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Hamiler An^ißtr.
Zugleich AwLlicheZ Organ für Kreis und Stadt Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage,! und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.
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Neblpaltig^dK, W «ft.
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Dienstag den 17. Juli,
1877.
Amtliches.
Die den Herrn Ortsvorstände» heute per Couvert zugehende« Ausmusterungs- und Ersatz Reserve-Scheine wollen Sie ungesäumt an die Betreffenden auShändigen und über das Geschehene Anzeige hierher erstatten.
Hanau am 17. JM 1877.
Der Landrath.
An Stelle des auL dem Gemeindeamt geschiedenen Bürgermeisters Heinrich Heyl zu Eschersheim ist der Bürgermeister Johann Friedrich Heyl zum Standesbeamten für den Standesamts bezirk Eschersheim ernannt und verpflichtet worden.
Hanau am 14. Juli 1877.
___________________________Der L^»dr«tb._________________________
Lsserfchan.
Bischof Ketteler.
A. d. Schw. Merk.
Am 13. d. M., Vormittags 9 Üyr, ist Bischof Ketteler von Mainz auf der Rückreise von Rom im Kloster zu Burghause« bei Augsburg am Typhus gestorben. Unter den kirchliche« Würdenträgern Deutschlands war er der eigentliche Führer der Ultramontanrn im sogen. Kulturkampf. Die Haltung der preußischen und deutschen Bischöfe in diesem Kampfe ist im Wesentlichen, wenn auch davon nicht viel in die Oeffentlichkeit gedrungen ist, durch ihn bestimmt worden. Der Ultra* montasismus in Deutschland verliert an ihm eine seiner festesten Stützen. Er war der Politiker unter den deutschen Kirchenfürst?!?, 1848 schon Mitglied bei Frankfurter Parlaments, 1871 des ersten deutschen Reichstages; zugleich der thätigste journalistische Vorkämpfer der ultramon- tanen Sache in zahlreichen Flugschriften, die seiner gewandten Feder mühelos entflossen. Nach 1848 war er mit feiner berühmten „Konvention" der Hauptvertreter der KonkordatSpslitik; nach 1870 stand er an der Spitze der neuen Erhebung des Klerrkalismus als Mitbegründer der Zentrumsfraktion und Miturheber bei bekannten Antrages auf Aufnahme einer grundrechtlichen Bestimmung über die „Selbstständigkeit" der Kirchen in die Rkichsverfafsung. Als kraftvolle hochbegabt- Persönlichkeit, einer aristokratischen Familie entsprossen, als Jurist weltlich geschult, gedienter Soldat, hatte er ganz das Zeug zum kirchenpolitischen Vorkämpfer. Man ist bei seinem Hinscheiden versucht, bedauernd zu fragen: was hätte der Mann mit feinem Talent ab in seiner Stellung für die katholische Kirche Deutschlands leisten könne», anstatt daß man nunmehr auf Verwirrung und Zerpörung, die wesentlich auch sein Werk sind, zurückzublicken hat. — Wilhelm Emanuel Freiherr von Ketteler war am 25. Dezbr. 1811 zu Harkotten in Westfalen geboren, besuchte bal Kollegium in Bcieg (Wallis), studirte von 1830 Rechtswissenschaften i» Göttingen, Heidelberg und Berlin, ward Auskultator und Referendar bei dem Obergericht in Münster, sodann bei der Regierung, Einjähriger bei dem 11. Husarenregiment zu Münster. Hiernach widmete er sich dem Studium der Theologie in München und im Priesterseminar in Münster, wurde dort 1840 zum Priester geweiht; 1846 Kaplan in Beckum (Westfalen), 1847 Pfarrer in Hopsten (Wests.); 1848 Mitglied der deutschen Parlaments in Frankfurt a. M. für den westf. Wahlkreis Lengerich; 1849 Propst an der Hedwigskirche in Berlin; 1850 Bischof in Mainz; 1871 Mitglied des deutschen Reichstags für den badischen Wahlkreis Tauberbischofs heim. Er war unter den 88 Bischöfen, welche SL?»? 0^131 Juli 1870 unbedingt gegen daS neue Dogma von der päpstlichen Unfehlbarkeit stimmte». Nachher hat er sich unterworfen, wurde der eifrigste Kämpfer für daS Dogma und hat alle unheilvolle« Folgen desselben mit Herbetführen helfen, die er klar yoraul^efeben, vor SLettle£^ hatte. SS ist der Schlußakt einer tragischen ».evenSgrsa chte, der in der Klosterzelle zu Burghausen sich vollzogen
. „ .-..d.^^t«, 15. Juli. Schon seit längerer Zeit tauchen in in» unb ausländischen Blättern Gerüchte auf über angebliche FriedenSstim- mungen in den maßgebenden russischen Kreise«. Hinzuges-tzt wurde, daß
Kaiser Alexander durch Vermittlung eines fremden Diplomaten über die etwanige Geneigtheit der Pforte zum Abschluß eines Friedens habe Erkundigungen einziehm lassen. Wir glauben nicht fehl zu gehen, wenn wir als diesen fremden Diplomaten den Botschafter des Deutschen Reiches in Konstantinopel, den Prinzen Reuß, annehmen. Thatsächlich ist jedoch von derartigen Einleitungen zu einer später vermittelnden Thätigkeit bis jetzt keine Rede; vielmehr können alle Berichte über russische FriedknSwünsche in das Gebiet völlig haltloser Combinationen verwiesen werben. Richtig dagegen mag eS immerhin sein, daß namentlich zur Zeit, all durch den glücklichen Dsnauübergang der Rusien bei Sistowa in den RegierungSkreisen in Konstantinopel eine allgemeine Bestürzung hervorgerufen wurde, von Seiten der hohen Pforte beim Fürsten Reuß, von dem man annimmt, daß er über Rußlands und besonders auch bei deutschen Reichskanzlers geheimste Pläne fehr genau unterrichtet sei, mehrfach vertrauliche Anfragen über etwanige russische Forderungen gestellt wurden. Es ist Wannt, daß unter den türkischen Ministern große Meinungsverschiedenheit herrscht, und daß eS unter ihnen nicht an solchen fehlt, welche noch heute durch Vermittlung Deutschlands zu einem Separatabkommen mit Rußland bereitwillig die Hand bieten möchten. Ihnen gegenüber steht in erster Linie daS jetzige Haupt der Kriegkpartei, der Seratkier Rrdis Pascha, welcher seine zum Frieden geneigten College« beseitigen möchte, und dessen Ekflich, durch die türkische» Erfolge in Asien gestiegen, jene Friedenswünsche durchkreuzt und die beim Sultan zu Tage getretene« diesbezüglichen Anwandlungen verscheucht hat. Nichts desto weniger bleibe« die gesteigertes BiMÜhun- ; gen der Pforte, mit dem Prinzen Reuß möglichst enge Fühlung zu ge- i »innen, b-stehen, aus ihnen ist dann fälschlicher Weise das Gerücht ent« standen, Rußland habe die Jmtiatise ergriffen und durch den Prinzen Reuß den Türken seine Bereitwilligkeit zum Frieden aussprechen lasse«.
Kehrt man das Verhältniß um, setzt man statt Rußland die türkische Regierung und verlegt man den Zeitpunkt der aKgedeuteten diplomatischen Fühler um etwa zwei Wochen zurück, so wird man das Richtige treffen. Die Aussicht auf baldige Beendigung bei russisch- türksche» Krieges ist bei der j?tzisen militärischen Lage mehr als je gefunkt», da Rußland erwartet, durch siegreiche Schläge in Europa die erlittenen Schlappen in Asien gut zu machen und den Türken der gesunkene Muth durch j-ne glücklichen Nachrichten wieder gestiegen ist. Daß aber der deutsche Botschafter aus eigenem Antriebe irgendwie aus seiner bisherigen streng zurückhaltenden Stellung hrrauSgetreten sei, wird schwerlich von irgend einer Seite angenommen werden. Ml». gta.i
— Potsdam, 15. Juli. Prinz Wilhelm hat gestern vor dem Präses der Ober-MflitärexammationSkommission, General v° Hollebe», im Beisein des Kronprinzen sein Offiziers x amen gemacht.
— Im landwirthschaftlichs« Ministerium herrscht nach dem „Deutschen Montags« Blatt" große Thätigkrit. Verschiedene Umstände ließen darauf schließen, daß die Invasion des Kartoffelfeldes durch den Koloradokäfer bei Mühlheim a. RH. nicht vereinzelt bleiben werde, sondern, daß mit fast jedem Schiffe diese unliebsamen Passagiere von Amerika erwartet werden könne«. In der That sind denn auch erst vor wenigen Tagen bei der Löschung der Ladung eines Hamburger Dampfers in einer Kiste mit Zwiebel» vollständig auZgebildete Exrmplare bei Koloradokäfers gefunden worden. In Folge dessen ist die Ueber- vachung aller einlaufende« Schiffe eine verdoppelt aufmes ksame geworden; alle Gegenstände, welche, wenn der Ausdruck am Platze ist, als „gute Leiter" betrachtet werden könne«, müssen erst einen DeSinfektionS- prozeß durchwache«. Die WarnungSplakate mit Abbildungen der Larve und der Eier deS Käfers, welche an die Landbevölkerung »ertheilt werden fallen, werden eben jetzt zu Zehntausend«« gedruckt u»z versendet.
— Franfu rt a. M.» 16. Juli. Der General Grant ist gestern von hier nach der Schweiz abgereist und beabsichtigt zunächst nach ßu» zern zu gehen.
— Das Amtsblatt für den Bezirk Lothringen veröffentlicht die seitens deS Oberpräsidenten verfügte Namensänderung von 90 lothringischen Gemeinden mit dem Ansitz-», daß fortan nur noch die deutsche Benennung zur Anwendung zu komme« hat. So heißt u. a. das seit-