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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.
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JE 129.
Dienstag den 5. Juni.
1877.
Amtliches.
Die Witwe des SchreinermeisterS Adam Pfeil, Margaretha, geb. Waller, von hier, hat um Trtheilung eines Reisepasses nach Amerika für sich und ihre Töchter Louise und Helene gebeten.
Hanau am 2. Juni 1877.
Der Landrath.
Sefusde»: Eine Pferdedecke. Ein Strohhut. Ein Schraubenschlüssel. Ein wollenes Umstecketuch. Ein kleiner eiserner Weisel. Ein Waschschwamm. Ein rothkarrirteS neuer Halstuch. Ein neues Messer. Eine weiße Schürze.
Zugelaufen: Ein S-idenpinscher, weibl. Geschlechts.
Hanau am 5. Juni 1877.
______________Köni^l. Landrath?amt._______________________
Proclam.
Hanau. Auf den Antrag eines Pfandglärb'gerS ist der Zwangs - verkauf nachstehend beschriebenen, den 3 Kindern des Joh. Georg Weinig, Joh. Konrad Sohn zu Hanau. nämlich, 1) Joh. Paul Peter, 2) Joh. Geokg Konrad, 3) Anna Katharina Regine Weinig, zustehenden Grundvermögens, belegen in Althanau:
Brandversich..Nr. 2 der Marienkirchgasse:
G. 37 2 Ar. 34 LHM. a) WohnhauS mit Anbau links, sowie Thorsahrt und Hofraum,
b) Hinterbau, erkannt und zum Vollzug erster Termin auf
den 2 6. Juli d. I., eventuell zweiter auf
den 23. August d.ZJ., höchsteventuell dritter auf
den 20. September d. I.,
jedesmal Vormittags 9—10 Uhr, an GerichtSstelle anberaumt worden.
Etwaige sonstige Hypothekar. Gläubiger werden aufgrfordert, ihre Ansprüche im ersten der obigen Termine beim Rechtsnachtheil der Ausschließung anzumelden und zu begründen.
Hanau, den 25. Mai 1877.
Königliches Amtsgericht II.
Kule nkamp.
(3768) yt. Winkler.
Tagesschau.
Zur politischen Lage.
A. d. Schw. Merk.
In Konstantinopel ist in Folge des Vordringens der Russen eine ungeheure Aufregung entstanden, die nach den neuesten Berichten noch im Wachsen ist. Eme förmliche Rkvolution wird von dort gemeldet. Die SoftaS sind in d-n Sitzungssaal der Abgeordneten eingedrungen und haben dort und vor dem Palast des Sultans die Absetzung gewisser Minister, die Rückberufung Midhat Paschas und Anderes verlagt. Der BelagkrungSzustand ist über die Hauptstadt verhängt; der Sultan selbst scheint sich in seiner Residenz unsicher zu fühlen. Derartige Wirren im Mittelpunkte des Reiches sind natürlich nicht geeignet, die Widerstandskraft der Regierung zu stärken, können vielmehr nur dazu diene», die Auflösung, in der sich das osmanische Reich sichtlich befindet, zu beschleunigen. Glücklicher Weise tragen fie andererseits auch dazu bei, die Einigkeit der fremden Mächte unter einander zu befestigen. Diese werden durch die Gefahren, von denen das Eigenthum und Leben der Ehrrsten seitens der satanischen Mohamedaner bei weiteren Niederlagen türkischen Truppen bedroht wird, von selbst veranlaßt, sich zum Schutz ihrer Staatsangehörigen und zur Aufrechterhaltung der Ordnung überhaupt enger an einander zu schließen. Außerdem tritt gegenwärtig noch ein anderer Umstand hinzu, um das Mißtrauen der übrigen Mächte gegen Rußland abzuschwächen. Ihr Mißtrauen gründete sich bisher vornehmlrch auf die Befürchtung, daß die panslavistifche Strömung in Rußland schlttßuch die Oberhand gewinnen und selbst die R-girrung ä über ihre ursprünglichen Ziele hinaustreiben würde. Diese Befürchtung i
wird aber durch das neuerliche Auftreten anderer als slavischer Elemente entschieden in den Hintergrund gedrängt. Nachdem Rumänien sich von der Pforte unabhängig erklärt und den Krieg gegen dieselbe untern om- men hat, macht sich jetzt auch das Hellenenthum bereit, in die Lknon mit einzugreifen. Wenn eS sich aber zeigt, daß die im Orient bevorstehende gründliche Aenderung des j tzigen Zustandes nicht blos den Slaven, sondern auch den von ihnen grundverschiedenen rumänischen und griechischen BolkSstämmen zu Gute kommen wird, so werden sich auch die übrigen Wächte mit dem Lauf der Dinge mehr und mehr auSsöhnen. In der That gestaltet sich das Verhältniß der Mächte zu Rußland all- mälig freundlicher. DaS entgegenkommende Verhalten des letzteren gegen die Wünsche Oestreichs in Bezug auf Serbien und die Donauschifffahrt wirkt auf dieses ebenso anziehend, wie die Sprödigkeit der Pforte in Bezug auf die genannten Punkte abstoßend. Ein etwaiger Versuch der Serben, sich an dem Kriege von Neuem zu betheiligen, wird von Oestreich unter dem EUnverständnisse Rußlands mit der Besetzung des Landes beantwortet werden. Offiziös wird selbst von östreichische« Seite zugrgtben, daß man gewisse Abmachungen mit Rußland getroffen habe, welche später vollständig an die Öffentlichkeit treten würden und an denen auch die Ungarn mit aller ihrer Ruffevfeindschaft Nichts mehr ändern könnten. Auch England scheint sich mehr und mehr mit dem Lauf der Dirge zufrieden zu geben. Die B.mühungen des Fürsten BiSmarck, eine Verständigung zwischen den beiden rivalistrenden Reichen herzustellen, sind nicht erfolglos geblieben. Will Rußland Nichts dawider hab?n, wenn England sich den Seeweg nach Jndi n durch Ankauf des Suezkanals oder gar durch Erwerbung der Oberhoheit über Egypten zu sichern sucht, so will dieses sich auch das Vordringen Rußlands in Asien bis zu einem gewissen Punkte gefallen lassen. Konstantinopel bleibt freilich nach wie vor der bedenklichste Punkt. 8brr wer weiß, ob sich dort nicht gerade im Verlauf der zu erwartenden Katastrophe ein Umschwung der Dinge vollzieht, mit dem England ebensowohl wie Rußland einverstanden sein kann? So läßt sich den« die allgemeine politische Lage im gegenwärtigen Augenblick freundlicher an, als vor dem AuSbruch des gefürchteten Krieges. Sie scheint augenblicklich um so weniger gefahrdrohend für den Weltfrieden, als die französische Regierung gegenwärtig im eigenen Lande allzusehr beschäftigt ist, um sich in auswärtige Abenteuer stürzen zu können.
— Der Sträflichter ist, nach einem Erkenntniß des Ober-Tribu- nals vom 19. April 1877, befugt, ärztliche Atteste, daß der Angeklagte durch Krankheit am Erscheinen im Termine verhindert sei, nur dann für ausreichend zu erachten, wmn dieselben von einem KreisphysikuS aukge- stellt sind. Leistet der Angeklagte einer bezüglichen richterlichen Verwarnung keine Folge, sondern reicht er zur Begründung der beantragten Ansehung eines neuen Termines das Attest eines Privatarztes ein, so kann der Richter zu dem Kontumaz'alvrrfahren übergehen.
— In den deutschen Münzstätten sind bis zum 26. Mai 1877 geprägt worden an Goldmünzen: 1,097,726,155 Mark Doppelkronen, 338,130,500 Mk. Kronen; 1,986,970 Mk. halbe Kronen; hiervon auf Privatrechnung: 171,449,334 Mk.; an Silbermünzen: 71,653,095 Mark 5-Markstücke, 94,827,308 Mk. 2-Markstücke, 143,512,165 Mk. 1-Markstücke, 57,640,572 Mark — Pf. 50-Pfennigstücke, 35,717,922 Mark 80 Pf. 20-Pfennig stücke; an Nickelmünzen: 23,502,530 Mark 70 Pf. 10-Pfennigstücke, 11,657,813 Mk. 75 Pf. 5-Pfennigstücke; an Kupfermünzen: 6,211,177 Mark 44 Pf. 2-Pfennigstücke, 3,382,722 Mark 43 Pfennig 1-Pfennig stücke. Gesammtausprägung: an Goldmünzen: 1,437,843 625 Mark; an Silbermünzen: 403,351,062 Mark 80 Pf.; an Nickelmünzen: 35,160,344 Mark 45 Pfennige; an Kupfermünzen: 9,593,8^9 Mark 87 Pf.
— Ueber Gambetta und seine Armeen hatte der Havp'manu v. d. Goltz vom Großen Generalstab in den Jahren 1874 und 1875 in den Preuß- Jahrb. eine Reihe von Auf ätzen veröffentUcht, welche durch die entschiedene Anerkennung des Organisation Nalents Gambettas einiges Aufsehen machte. Jetzt hat derselbe B»xf. »,efe Aufsätze erweitert und in Buchfmm herausgegeben. In der Borreve sagt er, er habe bei seiner