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Hanaiitr Artiger.

Zugleich Amtliches Organ für Kreis nnd Stadt Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage,! und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.

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Donnerstag den 28. Juni.

1877.

Abonnements Ginladung.

Auf das am 1. Juli d. A. beginnende neue Abonnement auf den

Hanauer Anzeiger" welcher im Verlage des hiesigen Waisenhauses täglich mitU«ter- haltu«gsblatt," SamstagS mit derProvinzial-Correspondenz" er­scheint, erlauben wir uns hiermit ergebenst einzuladen. Auch in diesem Quartal werden wir unser Hauptaugenmerk darauf richten, unsere Leser stets mit den neuesten und wichtigsten politische«, lokale« «»d pro­vinzielle« Tagesereignissen bekannt zu machen, ebenso wie früher amtliche und kirchliche Nachrichten, Coursberichte und sonstiges Wissens­werthe, nebst interessanten und spannenden Erzählungen im Unterhal- tungSblatt bringen.

Die tägliche wachsende Benutzung unseres Blattes zur Verbrei­tung von Anzeigen aller Art ist der beste Beweis, daß dieselbe von wirksamstem Erfolg ist.

Das Abonnement beträgt M 2.25 pro Quartal, für auswärts kommt noch eine geringe Portogebühr hinzu.

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Amtliches.

Mit der auf den nächsten Montag fallenden monatlichen Reini­gung und Durchströmung der Stadtgräben wird ausnahmsweise erst Dienstag den 3. k. M. begonnen werden.

Hanau am 27. Juni 1877. (4468)

Der Oberbürgermeister Cassian.

Tagesschau. Die Krisis in Frankreich. U» d. Schw. Merk.

Paris, 24. Juni. Das Stück ist auSgespielt, nach Erledigung einiger Formalitäten werden die Kammern von bannen gehen und für Frankreich wird wieder seine ungewisse, räthselvolle Zeit beginnen, der dir vertrauensvollsten Patrioten dieser Lande» nicht ohne Angst ent- zegensrhen können. Die Republikaner mögen immerhin mit Zuversicht »on dem allgemeinen Stimmrecht die Verurtheilung des 16. Mai er- varten, sie sagen sich darum nicht minder, daß drei tödtlich lange Mo- mte hindurch das Land den Präfekten der Herren Broglie und Fourtou »ls Experimentirfeld dienen und die Nation der Willkür einer Regierung, >ie wohl weiß, daß sie einen Kampf auf Tod und Leben beginnt, auS- lefetzt sein wird. Drei lange Monate hindurch werden die Männer der noralischen Ordnung allein da- Amt führen. Sie haben keine Rück- ichten mehr zu nehmen und sie werde» ihren Gegnern keine Schonung ieweise». Der Senat hat als untreuer Wächter der Berfassung keinerlei Sarantien von ihnen verlangt, sie können darauf loSmaßregeln, wie eS hnm beliebt, und für dir moralische Niederlage, die sie in den großen Mlamevtarischen Debatten der letzten Woche erlitten haben, werden sie sich durch verdopp-lte Gewaltsamkeit rächen. Diese Gewaltsamkeit muß bn ihnen auch dem Mangel an festen Grundsätzen, an einem bestimmten politischen Prinzip abhelfen. Die Regierenden von heute würden sich in grausamer Verlegenheit befinden, wen» man sie nöthigte, rund heraus und ohne hohle Phrasen zu erklären, auf welches Ziel sie loSsteuern. Fourtou selber hat eS offenbar nicht auf die Restamation des Kaiser­reichs abgesehen, so wenig als Meavx hoffe» kqn», das wahnsinnige Unternehmen vom 16. Mai mit der Rückkehr der legitimen Königs be-

lohnt zu sehe», oder der Herzog Dccazes, die jüngere Linse wieder auf den Thron zu bringe«. Das gesäumte Kabmet ist nur das willenlose Werkzeug des KlerikaliSmuS, der aus Frankreich die feste Burg der Kirche machen möchte, und der eS nicht wagen darf, sich offen zu seinen Planen zu bekenne«. Hieraus erklärt sich einmal die jämmerliche Rolle, welche die Minister selber soeben den Rednern der Linken gegenüber in der Kammer wie im Senat gespielt haben, und zum Andern die Jsolirung, in welcher ihre Freunde von der Rechten sie ließen. Kein einziger mi­nisteriell gesinnter Abgeordneter oder Senator hat das Wort ergriffen, um dem Kabinet zu Hülfe zu kommen, der einzige Marquis v. Franclieu ausgenommen, und was er sagte, war keineswegs verbindlich für die Minister. Die bonapartistischen Mithelfer begnügten sich, »ach Mög­lichkeit die Berathung zu ersticken, und die republikanischen Redner in Verwirrung zu bringen; darauf beschrünkren sich aber auch die Dienste, die sie den Ministern leisteten. Die Regierung' bä,t kein Programm, daS man vertheidigen könnte, oder zu dem man sich bekennen könnte. Aber andererseits ist dies auch wieder eine Gefahr für die Republik, denn selbst nach einem vollkommenen Wahlsiege der Republikaner würde die klerikale Reaktion sich noch nicht geschlagen geben; sie wird ihr Uebergewicht im Senate brnützen, um vor allen Dingen den Herzog von Magenta am Ruder zu erhalte«, wäre el auch mit Gewährung großer Zugeständnisse an die Republikaner, Zugeständnisse, die man j» später immer wieder zurücknehmen könnte. Hatte der Senat sich gegen die Auflösung erklärt, so blieb dem Marschall-Präsidenten nichts Anderes übrig als die Gewalt niederzulegen; aber durch ihr Votum vom 22. Juni überlieferte sich die obere Kammer mit Leib und Seele dem Kleri­kaliSmuS, und man wird sich ihrer auch «ach den Wahlen noch zu be­dienen suchen, um den Rücktritt Mae Mahon'S »nd die absolute Be­festigung der Republik zu verhindern, selbst auf hie größten Wagnisse hin. So dürfte also der Schluß der Krise noch länge auf sich warten lassen und ei läßt sich nicht mit einiger Gewißheit hoffen, daß er ein friedlicher sein wird. Inzwischen rüsten sich die Republikaner schon zu den Wahlen, Die Vorstände der vier republikanischen Gruppen richten q« die Blätter eine Mittheilung, wonach die 363 Abgeordneten, welche daS Manifest vom 19. Mai unterzeichnet haben, übereingekommen find, gemeinsam ihre Kandidaten wieder aufzustelle» u«d einander gegenseitig bei den Wahlen zu unterstützen. Th wird jebenfälls zu diesem Behülfe eine Art Wahl-Liga im gangen Lande gebildet werden. Auf der andern Seite suchen die Bonapartisten die Leitung der reaktionären Wahlbe­wegung in die Hände zu bekomme«, und das wird Wen wohl auch gelingen; denn sie sind die Anmaßendsten und Lautesten in der Koali­tion und haben die meiste Erfahrung in diesen Dingen. Zunächst laben sie beschlossen, den Mitgliedern der Kammer, welche gegen die Tages­ordnung der Linken gestimmt habe», gleichviel ob Monarchisten oder Bonapartisten, ihre Unterstützung zu gewähren. Auch ist ein Konnte gebildet worden, welches sich mit der Regierung in Verbindung setzest und alle Wahlverhandlungen mit denselben leiten soll.

Berlin, 26. Juni. Heute früh ist der Präsident des Reichs- kanzler-Amts Hofmann von Kissingett zurückgekehrt. Er hatte sich nach Kissingen wegen endgültiger Feststellung der Jnstructionen für die nach Wien zur Fortsetzung der Verhandlungen über die Erneuerung deS Handelsvertrages abzusendenden Commiffarien begeben. Im Laufe deS Tages nahm der Präsident an einem Ministerräthe Theil, welcher sich mit derselben Angelegenheit beschäftigte. In Folge des gestrigen Be- KS des Bundesraths bez. der Stempel- und Erbschaftssteuerfrage on Seiten Preußens der General-Direktor der directen Steuern, Burghardt, in die zu constituirende Commission ernannt werden, deren Vorsitz er voraussichtlich zu übernehmen haben wird. 27. Juni. Aus gewissen Anzeichen, so berichtet ein Telegramm derKöln. Ztg.", will man schließen, daß die Erklärungen Gortschakow's wegen der Dardanellen in dem Depeschenwechsel mit England auch in Rom eini­ger Maßen unbestimmt und dehnbar erschienen sind. Auch Italien ist bei der Frage begreiflicher Weise betheiligt.

Durch Kaiselliche Verordnung vom 22. d. M. hat die Uni-