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Hman er Ästiger

Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage,! und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.

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Freitag den 6» Juli

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1877.

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Berlin, 3. Juli. In Weilburg wird eine Unteroffizier« Vorschule, als erstes derartiger Institut, und zwar am 15. Oktober d. J. eröffnet werden. Nach dem vom Kaiser genehmigten Organisation'« statut hat die Vorschule die Bestimmung,geeignete jurge L-ute von ausgesprochener Neigung für den Unterosfizierstand- in der Zeit zwi- schen der Confirmation und dem Eintritt in das wehrpflichtige Alter derart fortzubilden, daß sie für ihren künftigen Beruf tüchtig werden. Bei militärischer Erziehung sollen sie dort Gelegenheit finden, ihre Schulkeurtuiffe so weit zu erxS zm, wie dies nicht nur im Hinblick auf ihren militärischen Beruf, sondern auch für ihre spätere Verwendbarkeit im Civildienste wünscheusNerth ist. Daneben ist der körperlichen Ent­wicklung und Ausbildung, unter spezieller Berücksichtisung der Anfor- derungen des Militärdienstes, besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden. Die Ausbildung dauert in der Vorschule in der Regel zwei Jahre. Die Aufzunkhmendcn dürfen in der Regel nicht unter und n'cht über 16 Jahre alt sein. Der eintretende Zögling muß sich schriftlich, unter gleichfalls schriftlich zu ertheilender Genehmigung seines Vaters oder Vormundes, verpflichten, unmittelbar in die hiefür bestimmte Unteroffi- zierschule Lberzutretm und für jedes Jahr des Aufenthalts in der Vor­schule zwei Jahre über die gesetzliche Dienstpflicht hinaus aktiv in dem Heere zu dienen, für den Fell aber, daß er dieser Verpflichtung über« Haupt nicht oder nicht in vollem Umfange nachkommm sollte, die auf ihn gewandten Kosten, im Betrage von 465 Mark für das Jahr, sofort unweigerlich zmückzuerstaiten. Bei unfreiwilliger Entlassung aus dem Institut oder dem Heere erlischt die Verpflichtung zur Rückerstattung der Kosten. Die Zöglinge sind feine Militärpersonen und weder den Mi­litär-Strafgesetzen noch der DiZziplmarstrafordnuKg für das Heer unter­worfen, doch tragen sie Infanterie-Uniform mit gelben Achselklappen. Bei den Disziplinarstrafen ist jede körperliche Züchtigung strengstens ausgeschlossen. Der Schulunterricht soll die Zöglingemit den für die bevorzugten Unterosfizierstellungen erforderlichen Kenntnissen ausrüsteu, sie zu selbständigem Denken heranbilden und ihr Urtheittvermögen schärfen.- Die eigentliche militärische Ausbildung fällt der Unterossi- zierschule anheim, die Zöglinge sind jedoch in so weit militärisch auf* zubilden, als dies die Rücksicht auf die anderweiten Aufgaben deS In­stituts gestattet und der körperlichen Entwicklung zuträglich ist. Beson­dere Arfmerksankeit ist der Ausbildung im Turnen, Bayonnetfechten und Schwimmen so wie der militärischeu, Dienst-Instruktion zuzuwsn- den. (Rita Ltg.)

Ems, 2. Juli. Das Leiden des Kaisers, wen» man es überhaupt ein solches nennen darf, besteht in jene» leichten Erkältungen, die ihn zuweilen bei den Strapazen der Maröver befallen haben und die dann eine meist nicht lange andauernde Heiserkeit zur Folge hatten. Durch die Erfahrungen der letzten Jahre hat sich nun Ems hiergegen und zur weiteren Erholung Gastein äußerst wirksam erwiesen, und so sind es gestern 14 Ta^e geworden, seit Se. Maj. auch dieses Jahr wie­der zu den hiesigen Heilquelleu seine Zuflucht genommen hat. Die Art, ru welcher der Kaiser dabei seine Zeit eingetheilt hat, ist zu bsmerkenS- werth, als daß ich sie hier mit Stillschweigen übergehen möchte. Se. Mai. erhebt sich, wie die Köln. Ztg. schreibt, gegen 6 oder 6 V, Uhr und erscheint um 8 Uhr, meist in leichtem Gommeranzuge, auf der Promenade, wo er in den vorgeschriebenen ZwischenräuMen Einser Krähnchen und Kesselbrunnen trinkend bis gegen 9Vi Uhr verweilt. Es folgt das Frühstück und abwechselnd einen um den andern Tag oder auch seltener zwischen 10V, und 11V, Uhr ein Bad. Im weiteren Verlauf des Morgens nimmt der Kaiser die gewöhnlichen Vorträge über Civil- und Militärangelegenheiten entgegen, während er sich am Tage «iemalr dem Schlafe hingibt. Zur Mittagstafel, welche gewöhnlich auf ' Uhr Nachm. festgesetzt ist, werden außer den 1012 Herren, die das 1

Here Gkfolge des Kaisers bilden, noch etwa die gleiche Anzahl theil- *

^S den höheren Offizieren der Garnisonen Köln, Koblenz und Darm­stadt, theils aus dem Adel der Umgegend, theils aus hervorragenden 5

Kurfremden herangezogen. So war am Mittwoch Krupp au- Essen

Maden und am Freitag die beiden Botschafter Bieomte v. Gontaut- a

Biron und Graf Karolyi, die auch auf der Promenade sehr viel und oft mit Sr. Msj. verkehrt haben. Besonders lebhaft gestaltete sich der Hofhalt, wenn die Kaiserin, was im Ganzen seither 5mal der Fall ge­wesen ist, von Koblenz hierher herüberkam, da alsdann eine größere Anzahl von Damen zur kaiserl. Tafel hmzrg-zogen wurde. Nach Tisch nimmt Se. Maj. einen Bortrag über dir aukwärtigen Angelegenheiten entgegen, die auch während der Badekur, auf Reisen und Manövern mit der gleichen Regelmäßigkeit erledigt werden wie sonst. Jeden Morgen kommt ein Kabinett kurier an, der noch am selben Nachmittag wieder abgeschickt wird. Außerdem ist das Trlegraphenbureau während der An­wesenheit deS Kaisers Tag und Nacht hindurch geöffnet und nicht selten mit Depeschen überladen. Sind alsdann gegen Abend die politischen Geschäfte nach aK(n Richtungen hin erledigt, so daß vor Beginn deS Theaters noch einige freie Zeit übrig bleibt, so unternimmt der Kaiser, zuweilen nur von einem einzigen Herrn aus seinem Gefolge begleitet, eine Spazirfahrt und erscheint meist gegen 7V, Uhr auf der Promenade im schwarzen Echröck, Hellem Beinkleid, Cylinder und mit einem leichten Stocke, der freilich mehr des Spieles als der Unterstützung wegen da zu sein scheint Man macht allenthalben Front, wo der Kaiser vorbei- kommt, aber niemals habe ich gesehen, daß er durch neugierige Gaffer geradezu'! belästigt worden wäre; dafür ist die Ehrfurcht denn doch zu groß, welche auch der unwissendste Bauer vor dieser majestätischen Ge­stalt empfinden muß, ganz unabhängig von j neu Gefühlen, welche sich für jeden vateriarrdsÜsSeuk-en Deutschen an den NamenWiltzelm'S des Siegreichen- knüpfen. Das Tagwerk schließt nach hm regelmäßige« - Besuch unseres Heroen Saisontheaters gegen 9V-10 Uhr mit der Ein- rahme des «brndttzees, falls nicht noch besonders wichtige Geschäfte Erledigung heischend dazwischen treten, in welchem Falls ler Kaiser dann manr-igfach freilich erst gegen 11 oder 11V, Uhr zur Ruhe ge­langt. Für gewöhnlich speist der Kaiser recht tüchtig zu Mittag, aber wenig zu Nacht- und sucht gegen 10V« Uhr sein Lager, He bekannte schmale Bettstelle von Eisen, auf.

Die unter der Herrschaft der Landes-Strafgesetzgebung in der» einzelnen Bundesstaaten bestandenen besonderen Strafbestimmungen über Duelle der Studirenden sind, nach 'einem Erkenntniß des Ober-Tribu­nals (Strafsenat) vom 6. Juni 1877, durch das Inkrafttreten deS Reiche Strafgesetzbuchs aufgehoben worden. Ernstliche Studentenduelle, wobei genügende Schutzvorkehrungen gegen einen gefährlichen AuSgang ! nicht angewendet werden, gehören als Zweikämpfe vor die ordentlichen s Strafgerichte und sind auf Grund der §§. 201210 des Reichs-Siraf- i gesetzbuches zu bestrafe». (s. & 6t=s.)

Sie deutsche RsiHsregieruug hat sich damit einvßrftanden er­klärt, daß die zum Weiterbau der Gotthardbahu nothwendigen Geldmittel vorläufig den zehn Millionen der Caution entnommen werden.

Heidelberg. Das Zustandekommen der Schleppschifffahrt auf dem Neckar ist nun feststehende Thatsache. In Heilbronn sind be­reits 3000 Aktien gezrichuet worden zu je 300 Mark, zusammen 900,000 Mark. Das gefammte Aktivkapital beträgt 1,800,000 Mark; die Zeichnung des Restes wird in sämmtlichen betheiligteu Plätzen mit Sicherheit erwartet. Auch die Württemberger Regierung hat sich mit­telst thrilweiser GarantieleiftMg betheiligt.

München, 5. Juli. Die ultramontane Kammerparteiwählte in ihren Vorstand mehrere von der äußersten Fraktion, nameutlich den Dr. Ritiler.

Das Technikum zu Mittweida in Sachsen hat an Ostern da« erste Jahrzehnt seines Bestehrns beschlossen. Wie ein Blick in das neueste Programm dieser höheren Fachschule für Maschinen-Jngenirure, Werkmeister rc. zeigt, kann die Anstalt mit den erzielten Resultaten vollständig zuftieden sein. Die Schülerzahl betrug im vergangenen Schuljahre 413. Unter den Geburtsländern der Schüler war fast ganz Europa vertreten, dann aber auch Nord- und Südamerika, Java in Asien, Kapland in Afrika. Die Diplomprüfung für Maschiuenivg-nicure ist von 6, die Re-feprüfung für Maschineningenieure von 5 Schülern abgelegt worden.)