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M 136.
Donnerstag den 14. Juni
1877.
Tagesschau.
Rußland und die Friedeusgerüchte.
A. d. Schw. SSett
Die Polit. Korr. erhält von ihrem „bekannten, wohlunterrichteten" Korrespondenten in St. Petersburg, d. h. aus amtlichen russi che» Kreisen folgende Mittheilung, die alle Angaben über ein schon mit England getroffenes Abkommen in das Gebiet der Erfindungen verweist und den vorschnellen Friedensgerüchten ein bündiges Dementi gibt. „Mit der Abreise des Grafen Schuwaloff müssen auch die Gerüchte verstummen, welche durchaus an seine und der Herren v. Oubril und v. Nowikvff längere Anwesenheit in Petersburg diplomatische, sogar weitvorgeschrittene Verhandlungen knüpfen zu müssen glaubten. Man ist hier an leitender Stelle nicht wenig erstaunt über alle diese Mittheilungen, die nicht nur von Demarkationslinien, sondern sogar von eingeleiteten oder knapp bevorstehenden FrüdenSverhandlungen zu berichten wußten. Was speziell die angeblich dmch den Grafen Schuwaloff geführten Verhandlungen mit England anbelangt, so sind wir tn der Lage, zu erklären, daß seit der AntwortSnote Lord Derby'S das Kabinst von St. Petersburg in keinerlei weitere Unterhandlungen mit demselben getreten und in dieser Beziehung in den seiner Zeit an dieser Stelle klargelegten Dispositionen des KabinetS von St. Petersburg keinerlei Aenderung erfolgt ist. Las Kabinet von ®\ Petersburg w ll und wird sich in trin» Unterhandlungen einlassen, die hier als nutz', Gegenstands, und zw.ckioL betrachtet werden müssen. Die Stellung, die das englische Kabinet durch seine Note eingenommen, hat die monatelangen gemeinsamen Ver- und Unter- handlungen in allzu scharfer Weise verneint, als daß Rußland im Mindesten gewillt und gesonnen wäre, das Kabinet von St. James von Neuem auf Rußlands Kosten Plane schmieden zu lassen, um letzteres stets und alleweil als Slörefried Europas hinstellen zu dürfen. Zwi- sch«n Rußland und England haben, können und werden keine Unterhandlungen, sei er um Demarkationslinien, sei er um FriedenSb-din- gunge«, stattfinden. Eine Demarkationslinie aufstellen zu lassen, widerspricht der von Rußland wiederholt verkündigten Politik der Uneigen- nützigkeit und der Vertretung europäischer Interessen gegenüber der Pforte; über Friedenspunkte mit England Verhandlungen zu führen, hätte um so weniger einen Zweck, als sich Rußland vorläufig nur mit der Türkei im Krieg befindet und den Strauß mit derselben mit eigenen und nicht mit fremden Waffen auszufechten hat, deshalb aber auch eine fremde Vermittlung weder benöthigt, noch überhaupt am Platze findet. In die Kategorie der eben gekennzeichneten Unterhandlungen gehört auch die in vielen sonst vorsichtigen Blättern zum Vorschein gekommene Nachricht, daß es der Bermittlung Deutschlands gelungen sei, die zwischen Rußland und England schwebenden Meinungsverschiedenheiten bei» zulegen und eine Verständigung der beiden Mächte anzubahnen. Dem gegenüber sei hier erklärt, daß das Berliner Kabinet weder seine Bereit- Willigkeit zur Vermittlung angeboten hat, noch hierzu von Seiten Ruß- landS aufgefordert worden ist; da keine Verhandlungen geführt wurden und werden, kann auch von keiner Bermittlung die Rede sein. Die Beziehungen zwischen Rußland und Deutschland sind und bleiben die herzlichsten, aber daraus entspringt noch nicht die Nothwendigkeit, daß bei jedem Anlässe und jeder Gelegenheit die guten Dienste angeboten oder gefordert werden müssen. Der Kaiser reiste nicht, um einen Friedensschluß zu erleichtern, zur Armee ab, denn denn wäre dessen Platz eher in Petersburg. Der Kaiser reiste zur Armee, um diese durch seine Anwesenheit zu begeistern Ukd zum bevorstehenden Kampfe zu stärkt». Dre Ankunft des Kaisers an der Donau bedeutet eine neue Phase des Kruges, aber keineswegs die erste Etappe des Friedens- Ein solcher ralin erst in Frage kommen, wenn bissen erste Grundlage: die wieder- tzv.t alS Programm der russischen Regierung und des russischen Volkes verkürchrgte Besetzung Bulgariens, eine buötubete Thatsache geworden s * ”l8 gehören sämmtliche FritdensgÄHie in das Gebiet ? frommer Wünsche und Müßiger Erfindungen. Der dem russischen Ka-- i mnete untergeschobene Grdmke, nach Beendigung des K.ikges dir Zu- i mnft der christlichen Provinzen der Türkei durch einen europäischen f Kongreß bestimmen zu lassen, sonnte an hiesiger leitender Stelle nur -
eine ironische Beurtheilung sieben. Dirs hieße doch nur Rußland zu- muihm zu wollen, daß eS sich entschließe, nach einer mit dem Schwerte erzielten Durchführung seines Programmes sich freiwillig die Hände zu binden und zum Frommen Englands, unengederk der vor- und diesjährigen Erfahrunge., sich auf Gnade und Ungnase dem europäischen Sinverständniß auszuliefern. Die gleichzeitige Anwesenhei; der russischen Botschafter an den Höfen von London, Wien und Bsrliu in Petersburg, hatte krmeSwsßs die Berathung von Mitteln für eine ev-ntuelle Wiederherstellung der Friedens zum Zw ck-; eine solche hätte auch ohne die Botschafter statt finden körnen. Tue Anwesenheit derselben beruhte vielmehr auf dem Wunsche deS Reichskanzlers, sich über die Aussichten des Petersburger KabinetS auf eine aktive etwaige Unterstützung seiner Nachbarstaat n, bz. über die Rußland vi leicht eventuell drohenden Gefahren zu unterrichten. Dasselbe hätte auch durch einen separaten Bericht eines jeden der Bctschafter erreicht werden können. Wenn alle 3 hier gleichzeitig weilten, so liegt die Ursache in den feit Jahnsflist unberücksichtigt gebltebnen Urlaubsgesuchen derselben, die entweder jetzt ober gar nicht auSgeführ t werden konnten."
— Berlin, 12. Juni. Wie nach der Analyse der Gortscha- kow'schen Antwort sogleich vermuthet wurde, soll dieselbe zwar entgegenkommend lauten, aber namentlich wegen der Dardanellen und Konstan« tinopelS durch elastische und vieldeutige Wortfassung jede bindende Verpflichtung vermeiden. Daher der schon gestern erwähnte Zweifel, ob England sich nicht veranlaßt sehen wird, besonders wegen dieser Punkte Vorbehalte zu machen. Rußland hat das vielleicht vorhergesehen und würde dadurch für weitere Operationen Zeit gewinnen. Die im Parlament erwartete Debatte wird darüber aufklären.
— Zunächst für dieses Jahr ist die Einrichtung eines vierwöchent- lichen JnformationS KursuS für Stabs Offiziere der Infanterie bei der Militär-Süießfchule zu Spandau genehmigt worden. An dem Kursus haben je zwei Stabsoffiziere pro Armee-CorpS theilzunehmen. Der Beginn der KursuS hat zum 1. Juli 1877 zu erfolgen.
— Darmstadt, 13. Juni. Heute Morgen um ein halb 11 Uhr verstarb auf seinem Landsitz in Sechetm der regierende Großherzog Lud wig III, geboren den 9 Juni 1806, also eben 71 Jahre alt. Da aus seiner Ehe mit der schon im Jahre 1862 verstorbenen G oßherzogin Mathilde, Tochter des KönigS Ludwig I. von Baiern, keine Kinder entsprossen sind, und da dessen jüngerer Bruder, Prinz Karl, der sonst zur i Erbfolge berufen gewesen wäre, unlängst verstorben ist, so w-rd der älteste Sohn des Letzteren, Prinz Ludwig, geboren den 12. September 1837 und seit dem 1. Juli 1862 vermählt mit Al ce, der Tochter der Königin B ctoria von Großbritannien, den Thron besteigen. Der Tod seines vorgenannten Bruders, des Prinzen Karl, hatte den Großherzog in außerordentlicher Weise erschüttert und blieb nicht ohne Einfluß aus feine Gesundheit, welche ohnehin Lu'ch das älter und Anfänge von Wassersucht gestört war. l»»r» stg.i
— Wien, 12. Juni. Das Hauptquartier der KaukasuSarmee ist nach Mazza verlegt worden.
— Wien, 12. Juni. Telegramm deS „N. W. Tageblattes" aus Cslaiasi: Die Donau ist drei Schuh gefallen. — Turn-S-.v;rin. Das Lager der Türken bei Fiorentin^wird mit passageren Wnken stark befestigt.
— Wien, 12. Juni. Selami Pascha, der bisher amTimor stand, ist mit seiner Armre durch Wrddin marsch t.
— Wien, 13. Juni. Telegramme des „N. W. Tageblatt". Aus Semlin: In Belgrad sind 10,000, in Kragrij vatz 5000 Kann serbischer Truppen ko^zentrüt, es werden fremde Offiziere in die serbische Armee ausgenommen. Der Ausschuß der Zkrpfchtina tagt immanent, derselbe hat behufs Beschaffung vm- Kriegs gelber» eine Reduktion der Beamtengehülte um 30 pCt. vorgefchlazev. — Aus Trieft: Das --.ktion-- comüö in Athm fm.« täglich Waffe« nach Äandia und Th-ffalien; am 10. d. wurden 4000 Brwehre und 12 Kisten Munition nach Ka«' dia geschickt. , st.ÄniJ
Pe st h, 13. Juni. In Regierungskrersen wird der Eintritt