Einzelbild herunterladen
 
  

81S

Skupschtina an den Fürsten Milan wird hier dahin auSgelegt, daß eine AktionSPolitik SerbienS zur Zeit nicht zu erwarten sei.

PariS, 8. Juli. Die geheimen Wahl-Instruktionen, welche der Minister de Fomtou an seine Präfekten gesandt, lauten nach der Köln. Ztg." ihrem Hauptinhalt nach, wie folgt :Die Präfekten müs­sen in allen Gemeinden sichere Agenten haben, die außerhalb der Lokal- behörden für die offiziellen Kandidaten wirken. Die Präfekten müssen darüber wachen, daß alle Wähler, auf deren Unterstützung die Regierung rechnen kann, von den Einnehmern, Controleurs, den Zollbeamten und sonstigen Beamten mit größter Schonung behandelt werden. In der Voraussicht gewisser Nothwendigkeiten, die sich später herausstellen könn­ten, müssen die Kreuzbänder mit den Namen und Adressen der Wähler in dreifachen Exemplaren verbreitet werden. Endlich müssen die Prä- sekten den Minister des Innern über folgende Punkte unterrichten: 1) Was würde man erzielen, wenn man die Reservisten für 28 Tage während der Mahlzeit einberiefe? 2) Wäre eS dienlich, die Classe von 1872, welche Ende dieses Monats rntlass.-n werden soll, zurückzuhalten?" Diese Instruktionen sind im Ganzen genommen der Abklatsch derer, welche die kaiserliche Regierung bei ähnlichen Gelegenheiten an ihre Präfekten sandte. Laut Figaro würde auch das Lehrp:rssnal im höher« Schulwesen von den republikanischen Elementen gereinigt werden: 5 Rektoren, 14 Inspektoren der Akademie und 28 Inspektoren der Ele­mentarschulen sollen abgefitzt werden. Eben so würde man den Frei­maurerlogen um-r dem Vorwande, daß sie sich an den Wablumtrirbe« betheiligen, zu Leibe geben. Auf B-fehl des Polizei-Präfekten wurde gestern die Broschüre La lanterne dun citoyen mit Beschlag belegt.

Paris, 8. Jub. Legitimsten und Bonapartisten zanken sich weiter. Die Union wirft Rouher vor, er wolle Alles für sich haben; die Organe deS früheren VicekaiserS vertheidigen sich und fordern immer mehr. Unter diesen Umständen hat sich bei den Konservativen, die wirklich Furcht vor dem Radikalismus haben und weniger Werth auf die dynastischen Spekulationen legen, schon eine Gruppe der Verzweifelten gebildet, welche aller Welt die Ohren voll lamentirt. In der Estafette seufzt Detroyat:DaSZSchauspiel, welches die Konservativen darbieten, ist jämmerlich. Man muß es ihnen sagen, man muß sie daran erin­nern, daß sie n'cht.mehr rückwärts können, daß sie die Gefangenen der Regierung sind." Und er kommt zu dem Schlüsse, die Regierung müsse jeder der konservativen Parteien die ossiziellen Kandidaturen einfach diktiren. Der Constitutionnel meint, der Streich vom 16. Mai sei schlecht überlegt in der Form, zu schlechter Stunde in Scene gesetzt, schlecht bedient und schlecht betrieben."Man hat uns geweckt und überrascht durch eine ganz gesetzliche, aber anscheinend heroische Hand- lurg. Die Gründe, durch welche man diese Handlung erklärte, sind {ämmtlich nachher verlassen und vergessen worden. Man sagte uns, eS ei über die Maßen unvorsichtig, die Generalrathswahlen ohne vorherige plötzliche Entschließung herankommen zu lassen, und j-tzt sind die Gene­ralrathswahlen vertagt! Welche Gründe haben wir noch, zufrieden zu sein und Vertrauen zu hegen?" Wenn konservative Blätter in diesem Tone schreiben, dann können sich die Republikaner bald die AuSlagen für ihre Presse ersparen. DaS hindert die letzteren aber nicht, lebhaft thätig zu sein. Nach den Klagen der reaktionären Organe wimmelt eS in der Provinz von liberalen Zeitungen und Flugblättern, welche mit Umgehung der Colportage in die Hände der Wähler gelangen. Das Juristen konnte der Linken veröffentlicht sein erstes Gutachten. Dasselbe betrifft eben die vielerwähnte Frage der Colporteure; eS ist der Ansicht, daß ein Präfekt nicht berechtigt sei, einzelne Glätter indirekt zu verbie- ten, indem er den Colporteuren, welche sie verbreiten, die Concession entzieht, und es ermuthigt die Betroffenen zu gerichtlichem Vorgehen gegen die Präfekten.

London, 9. Juli. Die Meinungsverschiedenheit, welche in Bezug auf die in der orientalischen Frage zu befolgende Politik bisher im Cabinet bestanden hat, ist ausgeglichen, indem der Marquis von Salisbmy und feine Gesinnungsgenossen sich der Mehrheit des CabinetS angeschlossen haben. DaS letztere hält nunmehr völlig einmüthig fest an der früher festgesetzte» Politik deS unbedingten Schutzes der briti­schen Interessen. l»rin. st«.]

DaSW. T. B." meldet unter dem 8. d. MtS.: Nach aus St. Petersburg vorliegende» informatorisch» Mittheilungen vom 7. d. M. sind die RückwärtSbewegungen der drei russischen Truppenabthei- lungen in Asten keineswegs die Folge einer Ausdehnung des wesentlich niedergeworfenen Aufstandes im kaukasische« Gebirge, vielmehr sind die­selben der militärischen Erkenntniß zuzuschreibe«, daß die betreffenden drei Kolonnen der Widerstandskraft deS Feindes gegenüber, welche man unterschätzt hatte, zu schwach waren. General Tergukassoff und General OIlob;w oprrirten mit 8 bis 10 Bataillonen, General Loris-Melikoff hat deren etwa 12.

. c " d^"Sburg, 9. Juli. Ein Telegramm deS Oberbefehls­haber- der Donau-Armee meldet, nach einem Telegr. derKöln. Ztg.": «m 7. d. eroberte General Gurko mit einer Cavallerie-Abtheilung Tir- »owa. 3000 Nrzams, eine türkische Batterie und RedifS, deren Zahl unbekannt ist, zogen sich gegen Osman-Bazar zurück. Die Bewohner

oo« Tirnowa bezeige« einen unbeschreiblichen Enthusiasmus. Nach der Besetzung der Stadt wurde ein Gottesdienst gehalten. General Gurko besetzte ferner bei Tirnowa ein türkisches Lager, in dem große Mengen von Munition vorgefunden wurde«. Unser Train sowie Infanterie und Artillerie näher» sich der Stadt.

Bukarest, 9. Juli. Die russischen Truppen, welche Tirnowa besetzte«, gehören zu dem 8, unter dem Oberbefehl Radrtzky's stehenden Armee-CorpS. DieselbenMsetzten auch die über Tirnowa hinaus gele­genen Ortschaften Novoselo, Selwi, Drrnowa und Slataritz und dehn­ten die Verfolgung der sich zurückziehenden Türken über letzteren Ort hinaus aus.

Ko«stanti»opel, 9, Juli. Es ist hier die Nachricht ver­breitet. daß von Sisiowa auf Rustschuk vorrückende russiDe Truppen« abtheilungen zurückgeworfen seien. (*m S^»«,.

New-York, 7. Juli. Das PostdampsschiffMain" vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welches "am 23 Juni von Bremen und am 26 Juni von Southampton abgegange» war, ist gestern wohl­behalten hier angekommen; ebenso der DampferSpam" von der Na­tional« Dampfschiffs-Compagnie (C. Messingsche Linie).

£ i t t l t I.

HKKKR, 10. Juli 187?-

Verschiedene Goldschmiedtlehrlinge wurden wegen Verdachts be­gangener Unredlichkeit in Haft genommen.

Versteigern»»^« und BerpachtnugS-Kslesder für Mittwoch den 11. Juli 1877.

Morgens 9Vi Uhr kommen im hiesigen.Gerichtsgebäude 40 Stroh­stühle gegen Baarzahlung zum Verkauf.

Für morgen. Hochstädter Mittwochskirchweih-.

(Impfung.) Morgen (11.) Nachmittags 3 Uhr wird auf dem Neustädter Rathhaus dahier die Impfung der Zöglinge (Knaben) vorgenommen.

Bockenheim, 9. Juli. Den Hr». Becker und Comp. dahier ist nach demFr. Anz." vom 3. deutschen Fleischer-Congreß i» Breme« für ihre dort ausgestellten Gegenstände dar Ehrendiplom erster Klasse ertheilt worden.

Sämmtliche Kassen im Ressort der Königlichen Regierungen und der unter staatlicher Aufsicht stehenden Institute sind in Folge ei­nes Cirkular-ErlasseS des Finanz-Ministers vom 1. d. M. angewiesen worden, die unter ihre» Beständen befindliche«, sowie die bei ihnen fer» ner eingehenden */« Thalerftücke nicht wieder zu verausgaben, sondern in möglichst abgerundeten Beträgen, kastenmäßig verpackt und bezeichnet, an die nächstgelegene Kaiserliche Postkasse gegen Ersatz abzuliefern.

Der Thierarzt erster Klasse Gottlieb Ludwig Grebe zu Bocken« heim ist zum kommissarischen Kreis-Thier arzt für die Kreise Alten« und Olpe unter Anweisung der Stadt Altena als AmtSwohnsitz ernannt worden.

Marburg, 7. Juli. Von dem Empfangs- und WohnungS- Tomitö der Jubiläumsfeier erhielt dieO. Z." folgende Zuschrift:Zur Feier deS dreihundertfünfzigjährigen Jubiläums unserer Universität ist von Auswärts eins große Anzahl von Gästen zu erwarten. Diese früheren Mitbewohner unserer Stadt würdig zu empfangen und sie gast­lich bei sich aufzunehmen ist eine Ehrenpflicht der B-wohner Marburgs. Wir bitte» unsere Mitbürger herzlich, uns in dem Bestreben, den alten Commilitonen den hiesigen Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen, nach Kräften zu unterstützen, indem sie diesen früheren Mar- burger Studenten Wohnung gewähren. ES werden in den nächsten Tagen Listen herumgesandt werden, in welche wir unsere Mitbürger sich einzuzeichne» bitten, sowohl diejenigen, welche freies Quartier zu bieten in der Lage sind, als auch die, welche gegen Bezahlung Bäste bei sich beherbergen wollen. Heusinger, Scheffer, Dohrn, Ehrhardt, v. Konitzly, Schreiber."

^ Hofgeismar, 5. Juli. Am Sonntag und Montag fand hier daS Turnfest des Oberwefer-KreiseS statt, zu welchem sich die Theil- nehmer vo« auswärts sehr zahlreich eingefunden hatte«. DaS Fest- ComitS, schreibt dieHofg. Ztg.", hatte eS mit seltener Energie ver. standen, HofgeiSmar und vor allen Dingen den Turnplatz in einer Weise zum festlichen Empfange der auswärtigen Turner zu schmücken» daß wohl ein Jeder überrascht war von dem freundliche« und wohlthuenden Eindruck, den man von den allerorts angebrachten Ehrenpforten, Guir- landen und Kränzen empfand. DaS Turnfest selbst vollzog sich in der programmmäßigen Aufstellung.

- DerFrankfurter Anzerger" schreibt Hütern 9. Juli auS Frankfurt am Main: Im Zoologische« Garte« sind zwei Krokodile und drei Riejenschildkröten?ei»getroffen und in dem Bassin der großen Vo- liöre untergebracht. Am Samstag fiel ein etwa 13 Jahre alter Bube, der sich vor dem Obermainthor spielend auf den Flößen umhertrieb, in den Main und ertrank. ES ist dies feit zwei Monate» der achte Fall. Der heute eröffnete Wollmarkt ist weniger als sonst befahren. Leb« > Haftigkeit im Geschäft ist wenig bemerkbar. Die in den ersten Eröff-