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Hamuer Artiger

ZNZleich Amtliches Organ für Kreis NNL Stadt Hanau.

Erscheint täglich mit AusnahMe der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage,; und Samstags mit der Berliner ProviKzisl--Sorrespondenz.

Dienstag den 14. August

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1877

Amtliches.

Diejenigen Herrn Ortsvorstände, welche der Verfügung 6om 14. Juli er., Hanauer Anzeiger Nr. 164, betreffend die Behandlung der Ersatz-Reserve- und Ausmusterungsscheine, noch nicht nachgekommen find, haben über die erfolgte Aushändigung dieser Scheine Anzeige in­nerhalb 3 Tagen hierher zu erstatten.

Hanau am 13. August 1877.

Der Landrath.

Bewerber um die erledigte 2. Schulstelle zu Windecksn, mit wel­cher neben freier Wohnung und 90 Mark für Feuerung ein Einkommen von 1000 Mark und nur noch der höhere Kirchendienst verbunden ist, werden hierdurch aufgefordert, ihre mit den nöthigen Zeugnissen ver­sehenen MeldungSgesuche bei dem unterzeichneten Schulvorstande alsbald einzurrichm.

Hanau am 11. August 1877. Namens des SchulvorstandeS Der Lsndrath.

Verloren: Eine rothe Pferdedecke, Ph. 0. gez.

Gefunden: Ein schwarzer Henkelkorb, enthaltend Kartoffeln. Ein schwarzer Filzhut. Ein Hundemaulkorb. Ein Rechnenbuch, 6. und 7. Schuljahr, mit der Inschrift: Mädchen Bürgerschule II Hanau. Ei« Zwanzig Markstück.

Hanau am 14. August 1877.

Köoiglicheß Lan'üratbsawt.

Vom Krieg.

A. d. Schw. Merk.

Ueber die Wiederaufnahme der Feindseligkeiten bei Plewna hat man jetzt vollkommene Aufklärung durch ein Tel. des KriegSberichterst. des Daily Telegraph. Dieselbe erfolgte Hienach am Dienstag den 7. August, also 8 Tage nach der große« Schlacht bei Plewna vom 30. Juli. Das Tel. ist aus Lowtscha, 8 Stunden südlich von Plewna, vom Abend des 7. samt und lautet:Osman Pascha hat eine große Schlacht geliefert und gewonnen; diesmal auf der Straße zwischen Lowtscha und Plewna in der Nähe des Dorfes Vladina. Nach der früheren Niederlage der Russen verfolgte OSman den retirirenden Feind mit seiner Kavallerie eine bedeutende Strecke in der Richtung des Jau- traflusses. Vor zwei Tagen entdeckte er, daß die Russen, nachdem sie bedeutende Verstärkungen erhalten, sich zu konzentriren begannen, und später erhielt er die Gewißheit, daß der Feind wiederum vorrückte, um den Angriff zu erneuern. Seine detachirten Streitkräste sammelnd, be­zog OSman Pascha eine starke Position i« der oben bezeichneten Gegend und erwartete, nachdem er sich verschanzt, den kommenden Angriff, wäh­rend seine Truppen, von dem größte« Vertraue« in ihren Chef beseelt, kampfbegierig waren. Heute Morgen erschien die gewünschte Gelegen­heit. Die Russen rückten zum Angriff i« ungeheurer Stärke vor, wäh­rend die ottomanische« Truppen anscheinend dieselbe Strategie beibehirl- ten, welche zu ihrem Siege bei Plewna geführt hatte. Die Russen be­gänne« die Schlacht mit einem heftigen Artilleriefeuer auf die ottoma- nischen Batterien, auf welches eine scharfe und wirkungsvolle Erwiderung folgte. Dieser Artilleriezweikampf wurde eine Zeit lang ohne Vortheil

N"ffe" aufrechterhalten. Eine gleichzeitige Bewegung an den Flanken und im Zentrum wurde dann von der gesammten russischen ^."ünffsmacht entwickelt, indem ihre Infanterie in dichte« Massen gegen die türkischen Schützengräbe« vorrückte, aus welchen ein fürchterliches »Euer^ auf den Feind unterhalten wurde. Während des ganzen TagS wüthete em heftiger Kampf längs der ganzen Linie. Die Russe» be* * ^Hebens, die Vertheidiger der von Osman so gut gewähl- uei e verdrängen. Jede erneuerte Anstrengung der Russen verlief in furchtbare Verluste und Niederlagen. Au jedem Punkte be­haupteten die Ottomanen ihr Terrai«. Der russische Angriff ging mit großer Entschlossenheit und Bravour von Stätten. Nur die überlegene Feldherrnkunst und die Opferwilligkeit der Vertheidiger konnte dem

furchtbaren Ellgriffe der russischen Infanterie, als dieselbe unerschrocken unter einer Füsilade, welche ihre Reihen in entsetzlicher Weise lichtete, vorrückte, erfolgreichen Widerstand leisten. Seine Gelegenheit wahr- nehmend, verwandelte Osman Pascha seine Vertheidigung in einen An­griff, welcher das Schicksal des Tages entschied und ihm aufs Neue den Sieg brächte. Die Russen wurden längs der ganzen Linie zurückge- schlagen und ließen eine ungeheure Anzahl von Todten und Verwundeten auf dem Felde zurück. Es ist noch unmöglich, die beiderseitigen Ver­luste zu ermitteln, aber sie sind sehr groß. Der russische Plan ging eigentlich darauf hinaus, sich mit ihrer ganzen Macht auf Osman Pascha zu werfen, um ihn zu besiegen und sodann Mehemed Ali anzugreifen. Der russische Plan ist durch eine große Niederlage vereitelt worden." Spätere Nachrichten sage«, daß die beiderseitigen Verluste bei Low- tscha nicht so groß gewesen seien, als man Anfangs angenommen hatte. ES ist daher fraglich, ob für Lowtscha die Bezeichnunggloße Schlacht", große Niederlage" aufrecht zu erhalten ist. Was der Zweck des rus­sischen Argriffs gewesen, ist noch nicht klar. Handelte es sich um eine bloße scharfe Rekoguoszirung, oder sollte Lowtscha genommen und ge­halten werden? Man streitet auch darüber, ob die Russen überhaupt die Absicht haben, die Stellung von Plewna, zu der Lowtscha als süd­lich vorgeschobener Posten gehört, unter ungeheuren Opfern, die jeden­falls aufgewendet werden müßten, dem Feinde zu entreißen; oder ob sie sich begnügen werden, durch Zernirung derselben die Streitmacht Os- mans unschädlich zu machen. Zu der letzteren Auffassung würde die Annahme stimmen, daß der Angriff auf Lowtschazein UmgchungSmanöver gewesen sei. Aehnlich scheint beispielweise die N. Fr. Pr. die Sache zu beurtheilen, wenn sie schreibt:Hätte« die Rossen Lowac erobert, so wären sie der Straße »ach Sofia näher gekommen, als die Türken in Plewna eS sind, und hätten sie dadurch die rechte Flanke Osman'S und dessen natürlichen Rückzug nach Sofia bedroht. Osman Pascha wäre dann gezwungen gewesen, entweder Plewna zu räumen oder aber seine Rückzugslinie nach Widdin zu verlegen." Aus dem obigen Berichte über das Treffen bei Lowtscha wie aus den früheren über die Schlacht bei Plewna springt eine neue Aehnlichkeit mit Gravelotte hervor. Die Türke« erwarteten, wie dort die Franzosen, den Feind auf verschanzte» Höhenzügen; unsichtbar in ihren Gräben liegend lassen sie ihn in nächste Nähe herankommen und bringen ihm alsdann durch ruhig abgegebenes Feuer so schreckliche Verluste bei, daß die Wegnahme der Höhe unmög­lich ist. So war es bei Gravelotte; es schien für die Deutschen aus­sichtslos zu siegen; bis endlich an dem einen äußersten Punkte der fraszöf. Vertheidigungslinie, in St. Privat, durch Umgehung ein Vor­theil errungen wurde, der die Zurücknahme der ganzen französ. Streit­kräfte nach Metz zur Folge hatte. Die RekognoSzirung gegen Mehe­med Ali's Stellung bei Schumla, die zu dem Treffen bei JaSlar führte, hat, wie jetzt feststeht, an demselben Tage, wie das Treffen bei Lowtscha stattgefunden; beide Unternehmungen standen zweifellos unter sich im Zusammenhänge.

r Berlin, 12, August. DieKöln. Ztg." schreibt: Wenn auch die Angabe, daß die Zusammenkunft unseres Kaisers mit dem Kaiser von Oesterreich in Zschl einen rein familiären Charakter getragen habe, mit dem bekannten Körnlein Salz zu nehmen ist, so ist e- doch jeden­falls eine Uebertreibung, wen« hier und da die Begegnung als ein Act von hoher politischer Bedeutung etwa in gleicher Linie mit den reichS- städter Besprechungen gesetzt wird. Schon die Thatsache, daß keiner der maßgebenden Staatsmänner beider Reiche in Jschl zugegen war, hätte genügen müssen, um das Gebiet der Vermuthungen, das an und für sich schon übermäßig schlüpfrig ist, sehr zu beschränken. Nichts desto weniger wird von mancher Seite behauptet, daß Kaiser Wilhelm, der durch die russischen Niederlagen sehr überrascht und^betrübt sei, seinen persönlichen Einfluß bei Franz Joseph angewandt habe, um gewisser* maßen eine Vermittlung zwischen Oesterreich und Rußland zu versuchen, welche das hütete Ziel habe, die serbische Frage in dem Sinne für Rußland günstig zu lösen, daß dem russischen Obercommando, falls er Serbien mit in den Kreis seiner Operationen einbeziehen wolle, vo»