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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.

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Sie Sspalt. Zeile 20 Psg.

DieSspaltigeZeil» 30 Psg.

M 125 Donnerstag den 3L Mai

1877.

Amtliches.

Bewerber um die neu gegründete 4te Schulstelle zu Bergen, mit welcher ein Diensteinkommen von 900 bis 1080 Mark neben 210 Mark EntschädiZuvg für Wohnungsmiethe und 90 Mark für Feuerung ver­bunden ist, wollen ihre Gesuche baldigst bei dem Schulvorstande ein- reichen.

Hanau am 23. Mai 1877.

__________________________D-r Landrath.___________________________

Es wird ergebenst um Mittheilung des Aufenthaltsort des Hein- rich Cäsar von Bruchköbel ersucht.

Hanau am 29. Mai 1877.

Der Polizei-Anwalt

_____Scholling. __________

Tsgesschau.

DerR. u. St.-A" Nr. 124 enthält: 1) Gesetz, betreffend die Kontrole deS ReichShaushalts für die Rechnunflspuiode vom 1. Ja- iruar 1876 bis Ende März 1877 «nd des Landeshall!! Halts von Elsaß- Lothringen für das Jahr 1876. Vom 22. Mai 1877. 2) Gesitz, be- treffend die Erwerbung von zwei in Berlin gelegenen Grundstücken für das Reich. Bom 23. Mai 1877.

DaS Patentgesitz ist von Sr. Majfftät dem Kaiser am 25. Mai vollzogen worden und wird in der Heut ausgegebenen Nr. 23 des Reichs G setzblattS" publizirt.

Der Nachricht einiger Blätter gegenüber, der zufolge S. M. der Kaiser wegen der politischen Verhältnisse auf den Kurgebrauch in Ems verzichtet, bezw. daß die Reise Sr. Majestät nach Ems verschoben worden sei, meldet dieN. Pr. Ztg.":In Wirklichkeit sind für die Reise nach Ems noch keine ganz festen Bestimmungen getroffen, weil die Beschlußnahme darüber von der Entscheidung abhängig ist, ob Se. Maj. der Kaiser und König auch den hier und in der Nähe von Pots­dam stattfindenden Kavallerie-Uebungen beiwohnen wird. Verbleibt Se. Majestät zur Abhaltung dieser Truppenbesichtigungen noch hier, so er­folgt die Abreise nach Ems erst in etwa vierzehn Tagen." (Xrtw

Berlin, 29. Mai. Wie diePost" hört, befindet sich der Geh. Regierungsrath Tiedemann, vortragender Rath im StaatS-Mini- sterirm, seit einigen Tagen zur Dienstleistung beim Fürsten Bismarck in Kissingen. Es scheint demnach, daß die Thätigkeit des Reichskanz­lers auch während seiner Beurlaubung nicht nur durch auswärtige An­gelegenheiten, sondern ebenfalls dmch wichtige Fragen der innern Politik in Anspruch genommen wird.

Berlin, 28. Mai. Die Nachrichten vom Kriegsschauplatze find ohne größere Bedeutung. Entscheidende Schläge werden vielleicht wirklich erst im Juni erfolge«. Man zweifelt nicht mehr, daß die Rus- M, wenn auch mit einigen Opfern, den Uebergang über die Donau bald bewerkstelligen werden, zumal die Vernichtung des zweiten türki- schen Monitors die Voraussicht der Hindernisse, welche die türkische Flotille bereiten sollte, mehr und mehr einschränkt. Die gegen die mangelhafte Kriegführung in Konstantinopel gerichtete Bewegung wird schwerlrch einen Umschwung zu Gunsten der Türken erzielen. Dieselbe 'll, wie die letzten Nachrichten bestätigen, hauptsächlich gegen den Groß-

Artillerie, Mahmud Damat, sowie den Kriegsminister ge- k'chtet, die beschuldigt werden, daß sie sich mehr mit Palastintriguen alS mit der Armee beschäftigen. Man macht sie auch namentlich für k«».-, ^^""ü Mukhtar Paschas in Asien verantwortlich, dessen Un- n '^^r in dem Kampfe mit Montenegro sich bewährt hat. Das alles kam in der Kammer zur Sprache, die auch den Unterschleifen zu i-nbe gmg. Durch diese Haltung des Parlaments soll der Belagerungs- zustand hervorgerufen sein, und es fragt sich, wie lange solche Gewalt- mmel auSrelchen werden. Man nimmt übrigens an, daß die Verkün- dtgung iener Maßregel die Kapitulationen unberührt ließ. Was die Veränderungen in Konstantinopel angeht, so stellen Telegramme, die auerdmgs noch der Bestätigung bedürfen, die Position Edhem Paschas £ W^t dar. Der Großvezir ist befähigt und hat gute Absichten, aber es fehlt ihm die nöthige Energie. Der angeblich als sein Nach- ;

folget bezeichnete Reuf Pascha ist Marineminister und gehört mit dem früheren Mehemed Ruschdi Pascha, dessen Wiedereintritt in die Geschäfte dieselben ZeünngSnachrichten ankündigen, zu den Anhängern Mit-Hat«, dessen Partei ersichtlich in den Vordergrund tritt. Das alles bebarf allerdings der GsstötigANss.

Berlin, 30. Mai. In unterrichteten Kreisen wird die Be­rufung des früheren Minister-Präsidenten Kumunduros alS ein »er« stärkter Beweis angesehen, daß Griechenland keineswegs eine Betheik- gutfg an bem Kriege gegen die Türkei beabsichtigt. Die Blätter ver­wechseln fortwährend die Inten tonen der griechischen Regierung mit der eiwanigen spätern Activ« der griechischen Provinzen der Türkei. imeStt-j

Ja Berliner Blätter« war in letzter Zeit mehrfach von Aeu­ßerungen die Rede, welche Feldmarschall Moltke kürzlich über den Mf« auSfichtlichen Verlauf des türkisch, russischen Kri-ges in eirrem diplo­matischen ZnU gemacht habe. Das Berliner Tagebl. Seyauptet nun in der Lage zu sein, eine genaue Mittheilung über das Urtheil, welches Graf MoUke gefällt hat, machen zu können. Moltke, so erzählt daS Blatt, befand sich auf einer diplomatischen Soiree, alS ihn ein bekannter Staatsmann ziemlich resolut zum Sprechen bewog, indem er direkt fragte:Herr Feldmarschall, es gibt Leute, welche an ein rasches Ende des Krieges glauben, welche sich einbilden, daß Rußland ein glückliches Sadowa erringen wird, sobald seine Truppm nur die Donau über­schritten haben. Was halten Sie von dieser Ansicht?"Es ist nicht die meint ge", antwortete Moltke,Sie wissen besser als ich, was die Diplomatie kann und will, aber vom strategischen Gesichtspunkte beur­theilt, bin ich jetzt, wie schon immer, der Meinung, daß wir uns vor einem Kriege befinden, der langsam sich aSwickeln wird. Es wird sehr f viel Z it vergehen, bevor die Russen trotz all des Guten, was man von ' ihrer Armes wie von einzelnen ihrer Führer zu sagen weiß, die Türken besiegt haben. Allerdings präsentirt sich diesmal die Kampagne für Rußland günstiger als im Jahre 1828, aber Rußland wird sehr viel Glück, sehr viel Geschick, sehr viel Geduld und sehr viel Geld brauchen, um über seine Feinde zu triumphiern. Ich habe keine Illusionen, und Diejenigen, welche an einen schnellen Vormarsch aus Kovstantinopel glauben, werden sich wohl schließlich dazu verstehen, ihren Hoffnungen Zügel anzulegen. Auch bin ich überzeugt, daß man im russischen Haupt­quartier gleichfalls davon überzeugt ist, welche Schwierigkeiten und Hindernisse zu bewältigen sind und wie langsam dieselben bewältigt werden können, ehe ein entscheidender Sieg fällt."

Die durch die Novelle vom 26. Februar 1876 in das Straf­gesetzbuch aufgenommene neue Bestimmung, daß eine vorsätzliche, leichte Körperverletzung mittelst einer Waffe, insbesondere eines MrsserS oder eines anderen gefährlichen Werkzeuges mit Mfängnißstrsfe nicht unter zwei Monaten zu ahnden fei, findet, nach einem Erkenntniß des Ober- TribunalS, vom 20. April, auch auf eine Verletzung durch einen Stein« wurf, durch einen Knittel v. dgl. Anwendung, falls der Richter in dem einzelnen Falle den Stein resp. Knittel als ein gefährliches Werkzeug qualifizirt.

Briessendungen rc. für S M. SchiffeKaiser",Deutsch­land",Friedrich Karl" undPreußen", sowie für S. Maj. Aviso Falke" sind vom 29. d. Mts. ab nach Plymouth, diejenigen für S. M. S.Victoria" nicht, wie früher bestimmt, nach Smy^na, sondern nach Port Said zu dirigiren.

Metz, 27. Mai. Die am vergangenen Pfingstmontag in dem benachbarte» Ranch vorgekommenen Mißhandlungen hiesiger Einwohner bildet gegenwärtig daS Tagesgespräch. Bon französ. Seirs wird be­hauptet, daß die Mißhandelt n, bereit Verletzungen übrigens nicht ge­fährlich sind, durch ihr herausforderndes Benehmea an verschiedenen Orten, zum Theil selbst noch im Pferdebahnwagen, den Pöbel aufge­reizt haben. Was daran Wahres ist, wird die Untersuchung ergeben, welche bereits eingeleitet wurde. Daß übrigens unter der Bevölkerung der französ. Nachbar stützte seit einiger Zeit eine erregte Stimmung herrscht, konnten nach demSchw. Merk." sämmtliche Touristen bestä­tigen, welche m den letzten Tagen nach Narch oder Pont-a-Mousion kamen. In letzterer Stadt wurden z. B. am Pfingstsonntag zwei