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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.
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M 132.
Freitag den 8. Juni,
1877.
Amtliches.
Vom 1. d. Mts. an ist ein neuer Tarif mit ermäßigten Sätzen für die Beförderung von Steinkohlen und Coakes von Stationen der Rheinischen Eisenbahn nach Sachsenhausen, Offenbach, Mühlheim a. M., Kleinsteinheim und Meerholz zur Einführung gekommen.
Derselbe kann bei den Güterexp ditionen der vorgenannten Stationen eingesehen und durch Vermittelung derselben zum Preise von 10 Pf. pro Exemplar bezogen werden. (3990)
Frankfurt a. M. den 2 Juni 1877.
Königliche Eisenbahn-Directio»._______________
Mit dem heutigen Tage sind birecte Tarifsätze für Holztransporte ab Cham, Passau und Regensburg nach Klein-Steinheim in Kraft getreten. (3991)
Frankfurt a. M den 4. Juni 1877.
_______________Königliche Eisenbahn Direktion.__________
Unter Bezugnahme auf die Bckanntmachung vom 20. März 1877 über daS etatsmäßige Bedürfniß der Stadtkasse an Gemeinde-Umlagen für das laufende Jahr, wird nunmehr veröffentlicht, daß nach dem Ergebniß der Staatssteuer-Veranlagung für 1. April 1877/78 an Gemeinde-Umlagen für die letzten neun Monate des Jahres — April bis Dezember — wiederum 120 Prozent nach der Staats-Klassen- und klassifizirten Einkommen-Steuer, sowie 60 Prozent nach der Staats« Grund- und Gebäude-Steuer erforderlich sind und daß die Stadtkämmerei ermächtigt ist, die Erhebung quartalweise zu bewirken, so daß mit derselben fürs zweite Quartal alsbald vorgegangen, fürs dritte und vierte Quartal aber je in der zweiten Hälfte der Monate August und November begonnen wird. (4011)
Hanau am 5. Juni 1877.
Der Stadtrath.
________________________Cassian._______________________ Tagesschau.
— Berlin, 4. Juni. Nach vielfach verbreiteten Angaben sollen einzelne deutsche BundeSstaaten geneigt sein, die Initiative zur Regelung der Eisenbahngesetzgebung im Reiche zu ergreifen und so also die Bestrebungen zu verwirklichen, welche von der PsSsidialregierung vor 2 Jahrrn unternommen worden, aber an der partikularistischen Opposition bisher gescheitert sind. Wie man hört, haben nun diese neuen Bemühungen lediglich den Charakter eines Meinungsaustausches getragen und nicht weiter geführt, als zu der Erkenntniß, daß man auch jetzt wieder partikular isttschen Bedenken, die freilich von anderer Seite aus- gehen, als früher, gegenübersteht, und zwar mit wenig mehr Aussicht auf Erfolg, als bisher. Die preußische Regierung scheint nach wie vor dir Absicht zu verfolgen, den Schwerpunkt des deutschen Eisenbahnwesens in das preußische Handelsministerium zu verlegen. Eine Umgestaltung des ReiwseifenbahuamtS ist immer noch geplant, doch scheint man über den Umfang derselben noch nicht im Klaren zu sein. — Die Nachricht über den bereits erfolgten Abschluß der Verhandlungen mit Spanien wegen Besteuerung der Deutschen auf Cuba, beziehentlich wegen Erhöhung der dortigen Einkommensteuer um 30 oder 22 Va Prozent, bestätigt sich nicht; Deutschland und England halten an dem Widersprüche gegen die Erhebung einer Kriegssteuer auch in dieser Form fest. (Pr. Bl.)
— B erlin, 7. Juni. Die Feierlichkeiten, unter welchen am 15. v. M. der Durchschlag des Tunnels der Moselbahn bei Cochem, der größten derartigen Bauwerks Deutschlands, erfolgt ist, haben, wie der „R.- u. St.'A." hört, in würdigster Weise ihren Abschluß durch die, in Anerkennung der hohen Bedeutung deS Werkes für die Wohlfahrt des Mosellandes und die Zukunft des Reichs ertheilte Allerhöchste Er- wächtigung gefunden, diesem Tunnel die Bezeichnung „Kaiser Wilhelm- Tunnel" be'l-gen zu dürfen.
, . — Berlin, 7. Juni. Während die pariser Correspondenz der heutigen Times wiederholt, die von Schuwalow nach London über« brächte Antwort Gortschakows nehme eine zeitweilige Besetzung Konstantinopels in Aussicht, meldet ein pariser Correspondent der gestrigen
Jndependauce, Rußland erkläre umgekehrt, daß es Konstantinopel nicht allein, sondern im Verein mit den Mächten zeitweilig besetzen wolle, falls sich dies nöthig erweisen sollte. Eine solche gemeinsame Besetzung solle vorher in einer Conferenz geregelt werden. Man hatte nun zwar bei dem ersten Eintreffen der Timesnachricht sogleich vermuthet, und es war auch in diesen Blättern, so schreibt die „Köln. Ztg.", von hier aus am 3. Juni gemeldet, daß Rußland auf die im vorigen Herbst vorgeschlogene gemeinsame Occupation Konstantinopels zurückkommen könnte. Doch bedarf auch das der Bestätigung und hätte offenbar nur theoretischen Werth.
— Der Strafsenat des Ober-Tribunals hat in der Sitzung vom 2. Mai 1877 in einer Untersuchung gegen den Rittergutsbesitzer v. Ra- zanski zu Padniewo, welcher dem Propst Sukezynski wegen Verletzung des Cöltbats und UebertrittS zu den Altkatholrken ein die Suspension desselben aussprechendeS päpstliches Dekret übermittelt hatte, auSgksprvchen, daß die Ausübung bischöflicher Rechte durch den Papst s-lbft in den erledigten preußischen Bisthümern rechtswidrig nah strafbar ist.
— Der Vortragende Rath im StaatSministerium, Geh. Reg.-Raih Siebemann, welcher kürzlich aus Kissingen zurückjikehrt ist, w rd sich, wie der „Trib." mitgetheilt wird, in vierzehn Segen abermals dahin zum Reichskanzler begehen. Es erh; llt daraus, daß Fürst Bismarck trotz des Urlaubs bezüglich der Geschäfte auch als preußischer Ministerpräsident auf dem Lausenden gehalten wird und in allen wichtigen Fragen persönliche Entscheidung sich vorbehalten hat. Eine der Bistästgung noch bedürfende Nachricht will übrigens wissen, daß der englische Botschafter in Berlin, Lord Odo Rüssel, in Klssigen eins eh offen ist.
— S. M. Aviso „Falke" ist am 6. d. MtS., Mittags, in Ply« mouth eingetroffen und wird nach Einnahme von Kohlen d-m Uebungsgeschwader, welches am Abend desselben Tages Plymouth verlassen hat, nach Gibraltar folgen. — S. M. Kanonenboot „Meteor" ist am 6. Juni cr. in Sunium ««getroffen. — Briefsendungen rc. für S. M. Aviso „Falke" sind, wie für die übrigen Schiffe des Geschwaders, bis inkl. 8. d. Mts. nach Gibraltar, vom 9. bis inkl. 18. d. MtS. nach Malta (via CyakuS), vom 19. bis inkl. 21. d. Mts. nach Port Said, vom 22. bis inkl 26. d. MLS. nach Jaffa (via Trieft), vom 27. d. Mir. bis inkl. 3 /7. er. nach Beyrut (via Marseillr) und vom 4. Juli
! cc. nach Syra zu bitigtren.
— Darmstadt, 7. Juni. Die Darmstädter Zeitung meldet: i Der Zustand des Großherzogs war bis nach Mitternacht befriedigend; dann zeigte sich bedenkliche Schwäche mit Unruhe, stark aussetzendem Puls und Brustbeklemmungen. (»ein. 8tg.)
— Buchsweiler, 4. Juni. Gestern fand dahier eine öff. Versammlung statt, in der August SchneeganS, Kbg. zum d. Reichstage für Zobern, seinen Wählern Rechenschaft über seine Ttzätigküt in der letzten Session ablegte. Die sehr zahlreiche Versammlung zollte der Rede M Abg. ihren wärmsten Beifall und erklärte sich nach dem Elf. I. vollkommen einverstanden mit der (versöhnlichen) Haltung der unter* elsässischm Abg.
— Wien, 4. Juni. Die Friedensgerüchte der letzten Zeit bewegten sich vielfach in falscher Richtung und waren zum Theil stark übertrieben; aber sie hatten, wie der „Schw. Merk" schreibt, infoferne eine thatsächliche Grundlage, als ein d plomatischer Gedankenaustausch stattfand, der, wie man heute sogen zu können glaubt, einen befriedigenden Erfolg hatte und bis auf Weiteres eine Verständigung zwischen England und Rußland herbeiführte. Der Krieg zwischen Rußland und der Türkei ist also keineswegs zu Ende, wohl aber scheint jetzt erst die Gefahr einer Einmischung Seitens einer europäischen Großmacht beschworen worden zu sein. Ob man, wie es Einige thun, daraus schon folgern darf, Rußland habe nun das schon so lange angkstrebte europäische Mandat erreicht, steht dahin. Auch das russisch? Geständniß, der gesammte Welttheil sei berufen, die endgültige Ordnung des OrientS zu bestimmen, kann in dieser Richtung nicht entscheide. Dagegen bezeichnet man nur bte Lesart, daß die in Rumänikn organisirte Bul« garenlegion wahrscheinlich den Grundstock für die künftige Gendarmerie in den christlichen Provinzen der Türkei bilden werde, als keineswegs