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Wohl läßt eS sich der Heilige Vater auch jetzt noch nicht nehmen, bei nicht wenigen öffentlichen Empfängen, wie erst jüngst bei demjenigen einer Anzahl der frühern päpstlichen Armee angehörenden Personen, seine beliebten, bald längeren, bald kürzeren politisch religiösen Reden an den Mann zu bringen; aber man darf sich nicht über die Bedeutung dieser Acte täuschen, welche eine Lebenskraft, die man dem gebrechlichen Greise sonst nicht zumuthen möchte, zu bekunden scheinen. Sie sind dem zeitweiligen Aufflackern einer zu Ende brennenden Kerze zu vergleichen und auf das hellere Licht folgt stets eine tiefere Dunkelheit, auf die höhere Kraftanstrengung eine größere Erschöpfung, bis daß zuletzt noch einmal das Lebenslichtlein im strahlendsten Glänze auf« leuchtet, um dann für immer zu verlöschen. <rr».;
— Rom, 10. Juli. Graf Chambord Hat nach d-r „Köln. 8V dem Papste durch eine Vertrauensperson mitgethellt, er werde von einflußreichen Persönlichkeiten bestürmt, aus seiner Reserve herauSzutreten. Des VatikanS Antwort lautete, augenblicklich sei eine direkte Aktion gefährlich, der päpstliche Stuhl wolle ihn jedoch nicht behindern und über. Haupt kMerseitS Schwierigkeiten heraufbeschwören. Der päpstliche Rum eKr in München berichtete nach Unterredungen mit Personen der dor- tigk» Regierung, Bayern weise jede Einmischung des Nnnc'uS in die religiösen Angelegenheiten des übrigen Deutschlands zurück.
— Petersburg, 11. Juli. Der General Alchasow meldet nach einem Telegramm der „Köln. Ztg.": „Größere Abchasierhaufen richteten sich gegen den russischen rechten Flügel auf dem oberen Laufe des Flusses GaliSga, wurden aber mit großem Verlust zurückgewiesen; der russische Verlust beträgt 24 Mann." Aus Osurgheti, vom 9. Juli, wird die türkische Nachricht von dem Bombardement des Forts Nikolaus folgender Maßen dargestellt: „Die Türken landeten bei St. Nikolaus, schifften sich aber bei dem Erscheinen der russischen Reserve Wieberein." Aus Zarskije Kolodzi, vom 3. Juli, wird berichtetet; „Am 30. Juni wurde das Dorf Assacho, der Kernpunct des Aufstandes, durch die Russen genommen, die dabei 30 Mann verloren." Aus Grosnoje vom 7. d.: „Oberst Batianow eroberte die befestigte Position der Aufständischen bei Jsansart. — Ein Telegramm des Generals Semeka aus Odessa vom 7. d. meldet: Die Türkett haben heute von 12 Uhr Mittags an Eupatoria bombardirt.
— Die Eisenbahn von Rostow am Don nach WladikawkaS im Kaukasus hat ungefähr 1200 Wagen von den Eisenbahnen Woronesch, Eiisabethgrad rc. erhalten, um 55,000 Mann Truppen zu tranSportiren, die seit dem 29. Juni nach dem Kaukasus unterwegs sind, um die dortige Armee zu verstärken. Wie die offiziösen Berichte aus Petersburg besagen, wurde in Baku und in Derbent am KaSpischen Meer eine Flotille gebildet. Dieselbe ist dazu bestimmt, die Küsten zu vertheidigen und zugleich Verstärkungen nach dem asiatischen Kriegsschauplätze für den Fall zu werfen, daß in Folge eines AufstandeS im Kaukasus die Mili- tärposten m Georgien in die Gewalt der Aufständischen fallen sollten.
— Dem „GoloS" wird vom Kriegsschauplatz in Asien geschrieben: „Die Türken hüben eine bequeme und wirksame Methode, sich zu verpflegen und ihre Festungen zu verproviantiren; dieselbe besteht darin, daß sie bin Landleuten, ohne zu zahlen, so viele Lebensmittel wegneh- men, als sie brauchen. Man darf also den Erzählungen keinen Glauben beimessen, welche die omanische Armee als einen großen Haufen ausgehungerter und barfüßiger Leute darstellen. Die Wahrh it ist, daß die türkischen Soldaten mit Proviant und Munition wohl versehen sind. Bei den Einwohnern von Ardahan fanden wir ungeheure Proviantvor- räthe jeder Art. Es waren allein an Getreide mehr als 12,000 Tschet- vert vorhanden. (Ein Tschetwert gleich 3819 preußischen Scheffeln.) Die türkischen Zelte sind geräumig und wohleingerichtet. So oft wir solche erbeuteten, fanden wir darin vortreffliche Rationen, Broiflade« aus Getreide, die im Vergleich gegen unseren Zwieback wahre L-cker- bissen sind, Kupfergeschirr, Decken und Polster, mit denen fast jeder Soldat versehen ist. Die Zelte der Offiziere sind viel bequemer als die der unseligen, und voll von Teppichen und Gegenständen englischer Fabrikation. Die Montur der Soldaten ist von neuem und ziemlich feinem Tuch. Die Kriegsmunition ist ebenso reichlich vorhanden. In Ardahan hatten die Soldaten zwei volle Patronenrationen, und in den Laufgräben und Gräben waren offenstehende, hochangesülltr Patronen- kisten ausgestellt. Dieser Ueberfluß an Munition war selbst schuld, daß wir so wenig Leute vor Ardahan verloren. Dir Türken feuerten ohne Sorgfalt, gaben sich kaum die Mühe, zu zielen, und suchten sich nur hmter den Brustwehren zu decken."
, — New-Iork, 10. Juli. Der Hamburger Postdampfer „Grl- lert und der Dampfer „Greece" von der National-Dampfschiffs-Com« pagnte (C. Missingsch« Linie) sind hier ein getroffen.
Ha«RU, 12. Juli 1877*
, -"Durch Misere Polizeibehörde wurde im Laufe dieser Woche zweimal die von Außen eingebrachte Milch untersucht, ohne welche dabei zu stnde«, dre unter die Kategorie der „Lebensmittelverfälschungen" ge«
M finden, Sie unter die Kategorie der „Lebensmittelverfälschungen" ge- Fischbor«. Zur ZwangSvers hört. Auf den ersten Blick ist dies ein recht erfreulicher Zeichen, die 1 Peter B äu scher (Melchior-Sohn)
Sache hat jedoch ihr Häckchen. Er sollen sich hier einige Leute best«- " den, die sofort den Milchlieferanten Nachricht davon geben, wenn bt« Aufsichtsbehörde in Sicht ist, so daß die anrüchige Waare auf unbewachtem Wege zur Stadt befördert werden kann. Sollte uns im Wie-
derholungSsalle eine dahin bezügliche verbürgte Nachricht zugehen, so werden wir im Interesse der Allgemeinheit die Namen solcher Ehrenmänner veröffentlichen.
Bersteiger««-»- und VervachtungS-KkleRder für Freitag dm 13. Juli 1877.
Borm. 10 Uhr sollen im hiesigen Zeughause mehrere eiserne Ge- $ räthe, alte Leinwand und alte Baumaterialien gegen Baarzahlung versteigert werden.
— Für heute. Diejenigen Mitglieder des hiesigen Kriegerver- eins, welche nächsten Sonntag am Fahnenweihefeste des KrirgervereinS zu Ostheim Theil nehmen wollen, haben sich Abends 8 Uhr im Ber- einSlokale zu melden.
— Der bisherige Königliche Eisenbahn-Baumeister Oskar Fran- kenkelh zu Sessel ist zum Königlichen Eisenbahn-Bau- und BetriebS- Jnspektor bei der Main-Weser Bah« beförs^rt worden.
— Die Philologen- und Schulmänner-Bersammlung findet vom 26.-29. September d. I. in WieSbadm statt. In derselben Stadt wird am 16., 17. und 18. Juli der sechste Congreß deutscher Barbierherren abgehalten.
— Marburg, 10. Juli. In der heutigen Sitzung der Strafkammer des hiesigen KreiSgerichts wurde die ledige Therese Schmidt, welche vor einigen Monaten ihr fast zweijähriges Kind bei Kirchhain in die Wohra geworfen hatte, wegen Mordes zum Tode verurtheilt.
(M. Tagil.)
— Melfuugeu, 10. Juli. Heute in der Morgenstunde durchlief die traurige Nachricht unsere Stadt, daß August Gleim feiner Wunde erlegen sei. Er war am 27. v. M. auf der Jagd durch einen unglücklichen Schuß im Oberschenkel schwer verwundet worden. Fabrikant August Gleim, in der Firma A. Mein» & Sohn, ist einer der ehren- werthesten und hochgeachtetsten Bürger der Stadt. Rüstig und gesund bei einem Alter von 68 Jahren, hätte G. noch lange leben können. Die Trauer über das Dahinscheiden des Mannes ist eine allgemeine und tiefempfundene. (& Mg,tg.»
- Der „Frankfurter Anzeiger" schreibt unterm 11. Juli aus Frankfurt am Main: Die Fontaine auf dem Kaiserplatz ist nun nach Fertigstellung der Einfassung in all ihren Theile» vollendet. Drei Marmorstufen führen bis zum Bassin, welches an stillem Fuß von einer Epheu-Guirlande umgeben ist. — General Grant, voriger Präsident der Vereinigten Staaten, welcher morgen Bormittag hier eintreffen wird; hat im Russischen Hof Wohnung für sich und seine Familie bestellt. Der General wird morgen zwischen 11 und 12 Uhr mit Familie, mit den Vertretern der Staatsbehörde und der Stadt, sowie einer Anzahl anderer Herren und deren Familien im Zoologischen Garten diniren- — Donnerstag den 12. Juli findet im Palmugarten dar Festbankrt zu Ehren Graut's statt. Der große Saal mit den Gallerte« ist für die Therlnehmer reservirt. Nachmittags von 5—7 Uhr und Abends von 8—lOVz Uhr wird die Capelle des 1. Hess. Husaren-Regiments Nr. 13, unter Leitung der Capellmeisters Hrn. H Küster, im Garten concertiren, während die StaSny'sche Capelle zum Festbanket spielt.
— Auf eine dem in Wiesbaden erscheinenden „Rhein. Kur." entnommene, in Nr. 158 unserer UnterhaltungSblattes übergegangene Notiz geht unS heute von kompetenter Seite folgende Berichtigung zu, welch wir hiermit zum Abdruck bringen:
„Herr Redakteur!
Ihr auS dem Rh. K. abgedruckter Artikel unter dem 28. Juni ist geeignet eine ganz falsche Vorstellung von der betreffenden Frage m erzeugen. Die angegebenen Zahlen ergeben eine Majorität für me Beschränkung der Nachmittagsunterrichts, nicht aber für die Beibehaltung der bisherigen Einrichtung, da alle Diejenigen, welche sich für die 1ste Frage entschieden haben, selbstverständlich auch die 2te bezahen. Anders liegt die Sache am königl. Realgymnasium. Hier hatsich auf^dre vom Direktor gestellten Anfragen an die Eltern dir Majorität für Betbetzal- tung der bisherigen Einrichtung ausgesprochen, und eS ist zu erwarten, daß die Vorgesetzte Behörde nach den aus der letzterwähnten Abstimmung sich ergebenden ZweckmäßiglettSrücksichten sich für die Beibehaltung bei Bestehenden entscheide« wird, um so mehr da die Majorität für die Neuerung am Humanistischen-Gymnasium eine sehr geringe ist."
Tbenaometersta«d.
11. Juli: Höchster Stand + 20°, Abends 7 Uhr + 18l/»*i 12. Juli: Morgens 7 Uhr-st 15°, Vormittags 10 Uhr + 19°.
— Mainwasserwärme Vormittag- 9 Uhr: 17 ^ Grad.
Fischbor«. Zur Zwangsversteigerung der auf den Namen der Bäufch er (Melchior- Sohn) von Langenfelbold eingetragenen, m