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M 119. Donnerstag den 24. Mai. 1877.
Amtliches.
Gesunde«: Ein defekter sSwarzer Regenschirm. Ein Portemonnaie. Ein Messerchen nebst Zirkel. Ein Cigarren-Etui. Ein altes Sonnenschiimchen. Ein Gebetbuch mit Namensaufschrift „Lina Becker". Zwei Hundemaulkörbe.
Verloren: Eine goldene Kette. Ein grünes Portemonnaie mit Geld.
Hanau am 24. Mai 1877.
_______________________Königs. Landratbsamt._______________________
Bekanntmachung.
Bei den Postämtern in Oberkaufungen, Lichtenau, Reg.-Bez. Cassel, Waldkappel und Reichensachsen sind am 22. d. Mts. Telegraphenanstalten in Wirksamkeit getreten.
Cassel den 22. Mai 1877.
__________________Der Kaiserliche Ober-Postdirektor.__________________
Proclam.
O rsck ler gegen Spang.
Freitag den 25. d. M., Morgens 11 Uhr,
soll beim Bierbrauereibesitzer Orschler dahier ein Pferd meistbietend gegen gleich baare Zahlung verkauft werden.
Hanau am 23. Mai 1877.
(3589)__________________Temme. Exekutor.________________________
Jagd-Verpachtung. ~
Mittwoch den 6. Juni er., Nachmittags 2 Uhr, soll in dem Gasthaus „zum Braunen Hirsch" dahier das der Gemeinde Ravolzhau« sen zustehende Jasdrecht auf einem Flächengehalt von 2 0 65 Acker in Wald und Feld bestehend, unter den im Termin bekannt gemacht werdenden Bedingungen, vom 1. August cr. ab auf 6 weitere Jahre öffentlich meistbietend verpachtet werden.
Ravolzhausen, den 18. Mai 1877.
Der Bürgermeister _____________________Klein._________________(3480)
Tagesschau.
— Berlin, 21. Mai. Ueber die englisch-russische» Verhandlungen ist man im Klaren bis auf einen unwesentlichen Punkt. Während seststeht, daß die an LoftuS in Petersburg ergangen? Kundgebung über die englischen Interessen im Orient und die darüber Schuwalow vor dessen Abreise von London zugegangene Mittheilung übereinstimmen, gehen die Angaben über die Priorität auseinander. Die Einen glauben, Schuwalow habe eine Abschrift der Lostus übermittelten Weisung über jene Punkte erhalten, während Andere annehmen, ein gleichzeitiger Bericht über Derby's Mittheilung an Schuwalow sei an Loftus ergangen. Dies hat fast nur ein Kanzleiinteresse. Die in Frage kommenden englischen Interessen sind bekanntlich Konstantinopel mit Bosporus und Dardanellen, Suez und Glypten, der Weg nach Indien, den persischen Golf einbegriffen. Bon einem durch LostuS übergebenen Protest ist um so weniger die Rede, als dazu keine Veranlassung war. Rußland hatte bisher stets erklärt, daß eS jene englischen Interessen respektiren werde. Andererseits hat England natürlich Rußland nicht freie Hand für Eroberungen nördlich vom Balkan oder östlich von Trepezunt durch ein förmliches Arrangement oder eine sogenannte Demarkationslinie ange- boten, wie dies ebenfalls in Wien zur Ausschmückung Hinzugefügt wurde.
drefe Konjrkturen haben viel unnütze Verwirrung gestiftet. — Jn-
^be”r bie Nachrichten vom Kriegsschauplatze Aufsehen gemacht. Russische Kreise legender Einnahme von Ardahan wegen der Operationen gegen Kars und Erzerum große Bedeutung bei, während man anderweitig behauptet, daß der Erfolg von Suchumkale, wenn die Tür-
anmuten, wichtiger wäre. Darüber muß der weitere Verlauf entscheiden. belgische Damen, darunter die Enkelin deS klerikalen StaatSmlnrsterS Dumortier, wollten in Marpingen ein Gehege betreten, dessen Eingang in Folge bekannter Vorgänge polizeilich unter»
sagt ist. Die Damen wurden^ verhaftet, und eS heißt, eS solle ihnen der Prozeß gemacht werden. Doch liegt darüber nur ein Privat t^le- gramm vor. Die Sache hat ihre drastische Seite. — DaS klerikale Journal de Bruxelles meldet aus PariS, Gontaut Biron, durch Berliner Hofkreise veranlaßt, habe zum Sturz des Ministeriums JuleS Simon beigetragen. Darauf habe Fürst Bismark in einer diplomatischen Note erklärt, daS frühere Ministerium wäre ihm willkommener gewesen. An der Sache ist natürlich kein wahres Wort. Im Uebrigen sieht man die Lage in PariS noch immer ernst an und die Franzosen sind derselb n Meinung. Girardin vermuthet sogar in seinem Blatt, daß in Fol^e der Krisis die Ausstellung scheitern könnte, doch mag das übertrieben sein. — Meine Meldung vom 9. Mai bezüglich der Reiseplane des Reichskanzlers hat sich bestätigt. Fürst Bismarck ist zwar nickt am Tage vor Pfingsten, aber doch am ersten Feiertage, gestern früh 5 Uhr mit seiner Familie in Berlin eingetroffen, ndchdem er die Rückreise aus Friedrichsruhe um Mitternacht angetreten, llebrigens ist die Anweseu- Heit BismarckS noch wenig bekannt, zumalsdie gestern erschienenen Abendblätter, Nordd. A. Z. und Post, dieselbe nicht meldeten. Wer die Physiognomie des Auswärtigen Amts genau kennt, konnte freilich heute schon im Vorbeigehen leicht erkennen, daß der leitende Staatsmann anwesend ist und die Staatsmaschine ein wenig in Bwegung fetzt. Die im Parterre gelegenen Mureamäume zeigten eben keine feiertägliche Verödung. Wie lange Fürst Bismarck hier bleiben wird, scheint noch nicht festzustehen; daß er aber zunächst nach Kissingen und nicht nach Varzin geht, gilt als zuverlässig. So wünschenswerth es für die Gesundheit des Reichskanzlers ist, daß er Berlin bald wieder virlaffen könnte, so beruhigend wirkt im gegenwärtigen Augenblick seine Anwesenheit, welche sowohl zur Rücksprache mit dem Kaiser wie andererseits zur Information der auSzuführendm Organe Gelegenheit bieten wich. — Die überschnelle Entwicklung der Dinge in Frankreich begegnet hier ; nur Einem Urtheile; der große Präfektenschub spricht deutlich genug. Heute erinnert man sich lebhaft daran, daß Bismarck seit langem die Gefahres erkannt hat, welche für Deutschland aus Zuständen erwachsen, wie sie gegenwärtig in Frankreich hervortreten. Sehr treffend heißt es in einer Pariser Korrespondenz der Post: „Im Grunde soll es unS ja ganz gleich fein, welche Regierung Frankreich sich gibt und erträgt; aber unsere Pflicht und unsere eigene Sicherheit nöthigen uns, jetzt mit erhöhter Wachsamkeit unsere Augen auf ein Land zu richten, in dem eine Partei am Ruder ist, welche Deutschland als seinen g-jährlichsten Feind betrachtet. Unser neu gewecktes Mißtrauen entspringt nicht sowohl aus einer Feindschaft gegen Frankreich selbst, als vielmehr auS der berechtigten Erwägung, daß ein Kabinet Broglie und die Ungewißheit, wohin eS daS Land führt, uns eine geminderte Garantie für den Frieden erscheinen. Deutschland ist nicht der Feind Frankreichs, doch noch weniger dupe der Ultramontanen!" Ebensowenig wird sich die preußische Regierung von den Ultramontanen bethören lassen, und Cre- mer (gewesener Redakteur der Germania), der, wie erinnerlich in der letzten Session deS preuß. Abgeordnetenhauses bei der dritten Lesung deS Etats zur Versöhnung mahnte, hat seither offenbar sowohl die Ant- Wort vergessen, welche der Kultusminister Falk alsbald ertheilte, als er auch deS UmstandeS sich nicht mehr zu erinnern scheint, daß seine eigenen Parteigenossen vom Z ntrum ihn desavouirten. Andernfalls würde er doch der begründeten Behauptung der Nordd. A.Z. gegenüber, daß, wenn das Verfahren der Bischöfe keine Aenderung erleiden sollte, selbstverständlich auch daS der Regierung unverändert bleibe, nicht neuerdings in der Bavaia (in Würzburg unter CremerS Leitung erscheinend) mit der Behauptung hervortreten, die preuß. Regierung würde froh fein, eine Form des Ausgleichs zu finden, wenn diese dem Staate nur das Geständniß der Niederlage ersparte! e®«». M--«
— Berlin, 23. Mai. Unterrichtete Nachrichten aus Athen wissen nichts von einer bevorstehenden Kriegserklärung Griechenlands an die Türkei und wollen dieselbe stark bezweifeln. DaS Gerücht scheint durch eine mißverstandene Ansprache eines MinisteeS entstanden zu sein, der die erregten Studenten beschwichtigen wollte. isar«.-^.]
— Im Reichskanzleramt ist vor wenigen Tagen nach dem