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tat Nachrichten haben angesichts der diesseits vorliegenden Meldungen den Beweis gegeben, bis zu welchem Grade der^Erfindung die türkischen KriegSbulletinS gehen. «■ «.ist..«.)
— Konstantinopel, 14. Mai. DaS vorgestrige Gefecht bei Batum fand unter dem Commando Ali Paschas Statt. TürkischerseitS sollen nur Freiwillige betheiligt gewesen sein. Die Russen mußten nach beinahe neunstündigem Kampfe von dem Angriff auf die wohlbefestigte türkische Stellung abstehen und das Stadtgebiet unter bedeutenden Verlusten räumen. Der türkische Aufmarsch in die Dobrudscha wird gegen Mitte dieser Woche vollendet sein und Abdul Kerim mit einem Theile seines Stabes nach Silistria übersiedeln.
— Egypten. Kairo, 13 Mai. Das britische Geschwader, bestehend aus 5 Panzer-Fregatten, wird am 16. d. M. in Port Said erwartet.
— N ew - I o r k, 14. Mai. Die russische Flotte hat Befehl erhalten, sich zur Abreise bereit zu halten.
Ue — Baltimore, S Mai. DaS Wostdampfschiff „Nürnberg", vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welches am 25. April vor Bremen abgegangen war, ist gestern hier angekommen.
— New - Nork, 11. Mai. DaS Postdampfschiff „Rhein" vom Norddeutschen Lloyo in Bremen, welche- am 28. April von Bremen und am 1. Mai von Southampton abgegangen war, ist heute wohlbehalten hier angikommen. — 12. Mai. Der Dampfer „Canada" von der „National-DampfschiffS-Compagnie (C. Messingsche Linie) ist heute hier eingetroffen.
Lokaler.
Hanau, 15. Mai 1877.
— Gestern Abend legte Herr Ingenieur Gordon von Frankfurt a. M. unseren städt. Behörden die Pläne zur Entwässerung der Stadt Hanau vor und entwickelte in einem längeren interessanten Bortrag seine Ansichten darüber.
So viel wir erfahren konnten, verlangt Herr Gordon zunächst, daß die Stadt Hanau sich zu einem einheitlichen Entwäss-rungS System entschließe und hält derselbe für das zweckmäßigste, den Ausfluß unterhalb der Stadt in den Main (an der Hellerbrücke, vor dem Ausfluß der Kinzig) zu legen. Die Bespülung der Röhren und Kanäle wird aus dem sog. Rohr und aus den Stadtgräben am Mühlthor re. gedacht. An das Kanalthor wird ein Sturmauslaß zum Ablauf deS Wassers von starken Regen in den Mainkanal projektirt.
Die Kosten für die Gesammt-Anlage würden sich auf ea. 360,000 Mk. belaufen.
Da es aber als daS zunächst Wichtigste erscheint, die Kanalisirnug der neuen StadttheileS: Auheimer Weg, neue Anlage rc. vorzuehmen; damit die dort zu Tage getretenen Uebelstände rasch beseitigt werden, so hat Herr Gordon, auch den Ideen der städt. Kanalisirung? Commission entsprechend, ein anderer Projekt, welcher diesen Stadttheil allein entwässern soll und in kurzer Zeit ausführbar wäre, s^auSgearbeitet und vorgelegt.
Nach demselben würde der Ausfluß des TagwafferS des neuen Stadt- theiler, von dem Rohr her, über den Auheimer Weg, die neue Anlage bis zum Steinheimerthor und von da über den Badeweg in den Main ^am Damm) gedacht.
Dieses Projekt soll ca. 192,000 Mk. kosten. Wenn wir recht verstanden haben, so werden in Frankfurt die Kosten für die Kanalisation so vertheilt, daß die Stadt die Haupt-Kanäle bezahlt und die übrigen Kosten zusammen gerechnet und auf alle Interessenten vertheilt. Gewerbliche Etablissements (Bierbrauereien rc) bezahlen einen Extrabeitrag.
Da vorstehendes Referat weit entfernt ist, ein nur einigermaßen deutliches Bild zn geben, so richten wir hiermit bei der Wichtigkeit der Sache an verehrlichen Stadt die Bitte, die Pläne und den Bericht der Herrn Ingenieurs Gordon öffentlich der Bürgerschaft vorzulegen, sobald die städtischen Corporationen darüber conferirt haben werden.
— In einem groß-n Theil der Auflage unseres gestrigen Blattes geschah des auSgebrochenen Brande- im kaiserl. Postgebäude kurz Erwähnung. Für heute ist noch nachzutragen, daß daS Feuer in einer Bodenräumlichkeit des Packhau es ausgebrochen und daß durch da» schnelle und energische Einschreiten unserer freiwilligen Feuerwehr ein größere- Unglück abgewendet wurde; nur der Dachstuhl brannte ab. Der Postdienst erfuhr eine ganz kurze Unterbrechung und der Telegraphendienst wurde gar nicht gestört. Leider fiel beim Ansahren ein Feuerwehrmann der 4. Compagnie und ging ihm die Spritze über die Beine, wodurch seine Beibringung in- LandkrankenhauS nöthig wurde. Nach heute eingezogenen Erkundigungen sollen die Verletzungen nicht von großer Bedeutung sein.
VersteigerungS- und Verpachtung--Kalender. für Mittwoch den 16. Mai 1877.
Angebote zur Uebernahme von Lieferungen und Bauherstellunge» m KrnSgerichtSgebäude dahin sind bis spätestens Vormittags 11 Uhr im AmtSlokale des Herrn Bauinspector Grau, Neue Anlage 5d, einzu- reichen (s. Nr. 106 „Han. Anz."). — Nach«. 2 Uhr findet im Gast-
hauS „zum Adler" zu Langenselbold die Verpachtung der Gemeindejagd, bestehend aus einem Flächengehalt von 10,252'/» Acker Wald und Feld, auf 6 Jahre statt (f. Nr. 104 „Han. Anz.").
— Fulda, 11. Mai. Seit vorgestern prangen am schwarzen Brette hiesigen Standesamtes unter der Rubrik: „Aufgebote" die Namen Seminar-Direktor Otto Schröter zu Fulda und Clara Franke, katholisch, von BreSlau. Der Bräutigam ist katholischer Priester und gehört zu den sogenannten Staat-katholiken. Man kann sich leicht denken, welche Sensation dieses, für viele freilich nicht unerwartete Ereigniß, namentlich in den ultramontanen Kreisen hiesiger Stadt erregt hat. Er wird sich übrigens fragen, ob Herr Schröter, der durch den Bruch deS CölibatS aus der katholischen Kirche ausscheidet — er verfällt dem großen Kirchenbann — ferner in seiner Stellung als Direktor des katholischen Schullehrer-SeminariumS verbleiben kann.
- Fulda, 14. Mai. Der „Hess. Beob." schreibt: Wie ich Ihnen aus guter Quelle mittheilen kann, werden am 4. Juni b. I. bi’ Bahnärzte der Frankfurt-Bebraer Bahn eine Versammlung hier abhalten, um eine fachmäßige Besprechung dieses Instituts vorzunehmen. Ob diese Versammlung im Ballhause oder im Hotel zum Kurfürsten abze- halten wird, ist noch nicht bestimmt.
— In Lübeck verschied am 7. d. M. nach langjährigem Leiden der OberappellationSgerichtSrath Dr. jur. Ernst Zimmermann. Geboren 1812, gehörte er lange Jahre dem kurhessischen Richterstaude an, nahm als OberzerichtSrath seinen Abschied unter Hassenpflug, ward Professor der Rechte in Basel, 1853 von Bremen in das OberappellationSgericht der vier freien Städte Deutschlands als Rath gewählt, welchem seine Thätigkeit bis 1871 gewidmet war.
— Der „Frankfurter Anzeiger" schreibt unterm 14. Mai au» Frankfurt am Main: Zwei junge Leute von 17 und 18 Jahren, welche sich gestern gegen Abend nachdem Vergnügen einer Booifihct auf dem Maine Hingaben, und das Fahrzeug dabei in gefahrvoller Weise Hin- und herschaukelten, hatten daS Malheur ein kalte- Bad zu nehmen. DaS Boot stürzte nämlich bei ihren Experimenten um. Beide konnten aber schwimmen und kamen schnell a«S Land. Nach Verlauf einer Stunde erschienen sie frisch angekleidet wieder auf dem Schauplatz ihre- Mißgeschicks, um den Bootverleiher zu bezahlen. — Gestern wurde aus dem Main eine männliche Leiche geläudet. — Er sind weitere 5 Kehr« Maschinen von Berlin eingetroffen und mit dem 15. Mai beginnt die geregelte Straßenreinigung.
DaS Badhaus betreffend.
Die städtische Garsabc»! befigt eine Dampfmaschine, welche für deren Zweck im Winter zwei, im Sommer einmal zum Pampen benutzt wird. Der dafür erforderliche Dampf wird theils durch abgehrnde Hitze aus dem Retortenhause, th-ilS mit Coaks-Absällm, die sonst unbenutzt bleiben, erzeugt.
Der Gedanke, die Maschine sowohl, als den Dampf im allgemeinen Interesse nutzbar zu verwenden, gab vor ungefähr zwei Jahren die erste Anregung zur Errichtung einer öffentlichen Bade-Anstalt auf dem Grund der GaSfabrik. Nachdem sich Herr Director Eberdt für die Möglichkeit sowohl dieser Benutzung, als der Errichtung der Badeanstalt ohse Beeinträchtigung der GaSfabrik ausgesprochen hatte, erklärte sich derselbe auch gerne bereit, die erforderlichen Pläne, Kostenvoranschläze (die zunächst nur als Anhaltepunkte dienen sollen) herzustellen. Dir nothwendigen Erkundigungen über Einrichtungen von Badeanstalten, sowie mannigfache Aenderungen auf der GaSfabrik in den letzten beiden Jahren sind die Ursachen gewesen, daß die Pläne und Kostenvoranschläge erst Lade vorigen JahreS fertig wurden.
Als den hiesigen Bedürfnissen entsprechend, sind in dem Plane vor der Hand sechs Bäder erster und sech» Bäder zweiter Classe vorgesehen. Letztere sollen, um dre Anstalt auch den Unbemittelten zugänglich zu machen, je nach Bedürfniß an ein oorr mehrere» Tagen der Woche zu gänz billigen Preisen, bezw als Freibäder abgegeben werden, außerdem die nöthigen Räumen und Vorrichtungen für ein Dampf-, bezw. Schwitzbad römisch irischer oder russischer Art enthalten.
Nach den vorliegenden Kostenanschlägen würden sich die Erbauung deS Hauses auf Mk. 30,000, die Einrichtung der Bäder u. s. w. auf Mk. 12,000 stellen.
Die gegebenen Verhältnisse lassen selbstverständlich die Stadt als am Geeignetesten erscheinen, den vorliegenden Plan auszuführen. Weiter aber wird die Lage der städtischen Finanzen die Frage nahe legen, wie dir Ausführung der Stadt möglichst leicht zu machen sei. Sodann empfahl er sich, die Kosten der Einrichtung von denen der Erbauung zu trennen. Die ersteren sind nun, wie bekannt, durch das bereitwilligste Entgegenkommen hiesiger Einwohner in einer die Stadt nicht belastenden Weise gedeckt. Es bleiben somit nur die Kosten der Erbauung deS Hauses zu decken, welches im schlimmsten Falle für die Stadt, resp. GaSfabrik, z. B. als Wohnung für die Arbeiter der Gabfabrik, oder zu sonstigem Zweck, stets seinen Werth behalten wird.