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ZrrZleiH Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.

Erscheint täglich mit Aus^hme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.

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Mittwoch den 8. August.

1877.

Amtlicher.

Landwirthschastlicher Lreismrein in Hanau.

Nächste Veriowmlvng Sonntag den 26. August aus dem Bahnhöfe zu Langeuselvold, Nachmittags 4 Uhr.

Tagesordnung:

1) Berichterstattung der Kommission und Wahl der Spezial- Kommissionen für die ViehauSstellung, welche am 5. September in Langensilbold stattfindet;

2) Mittheilung über die von dem Central-Verein in Cassel bereits be­willigte Geld Prämie, Medaillen, Ehreudiplome;

3) Bericht der Telegirten über die Versammlung in Eschwege;

4) Berichterstattung über die Ernteergebnisie, Referenten: Bürgermeister Kopp von Großkiotzenburg, Zeh, Bürgermeister von Kilianstädten, W. Koch, Bruderdiebacberhos, W. SchuppiuS, Rüdigheimerhof;

5) Befprechung über Beschaffung und Wahl der Saatgetreide.

_________________________________Der Vorstand.___________

Steckbrief gegen Johann Georg Röhrt« von Döllvach, zuletzt in Borvheim und Frankfurt a. Main wohnhaft, etwa 32 Jahre alt, behufs Strafvollzugs.

Hanau am 4. August 1877. Der Staats-Anwalt ___________________Svorleder.____________________

Lage-schau.

Vom Krieg.

A. b. Schtv. Merk.

Immer noch liegen keine Berichte über AuSnützung der türkischen Erfolge bei Plewna vor, außer einer noch vereinzelt und unbeglaubigt dastehenden Notiz, daß die Türken Selwi besetzt haben. Die Lage hat sich also auf diesem Theil des Kriegsschauplatzes nicht verändert. Von der Armee Mehemed AliS, welche von der andern Seite die russische Stellung nördlich vom Balkan bedroht, wird gleichfalls nichts, als ein Borhutgefecht, gkmrldit. Beide türkische Armeen, die OSmans und die Mehemed AliS, schein!« noch weitere Verstärkungen an sich zu ziehen, während Rußland seinen Willen, den Krieg unter allen Umständen sieg­reich zu beendigen, durch die Mobilmachung seiner Garden und einiger weiteren Divisionen und durch die Einberufung der Landwehr bekundet.

Eine Unglücksbotschaft kommt für die Russen nunmehr auch vom Kriegsschauplatz südlich deS Balkans; die Türken wollen bei ESkisagra vollständig gesiegt haben und suchen den Geschlagenen den Rückzug über den Balkan zu verlegen. Die Lage südlich vom Balkan, wie sie un­mittelbar vor diesem Ereigniß war, wird von der Pol. Korr. noch ziemlich rosig geschildert. Sie schreibt:Die russische Südarmee setzt ihren Vormarsch auf Hermanli in zwei Kolonnen fort. Die eine Ko­lonne hat von Eski-Zagra ausgehend die Mar ca überschritten und bei Hankiöj die große Heerstraße erreicht, die über Hermanli nach Adria­nopel führt; die andere hat von Jeni-Zagra aus durch das Sarlithal über Karabunar den Bahnknotenpunkt Tirnovi erreicht und rückt das Maricathal hinunter, um sich bei Hermanli mit der ersten Kolonne zu vereinigen. Am Abhänge des Balkans haben die russischen Abtheilungen beinahe alle westlichen Baikanpässe besetzt und befestigt, so daß im Falle eines Rückzuges ihrer vorrückenden Korps die verfolgende türkische Armee am Balkan den Widerstand finden würde, den sie selbst den Russen bei der Fmcirung dieses natürlichen Bollwerks hätte entgegensetzen sollen. Außerdem arbeiten zahlreiche russische Abtheilungen an der Herstellung einer Straße durch den Balkan über Hankiöj und schon jetzt können Artillerie und Train üb.r diese Straße leicht inS Tundzathal gelangen und von dort den schon im Maricathale operirenden Kolonnen folgen. Während das verstärkte 8. Korps unter General Radetzki aus Thrazien in die rumelische Ebene übergeht, marschirt eine andere minder staike Kolonne (Leuchtenberg und MtrSki) über Calofer und Ceperlie auf Philippopel, welches in den nächsten Tagen besetzt werden wird. Durch diese Operationen haben die Russin jede Landverbindung zwischen Adria- noprl und dem Reste der europäischen Türkei unterbrochen, und die tür­kische Armee in Rumelien ist nur auf ihre eigenen Kräfte angewtescn.

Die Rettung der Türkei kann nur von Norden kommen." Bestätigt sich die Nachricht von ESkisagra, so bleibt von diesem verhältnißmäßig günstigen SituationSbild nicht mehr viel übrig. Die neu mobilisirten russischen Heerestheile können selbstverständlich erst in einigen Wochen in Aktion treten. Bis dahin muß vielleicht, wenn die Unglücksfälle sich häufen, ein ganz neuer Feldzug an der Donau geführt werden. Man wird nicht bezweifeln dürfen, daß Rußland auch diese Möglichkeit inS Auge gefaßt hat und nicht davor zurückschreckt.

Berlin, 7. August. (Köln. Zig.) Die Berathungen der Sachverständigen-Commission über ein ReichS- Stempelsteuer Gesetz tragen für jetzt sicherem Vernehmen nach lediglich den Charakter eines Meinungs­austausches und der Darlegung der Ansichten der in der Commission vertretenen Regierungen. Man will sich über einen Bericht nebst Auf­stellung von leitenden Gesichtspunkten über die Gesammtmaterie ver­ständigen und dieses Ergebniß zunächst dem preußischen Finanz-Minister unterbreiten, der in etwa vierzehn Tagen von seiner UrlaubSreise zurück- kehrt. Der Präsident deS Reichskanzler-AmtS hat gestern feine Ur- laubSreise angetreten, heute begibt sich der Präsident des Reichs-Justiz« amtS, Staatssekretär Dr. Friedberg, zum Kurgebrauch nach EmS. Der Schlesischen Zeitung gehen über daS Hinscheiden deS General-Feld« Marschalls v. Steinmetz aus Landeck nachstehende Mittheilungen zu: General-Feldmarschall v. Steinmetz war am Abend vor seinem Tode noch frisch und munter mit seiner Gemahlin im sogenannten Louisen- saale deS Kurhauses zu Landeck gewesen, woselbst von Dilettanten ein kleines Gesangs concert Veranstalter worden war. Gegen 10 Uhr begab er sich in den gegenüberliegenden Burggrafen, wo er wohnte, und legte sich alsbald zur Ruhe, um leider nicht wieder zu erwachen, denn im Schlafe rührte ihn der Schlag, so daß er nach einigen Athemzügen, ohne nur zur Besinnung zu kommen, verschied. Der Bruder seiner Gattin, Lieutenant v. Krostgk im ersten Garderegiment zu Fuß, war gerade in Landeck anwesend. Ein Theil des bedeutenden Vermögen-, welches der General-Feldmarsch all v. Steinmetz hinterläßt, soll, wie verlautet, noch seiner Bestimmung militärischen Stiftungen, dem Jnva- lidenhause, CadettenkorpS rc. zufallen. Die Beisetzung des Verstorbenen soll morgen in PotSdam erfolgen. Es sind dazu von Posen Deputa­tionen deS 5. Armeekorps iowie der Westfälischen Füsilier-Regiment- Nr. 37, dessen Chef der Verstorbene war, nach PotSdam gegangen.

Nach einem Erkenntniß deS ReichS-Ober-HandelSgertchts stehen Studenten während der Zeit ihrer Universitätsstudien in väterlicher Ge­walt und können demzufolge Rechtsgeschäfte mit Dritten rechtSverbind- lich nicht abschließen, selbst wenn sie außerhalb des elterlichen Hause­sich aufhalten, sich selbständig ernähren und großjährig sind. tat u. St.-Anz.Z

S. M. S.Friys" ist am 4. d. Mts., Nachmittags 3 Uhr, in Wilhelmshaven außer Dienst gestillt. S. M. KanonenbootMeteor" ist am 4. August er., Nachmittags, in Kiel eingetroffen. Das deut­sche Uebungsgeschwader ist, telegraphischer Nachricht zufolge, am 5. d. Mt». in Lyra eingetroffen und nach Port Tino weiter gegangen. S. M. S.Niobe" ist am 6. d. MtS. von CoweS in See gegangen.

S. M. BriggsRover" undMuSquito" find am 5. d. Mts. in Danzig eingetroffen.

Wien, 6. August. Wie diePresse" «fährt, hat die öster- reichisch-ungarische Regierung wegen der für eine eventuell in LuSficht genommene partielle Truppenmobilifirung erforderlichen Summe ein ge« «einsames Borschußgeschäft mit der Kreditanstalt und der Bodenkredit- anstaltgruppe aageschlossen. Die Optio» soll auf mehrere Monate »er­theilt werden. Die Regierung behält sich eventuell die völlige Nichtbe« Nutzung der Summe vor. Die Rationalbank wird 15 Millionen vor- . schießen, welche auf dem Lombardwege durch Acceptkredit der genannten Gruppen beschafft werden.

Wien, 6. August. Telegramm derPresse" aus TifliS: Russische Truppen in der Stärke von 9 Divisionen haben am 3. d. in Armenien die Offensive ergriffen und Ani, MageSberi und Digar besetzt. Der rechte Flügel der türkischen Truppen hat näher bei Kars Auf­stellung genommen. <& n. et..a»i(