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M 120.
Freitag den 25. Mai
1877.
Bestellungen auf den Hanauer Anzeiger für den Monat Juni werde» von allen Postaustalte», sowie von der Expedition, Waisenhaus, Hammergaffe Nr. 9, entgegen- genommen.
Nen zutretende Abonnenten erhalten die als Beilage zum „Hanauer Anzeiger" ausgegebeue Karte des russisch-türkische» Kriegsschauplatzes gratis «achgeliefert.
Amtliches.
Vom 1. Juli cr. ab treten für den Mitteldeutschen bezw. Badisch- Mitteldeutschen Eisenbahn-Verband theilweise erhöhte Fahrgeld-Beträge in Kraft. Der neue Tarif kann auf den Verbandsstationen eingesehen werden. (3619)
Frankfurt a. M. den 17. Mai 1877.
_______________Königliche Eisenbahn Direction.________________
Vergleichs-Sescheid
den Konkurs über das Vermögen des Zimmermanns Andreas Bauer zu Großauheim betr.
Wird der im Termin am 17. d. M. abgeschlossene Vergleich:
1. die Hypothekargläubiger lassen ihre Forderungen unter der Voraussetzung pünkltcher Zinszahlung zehn Jahre unge- kündigt stehen, während die sonst bevorzugten Gläubiger alsbald bezahlt werden,
2. die übrigen Gläubiger (Chirographarien) erhalten fünfzig Procent ihrer betreffenden Forderungen in zehn Jahresraten, wovon die erste Michaeli d. I. fällig ist, ohne Zinsen zu ihrer völligen Arfindung, in Erwägung,
daß dem die Hypothekargläubiger betreffenden Stundungsvertrag die die Mehrheit bildenden Gläubiger Adam Bauer und Herz Waller zugestimmt haben, ihre Entscheidung also bindend ist für die Minorität,
daßxfferner die Mehrzahl der im Termine erschienenen Chirographargläubiger dem sie betreffenden Nachlaßvertrage zugestimmt haben, hiermit gerichtlich bestätigt und werden sämmtliche Gläubiger für daran gebunden erklärt. (3611)
Hanau den 23. Mai 1877.
Königliches Amtsgericht II.
Ku l enkamp.
Begl. Winkler.
Samstag den 26 Mai, Vormittags 11 Uhr, sollen im hiesigen Gerichtsgebäude nachfolgende Gegenstände meistbietend gegen Baarzahlung verkauft werden: 2 Kommoden u. 1 Spiegel. Hanau den 24. Mai 1877. (3623)
Kämpfer, Exekutor.
Proclam.
Samstag de» 26. Mai, Nachmittags 2 Uhr, sollen m der Behausung des Adam Lückhardt, Grimmstraße, die zu ^m Concurs des Joh. Heinrich Eiring von Höchst a. M. gehörigen Gegenstände meistbietend gegen Baarzahlung verkauft werden. Hanau den 24. Mai 1877. (3624)
___________________Kämpfer, Exekutor. _____________:
Die Lieferung von 5 eisernen Fensterläden an das städtische Archiv, nach den auf dem Stadthaus einzusehenden Bedingungen, wird
hiermit zur Submission gestellt und wollen die Submittenten ihre Forderungen bis zum 2. k. Mts., Nachmittags, verschlossen abgeben. Hanau am 24. Mai 1877. (3626)
Der Oberbürgermeister Cassian.
Tagssschau.
Die Lage i» Frankreich.
A- d. Schtv. Merk.
Paris, 22. Mai. Die letzten politischen Ereigniffs und die einander so durchaus widersprechenden Kommentare zu denselben seitens der Presse und des Publikums zeigen, daß Frankreich jetzt weniger als je weiß, wohin es stört. Die konservativen Blätter strengen sich fast einmüthig an, zu beweisen, daß der unerwartete Ministerwechsel nicht- ? mit der auswärtigen Politik zu thun habe; daß einfach nur die Noth- j wkndigkeit, Frank!eich vor dem immer weiter um sich greifenden Radt- i kalismuS zu retten, den Marschall dazu gestimmt habe, das Uebel jetzt, ; wo es noch Zeit dazu sei, mit energische Hand und aus gesetzlichem 5 Weoe auszurotten; die politischen Einrichtungen wolle Niemand vor ’ 1880 in Frage stellen und am wenigsten der ehrenhafte und aufrichtige Präsident der Rkpablik selbst. Der streitbare Theil der tfatüonären Presse geht wohl so weit, zuzuaeben, daß es sich bei dirs m Miniatur- staatsstreich darum geqandelt habe, den Boden für die eventuelle Revision der Verfassung einstweilen zu ebnen, indem der Marschall wünsche, daß zu jener Revisionsperiode alle Parteien frei und unbeeinflußt ihre Stimme abgebm könnten, was nicht möglich wäre, wenn die Ungläubigen und die Radikalen freie Hand bedieltes, die Gläubigen ob Ordnungsliebenden systematisch in Fesseln zu schlagen. Auf der entschiede« republikanischen Seite hingegen will man in htm Ministerwtchfel fast ebenso einstimmig ein schlechtes Zeichen für bis Aufrechterhaltung der FriedenS mit d:m Auslande srhtn, ob schon für eine nahe liegende Zukunft spricht man von „Kanonengebrüll und wiehernder Rosse Ge- trabe." Das klerikale Frankreich, behauptet man, wolle die junge Republik in den Krieg mit Italien und in Folge desfm auch mit Deutschland stürzen: Frankreich, England und Oestreich mit vielkicht noch einigen Trabanten, die die er Großmächten eventuell folgen wollten, i würden auf der einen Seite, Deutschland, Rußland und Italien auf der ! anderen Seite stehen, um sich gegenseitig zu bekriegen, und der Köder i für die Katholik n werde die Wiedereinsetzung des Papstes in seine Welt« ! lieben Rechte sein. Siegreich oder befugt, sehen die Republikaner in - diesem riesigen Drama, das sie vor ihren Augen aufgerollt glauben, den sichern Untergang der Republik. Wie richtig diese letztere Folgerung an und für sich auch sein mag, so darf man sich dennoch nicht zum blinden Glauben an die Unfehlbarkeit des Urtheils der Republikaner im Ganzen hir-reißen lassen. Ihre Besorgniß vor einem so nahe bevorstehenden Kriege ist vielleicht etwas erkünstelt, obgleich eS unmöglich zu berechnen ist, wohin die triumphirenden Klerikalen mit der Zukunft das Land führen können. Vorderhand ist es nicht wührscheinlich, daß ein ohnmächtiges Ministerium, wie das neu ernannte ist, irgend einen Einfluß auf die Geschicke Europas ausznüben vermag. Ob sich dasselbe in seiner liltrcmm tonen Beschränktheit wirklich mit derartigen Illusionen trägt, wollen wir dahin gestellt lassen; jedenfalls müssen bie Minister der Minderheit bereits aus den von den Departements eingelaufenen Berichtes deutlich ersetzen haben, daß daS Land nicht hinter ihnen fleht und daß sie somit, insofern sie sich nicht ausschließlich auf das Reagire« im Innern beschränken, keine aktive Rolle spielen können. Die Republikaner t.eiben indeß keine schlechte Politik, wenn sie dem klerikalen Ministerium kriegerische Tendenzen Miterfttllen und bosselt e somit nicht nur vor dem friedliebenden Fraukeeich, sondern auch vor garz Europa kompromittiren; sein Rücktritt muß dadurch beschleunigt werden, ob eS in dieser Hinsicht nun schuldig oder unschuldig ist, denn weder der Industrielle noch der Bauer findet seine Rechnung dobn, daß das Land beständig im Bangen ist, und die Nachbarstaaten würden schließlich ebenfalls protestiren müssen und dem MärschaH sagen, daß ter beste Beweis für seine friedlichen Gesinnungen dadurch geführt würde, daß er sein