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soll, daS ganze Gewicht seines politischen Ansehens in die Wagschale des europäischen Rathes zu werfen. „Die Koalition", sagt das Blatt, „mag thun und reden, was sie will, eeinS würde ihr nicht verziehen werden, das wäre das „effacement" Frankreichs, das Aufgeben seiner Rolle. Frankreich könnte trotz allem, was geschehen, mit seinem Reichthum und seiner Größe noch entscheidend auftreten; aber wer vertritt eS? In Wissen Namut kann Herzog Decszes sprechen? Wie kann er sich den ermächtigten Minister einer Nation nennen, w«n er einem Kabinet angehört, welches die Nation im Schach hält? Und an Wm sollen die Vertreter der fremde« Mächte in Paris sich halten, von wem sollen sie die Gedanken Frankreichs kennen lernen? Wir stehen sozusagen außerhalb des europäisch« Concerts; wer hat uns in diese Lage gebracht, wer hält uns darin ? DaS Mißgeschick, welch-S jetzt als feine Werkzeuge die Leidenschaften jmer monarchistischen Parteien benutzt, deren Führer die Gewalt an sich genommen haben." AuS alledem schließt die Re- publique, es sei die höchste Zeit, daß die Wahlen vor sich gehen und der RegiernKg des Landes eine feste Lage schaffen. Es ist vieles richtig in dem, was sie sagt; daS Ausland wird in der That vorläufig Rücksicht darauf zu nehmen haben, daß die Politik der Regierung vom liberalen Lande verleugnet wird. Aber andererseits scheint es uns auch nicht gerade unumgänglich, daß Frankreich jetzt „sein Gewicht in die Wag- Wale Europas werft"; es wird sich bei der Politik der Zurückhaltung M.b Ruhe, welche im panzm westlichen Europa herrscht, am bestm siehe«, und wenn die Rspubliküner ihr euSwärtigeS Programm so forrmüi« wsllm, daß es ih« im I»« und Auslande Fremde efabmgt, werden sie am besten thun, mehr Nachdruck auf die Zurückhaltung als auf daS Bärdrängen zu lege«.
— Paris, 19. Juli. Wie der „Agencs Hasas" aus Konftan- tinopel ßemdbet wird, soll Abdul Kerim Pascha abgesetzt und an ftiner stelle OS^an Pascha zum Oberbefehlshaber der auf dem europäischen Kriegsschauplätze operireude« türkische« Armee ernannt worden sein. Ebenso s-i auch der Kriegsminister Reouf Pascha seines Postens enthoben wocken.
— Rom, 15. Juli. Dem römischen Korresp. der Mailänder Unione zufolge hat P rZ IX. über die ihm anläßlich seines 50jährigen Bischofsjubiläums verehrten HauptgeschZüks folgendermaßm verfügt. Den ihm von der Stadt Marseille MspendetM, reich mit Gold und Edelsteine« gezierten Thron bestimmte er für den MarsMl Mac Ma- Hon, den PrastdtiiWl der fiaHös. R-Publik. Die prachtvollen Gobelins, welche auf der vatikaNischen Ausstellung so kroße Bewurcherung erregten, elhielten der Kaiser u«d die Kaiserin w OestreiO. Andere kleinere Stücke bekaMM König AlfonZ von Sparnen, die Exkaiserin Engenie, Don Carlos, der Graf v. Chambord und die depossedirten iLalienffchen Fürsten oder deren Erbe«.
— Madrid, 18. Juni. Die Regierung wird demnächst 10,000 Mann nach Cuba senden.
— London, 19. Juli. Der „Standard" fordert die RtgierMg auf, vor dem Borrücken der Rufs« nach Adrianopel zu erklären, daß Rußland an den Thoren von Konstantinopel der Macht Englands be* segnen werde. EM solche Politik würde die Gefahr eines emopäische« KriegeS bedeutend verrtAger«. <st n. st-««»-
— Konstantin opel, 18. Juli. Safvet Pascha ist zum Mi- yWsr der öffe«tliche« Arbeiten ernannt vordem — Wie dem „Rmter- fche« Bureau" aus Konstantinopel Mteim 18. gemeldet wird, soll der Minister der Auswärtigen AngelLZentzLiteN, Safvet Pascha, feine Ent- ■ Fassung genommen haben und an dessen Stelle Aarifi Pascha, der frühere Minister des NnswärtrgM und Botschafter in Wien, zum Mimster des Answärtigen ernannt worden sein.
— Konstantinopel, 18 Juli. In by: Zusammensetzung des Kabinets sollen noch weitere Aenderungen bevorstehen. — Der Drago^ man der österreichischen Botschaft ist nach Adrianoprl und Janboli üb- gerrist, um sich über den Vormarsch der Russen zu informiren. — Vom asiatischen Kriegsschauplatz wird gemeldet, daß die Russen mit großen Streit!:ästen nach Bajszid zmückgekchrt seien. Die russischen Tru pen stünden nördlich, Moukhtar Pascha östlich von Kars. — Die Meldung verschiedener Blätter von einer Offensivbewegung Abdul Derim Paschas zwischen Tirnowa und Sistowa hat noch keine Bestätigung gefunden; ebensowenig das Gerücht, wonach die Russen Olti besetzt haben sollten. — Dir Russen halten Küstendsche besetzt. — Hobart Pascha wird das nach 8atum entsendete Geschwader kommandiren. — Der Justiz-Minister Hassim Pascha und der Divistons-General Safvet Pascha sind heute nach Adrianopel abgsreist. (R.«. ®t=a.)
— Nsw-Iork, 18. Juli. Der Hamburger Postdampfer „Suevia" tst heute Nachmutag 1 Uhr hier eingetroffen.
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t m HmtMt, 20. Juli 1877.
— In den Monaten Januar bis einschließlich Juni d. I. wurden folgende Einträge in den Standesbüchern hiesiger Stadt bewirkt: Geboren 399 Kinder (gegen 423 in 1876), davon 214 männlichen, 185 weiblichen Geschlechts, und zwar im Januar 64, (37 m., 27 w.),
Februar 59 (29 m., 30 w.), März 70 (40 m., 30 w.), April 66 (41 m., 25 w.), Mai 67 (29 m., 38 w.), Juni 73 (38 m., 35 w.), hierunter sind 30 uneheliche (17 m,, 13 w.) Geburten zu verzeichnen. Gestorben sind in dem gedachten Zeitraum 399 Personen, also genau so viel als geboren (gegen 371 im Jahre 1876), und zwar im Januar 75 (40 m., 35 w), Februar 64 (32 m., 32 w.), März 74 (40 m., 34 w.), April 66 (40 m., 26 w.), Mai 61 (34 m., 27 w.), Juni 59 (24 m., 35 w.). Betreffs des Alters sind bei den Gestorbenen zu verzeichnen: 14 todtgeb. Kinder, 83 unter 1 Jahr, 91 von 1 bis 5 Jahren, 30 von 5 bis 10 Jahren, 7 von 10 bis 15 Jahren, 6 von 15 bis 20 Jahren, 35 von 20 bis 30 Jahren, 22 von 30 bis 40 Jahren, 19 von 40 bis 50 Jahren, 31 von 50 bis 60 Jahren, 25 von 60 bis 70 Jahren, 29 von 70 bis 80 Jahren, 7 über 80 Jahre. Auf nachstehende Krankheiten erfolgte der Tod: Menschenblattern 3, Scharlach 27, Masern 17, Rose i, Nervmsieber 1, Diphtheritis 29, Group 5, Gelenkrheumatismus 1, Hirnschlag 13, Luft- röhrenentzündung 23, chronischer Lungencatarrh 1, Lungenentzündung 22, Lungenblutung 2, Lungenschwindsucht 76, Lungenlähmung 3, entzündliches Herzleiden 1, acute Erkrankung des Herzens 2, chronisches Herzleiden 11, Herzfehler 1, acute Entzündung in Unterleibsorganen und des Bauchfells 4, chronische Unterleibsleiden 8, Wochenbettfieber 1, Brechdurchfall 7, Diarhöa 6, Krebs 6, Englische Krankheit 1, Scrophu- lose 4, Pyämie 2, Verletzungen 1, Altersschwäche 17, Hirn- u. Rücken- marks-Erkrankung 15, Convulsionen 18, Verbrennung 1, Lebensschwäche 24, Magen- und Darmcatarrh 6, chron. Hirn- und Rückenmarks-Er- krankungen 6, chron. Gelenkentzündung 1, Gicht 1, AlterS-Brand 1, Selbstmord 6, Knochenfraß 6, Blutung im Wochenbett 1, Eingeklemmter Bruch 1, Brigt'sche Nieren-Krankheit 1, Magenschwäche 1, Todt- geboren 14, in Summa 399. — Eheschließungen fanden im 1. Halbjahr 93 (gegen 89 in 1876) statt: 17 im Januar, 13 im Fe- brunr, 17 im März, 9 im Aprils 21 im Mai und 16)im Lunj.
— Einen kürzlich au? dem Landkrankenhause entlassenen Mann fand man gestern nahe der Kinzig, der Bader'schm (früher Müller'schen) Holzhandlung gegenüber, an einsm Lungenschlage verstorben im Gebüsche liegend.
— (Impfung.) Morgen Nachm. 3 Uhr auf dem Neustädter Rathhause dahier letzter Jmpftermm für die Zöglinge (Mädchen).
— In der gestrigen „Offenbacher Zeitung" findet sich folgLKdeS Inserat, das der Kuriosität halber hekannt zu wecken verdient: „Fleisch- wurst, mit Kartoffelmehl 80 Pf., ohne Kartoffelmehl 72 Pf. A. Sesger, kl. Biergrund 22," (Wenn das Kartoffelmehl ein so kostspieliges (?) Surrogat ist, dann lieber ohne dasselbe. D. Red.).
— Hin und wieder sind Beschwerden darüber laut geworden, daß in manchen Gegenden ein Ueber fluß an kleinen ReichsmünzM vorhanden sei. Diese Klagen haben sich «ach eingehkuder Prüfung nicht als bMiücket herauSgestellt, und dies konnte füglich nicht der Fall sein, weil bei der Verteilung insbesondere auch der kleinen Reichsmünzen mit der sachlichsten Vorsicht verfahre« ist. Run liegt es allerdings in der Natur der Verhältnisse, daß sich bei manchen Gewerbetreibenden die gedachten Münzen in gewissen Mengen ansammeln. Insofern der Verkehr dieselben nicht in andere Kanäle zu leiten vermag, und um der etwaigen zufälligen Ansammlung der fraglichen Münzen an einzelnen Orten vorzubeugLN, sind die Regierungs-HaLptkasssn und die Kreis-StmerkassM angewiesen, bis auf Weiteres auf Verlangen ReMSmünzkN vom Zwan- zigpfLKnisfiüÄe einschließlich abwärts gegen größere Reichsmünzm, bk- zietzMgSwetss gegen Banknoten oder ReichskassLnscheiue einzuwechseln, wenn die ZwaRziMennigstücks Mb Nickelmünzen in Beträgen von mm- destenZ 20 Mk. md RLichskupfermünZLN in Beträgen von Mindestens 10 Mk. dazu angeboten werden.
— Der Handels minister hat, nach der „Hess. Morgmztz.", den königl. Eisenbahndirektionen LKLMpfohlm, daß in den Zügen, welche zur Aufnahme des Publikums bereit stehen, 20 bis 25 Minuten vor Abgang b« Züge die Thüren geöffnet werden, damit die frische Luft ein* zieht.
= Der „F«ffMM MzeWr" schrsM nutem 19. Juli aus . Fraukftirt am Mai«: Heute Vormittag um 10 Uhr fand die Eröffnung deS „Mitteldeutschen KunstgewerbevereinS" in geräuschloser Weise statt. Frankfurt wurde, Dank dem Opfersinn hiesiger und benachbarter patriotischer Männer, um ein Institut reicher, welches der Industrie neuen Kufschwmg verleihen und zum Segen gereichen soll. Der Besuch bei der Eröffnung war ein äußerst zahlreicher, und drückte Jedermann sein Erstaunen über die RüchhaMgkett des hier Gebotenen aus. Bei einem einmaligen Besuche wird man nicht in der Lage sein, Alles und JedeS so aufmerksam zu betrachten und zu würdigen, wie eS die Kunstgegen- stände, Erzeugnisse der Industrie rc. verdisuen. Darum gilt es, sich öfter auf der GalluSgasse Nr. 21 einzufinden; eS ist dirs umsomehr nothwendig, weil mit den ausgestellten Sachen gewechselt wird. Manche der Firmen, z. B. die Firma I. Friedmann Nachs. von D. und M. Löwenthal, welche neben der Firma H. Zeuner von Hanau das Großartigste als Juweliere und Bijoutiers leisteten, wechseln ihre Kunstwerke,