YLHrlich 9 Mark. tz«Nj.«».S0P. vierteljährlich
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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.
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Dienstag den 24. Juli.
1877.
Vom Krieg.
A. d. Schw. Merk.
Der türkische Oberbefehlshaber, Abdul Kerim, ist seines AmteS enthoben. Schade um seinen geheimen Plan, der unfehlbar alle in Bulgarien eingedrungenen Rufs n vernichtet hätte, und der nun muth. maßlich ein unenträthseltlS Geheimniß für immer bleiben wird. Ob
eS klug ist, gerade in diesem Augenblick den Oberbefehlshaber zu wechseln und den Posten einem General anzuvertrauen, der bisher auf einem anderen Schauplatz eine beschränktere Aufgabe hatte, mag dahin gestellt sein, aber die Armee selbst wird seinen Sturz nicht bedauern. Gegen ihn herrschte, wie erzählt wird, dieselbe Erbitterung wie gegen den Kriegsminister Redif Pascha. Abdul Kerim, so hieß eS, liege den ganzen Tag in seinem Seite, theils an den Freuden des Mahles sich ergötzend, theils den immer heftiger auftretenden Anfällen seiner Krankheit (der Serdar Ekrem laborirt an einem veralteten Blasenleiden) fast erliegend. Er nehme von Niemandem einen Rath an, gestatte Niemandem einen Einblick 'in seine Plane und verharre im übrigen in vollständiger Unthätigkeit. Mit dieser Unthätiakeit hat eS jedenfalls seine Richtigkeit. Auf allen Punkten dringen die Russen vor, und nirgends begegnen sie einem lebhüften Widerstand. Sie haben offenbar die größte Mühe, überhaupt nur an den Feind zu kommen. In der Dobrudscha sind sie im B-sitz deS Trajanwalls und rücken jenseits desselben gegen Silistria und Varna vor. Von NikopoliS und Tirnowa aus säubern sie daS nordwestliche Bulgarien, über das nun die neue Verwaltung in Tirnowa bald regelmäßig wird fMktioniren können. Und auch südlich vom Balkan treten sie bereits in einer Stärke auf, daß an ein Zuröckwrrfen über die Gebirgspässe nicht mehr zu denken ist. Als die erste Nachricht von dem gelungenen Balkanübergang der Russen kam, war in den türkischen Dlpeschen von „Zuröckwerfen" der Russen die Rede, als ob daS ein Kinderspiel wäre, ungefähr wie man einen Ball über eine Garten- nauer wirst. Heute breiten sich die Russen in den Rosengärten des üblichen Balkan aus, von Jeni Sagra bis nach Kasanlyk ist das Tund- athal in ihrer Gewalt, ihre Kosaken schwärmen hier bis nach Jamboli, wrt auf dem Weg nach Philippopel. Furcht und Entsetzen verbreiten re vor sich her und der Schrecken setzt sich fort bis nach den Darda- nellkn, bis nach der Hauptstadt des Reichs, wo in diesem Augenblick wieder Alles aus den Fugen ist. Wie der Gerdar Ekrem, ist auch der SeraSkrer und mit dem auswärtigen Minister auch der Großvezier inS Wanken gerathen. Die Nachrichten, wer an die Stelle der Gestürzten kommen soll, wrdersprechen sich noch, ein Beweis, ^daß noch alles in der Schwebe ist, saß die Unsicherheit und Verwirrung, welche sich in Folge der KklegLnachrrchten eingestellt hat, noch nicht einem bestimmten Entschluß nach irgend einer Seite Platz gemacht hat. Doch scheint die Deutung, daß die Ministerveränderung den Wunsch anzüge, mit Ruß-
-K zu schließen, voreilig zu sein. Vielmehr geht der Ent- fchlutz, zunächst den Krieg mit äußerster Kraftanstrengung fortzusetzen, aus den neuesten Anordnungen des Sultans hervor. Auch weist die Berufung Aarist Pascha'», der als Nachfolger SavfetS genannt wird, Wt auf eine friedliche Wendung hin. Aarifi ist Reformtürke, saß mit mr^^duscha im Kabinet und zählt zu dessen Anhängern. Die Partei Midhats ist aber vornehmlich für den Krieg verantwortlich; sie ist eS,
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Die den Kampf mit Rußland auf Leben und Tod auf seinem Banner . ”ar’ft Wird nicht als eine hervorragende Persönlichkeit geschildert, “X u f^schiedenheit als Minister des Auswärtigen hat er schon
w «i Af» -—^•^^^ ^niifict UK» ^umuuiu^w yut JUJVll ift7j u .^nmal bewährt. Er war eS, der die Depesche im November ««iUe» ? ^ er gegen den Abschluß der östreich-rumänischen HandelLkonveuüon protestireud in die Worte auSdrach: „Es wird ein ^^Ä"«' ,an ^E sich menschlicher Wille zu schwach erweisen wird, .■«!!».»£« Verletzung der Verträge entfesselten Koran in sein Bett zu- 2” sWre t®? 8eht denn jetzt der Krieg weiter bis zu einer UN- zweideuttgen Entscheidung durch die Waffen. Durch die europäischen wcachre wrrd dieser Entscheidung nicht vorgegriffen werden. An eine
?°« ihrer Seite ist weniger als je zu denken, seitdem der Sultan sich das Erscheinen der englischen Flotte in seiner Hauptstadt
verbeten hat, so lange England sich weigere sein Bundesgenosse zu werden. Erst am Ende deS blutigen Ringkämpfer werden sie sich wieder als Areopag zusammenfinden, um daS Ergebniß desselben gutzuheißen und zu besiegeln. Und hoffentlich fällt dieses Ergebniß so gründlich aus, daß sie sich dann mit einer völligen Umgestaltung der Dinge im Osten zu befassen haben, welche die Möglichkeit künftiger Greuel einer Türkenkrieges zwar noch nicht ganz aus Europa verbannt, aber doch immer weiter von den gesitteten Ländern entfernt rückt.
— Berlin, 23. Juli. Nach einer an das Staats-Ministerium gerichteten telegraphischen Meldung des General-PostmeisterS Stephan ist heute mit der Versenkung des RheinkabelS die unterirdische Telegra- \ phenlinie Berlin-Leipzig-Frankfurt a. W. und Mainz vollendet.
— In den deutschen Münzstätten - sind bis zum 14. Juli 1877 geprägt worden an Goldmünzen: 1,134,130,100 Mark Doppelkronen, 348,274,520 Mk. Kronen; 4,660,360 Mk. halbe Kronen; hiervon auf Privatrechnung: 207,823,279 Mk.; (bis zum 7. Juli d. I. waren — wie hiermit die Mittheilung in Nr. 163 b. Bl. berichtigt wird — 201 937 379 Mk. Doppelkronen für Privatrechnung geprägt worden); an Silbermünzen: 71,653,095 Mark 5-Markstücke, 96,927,588 Mk. 2-Markstücke, 143,512,165 Mk. 1-Markstücke, 57,728,390 Mark 50 Pf. 50-Pfennigstücke, 35,717,922 Mark 80 Pf. 20-Pfennig stücke; an Nickelmünzen: 23,502,530 Mark 70 Pf. 10-Pfennigstücke, 11,657,813 Mk. 75 Pf. 5-Pfennigstücke; an Kupfermünzen: 6,213,207 Mark | 44 Pf. 2-Pfennigstücke, 3,382,722 Mark 83 Pfennig 1-Pfennigstücke. I Gesammtausprägung: an Goldmünzen: 1,487,064,980 Mark; an Silbermünzen: 405,539,161 Mark 30 Pf.; an Nickelmünzen: 35,160,344 Mark 45 Pfennige; an Kupfermünzen: 9,595,930 Mk. 27 Pf.
— Stettin, 21. Jull. (Osts.-Ztg.) Der Ablauf der auf der Werft der Maschinenbau-Aktien-Gesellschaft „Vulkan" erbauten Panzrr- korvtttß B, ging heute Mittag 123/i Uhr glücklich von Stätten. Auf Befehl Sr. Majestät des Kaisers erhielt das Schiff in der von dem Chef der Admiralität, Staats-Minister von Stosch, vollzogenen Taufe den Namen „Sachsen". „Ich fordere nun von Dir", so schloß der StaatS-Minister von Stosch seine Ansprache, „daß Du Dich stets tapfer und muthig in den Gewässern bewährest und der deutschen Marine zur ; Ehre gereichest. Ich taufe Dich mit dem Namen „Sachsen", welchen j Du ebenso z« Ruhm und Ehre aufrecht halten mögest, wie das Land - ihn stets zu führen gewußt hat."
— München, 20. Juli. Schon wieder erregt die Kunde von i einem Einsturz in ollen Kreisen unserer Stadt Bestürzung und gerechte i Entrüstung gegen Diejenigen, die um schnöden Gewinnes willen das Leben ihrer Mitmenschen- gefährden. Heute Mittag V22 Uhr nämlich stürzte in einem noch nicht bis zum 3. Stockwerke vollendeten Neubau der Badstraße das StiegenhauS zusammen, wobei zwei daselbst beschäftigte Frauenspersonen schwer verletzt wurden; eine dritte Frau, die sich durch einen Sprung vom zweiten Stockwerke rettete, war längere Zeit vor Schlicken sprachlos. In unmittelbarer Nähe der Unglücksstätte ist ein weiterer Neubau gestützt.
— In Würzen haben renommirte Fleischer milzkrankeS Vieh ausgeschlachtet und verkauft, so daß fast ganz Würzen erkrankte. Mehrere Personen sind gestorben, so daß.daS Wurzener Blatt mit Trauer- rand erschien.
— Wien, 23. Juli. Telegramm der „N. W. Tageblattes" auS Ras grad: Bei Popkoi fand am 18. d. ein Gefecht zwischen einer russischen Abtheilung und 2000 Baschibozuks statt. Letztere wurden, nachdem die Russen Verstärkungen erhalten hatten, nach Haidmkoi zurückgeworfen. — Eschref Pascha hat einen Vorstoß gegen Obrebnik gemacht, und dasselbe besetzt. — Die Russen haben Jamboline besetzt.
— London, 22. Juli. Bei dem giftete in Greenwich statke- Habten Banlet des Cobden-ClubS gab Leon Say der Hoffnung Ausdruck, daß das gegenwärtige französische Kabinet den Handelsvirtrag mit Eng- land von freihäadlerischen Gesichtspunkten aus erneuern werde.
— London, 23. Juli. (Köln. Zig.) Die Morning Post
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