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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.

ErsDkvt täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage,! und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.

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Die IfpalHge «armondzeile * deren Raum

10 Ps,.

Die 2»alt J*» 20 Ps,.

Di-Sspaltta-Let» «0 $fg.

Donnerstag den 5. Juli.

1877.

AEcheS.

GefUnden: Ein Kinderschuh mit weißer Schnalle. Ein Notiz­buch. Eine Brille mit Futteral. Ein goldenes Medaillon.

Zugelaufen: Ein junges schwarzes Huhn. Ein gelber Doggen« Hund, m. Geschlechts, am 1. ds. MtS. (aus dem Stadtgraben gezogen).

Verloren: Ein Brief, euch. 60 Mark.

Hanau am 5. Juli 1877.

Königl. Landrathsamt.

TageSscha«.

Berlin, 3. Juli. Die diesseitigen Bevollmächtigten zu den Verhandlungen über den Abschluß eines Handelsvertrages zwischen Deutschland und Oesterreich sind jetzt im Besitze ihrer neuen Instruk­tionen und werden in den nächsten Tagen nach Wien abreisen. Sie verlassen jedoch, wie man hört, Berlin mit äußerst geringen Hoffnun­gen auf den Erfolg ihrer Bemühungen. Wenn die Schutzzollpartei, die augenblicklich in Oesterreich das Heft in der Hand hat, ihre For­derungen nicht ermäßigt, so ist an das Zustandekommen eines neuen Vertrages nicht zu denken.

E m s, £. Juli. Die Kaiserin ist heute zum Besuche des Kaisers, der sich fortdauernd sehr wohl befindet, hier eingetroffen. Der Minister des Innern Graf zu Eulenburg und der Polizei-Präsi­dent v. Madai sind angekommen.

(Deutsche Reichsanleihe.) Die Gesammisumms der ««gegangenen Zeichnungen belauft sich auf 335 Will. Mark. Behufs Ausführung der erforderlichen Reduktion wird jeder Zeichnungsstelle ein dem Verhältniß von 43:335 entsprechender Theil ihres Zeichnungsbe- träges über wiesen werden und soll es demnächst jeder Zeichnungsstelle für sich überlassen bleiben, die Zutheilung unter Anzeige an ihre Zeich­ner zu bewirken.

Nach den beim Reichs«Gesundheitsamt in Berlin eingegauge- neu Berichten hat die Pestepidemie, welche schon während des April in der persischen Stadt Rescht am Kaspischen Meere auSgebrochen ist, während des Juni eine beunruhigende Heftigkeit und Verbreitung ge­wonnen. Zwei Drittel der Bevölkerung haben die Stadt verlassen, um der Seuche zu entgehe», welche indessen auch bereits die nordwestlich angreLzenben Distrikte ergriffen hat. Dir Bedeutung Reschis als einer HaupthandelSstatisn Persiens mit Rußland einerseits und mit Türkisch- Armenien (dem gegenwärtigen Kriegsschauplätze) andererseits verleiht dem dortigen Ausbruchs der Seuche, welche in ihrem ursprüngliche» Heerde Bagdad zu erlöschen scheint, eine erhöhte Wichtigkeit. (R. u. ®t.«.>

. Dre Bestimmung des §. 317 des Strafgesetzbuchs, wonach der mit Gefängniß von 1 Monat big zu 3 Jahren bestraft wird, welcher gegen eine zu öffentlichen Zwecken dienende Telegraph-nanstalt vorsätz- lrch Handlungen begeht, welche die Benutzung dieser Anstalt verhindern oder stören, findet, nach einem Erkenntniß des Ober-Tribunals vom 7.

.""* auf diejenigen Handlungen Anwendung, welche in Wirklichkeit eine Verhinderung oder Störung der Benutzung der Tele- graphenanstalt veranlassen, nicht aber auf diejenigen, welche dazu geeig­net sind.

S. M. S.Victoria" ist am 2. d. Mts. von Port Said nach Malta in See gegangen.

_, Wien, 3. Juli. Telegramm derPresse" aus Bukarest: Der Allianzvertrag zwischen Rußland und Rumänien soll gestern unter­zeichnet worden sein, man will auch von dem bevorstehende» Abschlüsse einer BündnißvertragS zwischen Rumänien und Serbien wissen.

. ~ Wien, 4. Juli. Telegramm deSNeuen Wiener Tageblat«

Aus Turnseverin, 3. d. Fürst Karl von Rumänien beabsichtigt sich heute nach Kalafat zu begeben, um die Stellungen der Armee bis »ach Gruja hin zu inspiziren. Die Brücke bei Gruja ist beinahe vol­lendet und der Hauptübergang der rumänischen Armee über die Donau wird stündlich erwartet. Die Türken bombardiren auch Nachts bei elektrischem Licht Kalafat und die dortigen Positionen, da sie einen Uebergang daselbst befürchte». Widdin ist stark beschädigt.

Wien, 4. Juli. Es bestätigt sich, daß die Russen von Biela

zurückgeworfen worden sind. Redif Pascha besteht entschieden auf der Fortsetzung des Krieges im Widerspruch zu Safvet, der eben so wie der Sultan den Frieden möchte, aber ohnmächtig ist. Aus Asien lau­ten alle Nachrichten günstig für die Türken. leer«. stej

Paris, 2. Juli. Der Wahlfeldzug beginnt für die Gegner der Republik nicht unter den günstigsten Umständen. Da die Fraktionen der Lirken fest zusammenhalten und nicht nur ein gemeinsames Manifest erlassen haben, sondern auch ihre Kandidaten solidarisch den Wählern vorftellen, so haben die Reaktionäre» anfangs ebenfalls das Bedürfniß einer gemeinsamen Parole empfunden. Sie haben sich aber über eine solche Parole nicht verständigen können?. Die Offiziösen brachten zwar in Vorschlag, daß man sich um den Namen Mec Mahons schare, ja der Moniteur wollte, daß die Kandidaten der Rechten sich jedes persönlichen GlaubenSbekenntniffes enthielte« und sich damit begnügten, ihren Namen unter ein von Mac Mahon zu erlassendes Manifest zu setze». Diese Art offizieller Kandidatur, welche von einige» Reaktionären selbst fpott- weise la silencieuse. wie die bekannte Nähmaschine, genannt wurde, war zunächst nicht nach dem Geschmack der Bonapartisten. Diese er­klärten offen, daß der Name Mcc Mahons als eine® zeitweiligen Prä« Deuten bei dem allgemeinen Stimmrecht nicht Ansehen genug besitze, um den Erfolg zu verbürgen. DaS Land, sagte Paul Cassagnee, liebt keine neutrale Kandidatur. Die Partei des Kaiserreichs erklärte also, daß sie aus ihren Hoffnungen für die Zukunft kein Hehl machen werde, daß sie versprechen werde, bis zum Jahre 1880 an Mrc Mahon und der konservativen Union festzuhalten; zu diesem Zellpunkte aber werde sie die Wiederherstellung deS Kaiserreichs wieder verlangen. Demgegen­über haben denn auch die Monarchisten des rechten Zentrums ihre Kokarde nicht länger in der Tasche behalten wollen und ihr Organ der Solei! erklärte gestern:Nichts verhindert dir Royalistm, ihrerseits be­kannt zu machen, daß sie den Marschall bis 1880 unterstützen, zu dieser Zeit aber, wenn es möglich ist, die Monarchie wieder Herstille» werden." Natürlich wollen die Orleanisten hierin mit den Legitimistm zu- sammengehen und der alte Pakt von Frohsdorf wird wieder aus'S Ta­pet gebracht. Zugegebrn, daß wirklich die Nation an eine legitiruistisch- orleanistische Fusion glauben könnte, so tritt darum nicht minder die reaktionäre Partei bei den Wahlen mit einem doppelten Programm auf. Die Einen wollen das Kaiserreich, die Andern das Königthum, kurz man verspricht den Franzosen einen hübschen Bürgerkrieg, sobald erst die drei Jahre abgelauft» fein werden. Man muß gestehen, daß die Konservativen ein seltsames Mittel ergreifen, um die französische Wäh­lerschaft von der defimtiven Republik, welche ihr das Manifest der Lin­ken in Aussicht stellt, abwendig zu machen. Die gestrige Truppen­schau im Boulogner Gehölz unterschied sich wenig von den früheren militärischen Schauspielen dieser Art. Die Pariser, die sich wie ge­wöhnlich in großer Menge eingefunben hatten, thaten den Reaktionären nicht den Gefalle», durch eine lärmende Kundgebung die Strenge der Behörde herauszufordern und die Soldaten ihrerseits machten Herrn St. Genest nicht die Freude, dem Marschall eine Ovation zu bringe». Die ganze Feierlichkeit verlief ruhig und in der größten Ordnung. Der außerordentliche» Hitze wegen hatte man die entfernter gelegenen Trup­pen in der Nacht nach dem Paradeplatze abwarschiren lassen. Die Pa­riser Regimenter zogen gegen 10 Uhr mit klingendem Spiel nach dem Boulogner Gehölz. Trotz der Vorsichtsmaßregeln habe» die Soldaten sehr von der Hitze gelitten und die Ambulanzen hatten viel zu thun. Die Haltung der Truppen auf dem Paradeplatze war im Ganzen eine sehr gute, die Aufstellung war um 2 Uhr beendigt. Mac Mahon er­schien um 3 Uhr mit seinem Generalstabe, dem sich sämmtliche Militär­attaches der Gesandtschaften angeschlossen hatten. Nachdem er die Front hinuntergeritten, stellte er sich der großen Tribüne gegenüber auf, wo die Marschallin mit anderen Dame», den Botschaftern u. s. w. Platz genommen hatten. Dann begann der Vorbeimarsch, der von dem Ba­taillon von St. Cyr eröffnet wurde. Das Publikum rief den einzelnen Regimentern beim Vorbeigehen Beifall, namentlich dem Bataillon von St. Cyr und der Artillerie, die sich in der That auch diesmal aus- zeichnete. Unter den Kavallerieregimentern thaten sich die Kürassiere