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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage,' und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.

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M 131.

Donnerstag den 7. Juni

1877.

Amtliches.

Bruchköbel. Georg Dahmerl. aus Bruchköbel, dessen dermali- ger Aufenthaltsort dahier unbekannt ist, eventuell dessen Rechtsnach­folger haben sich auf die durch Ableistung des Gefährdeeides beschei­nigte Behauptung, daß an ihn diejenigen 342 Thaler 25 Sgr. 9 Hel­ler Kaufgeld, welche ihm die Wittwe deS Lehrers Peter Bröll, Ka­tharina, geb. Demuth, zu Bruchköbel für die ideelle Hälfte von D. 135 Wohnhaus und Stell nebst Hofraum, in der Kellerei 8,4 Rth., Gemarkung Bruchköbel, laut Zuschlagsbescheids vom 15. März 1847 schuldete, bezahlt worden seien, binnen 4 Monaten bei Meidung des Eingeständnisses und Löschung des bezüglichen Pfandeintrags dahier zu erklären. (3959)

Hanau am 1. Juni 1877.

Königliches Grundbuchamt.

___________________ Hahn.______________________

Großauheim. Aus dem Grundeigentyum See CigarrenmacherS Heinrich B ck-r zu Groß anheim findet sich eine DarlehMforderusg von 300 fl laut einer am 6tes Februar 1829 von der Wittwe deS Peter Gadhof, Mananre, geb. Krontnderger, von Großauheim, für den Kaufmann Karl Hochstätter zu Hanau errichteten Schuld- und Pfand- Verschreiburg eingetragen. Letzterer, welcher zweimal verheirathet ge­wesen, ist vrstorben, und hat das Kind desselben auS zweiter Ehe in die Löschung des obigen Pfandrechtes eingewilligt, während darüber, ob und welche Nachkommen aus der ersten Ehe des Karl Hochstätter herstammen, Zuverlässiges sich nicht hat ermitteln lassen.

Es werden daher etwaige Rechtsnachfolger desselben auS dessen erster Ehe hierdurch aufgefordert, sich auf die Behauptung des Heinrich Becker, daß die obige Forderung an 300 fl. durch Zahlung getilgt sei, binnen 4 Monaten bet Meidung des Eingeständnisses und Löschung des PfandeintragS zu erklären.

Binnen gleicher Frist sind etwaige Ansprüche auS der angeblich verloren gegangenen Schuld- und Pfaudserschreibang vom 6. Februar 1829 dahier geltend zu machen, widrigenfalls dieselbe für kraftlos er­klärt werden wird.

Hanau, den 2. Juni 1877.

Königliches Grundbuchamt.

(3963)____________________Hab«.__________________________

Proclam.

Freitag den 8. Juni, Vormittags 11 Uhr, sollen bei dem Amtsgericht, Aolh. II, 1 zwelthüriger Kleiderschrank, 1 Kommode, 1 Sopya, 1 Tisch, 1 Eckschrank, 1 Spiegel, 1 Oelbild. gegen Zahlung verkauft werden.

(3985)________________Bauer, GerichtSbote._____________________

Proclam.

Freitag den 8. Juni, Vormittags 11 Uhr, sollen im Geeichtste kat, Avth. II, 1 Sessel, 4 Stühle^ gegen Zahlung verkauft werden.

(3986)________________Bauer, GerichtSbote._____________________

T a g e s s ch a u.

Die französischen Wirren.

A. d. Schw. Merk.

Die friedlichen Versicherungen, weiche die neue französische Re­gierung freigebig aus gestreut hat, er füllen ihren Zweck noch immer nur unvollkommen, in Italien wie in Deutsch and. Der Eindruck, daß durch die Rückkehr der Männer der moralisch-n Ordnung an die Regierung eine neue Wolke über den europäischen Frieden heraufgezogen sei, hat durch den Gang, den die Dmge seitdem in Frankreich genommen haben, nicht verwischt werden können. Roch immer völlige Unklarheit über das Ziel, wohin die heutigen Machthaber steuern, aber eine zunehmende Verschärfung der Leidenschaften und Parteigegensätze. Niemand hat dem Herzog v. Broglie zugetraut, daß er mit dem festen Programm eines auswärtigen Krieges die Regierung übernommen habe; fein nächster Zweck ist offenbar der, die Befestigung der Republik zu verhindern, ine Wege einer monarchistischen Restauration offen zu halten, im günstigen Fall eine solche Restauration, und zwar wo möglich die der OrleanS herbeizuführen. Allein die Hindernisse, auf welche daS Ministerium !

stößt, der Widerstand der Republikaner, die Aussichtslosigkeit, die mo­narchischen Parteies unter einen Hut zu bringen, schafft einen Zustand der Unsicherheit und Gährung, aus dem daS völlig Unberechenbare sich entwickeln kann. Schon lassen glaubwürdige Privainachrichten den Zu­stand der Dinge in Paris in einem solchen Lichte erscheinen, daß die wahrscheinliche Alternative die sei: Explosion nach innen oder nach außen; ein Staatsstreich oder ein Krieg. Der Vatikan scheint mit wachsender Zuversicht auf die letztere Eventualität zu rechnen; die Rath­geber Mac Mahons mögen, so lange sie die Wahl haben, die erstere vorziehen, als ungleich besseren Erfolg versprechend. Allein Beachtung verdient doch, daß, während der Herzog v. DkcazeS nach Kräften zu beschwichtigen sucht, die Boschibozrkr der moralischen Ordnung anfangen sehr ungenirt und sehr unvorsichtig mit den auswärtigen Beziehungen Frankreichs sich zu beschäftigen. Blätter, wie Figaro, Patüe und Paris-Journal, also die Verbündeten der Regierung, geben so wüt, Thiers, dessen Namen die Republikaner als gemeinsame Fahne wieder aufgtftedt haben, eines verbrecherischen Verkehrs mit den fremden Bot­schaftern, also der Verschwörung mit dem Ausland zu bezichtigen und ihm mit dem Gefängniß von MazaS zu drohen. Die Amt^zig. hat sich bereits ^u einer Warnung an diese Heißsporne der P esse veranlaßt giften, und D-cazes hat sich selbst zu einem Besuch bei dem russischen Botschafter entschlossen, um sein Bedauern über die Taktlosigkeiten der reaktionäre« Blätter auSzudrücken, welche sogar eine angebliche Konfe­renz des Grafen Orloff mit Gambetta im Hause deS alten Thiers de- nunznt hatten. Dieses Hinüberspielen der inneren Händel in die aus­wärtige Politik ist in der That ein bedenkliches Anzeichen, und man kann nur wünschen, daß die jüngsten Warnungen der Post und der Nationelztg. beherzigt werden mögen. Dauert in den der Regierung nahestehenden Blättern eine Polemik dieser Art fort, so setzt sich dar Ministerium der Gefahr einer zweideutigen Mitschuld aus. Mögen die Franzosen ihre inneren Händel unter sich ausmachen, Niemand stört sie in dieser Beschäftigung; aber sie werden klug daran thun, wenn sie da­bei ihrerseits das AaSland auS dem Spiele lass n, damit die auswär­tigen Beziehungen Frankreichs nicht noch mehr kompromittirt werden, als sie eS seit dem 16. Mai ohnehin schon sind.

— Berlin, 5. Juni. Nach einer osfiziösen Meldung hat daS ReichSkanzleramt Anordnungen erlassen, um die strenge Beobachtung der für die Ertheilung deS Qualifikationsattestes zum einjährigen Früwil- likendienst geltenden Vorschriften zu sichern, und der Kultus Minister hat demgemäß auch seinerseits Bestimmungen in tiefem Sinne getroffen. Demnach soll auf den Lehranstalten, auf welchen jetzt schon die Ein­richtung best ht, die Ertheilung dieses Zeugnisses von der Ablegung einer schriftlichen und mündlichen Prüfung abhängig zu machen, diese Einrichtung fortbestehen; sonst aber bei Ertheilung des Zeugnisses nach den Grundsätzen verfahren werden, welche für daS Verfahren bei Ver­setzungen maßgebend sind. — Der Kaiser ist mit dem Kronprinzen und dem Prinzen Albrecht H ute Nachmittag um 2 Uhr nach Lregnitz zur Theilnahme an der JubiläumSfiier seines LeibregimentS abgereist und wird morgen von dort zurück^rwartet. Am Donnerstag begeht der Kai­ser mit der gesammten hier, beziehungsweise in PotSdam, zur Zeit an­wesenden kaiserlichen Familie den Sterbetag seines Vaters, KönigS Friedrich Wilhelm III., durch eine stille Feier im königl. Maufolrum zu Charlottenburg. Die Abreise deS Kaisers nach EmS ist vorläufig auf den 14. d. M. Abends festgesetzt. In dem Badeorte ist man mit Vorbereitungen zum Empfang und mit allerlei Festlichke ten zu Ehren des Mo.,archen, u. A. mit Veranstaltung einer Regatta, beschäftigt. — Die BundeSrathS-Ausschüsse für Rechnungswksen rc. gedachten heute die Angelegenheit wegen Erweiterung deS provisorischen ReichStagSgebäudeS zum Abschluß zu bringen. Es wird uns bestätigt, daß die sommerliche Vertagung des BundeSratheS sich kurze Zeit verzögert, um die Vorbe- rettungkn zu beenden, welche sich auf ein Gesetz bezüglich her Ueber­nahme von Stempelsteuern auf taS R ich beziehen. Man erfährt hier­über, daß die Anregung dazu bei dem MeinungSamtausch über die Mittel zu der allseitig als nothwendig anerkannt n Ve Mehrung der eigenen Einnahmen des Reiches erfolgt sei, und man habe mit der be* Mischen Vorlage deßhalb schon jetzt einen Anfang gemacht, weil man mit Derselben bereits vor Jahr und Tag vorzugey-n entschlossen war