PnU:
M»E , Mark, «dti. 4*1. so». Vierteljährlich
1 Kar! 25 Pf» Für -uSwärti,« «onn-nte» mit dem betreffe». Na Peftsufschl»» Meei»»«lneNo».
»er 10 U,.
JK 162.
finninitr Ameian.
Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage,; und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.
Samstag den 14. Juli.
Die iüwIfUt »«rmondzei» * Meten RattM
10 Pl».
Die -speit. Bet»
20 Pf»
»tWatHsaSiai
*o P?»
1877.
Wochenschau.
H. H. C. Am 8. Juli beendete der deutsche Kaiser seine Einser Badekur und begab sich nach Koblenz. Gleichzeitig brächte der „Reichs- anzeiger" eine den Verkauf von Pferden nach dem Auslande verbietende Verordnung. Gut unterrichtete Blätter versichern ausdrücklich, deß diese Maßregel keine direkte kriegerische Bedeutung habe, sondern nur aus Vorsicht ergriffen worden sei, um für alle Fälle gesichert zu sein. Der König von Preußen ernannte soeben den Präsidenten deS OSerkirchen- rathS, Pros. Dr. Hermann, zum Wirklichen Geheimen Rathe, mit dem Prädikate Excellenz. Diese Beförderung dürfte Diejenigen einigermaßen beruhigen, die in der Weigerung deS KönigS, das EntlosinngSgesuS deS orthodoxen Oberkonsifiorialpröfidente« Hegel zu genehmigen, das Vorzeichen einer kirchlichen Reaktionsära sahen. Der in Mühlhausen im Elsaß erscheinende „L'Jndufiriel Alsecien" wurde vom Oberpräsidenten unterdrückt wegen Verbreitung deutschfeindlicher Gesinnung und Agitation gegen die Zugehörigkeit Elsaß-LothringenS zum deutschen Reiche. Die bayerische Abgeordnetenkammer wählte die bisherigen ultromontanen Präsidenten (von Ow und Kurz) von Neuem, und zwar mit 78 gegen 74 Stimmen, woraus hervorgeht, daß im Großen und Ganzen noch immer eine gewisse Einigkeit im ultramontauen Lager BayernS herrscht.
Oesterreich und Ungarn haben vorläufig die Hoffnnrg aufgegebe«, sich über das Verhältniß zu einigen, in welchem beide Reichkhälften zu den gemeinsamen AuSaaben beitragen sollen. Die Ungarn wollen das bisherige Verhältniß, 30:70, beibehalten, während die CiSleithaner von 31:69 nicht abgehen woll n. Die Deutsch. Oesterreicher verlangen sonach eine Abänderung zu ihren Gunsten. Weder den Regnikolardepu- tationen der beiderseitigen Abgeordnetenhäuser, noch den jüngst gebildeten Ausschüssen dieser Deputationen ist die Verständigung gelungen, in Folge beffen man sich bis zum Herbst vertagte. Auch in Oesterreich- Ungarn ist ein Pferdeausfuhrverbot erlassen worden.
Der Gesundheitszustand der heiligen Vaters in Rom ist, nach den neuesten Nachrichten, noch immer ein solcher, der jeden Tag das Schlimmste befürchten läßt. PiuS IX. kennt seinen Zustand sehr wohl und ist jetzt vornehmlich mit Vorbereitungen für das zukünftige Konklave beschäftigt. Bonapartistische Agenten frugen im Vatikane an, ob ihre Partei bei den bevorstehenden französischen Wahlen mit Sicherheit auf die Unterstützung des Klerus rechnen könne. Darauf erhielten sie die Antwort, daß man nicht für eine besondere Partei eintreten, sondern, ohne Rücksicht auf die Parteistellung, alle diezenigen Kandidaten protegiren werde, die als der Kirche ergebene Leute bekannt seien.
Die französische Regierung arbeitet bereits tüchtig an der Vorbereitung der Wahlen, die m der zweiten Hälfte des Septembers statt- finden sollen. Soeben erst find wieder zahlreiche Präfekten und Hunderte von Bürgermeistern abgesetzt und ersetzt worden. Eine ganz neue und interessante Erscheinung bildet der juristische Feldzug, den die Republi- kaner gegen die Regierung eingeleitet haben. In Paris hat sich ein Komite von namhaften RechtSgelehrten gebildet, dem sich in den Pro- vmzm allerwärtS ZweigkomiteS anschließen. Diese Komites haben die Aufgabe, sämmtliche Handlungen der Regierung vom Standpunkte deS * @^e6£i“ kennzeichnen und dem Volke in das gehörige Licht zu stillen. Sie führen sonach Protokoll über die Gesetzesver- letzungen der Legierung und der Beamten und liefern dem Volke, spe- £Ä ^«nen, Versammlungen und Zeitungen gesetzliche Mittel zur ^'Epsung der Regierung. Ein erster Gutachten ist bereits abgegeben
JP0^ stellt das Verbot der Verkaufs republikan. Zeitungen die B ?r K“,! ungesetzliche Maßregel hin und ermuthigt dies? Blätter, IKÄl i^ des Gesetzes gerichtlich zu belangen. @sftiTK k^servatrveS Gegengutachten eilfertigen lassen.
A l^och an genügenden RichtSgelehrte». Die Gegnerschaft Set a^KÄ ^/^"k"^" nimmt täglich größere Dimen- Wabl-n /i?- @n!r;r J1 ^ ^r «»wahrscheinlich ist, daß bei den ^ Srn L^ konservativen Parteien zu Stande kommt, voki a? «,? 4-^ ?^scha«platzen ist Folgendes zu berichten: Bei Niko- fieH^ Srstowa, machten die Russen einen verfehlten UebergangSversuch, da die Türken in dieser Gegend auf dem
Damm waren, deßhalb sind die Russe« noch immer auf die Uebergänge bei Simnitza, Hirsowa, Braila und Galccz beschränkt. Der Versuch der Rumänen, bei Kalafat die Donau zu überschreiten, wurde ebenfalls vereitelt. Von den in die Tobrudscha eiNgedrungenen Russen hört man weiter niSts, als daß sie überall die neue Verwaltung eimichten. Dagegen weiß «an jetzt ganz genau, daß das bei Simnitza in die Bulgarei eingedrungene russ. Centrum in grober Richtung nach dem Balkan hin marschirt und nicht nur Tirnowa und die umliegenden Ortschaften, sondern auch daS an der Jantra gelegene Biela besetzt haben und bereits über Tirnowa hinaus rorgerückt sind. Die aus Montenesro zurückgezogenen türk. Truppen sind bis jetzt noch nicht bei der tM. Donau- Armee ««gekommen. Der türk. Oberbefehlshaber in Kleinasien, Mukhtar Pascha, berichtete, daß er den Russen bei Karakalissa zwischen Delibaba und Kars eine schwere Niederlage beigebracht und Kars entsetzt habe, die Russen werden von ihm nach der Grenze hin verfolgt. Das reff. Oberkommando hat bekanntlich Verstärkung verlangt, die auch schon unterwegs ist, da die Türken in großer Uebermacht wären. Die Russen haben von Kleinasien auS viele Truppen nach dem Kaukasus detachiren müsse«, wo ihre Sache ebenfalls schlecht steht.
Tngesschn«.
— R erli n, 13. Juli. Se. Majestät der Kaiser und König be« abficht?gt«n, Sich heute zu einem Besuche deS Fürsten von Hohenzollern nach KrauchenwieS zu begeben.
— S. M. S. „Luise" ist, telegraphischer Nachricht zufolge, am 11. Juni er. in Aden «ingetroffe».
— Dem Pferdeausfuhrverbot wird von militairischer Seite lebhaft zugestimmt, während andererseits die Landwirthschaft selbstverständlich Klage erhebt. Die Militairs meinen (so schreibt man der Frkf. Ztg. aus Berlin), daß, wenn heute durch Gewährung hoher Preise der größere Theil der für die Landwirthschaft, den Handel und die Armee brauchbaren Pferde in das Ausland gehe, dadurch ein Nothstand geschaffen werde, der erst nach 4—5 Jahren beseitigt sein werde, abgesehen davon» daß auch ein Theil des Zuchtmaterials dem Lande entzogen werde. Oesterreich habe sich seit einem Jahre, Rußland seit einem halben Jahre durch das Pferdeausfuhrverbot gegen das Ausland abgeschlossen. Der nicht Pferde züchtende Westen war deßhalb mit seinem Bedarf auf Deutschland, vorzugsweise auf Preußen angewiesen. Frankreich und Italien haben vom Beginn des Jahres au bedeutende Pferdeankäufe gemacht, um den gewöhnlichen Jahresbedarf decken zu können. In der Provinz Posen erschienen Straßburger Lieferanten mit einem Vertrage, der zur Ablieferung von 3000 Pferden innerhalb einer kurz bemessenen Frist verpflichtete. Diese Kaufleute haben allein in der Provinz Posen 1500 junge gesunde Pferde gekauft und zunächst nach Stroßburg, dann nach Frankreich geführt. Es sei deßhalb Pflicht der StaatSregierung gewesen, diesen Verhältnissen näher zu treten. Das Pferdeausfuhrverbot habe keinerlei Bedeutung, die beunruhigen könnte. Wo es sich um Ausfuhr besonders werthvoller Luxuspserde handle, werde man Ausnahmen gestatten. Frankreich führe übrigens mit Erfolg auS Südamerika Pferde ein. Zu diesem Zwecke fahren besonders eingerichtete Schiffe hin und her und der Preis des einzelnen Pferdes betrage nur durchschnittlich 600 M.
— Burghausen, 13. Juli. Soeben starb, nach einem Telegramm der „Köln. Ztg.", Bischof Freiherr v. Ketteler (Wilhelm Emanuel Frhr. v. Ketteler wurde geboren zu Münster im Jahre 1811, widmete sich juristischen Studien und war nach 1837 preußischer Re- gierungsreferendar. Dann trat er in den geistlichen Stand, war Vicar in Beckum, erhielt 1846 die katholische Pfarre in Hopsten im Münsterlande und wurde 1848 von dem westfälischen Wahlbezirke Lengerich in die deutsche National. Versammlung nach Frankfurt abgeordnetet. Im Jahre 1849 als Propst an die HedwigSkirche nach Berlin berufen, wurde er von hier aus im Juli 1850 auf den bischöflichen Stuhl von Mainz berufen, nachdem dem vom Domcapitel gewählten gießener Professor Leopold Schmid die päpstliche Bestätigung versagt worden war. Als Bischof stand derselbe nun als Kämpfer an der Spitze der