nichts zu finden; ob sie dieselbe irgendwo in Sicherheit gebracht haben, wird erst noch zu ermitteln sein. Einstweilen ist das saubere; Kleeblatt in Gewahrsam gebracht. (Schw. M°rr>
— AuS der Südpfalz. In Folge der meistens sehr ungünstigen Resultate, welche im vorigen Jahre durch den Tabakbau erzielt wurden, haben Manche diesem ProduktLonZzAeig den Rücken gewandt. Die Anzahl der in diesem Jahre mit Tabak angepflanzten Morgen Landes mag bei unS gegen die vorigjährigs Ziffer etwa um 25 pCt. zurückstehen. Viele Tabakbauer haben auch in Folge seither gemachter Erfahrungen ihre Tabakkultur auf das richtige Maß zmückgefützrt, d. h. sie haben das Quant«« ihrer Zeit und Arbeitskraft avgepaßt, was, wenn man bedenkt, wie sehr die Qualität des Tabaks von der Behand- lungZweise desselben abhängt, nur zu billigen und als nachahminswerth zu empfehlen ist. Ueber den Stand unserer Tabakfelder ist nur Günstiges zu berichten. Die Pflanze zeigt nach dem „Mannh. Tagebl." in Folge der ftuchtNarmL» Witterung zur Zeit eine treffliche Entwickelung. Die Blätter sind durchweg groß und dünn, im Gegensatz zum Vorjahre, wo sie vielfach klein und dick waren, wodurch sie sich namentlich nicht zur Cigarrenfabrikation eigneten. Der Tabakbau verspricht deßhalb in diesem Jahre ein lohnendes Ergebniß, besonders da, wo ihm die richtige Behandlung zu Theil werden wird.
— Wien, 15. August. Telegramm deS „N. W. Tageblatt" aus Belgrad: Der Abgesandte der bosnischen Insurgenten Dragow.cz hat