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ßannncr Ameiaer.

Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage,! und Samstags mit der Berliner Provinzial- Torrespondenz.

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M 185.

Freitag den 10. August.

1877.

Amtlicher.

Die mehrfach wegen EntlaufenS ausgeschrieben? 18jähri.M Katha­rina Jmhof von hier treibt sich wieder vagabundirend seit Ostern d. J. umher. Sie ist verhältnißmäß'g klein, hat blonde Haare und auffallend starken Kopf; scheint etwas blödsinnig. Um Anhaltung und Nachricht über dieselbe wird gebeten.

Hanau am 6. August 1877.

Der Landrath.

Gefunden: Ein schwarzer Filzhut. Ein eiserner Hacken mit Riemen. Ein lederne» Täschchen mit gelbe« Beschlägen. Ein Zollstock. Ein Portemonnaie mit etwas Geld, Uhrschlüffel re. Eine s. g. Chari« pari von Silber (Anker, Herz und Kreuz darstellend).

Entlaufe«: Ein roth-brauner kleiner Hund, m. Geschl. Hanau am 10. August 1877.

Königl. LandrathSamt.

Tagesschan.

Ein Trinkspruch deß Präsidenten deS deutschen Reichstag- 8. Forckenbeck, welchen derselbe bei Gelegenheit der Generalversamm­lung deS Verein- für Volksbildung in BreSlau ausgebracht hat, wird gegenwärtig in der Presse der verschiedensten Auslegung unterzogen. Die Rede ist von einem Theilnehmer an dem betreffenden Festmahl sehr nachträglich auS der Erinnerung ausgezeichnet worden, es verbietet sich also von vornherein, sie alS die ipsissima verba des Redner- zu be­handeln ; der zweite Theil der vorliegenden Wiedergabe wird von einem BreSlauer Blatteauf Grund zuverlässiger Informationen" ausdrücklich alsvöllig inkorrekt", und zwar nicht allein dem Wortlaut, jonbern auch bim Sinne nach, bezeichnet. Der Grundgedanke dieses Toaster auf die liberalen Parteien bleibt indeß unangefochten. Derselbe enthält die Ermahnung,stillezustehen, nicht um zurückzuweichen, sondern um da» festzuhalten, was wir gewonnen haben." ES fehlt nicht an liberalen Organe», welche darin die Forderung einer vollständigen Stagnation der Gesetzgebung erblicken und sie unter diesem Gesichtspunkte verur- thrile». Man sagt: eine lange Reihe von Gesetzentwürfen ist theil- in Vorbereitung begriffen, theils wenigsten- in Aussicht genommen; diese ganze Reformarbeit soll also unterbleiben I Er wird indeß betreff- der Gegenstände der Gesetzgebung zum mindesten ein Unterschied gemacht werde« müssen. Fassen wir die ReichSgesetzgebung in» Auge, so sind es vornehmlich zwei Aufgabe», welche dieselbe für die nächste Zukunft beschäftigen werden: die im Zusammenhang« mit den großen Justizge« setzen nothwendigen Gesetze und die Revision der Gewerbeordnung. WaS die ersteren anlangt, so ist selbstverständlich, daß v. Forckenbeck, denselben nicht hindernd in den Weg treten wird. Die theilweise Re­vision, bezw. Korrektur der neuen Gesetzgebung überhaupt aber ist in dem Programm des Forckenbeck'schen Toaster ausdrücklich vorgesehen. Freilich ist neben solcher theil- Ergänzung, theils Verbesserung der be­stehenden Gesetzgebung namentlich in der letzten Reichstag-session auch der lebhafteste Wunsch nach weiterem organisatorischen ReichSgesetzen laut geworden; eine andere Einrichtung der obersten Verwaltung der ReichS wurde als dringendes Bedürfniß bezeichnet. Wir glauben indeß nicht, daß v. Forckenbeck sich diesen Wünschen, soweit sie der offenbaren Nothwendigkeit entspreche», widersetzen möchte. Unter den Gründen für seine Ermahnung, dem Erlaß neuer Gesetze Einhalt zu thun, legt er das Hauptgewicht darauf, dem Volke Zeit zu gönnen, sich in die neuen Verhältnisse eiuzuleben. Daraus erhellt, daß es ihm hauptsächlich um dielenige« Gesetze zu thun ist, welche unmittelbar die praktischen Inte«

der großen Masse des Volkes berühren. Auf die Organisation der ReichSgewalt dürfte diese Erwägung schwerlich Anwendung erleiden. Eher könnte dies bei den in Preußen in Vorbereitung begriffenen Gesttzen der Fall sein. Wir können pio$ nicht annehmen, daß v. For» ckmmck der Ansicht sei, das seit bald einem Menschenalter erwartete UnterrichtSgesetz, wenn es nunmehr endlich von der Regierung vorgelegt wird, müsse von den liberalen Parteien auS dem anaegebenen Grunve überhaupt nicht in Behandlung genommen werden. Neben dem Unter«

richtSgesetz steht die Ergänzung der Verwaltung-reform auf der Tages­ordnung. Die ablehnende Haltung, welche v. Forckenbeck gegenüber dieser letzteren Aufgabe angenommen hat, ist seit Jahren bekannt. Wir bezweifeln aber, daß er, nachdem die Verwaltung-reform einmal zum große» Theile vollzogen ist, rathen werde, die unabweisbaren Konse- qrenzen ungezogen zu lassen. Wenn wir den Sinn der Forckenbeck'schen Rede richtig verstehen, so bedeutet demnach dasStillstehen" keimSwexs ein Stagniren der Gesetzgebung überhaupt, sondern das Unterlassen der Aufstellung neuer prinzipieller Forderungen, solange das bisher Ge­schaffene von dem Bolksorganismus nicht gehörig verdaut ist. Die? Ermahnung aus dem Munde eines so hervorragenden und erfahren 7 Politikers kann nicht ohne Eindruck bleiben. In der That ist ja keine Frage, daß da- Ungemach, welche» der durch die neuere Gesetzgebung bedingte Uebergang zu ungewohnten Verhältnissen in der Bevölkerung hervorgerufen hat, von der Reaktion wie von dem Radikalismus gegen die liberalen Parteien auf jede mögliche Weiss auSgebeutet wird. Ist es da nicht ein weiser Rath, dieses Ungemach durch einstweilige Selbst- beschränkung möglichst zu mildern, statt durch fortgesetzte Häufung von Neuerungen die Bevölkerung zu verwirren und gegen die die Gesetz­gebung beherrschenden Parteien mißgestimmt zu wachen? Die heutige Zeit gestattet nicht, gesetzgeberische Forderungen au- doktrinärer Konsr- quenzmaÄerei oder zur Gewinnung einer bestimmten Partei oder Ge- fellschafti klaffe zu erheben. Die Fmckenbeck'sche Ermahnung geht, un­seres Erachten», dahin, dermalen die gesetzgeberische Arbeit aus ba! praktisch Unerläßliche zu beschränke», und die Liberalen werden wohl thun, sie in diesem Sinne zu beherzigen. (-4». sseri)

In den deutschen Münzstätten sind bis zum 28. Juli 1877 geprägt worden an Goldmünzen: 1,141,311,960 Mark Doppel« krönen, 351,461,520 Mk. Kronen; 4,806,785 Mk. halbe Kronen; hiervon auf Privatrechnung: 215,005,139 Mk.; an Silbermünzen: 71,653,095 Mark 5-Markstücke, 97,008,486 Mk. 2-Markstücke, 143,512,165 Mk. 1-Markstücke, 58,663,829 Mark Pf. 50-Pfennigstücke, 35,717,922 Mark 80 Pf. 20-Pfennigstücke; an Nickelmünzen: 23,502,530 Mark 70 Pf. 10-Pfennigstücke, 11,657,813 Mark 75 Pf. S-Pfennigstücke; an Kupfermünzen: 6,213,207 Mark 44 Pf. 2-Pfennigstücke, 3,382,722 Mark 83 Pfennig 1-Pfennigstücke. GesammtauSprägung: an Goldmünzen: 1,497,580,265 Mark; an Silbermünzen: 406,555,497 Mark 80 Pf.; an Nickelmünzen: 35,160,344 Mark 45 Pfennige; an Kupfermünzen: 9,595,930 Mark 27 Pf.

Prinz Gustav Wasa ist zu Pillnitz gestorben. Mit diesem Todesfall hat ein eigenthümliche» Leben-schicksal seinen Abschluß gefun­den. Der heimathlose Prinz war der legitime Thronerbe von Schweden; erst jetzt existirt für die Ber«adotte'S kein Prätendent mehr auf jene Krone. Der Prinz war am 9. Nov. 1799 als Sohn König Gustav'- IV. Adolf und einer badischen Prinzessin Geboren, ein Erkel jenes auf dem Maskenball erschossene« Königs Gustav'» III., an dessen Erscheinung und Charakter er vielfach erinnert haben soll. Am 29. März 1809 wurde sein ritterlicher aber vollständig überspannter Vater durch den eigenen Oheim zur Thronentsagung genöthigt; man sprach sogar von Mordversuchen gegen daS eine Zeitlang gefangen gehaltene KönigSpaar und seine Kinder. König Gustav IV. ließ sich im Exrl von seiner Ge­mahlin scheiden und lebte alsOberst Gustavson" unstät und in dürf­tigen Verhältnissen auf Reisen; von der ihm auSgesetzten Pension und Entschädigung hat er nie einen Pfennig angerührt. Er starb am 7. Febr. 1837; schon am 5. Mai 1829 hatte er zu Gunsten seines ihm jetzt im Tode nachgefolgten SohneS auf seine Thronansprüche v rzichtet. Dieser letztere fand Aufnahme und Gunst am Wiener Hofe und spielte dort bald eine hervorragende Rolle. Sein Schicksal hatte seine bedeu­tenden Anlagen früh entwick-lt und geschärft und so hat er wohl Ge­nerationen lang zu den einflußreichsten Persönlichkeiten der Wiener Hof­burg gehört. Er war ein Spezialfreund des Herzog» von Reichsstadt, des Sohnes von Napoleon I., und galt daneben für einen politischen Verbündeten der am 28. Mai 1872 verstorbenen Erzherzogin Sophie, der Mutter de- Kaiser- Franz Josef. Die Thronentsagung Kaiser Ferdinand- L am 2. Dez. 1848 soll wesentlich sein Werk gewesen sein.