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HlMUmTilMn.
Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.
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> 126.
Freitag den 1. Juni
1877.
Amtliches.
Der Cigarrenmacher Theodor Alexander Kopp von Kleinkrotzen- bürg hat seine der Unterstützung bedürftige hier wohnende Familie heimlich verlassen. — Um Nachricht über dessen Aufenthaltsort wird ersucht.
Hanau am 29. Mai 1877.
Der Landrath.
Am 14. Januar d. I. wurden im Marn bei GrieSheim 2 Boden Holz gekündet, worauf Bretter mit KieS und Sand lagen, wie bei Baggerschiffen. — Der Eigenthümer wird aufgefordert sich binnen 14 Tagen bei Königlichem Amte zu Höchst am Main zu melden, Widrigenfalls das Holz dem Finder überlassen werden wird.
Verloren: Ein Packet s. g. Schneideeisen.
Gesimsen: Ein Bilderbuch, „Struppespster". Ein Schiebekarren, bei der Herrnmühle gelandet. Ein glves Taschentuch.
Hanau am 1. Juni 1877.
______________________Kö«ioliebes Landrathsamt.______________________
Submission.
Arbeiten und Lieferungen im LandrathSamtS-Gebäude hier, zu ca. 6000 Mk. veranschlagt, sollen in öffentlicher Submission vergeben werden.
Unternehmer wollen ihre Offerten bis zum 12. I uni c., Vormittags 11 Uhr, portofrei und versiegelt mit der Aufschrift „Arbeiten im Landrathsamts Gebäude" an den Unterzeichneten erreichen, zu welcher Zeit die Eröffnung der Submission im Amtslokal Neue Anlage 5a statt findet. ,
Auch liegen daselbst Anschlag, Bedingungen und Zeichnungen zur Einsicht offen.
Hanau, den 29. Mai 1877.
Der Königliche Bau-Inspektor
(3769)____________________ Grau._______________________
Tugesschau. Zeitb etrachtung e«.
A. b. Schw. Merl.
Man hört und liest öfter den Ausdruck des Erstaunens, daß die Türken in diesem Stiege nicht dieselbe Zähigkeit bei Vertheidigung ihrer Festungen zeigen, wie in früheren Kriegen, insbesondere noch 1854 in Silistria. Das letzte Beispiel paßt nicht ganz, denn hinsichtlich der tapfern Vertheidigung dieser Festung, an welcher der Preuße Grach so großen Antheil hatte, war das letzte Wort noch nicht gesprochen. Allerdings mußten die Russen am 21. Juni 1854 die Belagerung von Silistria aufheben, aber sie wären wohl wiedergekehrt, wenn nicht die östreichische Sommation in Folge des östreichisch-preußischen Vertrags vom 20. April 1854 sie genöthigt hätte, in der zweiten Hälfte des Juli desselben Jahres die Fürstenthümer zu räumen. Es scheint, daß man bei dieser Exemplifizirung, welche wesentlich auf die Jahre 1828 —29 und früher zurückgeht, die ungeheueren Fortschritte des Artillerie- wesenA übersieht. Gegen die starken Mauern und Erdwerke waren die alten Geschütze von geringer Wirkung und vollends über die Donau trugen sie nicht. Anders ist es mit den jetzigen Riesengeschützen, welche mcht nur die Mauern, sondern jede Unterkunft in einer türkischen Festung zu zerstören vermögen. In der That scheint nach den neuesten Nachrichten die russische Heeresleitung die Absicht zu hegen, die Festungen Rustschuk, NikopottS und Widdin durch Beschießung vom an« Donauuser aus zu zerstören und so die Verluste des Sturmangriffs sich zu ersparen.
25 Mai 1877 "^'" “’ ^'"A"^ Nr. 125 enthält: Patentgesetz vom
~ Berlin, 29. Mai. Ein Artikel der Nat.-Ztg. aus Rom ausgefallen und abgedruckt worden. Derselbe hat ohne Zwerfel in so fern das Rechte getroffen, als er die Krise in Frankreich als Ergebnlß u tramontaner Machinationen hinstellt. Wenn aber dem Cardinal-Staatssekretär Simroni eine ganz besondere Thätigkeit zuge
schrieben wird, so scheint der Korrespondent zu vergessen, baß die Sache abgemacht war, bevor Rom den Feldzugsplan feststellte, wie er selbst berichtet. Wir berühren übrigens den Artikel aus anderen Gründen. Er stellt England als gewonnen dar durch die Russenftindlichkeit des Papstes. Die Curie srecht dieses Ziel zu erreichen, wie die jüngste Schmeichelnde Pius' IX. an die englischen Pilger verrath. Indessen haben wir vor der Hand noch nicht die Besorgniß, daß England der i Curie sich so leicht zu Diensten gewinnen ließe. Neben Engiend w^r- s den Oesterreich und Bayern als die der Curie bedingt zur Seite steh n- 1 den Mächte hingestellt. Die Fürstin Hrlene von Taxis, Schwester der j Kaiserin von Oesterreich, soll geplaudert haben, daß Graf Coronim eine ; wichtige Mission beim Papste habe. Der ganze Zweck der Thätigkeit j der Curie sei Deutschland zu isoliren. Wir sind vollkommen überzeugt, s daß dieses Ziel her Curie vorschwebt, wir freuen uns, daß die Sorte» s spondenz entschieden vor Geringschätzung des FrindeL warnt. Auch sind die aristokratischen Damen, welche Rom besuchen, nicht aus dem Auge zu lassen; von je haben dort solche viel vermocht. Wenn der Jesuiten- generül Pater Rothan bei Gregor XVI. einmal ein ganz besonderes Anliegen hatte, bediente er sich einer bekannten peußischen Emmtitn, welche- in Rom lebte. Die Erbprinzessin Thmn und Taxis ist die aus- gesprochene Gönnerin der Jesuiten und ultiamoutan in der Wolle gefärbt. Mehr aber als Mittelsperson wird sie nicht sein. Die Kais? in i von Oesterreich hat noch nie politischen Einfluß zu üben gesucht, sie ist | nicht in die Fußstapfen ihrer Schwiegermutter getreten. Rom hat von | Seiten Oesterreichs ohnehin keinen Widerstand zu erwarten. Sollt: aber mehr V0K der Curie beansprucht werden, so mühten, wir doch bezweifeln, daß Graf Audrassy sich dazu hergäbe. Eine direkte klerikale Politik ist in Oesterreich augenblicklich nicht möglich; die Lage, welche der Krieg geschaffen, verbietet zudem jede berattige Thätigkeit, selbst Wenn ein anderes Ministerium hüben und drüben wäre. Bayern wird für die Jsolirnng Deutschlands keine Stütze abgeto; als Versuchsstation ist es der Curie freilich werthvoll. Wir können nach Allem in dem, was die Curie plant, kein? direkte Gefahr für Deutschland erblicken. Aber es ist gut, die Augen offen zu halttn. Was die Klerikalen in Frankreich fertig gebracht haben, was sie überall laut fordern, muß uns täglich das Bewußtsein lebhaft erhalten, daß wir einen Feind in unserer Mitte haben, von beffen Schritten wir keinen ignoriren dürfen. Das allmähliche Unterwühlen der Grundmauer bringt ein Gebäude sicher zum Falle. Darauf geht die Curialpolitik hinaus. (»st* stg j
— Als Nachfolger des Hrn. v. Perglas, bisherigen bayerischen Gesandten in Berlin, soll der bayerische Geschäftsträger in Paris, Geh. Legationsrath v. Rudhart, in Aussicht genommen sein, eine Nachricht (sagt die Nat.-Ztg.), die, wenn sie sich bestätigt, in allen Kreisen, die treu zum Reiche halten, den befriedigendsten Eindruck machen wird. „Daß Herr v. Rudhart in Berlin persona gratissima sein würde, darf keinen Augenblick bezweifelt werden, erfreut sich derselbe doch auch in Paris des- vollsten Vertrauens des Botschafters des Reichs, des Fürsten v. Hohenlohe," Herr v. Perglas soll des neuen politischen Entwickelung Deutschlands nicht so ganz zugethan sein.
— Der österreichische „Volksfreund" und nach ihm andere Blätter haben angeblich aus guter römischer Quelle über ein Gespräch berichtet, welches ein preußischer Prinz, der in der betreffenden Korrespondenz bald Prinz Friedrich Carl, bald Prinz Carl genannt wird, aus einem Diner des Kaiserliche» Botschafters von Keudell am 10. d. M. in Gegenwart fremder Diplomaten mit italienischen Ministern über die deutsche Kirchenpolitik geführt habe. — Se. Königliche Hohsit der Prinz Friedrich Carl hat Sich bekanntlich zu der angegebenen Zeit nicht in Rom befunden. Se. Königliche Hoheit der Prinz Carl hat während Seines Aufenthaltes in Rom nur einmal in der Botschaft binirt; ei hat an dieser Gesellschnft weder ein italienischer Minister noch ein fremder Diplomat Theil genommen, und Se. Königliche Hoheit hat, wie wir zu erklären in den Stand gesetzt sind, weder bei dieser, noch bei irgend einer anderen Gelegenheit mit einem aktiven oder früheren italienischen Minister ein Gespräch über den sogenannten Kulturkampf geführt. (s.«. 6^«a6.